Gottes Liebe – Impulsgeber für unsere menschliche Liebe

Predigt Joh. 15, 9-12 (13-17) –  21.Stg.n. Trinitatis Reinsdorf 2013

ehemaliges Denkmal in Nobitz

ehemaliges Denkmal in Nobitz

Liebe Gemeinde,

L I E B E – fünf Buchstaben und man stellt sich unter diesen vieles vor. Es ist eines der meist gebrauchten und meist missbrauchten Worte, die wir in unserem Munde führen, und das täglich.
Ganze Wirtschaftszweige leben von diesen fünf Buchstaben. Da sei nur einmal als negatives Beispiel die Sexindustrie genannt. Doch auch in der Musikindustrie wird dieses Wort gebraucht und missbraucht. Vom Schlager bis zur Liebesballade, vom Hip-Hop bis zur Opernarie, überall wird dieses Wort besungen.
Es wird ganz schnell deutlich, dass Liebe etwas ist, was wir alle Menschen brauchen, wonach wir uns alle sehnen. Doch mit der Liebe wird auch viel Missbrauch getrieben.
Erfahren wir in unserem Leben keine Liebe, spüren wir nur recht schnell, dass wir ohne sie ein Defizit haben.
Das weiß auch Jesus, darum zeigt er uns, wo und wie wir dieses Defizit füllen können, wo wir Liebe in einer besonderen Weise erfahren. Soviel Liebe, dass wir sie im überreichen Maß haben und dann weitergeben können.
Wir hören die Worte Jesu dazu aus dem Johannesevangelium Kapitel 15:

9 »Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe
10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich immer die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11 Ich sage euch das, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude vollkommen ist.
12 Liebt einander, wie ich euch geliebt habe; das ist mein Gebot.
13 Niemand liebt seine Freunde mehr als der, der sein Leben für sie hergibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
15 Ich nenne euch Freunde und nicht mehr Diener. Denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut; ich aber habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt: Ich habe euch dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat. Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben, was immer es auch sei.
17 Einander zu lieben – das ist das Gebot, das ich euch gebe.«

Wenn ich diese Worte lese, dann werde ich immer an den Friedhof in meiner ersten Gemeinde in Nobitz erinnert. Dort stand ein Kreuz als Gedenkstein für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges. Leider hat man dieses im vorigen Jahr beseitigt, was mich sehr ärgert. Da man damit ein Stück seiner eigenen Ortskirchengeschichte mit Füßen getreten hat. Dieses Kreuz wurde 1953 aufgestellt, also zu einer Zeit, wo so etwas so gut wie unmöglich war, so etwas zu tun. Dennoch haben es der damalige Pfarrer und die Kirchengemeinden gegen allen Widerstand der damals Herrschenden durchgesetzt, dass das Kreuz errichtet wurde. Eines konnten sie nicht erreichen, dass auf dem Kreuz die Worte standen: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Wenigstens die Bibelstelle wurde aufgemeißelt: Joh.15,13.
Im 2. Weltkrieg haben viele Menschen ihr Leben lassen müssen. Aber nicht für die Freunde, sondern für einen totalitären und menschenentwürdigenden Staat. Und daher war ich sogar froh, dass nur die Bibelstelle stand, denn der Text war sonst etwas missverständlich.

Andererseits stand dieses gleiche Wort früher über Altar und Kanzel in der damaligen Pfarrkirche meiner Heimatgemeinde. Doch da wurde durch das Kreuz deutlich, wer der eine war, der sein Leben für seine Freunde gelassen hat – Jesus Christus.

Heute stellt der Predigttext an uns die Frage, was bedeutet dieses Wort Liebe für uns? Dabei geht es in ganz besonderer Weise um die göttliche Liebe – die Agape. Es ist die Liebe – mit der Gott seinen Sohn Jesus Christus für uns opferte.

  • Welchen Einfluss hat diese Liebe in unserem Leben?
  • Wie wird durch sie unserer Glauben bestimmt bzw. bestimmt sie unseren Glauben?
  • Welche Konsequenzen hat das für unser alltägliches Leben heute?

Das erste – es geht hier nicht um irgendwelche Ethik und Moral in unserem Leben. Es geht hier auch nicht um irgendwelche platonische Liebe. Es geht hier um ein Liebe, die aus Beziehungen heraus entsteht.

Zuerst aus der Beziehung zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus, so dass Jesus bereit war sein Leben zu opfern. Dass so die göttliche Liebe Mensch werden konnte. Dann eben aus der Beziehung zwischen uns und Gott, zwischen mir und Gott. Dass genau diese Liebe mir gilt, dass Ich diese göttliche Liebe erfahren kann: Göttliche Liebe, die mein Leben verändert. Wir brauchen es, das Gott mit seiner Gnade in uns wirkt.
Jesus sagt zu uns: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“
Jesus ruft uns in Nachfolge, sich mit ihm auf den Weg machen. Diese Liebe Gottes dürfen wir für uns ganz persönlich annehmen und sie im Alltag leben. Vielleicht sogar aus der göttlichen Liebe heraus dann auch den lieben, der uns nicht lieben kann und nicht lieben will.
Das ist nur möglich, wenn wir uns wirklich von Gott seine Liebe und Gnade schenken lasse und sie von ganzem Herzen annehmen.

Zwei Punkte werden deutlich: Jesus Christus ruft uns zur Liebe auf und Jesus Christus ist die Liebe hinein.
Daher sind wir persönlich gefragt. Unser Predigttext ist eine Beziehungsaufforderung von Jesus. Und wenn es um Beziehungen geht, dann wird es immer persönlich. Dann kann man nicht außen davor stehen. Deshalb noch einmal, wenn wir das Beziehungsangebot Jesu ganz persönlich für uns annehmen, hat das für uns und unser Leben Konsequenzen:

1. Jesus macht uns zu Freunden Gottes.
Wir wissen es, dass es für uns unmöglich ist, uns zuerst auf Gott hin zu bewegen.
Im Konfirmandenkurs machen wir immer wieder einmal eine kleine Übung und stellen dieses „Sich zu Gott bewegen wollen und nicht können“ bildlich dar.
Da werden zwei Tische in einem Abstand voneinander aufgestellt. Auf dem einen Tisch ist Gott und auf der anderen Seite sind wir und dazwischen ist ein Graben. Was wir auch versucht haben, wir kamen nicht hinüber. Der Graben war zu groß. Erst als von Gottes Seite ein Brett herüber geschoben wurde, war es möglich hinüber zu gelangen. Und das Brett ist das Kreuz Jesu Christi. Gott sandte seinen Sohn, damit wir mit ihm Gemeinschaft haben.
In Jesus kommt Gott auf uns zu und darin begründet sich seine Liebe und seine Freundschaft.
Das erste Wort, welches Jesus im Predigttext sagt, ist das Wort Vater. Er nennt Gott Vater. Sicher haben in unserer Zeit manche Menschen mit dem Wort „Vater“ große Probleme. Manche haben damit negative Erfahrungen und manche gar keine. Da ist uns Jesus als Freund und Bruder viel sympathischer.
Gottes Freundschaft hebt den Abstand zwischen ihm und uns nicht auf.
Ein väterlicher Freund oder eine mütterliche Freundin ist doch schon etwas anderes als der beste Kumpel am Stammtisch oder die Freundin, mit der man Shoppen geht.
Jesus begegnet uns als Freund und Bruder und doch ist er sogleich unser Herr, dessen Gebot und Auftrag uns gilt. Das Gebot der Liebe, die von Gott kommt und an die anderen Menschen weiter gegeben werden sollen.

2. Jesus bestimmt unser Leben durch seine Liebe
Jesus gibt uns den Auftrag, dass wir einander lieben sollen. Doch mal ehrlich, lässt sich solche Liebe einfach so anordnen?
Wird der Unsympathische auf einmal mir sympathisch, nur weil das Jesus auf einmal so will?
Das liegt vielleicht daran, dass wir eine falsche Vorstellung von der Liebe haben. Seit der Romantik verstehen wir in unserer Gesellschaft Liebe viel zu einseitig nur als Gefühl.

Und genau daran scheitern viele Ehen, dass Mann und Frau in der Illusion leben, ihre Beziehung müsste immer von gegenseitigen Sympathie- und Glücksgefühlen erfüllt sein.

  • Und welche Erwartungen haben wir in unserer Gemeinde von dem Anderen?
  • Erwarten wir nicht eine irrationale Harmonie unter uns?

Manchmal sage ich: „In der Kirche menschelt es!“
Genau darum brauchen wir die Liebe Jesu und müssen in ihr bleiben.
Das bedeutet, dass der Geist Jesu uns immer wieder hilft, Spannungen auszuhalten, gegenseitig zu verstehen und aufeinander zuzugehen. Auf Grund dieser Gemeinsamkeit in Jesus Christus Unterschiede zu ertragen und aufeinander zu zugehen.
Wahre Liebe ist zum Leiden bereit, aber sie nutzt diese Bereitschaft nicht aus.

3. Jesus lässt uns an der Mission seiner Liebe teilnehmen.
Jesus hat uns einen Auftrag gegeben. Wir sollen Frucht bringen. Das bedeutet, dass wir, die wir jetzt hier als Gemeinde Gottesdienst feiern, nicht weiter zusammen hocken sollen, sondern gehen müssen. Wir müssen gehen in den Montag hinein, hinein in unseren Alltag! Wir gehen wieder in unser Privatleben. Wir gehen morgen wieder zur Arbeit, zur Schule, in unser gesellschaftliches Leben. Wir gehen zu unseren Mitmenschen. Dabei nehmen wir heute eine Mission, einen Auftrag von Jesus mit. Wir werden von Jesus gesandt. Im Alltag soll durch uns die Liebe Jesu für unsere Mitmenschen spürbar und erfahrbar werden. Die Liebe Jesu muss sich im Leben der Gläubigen, das heißt also in unserem Leben widerspiegeln.

Es ist heute schwer mit der Sprache der Lehre die Frohe Botschaft von Jesus Christus unseren Mitmenschen nahe zu bringen. Sie ist abgenutzt und für viele unserer Mitmenschen nicht mehr zugänglich. Darum braucht es heute besonders die Sprache der aktiven und tätigen Liebe. Viele können diese Botschaft nur hören, wenn sie sich durch positive Erfahrung mit Christen dafür öffnen.

Unsere Bitte soll es darum sein, dass die Liebe Jesu von uns und durch uns ausstrahlt auf die Menschen um uns herum. Amen.

 

„Was würde Jesus dazu sagen?“ und „Was würde Jesus tun?“

Kirchenbänke
Kirchenbänke

Kirchenbänke

Predigt zum 20. Stg. n. Trinitatis 13. Oktober 2013 – Fraureuth und Reinsdorf – Markus 2,23-28

Liebe Gemeinde,

es lässt sich gar nicht so einfach immer als Christ leben. Manchmal weiß man gar nicht, wie man richtig leben soll. Uns stellt sich sogar die Frage sollen wir diesen Weg in unserem Leben gehen oder sollen wir jeden Weg gehen? Oder wir fragen uns, ist es richtig jenem Rat zu vertrauen oder dem Rat des anderen.
Was sollen wir tun?
Nur zu schnell merken wir immer wieder, dass unser Leben nicht in Schwarz und Weiß verläuft, sonder, dass es da viele Graustufen gibt.
Und manchmal kann es sogar passieren, dass jede Entscheidung, die wir treffen am Ende auch negative Folgen hat. Auch das gibt es.
Aber dann stellt sich die Frage, was sollen wir tun?
(Fraureuth: Ich werde heute noch einmal die Gedanken aus meiner Andacht aus der Freien Presse aufnehmen.)

Vielleicht haben Sie schon einmal von dem streitbaren hessischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller gehört. Er gehörte zu den persönlichen KZ-Häftlingen Hitlers während des zweiten Weltkrieges, erst in Sachsenhausen und dann in Dachau.
Nach dem Krieg kämpft er als Kirchenpräsidenten gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und war in der Friedensbewegung engagiert. Dadurch war er im Westen damals teilweise umstritten und in der DDR anerkannt, Das hatte zu Folge, das selbst in der DDR in den siebziger Jahren eine Biografie über ihn erschien. Und dieser Biografie hatte den Titel „Was würde Jesus dazu sagen?“

Die Frage „Was würde Jesus dazu sagen?“ wurde zu einem Markenzeichen von Niemöllers Denken. So erkannte er in engem Rahmen eine relative Autonomie des Politischen an, zunehmend aber betrachtete er politische Entscheidungen als Glaubensentscheidungen.
Seit dem ich diese Biografie gelesen habe, hat mich diese Frage nicht mehr losgelassen.

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand über der Frage „Was würde Jesus tun? eine Jugendbewegung. Junge Menschen haben auf Basis dieser Frage begonnen ihren Glauben zu leben. Diese Fragestellung ist ja so ähnlich. Die Jugendlichen fragten genau danach, wie Jesus handeln würde, was Jesus zu ihrem Leben sagen würde, wie es verändert werden könnte.

Und heute in unserem Predigttext kommen ein paar Typen zu Jesus, die ihn provozieren, weil das Handeln der Leute Jesu nicht der Norm entspricht. Es waren die Pharisäer. Sie waren nicht da, um von Jesus zu lernen, sondern um ihn auszuspionieren. Sie sagen zu ihm: Jesus sage doch deinen Leuten. Sage deinen Leuten, dass sie das tun, was man tut, das sie das tun, was wir wollen. Das sollen sie tun.

Wir lesen einmal aus Markus 2, 23-28:
Jesus ist Herr über den Sabbat
23 An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger fingen an, am Weg entlang Ähren abzureißen ´und die Körner zu essen`.
24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: »Hast du gesehen, was sie da tun? Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt!«
25 Jesus entgegnete: »Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter nichts zu essen hatten und Hunger litten?
26 Wie er damals – zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar – ins Haus Gottes ging und von den geweihten Broten aß, von denen doch nur die Priester essen dürfen, und wie er auch seinen Begleitern davon gab?«
27 Und Jesus fügte hinzu: »Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.
28 Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.«

Also es geht eigentlich genau umgekehrt, die Pharisäer kommen erst einmal zu Jesus und sagen: Jesus, sage mal deinen Leuten, dass sie nicht tun.
Ehrlich so etwas hasse ich, wenn Leute über dritte, etwas ausrichten lassen. Die Pharisäer sind richtig feige. Können die das den Jüngern nicht selber sagen. Nein Jesus soll es sagen. Sie wollen seine Autorität aus nutzen, als wenn sie keine haben. Dabei müssten sie doch welche haben, schließlich sind sie doch die Führungskräfte des Volkes.
Es wäre so, als wenn Frau Merkel zu mir käme und zu mir sagte: Sagen sie mal bitte Ihren Gemeindegliedern, dass sie noch ihre Steuern bezahlen müssten. Also das ist nicht meine Aufgabe, sondern der Finanzämter. Sicher hat Jesus gesagt: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser ist und was Gott ist.“ Aber darum geht es nicht.

Für Jesus geht es um das rechte Leben mit Gott oder wir würden es mit den frommen Begriff der Heiligung umschreiben. Die Pharisäer verstehen darin, dass ein Mensch die Gebote Gottes halten muss und jeden Sabbat in die Synagoge geht und am Sabbat nicht arbeitet. Das Ährenausraufen der Jünger sahen die Pharisäer schon als Arbeit an. Das können sie von Sonntag bis Freitag tun, aber nicht am Sabbat. Damit hatten sie etwas, wo mit sie Jesus endlich mal anschwärzen konnten und ihm zeigen konnten, dass er und seine Leute nicht so fromm sind, wie sie tun. Es stimmt, dass der Sabbat geheiligt werden soll, nach den 10 Geboten, aber die Form und die strenge haben die Pharisäer aufgestellt. Es waren daher streng genommen pharisäische Regeln, die da von den Jüngern befolgt werden sollten.

Auch für uns stellt sich heute die Frage: Wie sieht denn aus unserer Sicht das rechte Leben mit Gott aus? Wie würde denn unserer Meinung nach Heiligung aussehen?  Haben wir dazu auch unsere Regeln auf gestellt, die wir befolgen – und vielleicht erwarten, dass andere sie auch befolgen? Jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen? Montags in die Gemeinschaftsstunde (Kirchenchor) (Dienstags Posaunenchor + Kirchenchor Donnerstags Gebetsstunde oder Frauenstunde) Also das komplette Gemeindeprogramm und immer aktiv mitarbeiten? Vielleicht ist man dann sogar der Meinung man würde Gott richtig gut gefallen. Man bekommt dann einen prima Platz im Himmel!

Was meinen Sie „Würde Jesus in den Gottesdienst gehen? Also, was würde Jesus tun?“ Meine ganz persönliche Antwort wäre: „Ja und Nein!“ Weil um eine richtige Antwort zu finden, müssten wir erst einmal fragen, in welchen Gottesdienst? Dabei spielt die Form des Gottesdienste die geringste Rolle, ob er liturgisch einwandfrei ist oder ob er ein offener Lobpreisgottesdienst oder ein Familiengottesdienst oder ein Sonst-wer-weiß-was-Gottesdienst ist. Es stellt sich eine ganz andere Frage: Was ist der Gottesdienst für Sie? Welche Bedeutung hat er für ihr religiöses Leben, für ihren Glauben an Gott? Ist er eine Lebenshilfe und der Ort der Begegnung mit Gott oder ist es nur eine religiöse Pflichterfüllung um sich bei Gott Liebkind zu machen?

Wenn es das Letzte ist, dass sie nur Gottesdienst feiern, um sich bei Gott Liebkind zu machen, dann werden sie Jesus nicht in dem Gottesdienst treffen. Dann ist er nicht da. In so einen Gottesdienst geht Jesus nicht. Denn da ist es, wie bei dem Sabbat – da sind wir Menschen nur für den Gottesdienst da. Aber da, wo Jesus genau das über den Gottesdienst sagen kann, was er über den Sabbat sagt – dass der Sabbat für den Menschen da ist, da wird der Gottesdienst als Lebenshilfe und als Ort der Begegnung mit Gott erfahren, da wird auch Jesus mit dabei sein. Diesen Gottesdienst will er gern feiern, den will Jesus gern mit uns feiern.

Wer von uns solche Gottesdienste feiert, der erfährt dann auch für den Alltag den Beistand und die Hilfe Gottes. Der kann dann sein Leben mit den Fragen: „Was würde Jesus dazu sagen?“ und „Was würde Jesus tun?“ nach Gottes Willen in ganz positiver Weise gestalten.

Natürlich bekommen wir nicht immer sofort und jetzt eine Antwort auf diese Fragen. Manchmal bedarf es ein gewisses Ringen um die Antwort. Manchmal dauert das sogar etwas. Vielleicht ist dann ein Ringen im Gebet an einem stillen Ort nötig. Manchmal muss man sich sogar in ein Kloster zurückziehen. Oder die tägliche Bibellese mit eine stillen Zeit kann Antworten auf die Fragen und damit Lebenshilfe geben oder das Gespräch mit einem Mitchristen oder einem Seelsorger und dem gemeinsamen Gebet. Manchmal können es auch Lebensumstände sein, die Wegweisung geben. Auch das ist möglich.

Aber wenn wir uns diese Fragen stellen und das Leben Jesu und sein Handeln und Wirken uns vor Augen halten, wird er uns dann Antwort und Wegweisung geben. „Was würde Jesus sagen?“ und „Was würde Jesus tun?“

Und zum Schluss noch das Wort, das uns ermutigt die Botschaft dieses Sonntags in unseren Alltag in unserem Morgen umzusetzen:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6, 8)

 Bei Gott geht es immer zuerst um seine Liebe zu uns, dafür musst Jesus am Kreuz mit seinem Leben bezahlen, so dass wir bei Gott eine Zukunft und das ewige Leben haben. Mit seinen Geboten und Gesetzen gibt er uns eine Richtschnur und Wegweisung diesen Weg der Liebe Gottes zu gehen und in unserem Leben Gestalt werden zu lassen. Mit diesem Gottvertrauen dürfen wir in das Morgen und in die neue Woche gehen und unseren Alltag mit Gott gestalten.  Amen.

Erntedankfest – eines der schönsten Feste im Herbst

 

Erntedank Fraureuth 2012

Erntedank Fraureuth 2012

Sie kommen in die Kirche und ihnen kommt ein angenehmer Geruch entgegen. Es ist kein kirchenüblicher Geruch. Es ist der Geruch des Gartens und des Feldes, der Geruch von Früchten, von Gemüse, von Stroh und Heu, von Herbstblumen und von Laub. Es ist der Geruch des Herbstes und der Ernte. Und ihre Kirche sieht ganz anders aus. Selbst dir tristeste Kirche ist jetzt gefüllt mit bunten Farbtupfern. In manchen Kirchen hängt sogar eine liebevoll gebundene Erntekrone oder ein Erntekranz. Darum gehört das Erntedankfest für mich zu den schönsten Festen im Kirchenjahr.

In meinen beiden Gemeinden habe ich sogar Zeit dieses Fest richtig zu genießen, weil die Gottesdienste gut voneinander entfernt sind In Fraureuth wird er am Vormittag gefeiert und in Reinsdorf am Nachmittag. Und jede Gemeinde gestaltet ihn auf ihre Weise. In Fraureuth spielt der Posaunenchor und in Reinsdorf singt der Kirchenchor.

Auch im Vorfeld gab es schon viel Engagement der Gemeindeglieder. Durch das Bringen der Erntegaben werden diakonische Einrichtungen des Kirchenkreises Greiz unterstützt. In Reinsdorf finden sich immer Gemeindeglieder, Konfirmanden und Christenlehrekinder, die in die Häuser gehen und Gaben sammeln. Auch das ist ein wichtiger Dienst. Es erinnert auch die, die nichts geben, daran, dass man eigentlich viel Grund hat zu danken.

Das haben wir doch oder nicht?

Das Kloster – der Messias ist einer von uns

Klosterruine Boitzenburg

Klosterruine Boitzenburg

Es wird eine Geschichte von einem alten Kloster erzählt, welches harte Zeiten durchlebte. Vor langer Zeit hatte es eine große Blütezeit. Doch in Folge von Wellen der anti-monastischen Verfolgung in dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert und der Zunahme des Säkularismus im 19. Jahrhundert hatte es alle seine Filialen verloren und wurde soweit dezimiert, dass nur noch fünf Mönche mit dem verfallenen Stammhaus übrig blieben: der Abt und vier andere Mönche, alle im Alter weit über die siebzig. Offensichtlich war alles zum Sterben verurteilt. Es sah wirklich düster aus. Weiterlesen

Lob des Schöpfers in der Natur – unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung

Lob des Schöpfers in der Natur – unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung

Lob des Schöpfers in der Natur – unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung

Predigt zur Hubertusmesse September 2012 Hubertuskapelle Weidmannsruh Werdauer Wald – Jesus Sirach 42,15-25

Liebe Jägerinnen und Jäger des Zwickauer Landes, liebe Gäste, liebe Gemeinde,

vor dieser schönen Kapelle hier in der Weidmannsruh feiern wir heute miteinander die Hubertusmesse. Wir wollen uns durch sie mit hineinnehmen in die Schöpfungsverantwortung, in welche uns Gott gestellt hat. Sogleich wollen wir Gott danke sagen, für seine wunderbare Schöpfung.

In dieser Hubertusmesse werden wir an Hubertus den Bischof von Lüttich erinnert. Dieser veränderte sein Leben. Aus einem wilden und zügellosen Jäger, der Raubbau an Gottes Natur betrieb, wurde ein Hirte, wurde ein Bischof, also jemand der verantwortungsvoll mit Mensch und Tier um ging. Jemand, der in Gottes Auftrag weidete. In der Sprache der Jäger heißt es, der Hege betrieb.

Das Internetlexikon Wikipedia schreibt dazu: „Als Hege werden im Jagdrecht Maßnahmen zusammengefasst, die die Lebensgrundlage von Wildtieren betreffen. Die Hege ist demnach ein Grundelement des Selbstverständnisses vieler Jäger, der sogenannten „Waidgerechtigkeit“. Im Jagdrecht verpflichtet das Hegegebot die Jäger, der Artenvielfalt der Wildtiere nicht zu schaden. Diese Pflicht zur Hege erstreckt sich auch auf solche Wildarten, die durch dessen Schonzeitregelung dauerhaft nicht bejagt werden. Viele Jäger sind regional in Hegegemeinschaften zusammengeschlossen.

Viele Menschen denken, wenn sie die Worte Jäger oder Jägerin hören, nur an den mit der Waffe durch den Wald laufenden Mann oder durch den Wald laufende Frau, die alles Wild, was ihnen vor die Flinte kommt, abschießen. Aber genau das Bild ist ja falsch.

Jäger und Jägerinnen sind ja keine wilden und zügellosen Jagdgenossen, die auf alles Wild ballern, sondern sie stehen mit ihrem Dienst in der Verantwortung vor dem Schöpfer. Darum heißt Jägersein sich auch Bewusstmachen, dass man mit Gottes Schöpfung verantwortlich umgeht. Aber man spürt gerade im Wald besonders, dass das Werden und Vergehen zum Leben in der Schöpfung Gottes dazugehört. Sogleich ist der Wald als Schöpfung Gottes ein besonderer Ort um den Schöpfer in seinem Handeln und Wirken zu entdecken und darüber auch zum Lob zu kommen.

In dem apokryphen Buch Jesus Sirach, also einem Buch das nicht ganz zur Bibel gehört, also in dem Buch Jesus Sirach steht ein Lob des Schöpfers in der Natur.

Und die besten Naturerfahrungen haben eben Jägerinnen und Jäger, wenn sie im Wald unterwegs sind. So wollen wir einmal dieses Lob hören:

Es steht im Buch Jesus Sirach Kapitel 42,15-25:

15 Nun will ich der Werke Gottes gedenken; was ich gesehen habe, will ich erzählen: Durch Gottes Wort entstanden seine Werke; seine Lehre ist ein Ausfluss seiner Liebe.

16 Über allem strahlt die leuchtende Sonne, die Herrlichkeit des Herrn erfüllt alle seine Werke.

17 Die Heiligen Gottes vermögen nicht, alle seine Wunder zu erzählen. Gott gibt seinen Heerscharen die Kraft, vor seiner Herrlichkeit zu bestehen.

18 Meerestiefe und Menschenherz durchforscht er und er kennt alle ihre Geheimnisse. Der Höchste hat Kenntnis von allem, bis in die fernste Zeit sieht er das Kommende.

19 Vergangenheit und Zukunft macht er kund und enthüllt die Rätsel des Verborgenen.

20 Es fehlt ihm keine Einsicht, kein Ding entgeht ihm.

21 Seine machtvolle Weisheit hat er fest gegründet, er ist der Einzige von Ewigkeit her. Nichts ist hinzuzufügen, nichts wegzunehmen, er braucht keinen Lehrmeister.

22 Alle seine Werke sind vortrefflich, doch sehen wir nur einen Funken und ein Spiegelbild.

23 Alles lebt und besteht für immer, für jeden Gebrauch ist alles bereit.

24 Jedes Ding ist vom andern verschieden, keines von ihnen hat er vergeblich gemacht.

25 Eines ergänzt durch seinen Wert das andere. Wer kann sich satt sehen an ihrer Pracht?

Liebe Jägerinnen und Jäger, liebe Gäste,

der Wald ist immer wieder ein ganz besonderer Ort, der uns etwas von dem Schöpfungswirken Gottes erzählt. Darum ist es viel zu schade sich durch den Wald mit einem Auto zu bewegen, selbst mit dem Fahrrad ist man noch zu schnell. Wer zu Fuß durch den Wald geht und die Augen aufmacht, wird viele wunderbare Entdeckungen im Mikrokosmos, aber auch im Makrokosmos der Natur machen. Und wir können nur zum Staunen kommen. Aber auch die Teiche hier im Wald oder manche Schluchten lassen uns Entdeckungen machen.

Da gibt es große und kleine Wunder zu sehen. Die kleine Ameise, die ein große Blatt trägt, oder die Bache mit ihren Frischlingen, die unseren Weg kreuzt oder das Eichhörnchen, was an uns vorbeihuscht.

Wenn wir unsere Augen öffnen und ein Blick dafür gewinnen, können wir viele Entdeckungen in Gottes wunderbarer Schöpfung machen. Wir entdecken in dieser Schöpfung den Ausfluss der Liebe Gottes zu ihr und zu uns Menschen. Gott liebt seine Schöpfung und liebt uns Menschen, deswegen erhält er alles und gibt uns den Auftrag sie zu bewahren und zu pflegen.

In unseren Bibeltext wird die Sonne als Abbild der Liebe Gottes genannt. Wie sehr wir die Sonne in unserem Leben brauchen, das spüren wir spätestens nach ein paar trüben und regnerischen Tagen. Dann haben wir wieder Sehnsucht nach ihr. Und wer in der Mittagspause mit geschlossenen Augen für ein paar Minuten in die Sonne blickt, tankt für den Rest des Tages Glück auf. Denn da wird Serotonin das Glückshormon ausgeschüttet. Die Sonne als Bild für die Größe und Herrlichkeit Gottes in unserem Leben. Die Sonne als Lebens und Energiequelle für uns. Wo machen wir nicht gute Erfahrungen als bei einem schönen Sonnenaufgang am Morgen im Wald. Die Jägerinnen und Jäger können sicher davon berichten, auch wenn sie da an dem Morgen vielleicht kein Tier geschossen haben. Die Stille des Morgens und die aufgehende Sonne schaffen einen ganz anderen Tagesbeginn. Die Sonne ein eigentlich gefährlich zügelloser Energieball, doch bei genügend Abstand schafft er das Leben hier auf Erden.

Für die Menschen damals und auch für uns heute bleiben zwei Dinge bisher verschlossen, das zweite auf jeden Fall. Beim ersten will man langsam versuchen, auch die letzte zu ergründen: Meerestiefe und Menschenherz.

Nun gut aber dennoch sind Meerestiefe und Menschenherz bis heute ein Bild für das, was wir Menschen nicht ergründen und erschließen können. Und doch einer kennt alles und das ist Gott, der Schöpfer. Vielleicht erschreckt uns das auf der einen Seite, dass Gott uns bis in unserer Innerstes hinein kennt. Aber das Kennen Gottes kann man auch positiv sehen. Und ich denke so sieht es auch der Bibeltext.

Er strahlt hier die Gelassenheit aus, das unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft in Gottes Hand liegen. Gott steht über allen Dingen, auch über den Dingen, die uns heute schwer zu schaffen machen. Und das sind nicht wenige. Da gibt es die Gesellschaftlichen, die uns mehr oder weniger betreffen, und auch die ganz persönlichen, genau das was uns heute in unserem Herzen liegt. Eben das, was in unserem Menschenherz verborgen ist. Das kennt und weiß Gott und er will es mit tragen.

Manchmal kommen uns sicher auch Zweifel im Leben, wenn alles schief geht, wenn ein nach dem andern quer läuft, wenn man versagt. Ich könnte mir vorstellen, dann könnte man manchmal so ein richtiger zügelloser Hubertus sein und alles „jetzt bildlich gesprochen“ wegschießen, was einem vor die Flinte läuft. Leider erleben wir das ja manchmal in so einer Form bei Amokläufern.

Aber dann wird uns deutlich; Gott hat alles im Blick. Er hält alles in seiner Hand, nichts ist ihm verborgen. In seiner Weisheit ist alles recht gegründet. Und seine Schöpfung ist 100% in Ordnung. Wir sind Teil dieser wunderbaren Schöpfung Gottes und doch könne wir als Menschen gar nicht die wunderbare Schöpfung Gottes erfassen. Was wir sehen. ist eigentlich nur ein Bruchstück dessen, was Gott geschaffen hat. Ein kleiner Teil eines unendlich wunderbar großen zu dem auch wir gehören. Dabei entdecken wir, dass eben alles wunderbar gemacht ist. Das jedes Wesen in dieser Schöpfung seinen Zweck und seine Bestimmung hat. Und das jeder und jede und jedes ein Original ist. Keines gleicht dem anderen. Selbst bei Zwillingen oder Mehrlingen hat jeder seine Eigenheiten. Und alles ergänzt sich irgendwie. Dennoch sehen wir nur ein Spiegelbild der ganzen Schöpfung Gottes. Der Apostel Paulus schreibt im 1. Korintherbrief Kapitel 13,9-10: „Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.“

Unser gegenwärtiges Wissen um die Schöpfung Gottes ist Stückwerk, aber denn noch sind wir zum Staunen und Gott loben eingeladen. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schreibt: „Die Schöpfung ist ein Bild der Macht und Treue Gottes, die er uns in seiner Offenbarung in Jesus Christus erwiesen hat.“

Im Hegegebot verpflichten sich die Jäger die Schöpfung Gottes zu bewahren. Das ist richtig und notwendig. Sogleich sind wir immer wieder zum Staunen über die Schöpfung Gottes eingeladen und den Schöpfer darüber zu loben. Amen.

Frei-Predigen mit Mindmap

Eigentlich wollte ich es schon lange tun. Doch getraut habe ich es mich immer nicht, frei zu predigten. Es ist ein gutes Gefühl der Sicherheit eine gut formulierte Predigt vor sich liegen zu haben. Doch leider hält man sich dann viel zu sehr an dem Wortlaut, bleibt viel zu sehr am Konzept hängen. Die Predigt während des Haltens zu variieren, ist so nicht einfach, geschweige denn sich etwas locker dabei zu bewegen und mit den Menschen einen Dialog einzugehen. Sicher im Großen und Ganzen haben die Predigten schon die Menschen angesprochen. Das ergab zu mindestens der Rücklauf, aber frei zu predigen ist doch etwas anderes. Die Angst zu versagen, irgendwo hängen zu bleiben, hat mich davon abgehalten. Doch einige Bücher, die ich über das freie Predigen gelesen habe, haben mir dennoch Mut gemacht, es zu tun.

Seit Anfang 2011 bin ich in einer Weiterbildung Spirituelles Gemeindemanagement. Da wurde das Mindmapping vorgestellt. Für mich eigentlich nichts neues. Ich kenne die Methode mindestens seit 1994. Da war das Programm MindManager von Mindjet in einer der ersten Versionen noch auf einer Diskette. Mit Hilfe der Weiterbildung, und einiger Literatur über das Mindmapping wagte ich mich nun heran, meine erste Predigt mit Mindmap zu erstellen und zu halten. Sicher war es am Anfang erst einmal ungewohnt, statt einem ausgearbeiteten Konzept nur ein A3-Blatt mit ein paar Worten, Strichen und bunten Bildchen vor mir liegen zu haben. Aber es klappte.

Predigt zu Matthäus 7,24-27 mit Mindmap

Predigt zu Matthäus 7,24-27 mit Mindmap

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“Das Angesicht Gottes” – Predigt zu 2. Mose 33,12-23 – 2. Stg. n. Epiphanias 2011

Christus der Weltenherrscher
Christus der Weltenherrscher

Christus der Weltenherrscher

Liebe Gemeinde,

wer von euch hat nicht schon einmal in seinem Leben gebetet:

Lieber Gott, lass das und das geschehen oder lass das und das erfüllt werden, dann will ich dir ganz und gar vertrauen. Dann will ich an dich glauben und nicht mehr zweifeln.

Ich denke jeder von uns hat mehr oder weniger schon so einmal in seinem Leben gebetet. Wir wünschen uns doch alle irgendwie eine gewisse Sicherheit in unserem Glauben und einen direkte Verbindung mit Gott, das wir gewiss sind, dass Gott unser Gebet hört und erhört.

Dann fühlten wir uns ernst genommen und motiviert, den Weg des Glaubens weiter zu gehen.

So ähnlich ist es dem Mose ergangen, von dem wir heute hören. Er wünschte sich so eine intensive Gotteserfahrung, die ihm Sicherheit und Zuversicht gab, die ihn für seine weitere Arbeit motivierte. Gerade bei all seinem Tun, bei seinem Unterwegssein mit dem Volk Israel, bei seinem Auftrag das Volk Israel in das gelobt Land zu führen, brauche er ein Stück Sicherheit. Er braucht einen Halt. Von Gott hatte er zwar diese große Vision bekommen, das Volk in ein Land zu führen, in dem Milch und Honig fließt. Aber neben dieser großen Vision, brauchte er auch Motivation und Stärke für die alltäglichen Aufgaben, die manchmal recht ermüdend und entmutigend sein konnten. Besonders weil jeder an allem etwas zu meckern hatte.

Wir lesen aus dem 2. Buch Mose Kapitel 33, 12-23:

12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf!, und lässt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, wo du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden.

13 Hab ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so lass mich deinen Weg wissen, damit ich dich erkenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist.

14 Er sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.

15 Mose aber sprach zu ihm: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.

16 Denn woran soll erkannt werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst, sodass ich und dein Volk erhoben werden vor allen Völkern, die auf dem Erdboden sind?

17 Der HERR sprach zu Mose: Auch das, was du jetzt gesagt hast, will ich tun; denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.

18 Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

21 Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.

22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin.

23 Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Christus der Weltenherscher

Christus der Weltenherscher

Mose fühlte sich irgendwie überfordert, dieses ganze Volk Israel zu führen und zu leiten. Gott hatte ihm zwar seinen Bruder Aaron und seine Schwester Mirijam zur Seite gestellt, diese beiden sollten ihn unterstützen das Volk zu führen. Aber diese hatten ja bei der Geschichte mit dem Goldenen Kalb gerade erst versagt, und selber eine ganze Menge Bockmist gebaut. Und die anderen Priester und Leviten hatten sich nicht als richtige Führungspersönlichkeiten gezeigt.

So fühlte sich Mose als Leiter und Führer des Volkes Israel einsam und allein, mit diesem großen Auftrag das Volk ins gelobte Land zu führen.

Interessant in diesem Kapitel ist, dass einen Vers vor dem Text, den wir gelesen haben, im Vers 11 mit Josua schon die nächste Generation der Leiter vorgestellt wird, aber Mose sieht sie noch nicht. Er fühlt sich einsam und allein. So tritt er vor Gott. Auf der anderen Seite stehen aber die Verheißungen Gottes an ihn: Gott will ihn führen.

Dabei ist mir ein Wort in diesen Verheißungen sehr wichtig geworden. Gott sagt zu Mose: „Ich will dich zur Ruhe leiten.“ Es wird deutlich, dass man mit Stress und Hektik nicht weit kommt, sondern in allem was man tut, braucht man Zeiten der Ruhe.

Wir Menschen sind keine Hochleistungsmaschinen, die 24 Stunden am Tage und 7 Tage in der Woche wirken können, sondern wir brauchen die Zeiten der Ruhe.

Als ein äußeres Zeichen der Zusage Gottes will Mose nun das Angesicht Gottes sehen. Und was tut Gott? ER lässt sich auf die Bitte von Mose ein, zumindestens teilweise.

Das Erste: Gott erneuert dem Mose seine Gnadenzusage: „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden und ich kennt dich bei deinem Namen!“

Wir dürfen eins wissen. Das was Gott hier dem Moses zusagt, gilt spätestens seit Jesus Christus auch für uns. Der große Gott kennt uns ganz persönlich und mit Namen. Wir sind bei Gott keine Nummer. Und das Jesus Christus als Kind in der Krippe auf diese Erde kam und dass er als Mann am Kreuz auf Golgatha starb ist. Krippe und Kreuz sind die großen Zeichen der Gnade Gottes, welches für jeden von uns jeden gelten.

Das Zweite: Und nun tritt Mose mit seiner Bitte vor Gott: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“

Was würden wir jetzt Gott bitten?

  • Mache mich wieder gesund, als Zeichen deiner Größe!“
  • Mache mich zum Millionär, als Zeichen deiner Allmacht!“
  • Oder was ..?

Würden unsere Bitten mehr auf unser Ich bezogen sein oder würden sie mehr auf unseren Auftrag, auf unsere Mission bezogen sein?

Bei Mose war es sein Auftrag. Man könnte die Bitte fortsetzen: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen, damit ich wieder motiviert bin, dein Volk in das gelobte Land zu führen, damit ich gestärkt bin deinen Auftrag auszuführen.

Mose bittet also: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Und Gott gibt sich dem Mose zu erkennen. Er erfüllt dessen Bitte. Doch sein Angesicht kann Mose aber nicht sehen, denn wie sagt Gott „denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“

Diese Erfahrung machte auch der Prophet Jesaja, als er ausrief: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ (Jesaja 6,5)

Wir Menschen können die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht ertragen, wir würden vergehen. Die Heiligkeit Gottes macht es uns unmöglich ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Darum bietet Gott Mose einem Kompromiss an: „Hier auf dem Felsen, wo du stehst ist ein Felsspalt. Dahinein in diesen Felsspalt will ich dich stellen. Ich will dich mit meiner Hand schützen und wenn ich dann an diesem Felsspalt vorübergegangen bin, dann darfst du mir hinterher sehen.“

So ist es dann auch geschehen. Mose bekam neuen Mut und neue Kraft, das Volk weiter durch die Wüste zu führen.

Es wurden neue Gesetzestafeln gemacht. Die Alten hatte er ja wegen des Ungehorsames des Volkes zerschlagen.

Die Begegnung mit Gott hatte Mose verändert. Sie hat ihn dann so zum Strahlen gebracht, dass das Volk vor ihm fürchtete und man auf sein Gesicht sogar eine Decke legte.

Auch uns will Gott in der Begegnung mit ihm ermutigen. Im Gegensatz zu Mose können wir das Angesicht Gottes sehen. Seit der Vorhang im Tempel zerrissen ist, haben wir einen freien Zugang zu Gott. Seitdem hat das Angesicht Gottes für uns ein Gesicht. Es ist Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene. Das Gesicht Gottes ist mit einer Dornenkrone bekrönt und mit Leidensstriemen durchzogen. Jesus spricht uns heute an: „Das tat ich für dich! Was tust du für mich?“ In Jesus Christus sehen wir das Angesicht des lebendigen Gottes. Es ist das Angesicht des leidenden und des liebenden Gottes. Des Gottes, der sich dem Schwachen und des Armen zuwendet.

Es ist das Angesicht Gottes, der die Traurigen tröstet, die Lahmen vor Freude springen lässt und die Blinden sehend macht.

Es ist das Angesicht Gottes, der die Hungrigen satt macht und die Armen reich.

Es ist das Angesicht Gottes, der den Schwachen stark macht, den Kranken aufrichtet, den Ausgestoßenen annimmmt und den Verachteten liebt.

Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird, wir wissen nicht was der morgige Tag bringen wird. Die Zukunft wird ein Rätsel bleiben. Und selbst die, die die an so etwas wie Sternbilder glauben, können nicht mehr sicher sein, den wie schreibt die Bildzeitung gestern: Die Erde eiert und darum sind alle Horoskope falsch.“

Nun Gott sei Dank brauchen wir das nicht, denn uns gilt die Zusage, die Gott dem Mose gegeben hat: „Mein Angesicht soll vorangehen!“

Verlassen wir uns in Zukunft auf Gottes Angesicht in Jesus Christus und lassen uns von ihm leiten. Amen

Vom Geben zum Segen und Loben – Predigt zum Erntedankfest 2010 – 2. Korinther 9,6-15

Erntedank 2010 Fraureuth

Erntedank 2010 Fraureuth

Liebe Kinder, liebe Gemeinde,
wir feiern heute das Erntedankfest. Wir danken Gott, dass wir genug zu essen und zu trinken haben. Wir danken Gott, dass wir Brot haben.
Haben wir uns schon einmal überlegt, wie bei uns heute Brot entsteht.
Ich habe hier einmal ein Roggenbrot mitgebracht. Und ich habe hier Roggenkörner mitgebracht. Es sind nur wenige. Diese Handvoll Körner reichen nicht, dass daraus ein Brot wird. Es wird höchstens ein Brötchen daraus.

Damit es mehr Körner werden ist es darum wichtig,

  • dass der Bauer die Körner in die Erde sät
  • er muss sie pflegen und muss viele Monate warten bis die Ähren reif sind
  • dann muss er sie ernten und dreschen.

Dann kommen die Körner in die Mühle und werden dort zu Mehl gemahlen.
Anschließend kommt das Mehl in die Bäckerei dort wird mit einigen Zusätzen wie Wasser, Hefe und Salz das Brot gebacken. Das können wir dann kaufen und essen.
Es dauert also eine lange Zeit und viele Menschen sind beteiligt, ehe aus den Körnern ein Brot wird.
Und nun sind wir heute hier Gott für die Körner und das Brot zu danken. Wir sind heute hier Gott für die vielen Gaben unseres Lebens zu danken.
Und wir werden heute auch daran erinnert, dass wir nicht allein auf dieser Erde leben, sondern dass auch andere Menschen gib. Menschen, die unsere Hilfe und unseren Beistand brauchen. Und Menschen, die auch uns beistehen. Dazu will uns der Apostel Paulus erinnern und ermutigen, wenn er schreibt:

2. Korinther 9,6-15
6 Denkt daran: Wer wenig sät, wird auch wenig ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten.’
7 Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt.
8 Er hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.
9 In der Schrift heißt es ja ´von dem, der in Ehrfurcht vor Gott lebt`: »Er teilt mit vollen Händen aus und beschenkt die Bedürftigen; das Gute, das er tut, hat für immer Bestand.«
10 Derselbe ´Gott`, der dafür sorgt, dass es dem Bauern nicht an Saat zum Aussäen fehlt und dass es Brot zu essen gibt, der wird auch euch mit Samen für die Aussaat versehen und dafür sorgen, dass sich die ausgestreute Saat vermehrt und dass das Gute, das ihr tut, Früchte trägt.
11 Er wird euch in jeder Hinsicht so reich beschenken, dass ihr jederzeit großzügig und uneigennützig geben könnt. Und wenn wir dann eure Spende überbringen, werden die, die sie empfangen, Gott danken.
12 Ihr seht also: Dieser Dienst, der zur Ehre Gottes getan wird, trägt nicht nur dazu bei, die Nöte der Gläubigen in Jerusalem zu lindern, sondern bewirkt noch weit mehr, indem er zu vielfachem Dank gegenüber Gott führt.
13 Euer Einsatz bei diesem Projekt zeigt, dass ihr in eurem Glauben bewährt seid, und dafür werden die, denen ihr dient, Gott preisen. Sie werden ihn dafür preisen, dass ihr euer Bekenntnis zum Evangelium von Christus ernst nehmt und eure Verbundenheit mit ihnen und allen anderen auf eine so großzügige und uneigennützige Weise zum Ausdruck bringt.
14 Und wenn sie für euch beten, werden sie das voll Sehnsucht nach euch tun, weil Gott seine Gnade in so reichem Maß über euch ausgeschüttet hat.
15 Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!

Von Gott lernen, müssen wir das wirklich?
In der Schule kann man lernen – die meisten von den Kindern sind sicher froh, dass erst einmal Ferien sind und man nicht lernen muss.

Von Gott lernen großzügig zu sein!
Es sagt der Apostel Paulus, dass wir von Gott lernen sollen. Wir sollen von Gott lernen so großzügig zu sein wie er. Wir sollen so großzügig sein, wie Gott mit uns großzügig ist. Wie er uns seine ganze Liebe und seine Barmherzigkeit schenkt.

Liebe Gemeinde,
gerade das Bild vom großzügigen Geben findet sich auch im modernen Unternehmensmanagement wieder. Geht es einem Unternehmen wirtschaftlich schlecht, ist man meistens zuerst geneigt in der Werbung und im Personal zu sparen.
Interessant ist, dass viele Unternehmensberater heute sagen, dass das genau der falsche Weg ist. Sicher sollte man die Werbung überarbeiten und falsche Werbung einstellen, aber man muss sie gerade dann auch intensivieren. Und gutes Personal sollte man solange wie möglich halten, denn wenn es wirtschaftlich wieder besser geht, kann es recht teuer sein neues Personal wieder einzustellen und einzuarbeiten. Wir wissen ja um den Fachkräftemangel in der Wirtschaft.
Vielleicht hinkt diese Bild etwas, aber wie oft machen wir doch auch im eigenem Leben die Erfahrung, wenn wir zu sparsam sind im Abgeben, wird es auch recht sparsam sein im Wiederbekommen., im Nehmen. Es ist wirklich so.
Wer nicht bereit ist zu geben, wird auch keinen Segen empfangen.
Dazu sind mir zwei kleine Geschichten begegnet, über die ich schmunzeln musste.
Die erste Geschichte illustriert, wie knausrig Menschen sein können:
Erwin und Martha gehen seit fast 20 Jahren jedes Jahr nach Nobitz zu Flugshow. Erwin sagt zu Martha: „Martha ich würde gern einmal mit dem Flieger fliegen. Martha sagt darauf. „Aber das kostet 50 Euro – und 50 Euro sind 50 Euro.“Erwin darauf: Aber ich werde bald 75 Jahre. Dann kann ich es vielleicht nicht mehr. Martha noch einmal: „Aber das kostet 50 Euro – und 50 Euro sind 50 Euro.“
Das hörte ein Pilot. Er sagt: „In Ordnung Leute, ich mache mit euch einen Deal. Wenn ihr beim Fliegen nicht schreit, dann ist der Flug kostenlos, aber wenn einer schreit bekomme ich 50 Euro.
Sie vereinbarten es und flogen los. Der Pilot machte alle möglichen Arten von Drehungen und Wendungen, Bögen und Saltos, aber kein Wort war zu hören. Er flog noch ein zweites Mal, immer noch nichts … so landete er.
Er wandte sich an Erwin, als sie gelandet waren und sagte:”Das kann doch nicht wahr sein, das keiner bei den vielen Wendungen und Schleifen nichts gesagt hat.”Und Erwin antwortete: “Ich wollte ja etwas sagen, als Martha herausfiel… aber 50 Euro sind 50 Euro.
Eine zweite kleine Geschichte zeigt, dass man mit weniger manchmal bescheidener ist als mit viel:
Ein junger Mann ging zu seinem Pfarrer um mit ihm über seine berufliche Karriere zu beten und Gott um seinen Segen zu bitten. Er verdiente in der Woche 40 Euro und war bereit immer 4 Euro als Zehnten abzugeben. Das tat er auch. Nach ein paar Jahren hatte er dann einen Zehnten von 500 Euro pro Woche. Das war ihm doch zu viel immer so viel zu geben. So ging er zum Pfarrer und fragte ihn, ob er denn von seiner Zusage mit dem Zehnten Abstand nehmen könnte und ob Gott dennoch seine Karriere segnen würde. Da sagte der Pfarrer: „Eigentlich nicht. Aber wir können etwas anderes tun. Wir können Gott bitten, dass er ihr Einkommen auf 40 Euro in der Woche reduziert, denn bei 4 Euro hatten sie kein Problem mit dem Zehnten.“
Im Evangelium und in der Sprechmotette und auch in den beiden Kurzgeschichten haben wir gehört, wie das aussieht, wenn man sein Leben immer nur auf sich selber bezieht. Wenn die wichtigste Aussage im Leben heißt: „Ich möchte haben!“ Dann kann eines Tages die Antwort lauten: „Du Narr!“ Das ist hart, aber es ist so.
Ist man dann nicht wirklich ein Narr, wenn man nur alles auf sich selbst bezieht und den anderen vergisst, wenn man selber zum Raffke wird, zum Menschen, der sich selbst in dem Mittelpunkt stellt.
Was sagt nun der Apostel Paulus:
„Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt. Er hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.“
Also es ist sicher jedem seine ganz persönliche Entscheidung, wie viel und was er gibt. Aber er sollte dann auch dazu stehen. Das sagt hier auch der Apostel. Doch er macht uns aber auch sogleich deutlich, dass Gott uns alle liebt. Er macht uns deutlich, das Gott, der Geber aller guten Gaben ist, wie wir es auch in den Erntedankliedern singen. Und Gott liebt besonders die, die fröhlich geben. Denen hat er seinen Segen verheißen. Denen hat er verheißen, dass sie das Leben in Fülle haben. Eine wundervolle Zusage. Diese Zusage gilt auch uns heute.
Der Apostel Paulus ermutigt die Gemeinde in Korinth damals für die mittlerweile verarmte Gemeinde in Jerusalem ein Opfer zu bringen. Ein Opfer als Zeichen der Verbundenheit als Zeichen der Gemeinschaft, der Zusammengehörigkeit.
Genau das zeichnet auch das Miteinander in der christlichen Gemeinde aus. Füreinander da sein, wenn der andere meine Hilfe und meinen Beistand braucht. Darin liegt auch die Segenszusage Gottes: „Wer bereit ist mit offenem Herzen zu geben, dem hat Gott auch seinen Segen verheißen.“
Gottes Segen wirkt im Weitergeben. Bei denen, die weitergeben und bei denen, die die gaben empfangen. Es entsteht eine Gemeinschaft zwischen Gebenden und Empfangenden. Und da heraus entsteht Dank und Lob Gott gegenüber. Am Ende können wir dann mit Paulus sagen:
„Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!
Das wünsche ich euch allen für den heutigen Erntedanktag und für alle Tage eures Lebens, dass ihr immer Grund findet Gott zu loben und zu danken. Amen

Jesus Christus- gestern und heute und in Ewigkeit – wie gewiss bin ich meines Glaubens? – Predigt zu 2. Timotheus 1,6-10

abendmahlLiebe Gemeinde,
seit einiger Zeit schickt mir jemand einmal in der Woche eine Email, – eine Minimutmacher – ein Gotteswort mit einer kurzen Auslegung, welches mir für den Alltag Mut machen soll.
Heute hören wir auch einen Mutmacher. Da schreibt einer aus dem Knast an seinen jugendlichen Freund. Und das ist eine gute fest Freundschaft, denn er schreibt vor dem Mutmacher folgendes: „Und wenn ich daran zurückdenke, wie du ´bei unserem Abschied` geweint hast, sehne ich mich danach, dich wieder zu sehen. Was wäre das für eine Freude!“Da wird eine tiefe Freundschaft spürbar.
Nun einander sehen ist jetzt nicht möglich. Doch der ältere kann dem Jugendlichen Mut machen, Mut machen für sein Leben als Christ, Mut machen für seinen Dienst als Gemeindeleiter.
Und auch uns will dieses Wort für unseren Alltag Mut machen und unseres Heiles gewiss machen:

Wir lesen aus dem 2. Timotheus 1,6 – 10:
6 Aus diesem Grund erinnere ich dich an die Gabe, die Gott dir in seiner Gnade geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte. Lass sie zur vollen Entfaltung kommen!
7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
8 Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, und schäme dich auch nicht, zu mir zu stehen, nur weil ich ein Gefangener bin – ich bin es ja um seinetwillen! Sei vielmehr auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben.
9 Er ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken,
10 und das ist jetzt, wo Jesus Christus ´in dieser Welt` erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat den Tod entmachtet und hat uns das Leben gebracht, das unvergänglich ist.

Liebe Gemeinde,
wie sicher sind Sie ihres Heils?
Wir Christen, egal, wie alt wir sind, brauchen Heilsgewissheit. Wir brauchen die Gewissheit, dass wir von Gott geliebt sind, von ihn angenommen sind, Anteil an seinem Reich haben oder salopp gesagt, dass wir in den Himmel kommen.
Wir brauchen das, was wir vielleicht auch als Kinder immer gebetet haben: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“
Vielleicht habt ihr auch schon solche Momente im Leben erlebt, Zeiten der Krise, der Krankheit, wo ihr körperlich schwach seid: Da kommen dann auch die Zweifel: „Bin ich gerettet? Habe ich noch eine Sünde, die ich beichten muss? Wenn ich sterben muss, kann ich da meines Heils gewiss sein?“
Nun die Bibel – Gottes Wort, macht über die Heilsgewissheit klare Aussagen. Nach dem Wort Gottes kann man nicht nur von dieser Gewissheit singen, nein wir können von ihr aus ganzem Herzen singen: „Seliges Wissen Jesus ist mein!“ – Über das Lied habe ich ja erst vor kurzen gepredigt.
Das Wort Gottes hat zur Heilgewissheit klare Aussagen.

1. Die Heilsgewissheit ist nicht von unserem Gefühl abhängig
Unsere menschliche Natur trifft gern die Entscheidungen und Urteile nach dem Gefühl. Und oft liegen wir sogar damit richtig. Wenn man ein gutes Gefühl hat, dann muss es ja in Ordnung sein. Wenn das, was man tut Freude bringt, dann ist es richtig.
Emotionen und Gefühle sind es oft, die unseren Tag bestimmen. Wenn man Stress und Belastungen erfährt, verletzt wird, durch Konflikte muss und mit Problemen überschüttet wird, dann kann man frustriert werden und aufgeben. Aber wenn der Tag von der Hand geht, man extra Geld macht und sich wohlfühlt, dann ist es ein guter Tag.
Sicher spielen Emotionen und Gefühle eine große Rolle im Leben. Gott hat sie uns ja auch geschenkt. Doch wir müssen lernen sie in das große Bild des Lebens einzuordnen und uns auf dieses zu konzentrieren. Eben, wenn man schwach oder krank ist oder in eine Krise gerät, nicht in Panik zu verfallen, sondern sich dessen gewiss machen, dass Jesus bei uns ist, in den guten und in den schlechten Seiten.
Als Jugendlicher habe ich oft kleine Traktate von Campus für Christus bekommen. Da ist mir ein Bild aus diesen Traktaten auch heute noch sehr eindrücklich. Es ist von Bill Bright, dem Gründer von Campus für Christus.
Es ist ein Zug, welcher unsere christliche Heilsgewissheit beschreibt.
Da ist die Lokomotive – das Wort Gottes. Das ist das Entscheidende: Gottes Wort mit seinen Zusagen, mit der Zusage des Heils.
Danach kommt der Kohlenwagen: – der Glaube an Gott und an sein Wort, an seine Zusagen. Da heraus erfahren wir die Kraft zum Leben.
Als drittes kommt der Anhänger – das Gefühl. So ein Zug kann mit und ohne Anhänger fahren. Das Gefühl ist an dieser Stelle nicht maßgeblich für unsere Heilgewissheit. Es hat keine Kraft den Lebenszug zu ziehen.
Allein das Wort Gottes und der Glaube schaffen Gewissheit des Heils.

2. Heilsgewissheit durch den Glauben.
Was glauben die Menschen nicht alles? Denkt einmal zurück an die vergangene Woche und an die Menschen, die euch da begegnet sind. Was glauben denn diese Menschen?
Vielleicht haben sie sich auch diese Frage gestellt, wie ein Bekannter von mir: „Wie lange es dauern mag, bis die heutigen Religionen die Mythologien von morgen sind?“
Oder wer glaubt denn, dass alles, was die Bild-Zeitung schreibt, wahr ist?
Es ist nicht einfach zu glauben. Manchmal weigern sich sogar die Menschen an Dinge zu glauben, obwohl es dafür handfeste Beweise gibt. Als man den Kontinent Australien entdeckte, fand man ein Säugetier, welches Eier legte, und im Wasser und auf dem Land. Es hatte einen breiten flachen Schwanz. Schwimmhäute an den Füßen und es ähnelte einer Ente. Nachdem die Entdecker nach England zurückkehrten, erzählten sie davon ihren Mitmenschen. Doch die dachten es ist ein Scherz. Selbst als man das nächstemal einen Pelz von diesem Tier mitbrachte, glaubte es keiner.
Nebenbei dieses Tier heißt Duckbill Platypus.
Glaube beinhaltet eine Entscheidung – Gott hat uns einen freien Willen gegeben – entweder zu ihm ja zu sagen oder nein.
Wie schreibt es Paulus an die Epheser: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“
Unser Glaube und unser Vertrauen auf Gott bewirken die Gewissheit des Heils.

3. Heilsgewissheit durch Hingabe
Im 8 Vers des Predigttextes ermutigt der Apostel den Timotheus: „Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, und schäme dich auch nicht, zu mir zu stehen, nur weil ich ein Gefangener bin – ich bin es ja um seinetwillen! Sei vielmehr auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben.“
Heilsgewissheit ist auch abhängig davon, ob und wie ich mich für meinen Herrn einsetze. Um geistlich fit zu sein, ist auch ein tägliches Training des Gehorsams und Gottvertrauen erforderlich.
Wenn ich mal beim Trampolin-Schwingen zwei Tage ausgesetzt habe, dann fällt es mir schon wieder schwerer weiter zu machen. Dann gibt es auch da und dort etwas Muskelkater.
Und so ist es auch bei der Frage der Hingabe. Suche ich täglich die Nähe meines Herrn, lese ich täglich Gottes Wort und lasse ich mein Leben von ihm bestimmen oder lebe ich mein Leben nach meinem Gutdünken und bestimme es selber?
Heilsgewissheit heißt auf dem Weg zu sein, auf dem Weg des Glaubens, einen Schritt an den anderen im Vertrauen, dass Gott uns führt und immer auf ihn blicken.

4. Heilsgewissheit ist das Annehmen der Einladung Jesu
Jesus lädt jeden Menschen zu einer ganz persönlichen Beziehung ein. Paulus schreibt dazu:
Jesus ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken, und das ist jetzt, wo Jesus Christus ´in dieser Welt` erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat den Tod entmachtet und hat uns das Leben gebracht, das unvergänglich ist.
Jetzt liegt es an uns diese Einladung anzunehmen.
Nicht immer wird es leichte und einfache Zeiten in unserem Leben geben. Manchmal kann es richtig schwer sein, und tief nach unten gehen, manchmal kann auch unser Glaube angekratzt sein. Manchmal kann es auch ins Gefängnis gehen, wie eben bei Paulus. Manchmal können uns Gewitter und Stürme des Lebens bedrohen. Doch Jesus kommt zu uns und will uns die Gewissheit des Heils schenken: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Ich werde dich nie verlassen oder in Stich lassen.
Dessen dürfen wir gewiss sein.
Amen.

gehalten am 19.09.2010 in der Kirche Fraureuth – 16. Stg. n.Trinitatis

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens

Konfirmation 2010

Konfirmation 2010

Predigt zur Konfirmation – Pfingsten 2010 – 1. Tim . 6,11-16

Liebe Konfirmanden, liebe Konfirmandeneltern, liebe Gäste, liebe Gemeinde,

wir feiern heute Konfirmation. Da denkt vielleicht niemand von uns unbedingt daran, was in zwei Wochen beginnt.

Obwohl wir jeden Tag ja fast jede Stunde immer wieder darauf hingewiesen und auch vorbereitet werden werden.

Wir werden so darauf vorbereitet, als ob es an uns läge, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird oder nicht, ob es daran läge, was und wie viel wir dafür einkaufen und sammeln. Einigen Tagen bin ich z.B. stolzer Besitzer eines Sammelalbums, wo man Kärtchen von allen Spielern sammeln kann, die man bekommt, wenn man genug eingekauft hat.

Es wird fast übersehen, dass es doch nicht an uns, sondern an einigen Sportlern liegt, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird, oder wenigstens Gruppenerster der Gruppe D. Ja und dass, sich diese Sportler auch sehr intensiv darauf vorzubereiten haben. Weiterlesen

Jesus und der blaue Vogel

Warum Christen und besonders Seelsorger twittern sollten?

Jesus und der blaue Vogel

Predigt zum Konfirmandenabendmahl Pfingstsonnabend 19:30 Uhr Kirche Fraureuth
Matthäus 9:9-13

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde,
ich habe euch heute einmal das Bild eines Blauen Vogels mit gebracht. Der blaue Vogel ist Symbol für eine ganz moderne Entwicklung der Kommunikation von Menschen in unserer Welt.Seit etwa 5 Jahren hat sich in der Welt des Internets eine und des Handys eine Kommunikationsform entwickelt, die man Soziale Medien nennt. Dabei spielen auch sogenannte Netzwerke eine große Rolle. Schüler sind da oft Mitglied bei SchüerVZ , Stundenden bei StudiVZ, Unternehmer bei XING, andere bei MyVideo und noch vieles mehr. Auch für Pfarrer und Theologen gibt es so etwas. Doch das am weitesten verbreitete Netzwerk, wo fast alle Generationen vorkommen ist Facebook. Ich weiß, dass da aus Fraureuth Leute zwischen 12 und 70 zu finden sind und nicht wenige.

Aber mir geht es heute um ein besonderes Netzwerk, wo vielleicht nicht so viel Jugendliche dabei sind. Die meisten, die man da findet, sind etwa 25 bis 60. Mir geht es heute um Twitter. Deswegen habe ich den blauen Vogel mitgebracht. Wenn man bei Twitter ein Konto eröffnet und sich angemeldet hat, da wird die Frage gestellt: Was gibt es neues?

Und nun kann man das mit bis zu 140 Zeichen erzählen. Doch wer will es hören besser lesen, eigentlich niemand. Denn sie fehlen noch – die Followers – die Nachfolger. Wie bekommt man die?

Der erste Schritt man geht auf andere hin und wird selber bei denen ein Follower – Dann heißt es langsam auf der Seite wo Following steht 1 -2 -3 usw.
Nun ich will jetzt keine Vorlesung über Twitter halten.

Als zweites kann man andere einladen, dass sie einem nachfolgen.

Warum erzähle ich euch das heute am Vorabend der Konfirmation? Da könnte man doch über viel geistlichere Dinge als Twitter sprechen.
Nun ich muss euch sagen, so ungeistlich ist hier Twitter gar nicht. Hier passiert etwas, was vor fast 200 Jahren bei Jesus auch schon passiert ist. Und Tobias wird uns einmal die Geschichte vorlesen:

Matthäus 9:9-13

Jesu Gemeinschaft mit Zolleinnehmern und Sündern

9 Als Jesus weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen Mann sitzen; er hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

10 Später war Jesus im Haus ´des Matthäus` zu Gast. Viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, waren gekommen und nahmen zusammen mit ihm und seinen Jüngern an dem Essen teil.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu den Jüngern: »Wie kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

12 Jesus hörte das und erwiderte: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.«

Das war Twitter etwa im Jahre 25. Jesus sagte zu Matthäus: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

Stellt euch mal vor, wie hier Jesus mit Menschen umgeht. Ganz anders als man es von einem Frommen erwartet. Da beginnt er neue Freundschaften aufzubauen. Freundschaften mit Menschen, die man normalerweise meidet. Auch wir kennen alle solche Menschen: Mit dem will ich nichts zu tun haben, bleib mir von der Pelle.

Also der Matthäus, das war so einer mit dem wollte ein frommer Rabbiner nichts zu tun haben. Von den meisten Juden wurde der Zöllner verachtet. Schon einfach der Berufsstand assoziiert, dass der ein Betrüger und Kollaborateur sein muss. Komisch auch heute gibt es solche Berufe, aber auf der anderen Seite brauchen wir sie.

Ihr wisst alle um das hässliche Tucholsky-Zitat: „Soldaten sind Mörder“ und doch brauchen wir sie in unserer Gesellschaft – die Soldaten – und wir wissen auch wie viele Christen ein gespaltenes Verhältnis zur Bundeswehr haben. Natürlich ist das nicht einfach – wenn dann wie ich es erlebe wie ein Großneffe in der Einheit in Afghanistan ist, wo am Karfreitag 3 Soldaten ums Leben kommen.

Und immer wieder haben wir Situationen im Leben, wo uns Menschen begegnen, die Außenseiter sind – oder sind wir der Außenseiter – das werdet ihr als Konfirmanden in eurem Leben noch oft erleben – und eure Eltern, eure Paten und Großeltern haben das auch oft erlebt. Wie geht man nun miteinander um?

Hält man sich an die Masse und tut, was man tut, was die Masse tut. Wenn die Masse einen links liegen lässt, lasse ich ihn auch liegen, oder tue ich es anders.

Bei Twitter muss ich mich entscheiden, ob ich jemanden nachfolge. Ja ich kann sogar jemanden ablehnen, dass er mir nachfolgt. Es gibt auch schon Programme, die automatisch mich dem anderen nachfolgen lassen, wenn er mir nachfolgt, aber das ist nicht gut.

Manchmal folgen dann auch gewisse Damen nach, in der Hoffnung, dass man ihnen nachfolgt. Da ist es gut, dass man blocken kann.

Nun kommt Jesus die Straße herunter und trifft den verachtetet Zöllner Matthäus „Der ist doch das letzte“. Normalerweise macht man um solche Menschen einen großen Bogen.

Doch Jesus geht direkt auf ihn zu und sagt kurz und knapp: Folge mir nach!. Nicht mehr und nicht weniger.

wir hören hier nichts von Buße, von umkehr, von Vergebung, von Schuld, von Gnade, von Reue – von all diesen uns so geläufigen christlichen Bekehrungsbegriffen – nichts.

Nur: – Folge mir nach! Und was macht Matthäus? Er tut’s Er folgt Jesus nach, ohne wenn und aber, ohne Fragen. Eigentlich verwunderlich. Würden wir nicht erst noch so viele Fragen haben?

Vielleicht sind die Fragen, die wir haben gar nicht so von entscheidender Bedeutung, sondern bei Matthäus wird deutlich, was bei einem Menschen wirkliche Bedeutung hat, damit er auf einen anderen Menschen hört und bereit ist sein Leben zu ändern.

Jesus hatte mit seinen drei Worten: 2 Folge mir nach!“ dem Matthäus deutlich gemacht: „Ich habe wirklich existenzielles Interesse an dir.“

Manchmal erlebt man es, das Menschen unheimlich viel Worte machen – aber am Ende kommt nicht raus, weil sie einen mit den vielen Worten doch nur loswerden wollenen.

Dieser Matthäus – so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war – wurde zu einem der zwölf Jünger Jesu und zum Autor des Matthäusevangeliums.

Aber so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war, so radikal war sie auch.

Wie geht es weiter. Er lässt alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Seine Kehrtwende ist radikal. Sie kostet ihm alles. Sie kostet ihm seinen Job, seine bisherige Existenz, seine berufliche und familiäre Sicherheit. Und doch spürt er es – ich muss es tun. Und er tut es. Er folgt Jesus nach.

Und was tut er noch – er lädt seine Kumpels zu einer Party ein. Isst und trinkt mit ihnen, hat mit ihnen Tischgemeinschaft. Aber nicht nur das. Sondern er lädt auch Jesus und seine Jünger mit ein.

Aber das darf doch nicht wahr sein, dass der Jesus nun zu dem Matthäus geht, das war ja noch mit ach und krach zu verkraften, aber dass er jetzt noch sich mit den Typen an den Tisch setzt und auch noch seine Jünger dazu, das ist doch irgendwie zu viel.

Die Pharisäer haben es natürlich so gemacht, wie man es immer macht, wenn man feige ist. Sie haben nicht Jesus direkt gefragt, sondern indirekt seine Jünger: »Wie

kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

Nun Jesus lässt es sich nicht nehmen und antwortet direkt:

»Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Und genau das ist Gemeinde, das ist christliche Gemeinde, das sind wir, das sind wir heute Abend, aber auch morgen im Konfirmationsgottesdienst. Bei der Vorbereitung des Konfirmandenabendmahles ist mir dazu ein Satz von Morton Kelsey hängen geblieben: „Die Kirche ist kein Museum für Heilige, sondern ein Krankenhaus für Sünder.“

Genau das meint Jesus. Dass die Wirklichkeit oft anders ist, dass Kirche oft mehr Museum ist, oder gar Krankheit verstärkt erfahren wir leider auch – aber das ist nicht im Sinne des Gründers. – Die Konfirmanden möchte ich nur an den Kurzfilm von der Konfifreizeit erinnern.

Darum gilt es auch uns gerade wenn wir uns am Tisch des Herrn versammeln auch die Zusage Jesu: „ Ich bin gekommen zu rufen die Sünder an den Tisch der Barmherzigkeit.“

Folge mir nach! – dieses Wort Jesu gilt jeden Menschen und jeden der kommen will, den dürfen wir nicht ausschließen, sondern einladen.

So wie man sich bei Twitter bemüht viele Followers zu haben, sollten wir uns auch bemühen, dass Jesus sie durch uns hat und das wir auch selber das tun. Und das wir es gemeinsam tun, darum auch Tischgemeinschaft darum auch Abendmahl. Amen

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