Das rechte Timing für Gottes Kinder – Galater 4,4-7 – Predigt 1. Christtag 2013 – Fraureuth

Krippe

Krippe

Liebe Gemeinde,
haben Sie das nicht auch schon erlebt. Da waren Sie tatsächlich einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alles war perfekt und alles hat geklappt. So wie sie es sich vorgestellt hatten. Vielleicht sogar noch besser. Vielleicht war es so als sie ein Vorstellungsgespräch bei einer neuen Arbeit hatten. Und sie haben diese Stelle bekommen. Es ist ihr Traumberuf und sie gehen darin auf.
Vielleicht sind sie auch jemand der sich an der Börse auskennt, und sie haben zur richtigen Zeit die richtigen Aktien gekauft und verkauft und einen guten Gewinn gemacht.
Oder sie waren zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und haben ihre Frau oder ihren Mann des Lebens gefunden, eben die Traumfrau oder den Traummann.
Oder sie waren zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Arzt und dieser entdeckte einen Krebs oder einen Tumor im Frühstadium, ehe sich dieser ausbreitete, und sie konnten wieder geheilt werden bevor das ganze ausarten konnte.
Da geschah dann immer etwas in unserem Leben zum rechten Zeitpunkt und manchmal sagen wir dann im Denglischen Dialekt: „Das Timing ist perfekt.“

Um ein perfektes Timing geht es uns auch am heutigen Weihnachtstag. Und nicht nur um ein perfektes Timing, sondern auch um das perfekte Geschenk und den perfekten Zielpunkt. Denn davon schreibt der Apostel Paulus an die Christen in Galatien. Wie lesen aus dem Galaterbrief Kapitel 4:

 Galater 4,4-7
4 Doch als die Zeit dafür gekommen war, sandte Gott seinen Sohn. Er wurde ´als Mensch` von einer Frau geboren und war dem Gesetz unterstellt.
5 Auf diese Weise wollte Gott die freikaufen, die dem Gesetz unterstanden; wir sollten in alle Rechte von Söhnen und Töchtern Gottes eingesetzt werden.
6 Weil ihr nun also seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, den Geist, der ´in uns betet und` „Abba, Vater!“ ruft.
7 Daran zeigt sich, dass du kein Sklave mehr bist, sondern ein Sohn. Wenn du aber ein Sohn bist, bist du auch ein Erbe; Gott selbst hat dich dazu bestimmt.

Liebe Gemeinde,
die Zeit läuft, auch unsere Lebenszeit. Wir werden älter. Bald ist wieder ein Jahr vorbei. Wir sind eingebunden in den natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Es ist das Gesetz der Vergänglichkeit. Im griechischen nennt man diese Zeit Chronos. Wir sprechen ja von unserer Uhr manchmal auch vom Chronometer. Und stellen sie uns dann auch in ihrer analogen Form vor und sehen, wie dann die Zeiger unerbittlich sich weiter drehen.
Aber in diesen unerbittlich ablaufenden Zeitstrahl hinein geschieht eine Unterbrechung – von der wir heute sagen würden, es ist das perfekte Timing. Der Apostel Paulus umschreibt es mit den Worten: „als die Zeit dafür gekommen war“ oder in der Lutherübersetzung heißt es: „Als aber die Zeit erfüllt war“.
Das ist der richtige Zeitpunkt – und im griechischen steht dann für die Zeit das Wort Kairos. Gottes Zeit war gekommen diesen unerbittlich ablaufenden Zeitstrahl in unserer Welt zu unterbrechen mit dem Kommen seines Sohnes auf diese Erde in die Armut und das Elend dieser Welt.
Und genau das ist das perfekte Geschenk Gottes: Gottes Kommen in diese Welt als Mensch, mit allem, was das Menschsein ausmacht, auch mit dem Werden und Vergehen, dem Geborenwerden in einem Stall, mit Leid, mit Schmerz, mit Trauer, mit Nacktsein und Blöße und mit dem Tod .
Das sieht wenn man sich das so richtig anschaut, gar nicht so nach einem perfekten Timing aus und auch nicht nach einem wirklich perfekten Geschenk. Müsste das nicht eigentlich anders aussehen?
Viel herrschaftlicher und viel größer und viel schöner. Vielleicht doch in einem Palast und besser angekündigt. Hätte da nicht wenigstens eine Marketing-Firma vorher einen Werbe-Feldzug vorbereiten sollen, dass die Leute darauf vorbereitet sind.
Doch es sieht so aus und es ist Gottes Plan. Es ist der richtige Zeitpunkt, es ist das richtige Geschenk, dass Gott Mensch wurde. Und es ist der richtige Zielpunkt dass Gott in einem Kind in dem Stall in Bethlehem zu Welt kam, in eine Futterkrippe zu Welt kam.
Dass er nur von Außenseitern wahrgenommen wird, von den Ausgestoßenen der Gesellschaft, von den Fremden – den Sterndeutern, die vielleicht mancher mit ihrer Kleidung und wegen ihres Aussehens für befremdlich hält.

Gott wird Mensch – zum richtigen Zeitpunkt, und doch unerwartet und doch am Rand des damaligen Weltgeschehens. Er wird Mensch als der so ganz anders handelnde Gott.
Er wird Mensch, weil er sich als der liebende Gott den Menschen gleichstellt. Weihnachten ist die Gleichstellung Gottes mit den Menschen. Gott stellt sich mit Jesus unter das Gesetz unseres menschliches Leben vom Werden und Vergehen. Er wurde geboren wie wir. Er ist gestorben, wie ein Mensch. Ja noch schlimmer. Er starb den schlimmsten Tod eines Sünders und Verbrechers. Er starb den Tod am Kreuz. Gott wird in Jesus Mensch. Er kennt alles Leid, allen Schmerz, alle Trauer. Er weiß um Einsamkeit, Kummer und Sorge. Er weiß wie wir Menschen damit umgehen und wie wir damit umgehen sollten.
Aber Gott ist in Jesus eben nicht nur mal so in diese und in unsere Welt gekommen um unseren Zustand kennenzulernen. Ich glaube darum weiß er auch schon so. Sondern er ist gekommen um Veränderung herbei zuführen. Wie schreibt es der Apostel Paulus:

„Auf diese Weise wollte Gott die freikaufen, die dem Gesetz unterstanden; wir sollten in alle Rechte von Söhnen und Töchtern Gottes eingesetzt werden.“

Äußerlich ist ja an diesem Tag als Gott auf die Erde kam vielleicht noch nicht einmal viel passiert. Ein junges Elternpaar bekam eine Unterkunft in einem Stall, ein paar Hirten ließen die Schafe auf dem Felde stehen, vielleicht sogar unbeaufsichtigt und machten sich zu diesem Stall auf. Ein paar wunderliche Fremde irrten durch Bethlehem. Aber das fiel bei der stattfindenden Volkszählung nicht auf. Ja und dann gab es eben am Himmel noch ein paar Lichterscheinung mehr, aber vielleicht spielte die Natur etwas verrückt. Das ist doch irgendwie erklärbar. Und wenn nicht, was soll’s.
Und dann wurde ein Kind geboren, wie viele andere in der Nacht.
Und doch ist es mit diesem Kind anders. So armselig es ist, es bringt Veränderung. Es wird die Welt verändern. Es bringt die Befreiung Gottes in diese Welt. Denn Gott will dass wir Menschen frei sind und keine Knechte mehr.

Gott will Kinder. So macht er aus Knechten Kinder, Gotteskinder, die wissen, wo sie hingehören und wo sie geliebt und angenommen sind. Aber wie geht das nun?
Es findet sozusagen ein Tausch statt.
Jesus, Gottes Sohn, wird Mensch. Er verlässt den Himmel und kommt zur Welt. Er verzichtet auf seine Macht und Größe. Er macht sich uns Menschen gleich. Damit macht er sich selbst zum Knecht. Und uns macht er zu seinen Geschwistern und damit zu Kindern Gottes.
Jesus kommt zu uns, damit wir zu Gott kommen können.

„Auf diese Weise wollte Gott die freikaufen, die dem Gesetz unterstanden; wir sollten in alle Rechte von Söhnen und Töchtern Gottes eingesetzt werden.“

Kinder in einer Familie leben vom Vertrauen. Das heißt: Kinder leben nicht aus sich selbst heraus, sondern in Beziehung zu jemand anderem, meist zu ihren Eltern, und von einem anderen her.
Die Kinder können ganz im Hier und Jetzt und auch sorglos leben, weil sie wissen und sich darauf verlassen, dass jemand für sie sorgt.
Und genauso ist es mit Gottes Kindern. Sie leben von Gott her und in Beziehung zu ihm. Sie vertrauen darauf, dass er für sie sorgt. Sie vertrauen auf einen Gott und Vater, denn so dürfen sie ihn ansprechen. Sie vertrauen auf einen Gott, der sie liebt und ihnen Geborgenheit geben will. Und das mitten in einer Welt des Unfriedens und das Streites. Manchmal werden sie dadurch gerade zum Punkt des Friedens in dieser Welt, denn sie wissen sie haben einen Vater, der für sie sorgt, der für sie da ist, der bereit war, seinen Sohn zu opfern. Das hebt sie nicht aus dieser Welt. Nein, die Kinder Gottes stehen oder sollten es genauso mit beiden Beinen in dieser Welt stehen, aber sie haben eben doch einen anderen Standpunkt – ein anderes Fundament.
Das Wissen darum , dass sie einen Vater im Himmel haben, der sie liebt, der sich ihnen zuwendet, der ihnen vergibt, zu dem sie „Abba“ lieber Vater sagen können, lässt sie befreiter im heute leben. Es ist eben auch das Wissen darum, dass das Heute nicht das Letzte sondern das vorletzte ist, sondern dass es eine Zukunft mit und bei Gott gibt. Es ist das Wissen darum das man Teil hat an der großen Familie Gottes im Heute und Jetzt aber auch in Ewigkeit. All das Lässt unser Leben heute in einem anderen Licht sehen. Sicher die Dinge die uns wichtig sind werden nicht bedeutungslos, aber es hängt nicht mehr unser Heil davon ab. Das Heil worauf es ankommt haben wir als Kinder Gottes allein bei Gott.
Genau das alles bewirkt das kleine Kind aus dem Stall von Bethlehem, dessen Geburt wir heute feiern. Darum wollen wir das auch aus ganzem Herzen tun. Amen.

 

 

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