Der Dienst als Pfarrer sagt die Unwahrheit über dich selbst

(c) sxc.hu/bluegum

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Mich sträubt es fast diese Überschrift aufzuschreiben. Denn ich frage mich gleich: Stimmt denn das wirklich, was ich da schreibe? Habe ich wirklich mehrere Gesichter, die nicht die Wahrheit von mir widerspiegeln, sondern in gewisser Weise Pokerfaces sind?

Da werde ich gleich an das Gedicht „Wer bin ich?“ von Dietrich Bonhoeffer erinnert. Hier beschreibt er seine Situation im Gefängnis, wie er nach außen hin den souveränen fast staatsmännischen Gefangenen darstellt. Aber sein Inneres sieht dagegen ganz anders aus. Da ist er einer, der nach Freiheit und Leben sich sehnt und von all den Erniedrigungen fast krank wird. Am Ende kennt er den Ort, wo er geborgen und aufgehoben ist und das ist eben Gott.

Nun wenn wir in unseren Gemeinden uns umschauen, dann gibt es von uns Pfarrern recht unterschiedliche Bilder. Und diese stehen ganz dicht nebeneinander. Jeder in der Gemeinde sieht uns anders. Da gibt es unsere „Fans“, die sonntags regelrecht an unseren Lippen hängen und unsere Predigten einsaugen. Denen stehen die anderen gegenüber denen jede unserer Predigten einfach grottenschlecht ist.

Nach dem Gottesdienst sagen die einen, man solle das nächste Mal nicht wieder so einen Mist predigen und sich besser vorbereiten. Für andere aber war es das Beste, was man je gepredigt hat.

Dann wird man ja auch als Pfarrer schnell mit seiner Frömmigkeit in irgendwelche Schubkästen gesteckt, entweder du bist liberal oder evangelikal, charismatisch oder pietistisch und und und … Es passiert, dass die einen dich als frommen Pfarrer einstufen und bei den anderen da bist du noch nicht einmal bekehrt.

Aber auch den Mitarbeitern gegenüber gibt es wieder Unterschiede. Manchen kommt man unnahbar vor, dem anderen ist man fast ein guter Kumpel. Den einen begegnet man als der große Chef, der andere hat den Freiraum sich zu entfalten. Ich persönlich bin ehrlich – ich bin kein guter Chef – ich lasse manchmal zu viel Freiraum.

Ein ganz anderes Feld ist die Frau und die Familie. Wie wahrhaftig ist man da? Lebt man da nach der Devise „Hier bin ich Mensch, hier kann ich’s sein“? Ist man als Pfarrer in der Gemeinde so und zu Haus anders? Sicher ist es nicht immer einfach nach der täglichen Anspannung auch hier dem Partner und der Familie in guter und Gott wohlgefälliger Weise zu begegnen. Doch wenn die Gemeinde ein Recht darauf hat, dann erst recht die Frau und die Familie.

Mir hat mal jemand gesagt: Die ersten und die wichtigsten Gemeindeglieder in einer Gemeinde sind die eigene Frau und die Kinder. Da ist was Wahres dran.

Am Ende stellt sich die Frage: Wie empfinden wir uns selbst? Wie empfinde ich mich selbst? Sehen wir uns nur in der Rolle eines Märtyrers oder sehen wir es als etwas normales was zum Leben dazu gehört, wie es eben auch bei vielen anderen Berufen und Berufsbildern dazugehört.

Wenn die Belastung einmal zu schwer ist, können wir mit Dietrich Bonhoeffer beten: „Dein bin ich o Gott!“

 

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