Der Dienst in einer kleinen Gemeinde verlangt, dass Sie immer wieder die selben Dinge tun

(c) sxc.hu/Ayla87

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Vielleicht haben sie ihn auch? Einen großen Kreativitätskoffer voller Ideen für ihre Gemeinde und sie sind ein Pfarrer voller Leidenschaft und Energie. Wenn sie dann noch, wie ich ein begeisterter Mindmapper sind, dann wissen sie vielleicht gar nicht, wohin mit all den Ideen für ihre Gemeinde. Alle die wunderbaren Ideen, wie man die Gemeinde doch so richtig vorwärts bringen kann, wie man Menschen erreicht, wie eine Gemeinde so verändern kann, dass sie die Botschaft von Jesus Christus richtig in ihre aktuelle Kultur bringt, und noch vieles mehr. Doch dann steht dieser wunderbare Koffer mit den vielen Ideen und Projekten in der Ecke und ist regelrecht mit Spinnweben überzogen, weil davon in der Gemeinde nichts geht. Es lässt sich von diesen wunderbaren kreativen Ideen nichts so einfach umsetzen. Man kann nicht so einfach alles umwerfen und durch neues ersetzen, selbst wenn man noch so sehr das Vertrauen der Gemeinde hat.

Erst einmal bleibt alles gleich. Meine To-Do-Liste von Woche zu Woche wiederholt sich mit gewissen Abweichungen. Die Termine sind alle relativ festgelegt. Da sind die wöchentlichen Veranstaltungen, die festliegen und sich kaum verändern. Der Konfirmandenkurs, der zur Zeit in drei Gemeinden stattfindet, ohne dass man die Konfirmanden zusammenbringen kann. Als nicht feststehende Termine kommen die Kasualien und ähnliches dazu.

Bei mir fließen in meine Gemeindearbeit sehr viele externe Termine ein. Da ist es sogar notwendig, dass meine wichtigsten Termine schon 1 bis 2 Jahre feststehen. Die Gottesdienstplanung erfolgt meistens mit der Exceldatei des Vorjahres. Ich könnte sogar mehr oder weniger für das übernächste und das über-übernächste Jahr planen. Bis auf ein paar terminliche Änderungen bleibt fast alles gleich. Nebenbei im spirituellen Gemeindemanagement ist so etwas sogar vorgesehen. Da spricht man von einer revoltierenden Planung. Natürlich wird es bei der Planung noch temporäre Änderungen geben. Doch in den groben Zügen steht sie fest. Wirklich einen großen Einschnitt kann es bei mir noch geben, wenn in unserem Kirchenkreis eine Strukturreform umgesetzt wird. Aber nach der Vorstellung der Gemeinde sollte sie ja so geschehen, ohne dass sich etwas für diese ändert.

Wir haben in einer Gemeinde in letzter Zeit einmal überlegt, was wir ändern sollten, dass unsere Gottesdienste unsere Gemeindeglieder mehr ansprechen. Das Ergebnis hat mich fast etwas erschüttert. Fast nichts! Es stellte sich heraus, dass die Leute viel mehr wert legen auf Altes und Bewährtes, als auf Veränderung. Dass so gar Menschen, denen unser Gottesdienst mit seiner Liturgie am Anfang fremd ist, nach einer gewissen Zeit Heimat und Geborgenheit gibt. Die Liturgie im Gottesdienst gibt eine gewisse Sicherheit. Nur wichtig ist, dass sie nicht starr und keine leere Hülse ist, sondern den Gemeindegliedern bewusst ist, was sie bedeutet, und kleine Variationen zulässt. Darum ist schon gut, wenn man ab und an die Bedeutung erklärt. Auf radikale Veränderungen lassen sich unsere Gemeindeglieder nicht ein oder nur bedingt. Ab und an kann mal ein Gottesdienst in einer anderen Form stattfinden. Selbst in neuen Gemeinden haben die Gottesdienste spätestens nach ein paar Jahren eine gewisse Liturgie, die von Gottesdienst zu Gottesdienst mit gewissen Abweichungen gleich ist.

Der Dienst als Pfarrer in den kleinen Gemeinden ist nicht immer ein Dienst mit vielen Herausforderungen. Manchmal sind Routinetätigkeiten notwendig, wo man fragt: „Gehören, die eigentlich dazu?“ Ständig irgend welche Rechnungen gegenzeichnen, ermüdende Sitzungen, die recht wenig bringen, Menschen, die einem immer wieder das gleiche erzählen, Statistiken, die auszufüllen sind, aber auch die Pflege des Pfarrgartens mit gleich 2000 m² und vieles mehr.

Und Entscheidungen, egal ob über das Gemeindeleben oder über die Frage des Kirchbaues, brauchen manchmal eine lange Zeit bis sie erst einmal getroffen werden und dann noch einmal eine Zeit bis umgesetzt werden. Manchmal kann dann gut ein bis zwei Jahre oder länger vergehen. Oder wenn sie es am Ende nicht selber machen, passiert es gar nicht, dass die Dinge auf den Weg gebracht werden. So braucht man als Pfarrer schon oft einen langen Atem. Kein Wunder, dass mancher nach dem Spruch arbeitet: „Selig sind die Beine, die vorm Altar stehen alleine.“ Da kann manchmal der Dienst ermüdend und zermürbend sein, wenn nichts vorwärts geht, wenn man das Gefühl hat, es stagniert.

Doch dann blüht es auf, das kleine Pflänzchen, das wieder Mut macht, weil sich doch etwas verändert, weil doch nicht alles gleich bleibt, weil die Gemeinde wächst und Menschen zum Glauben an Jesus Christus findet. Und weil die Menschen, mit denen man es zu tun hat, Originale sind.

Nicht dass sie denken, hier schreibt einer, der über den Pfarrberuf resigniert. Nein hier schreibt einer, der seinen Pfarrberuf liebt, der mit Leib und Seele Pfarrer ist und der sich von seinem Herrn berufen fühlt. Aber hier schreibt auch einer, der weiß, dass ein Pfarrberuf Ecken und Kanten hat, aber der sich und anderen helfen will, damit umzugehen.

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