Die Führung und Leitung von Mitarbeitern in der Gemeinde unter Anwendung der Skill-Will-Matrix

31. August 2011
(c) sxc.hu/pinzino

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In einer Gemeinde brauchen alle Mitarbeiter, egal ob es ehrenamtliche oder hauptamtliche sind, mehr oder weniger Leitung und Anleitung, damit sie gemeinsam auf dem Weg sind und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Besonders ehrenamtliche Mitarbeiter brauchen Führung. Es kann in einer Gemeinde nicht jeder machen , was er will, wo zu es ihm gerade Lust ist. Leider erleben wir das viel zu oft. Andererseits gibt es Leute in der Gemeinde, die machen Dinge in der Gemeinde, weil sie gemacht werden müssen, obwohl sie selber dafür nicht geeignet sind. Das Ergebnis ist dann manchmal entsprechend. So wie jeder Mensch verschieden ist, gibt es in der Gemeinde daher recht unterschiedliche Typen von Mitarbeitern. Sie bewegen sich in der Mitarbeit zwischen Können (Skill) und Wollen (Will). Damit sie in der Gemeinde erfolgreich sind und sich in ihrer Aufgabe wohl fühlen, müssen sie richtig eingesetzt werden. Dabei gibt es nie den Typen des Mitarbeiters. Ja der Mitarbeiter wird selten der eine Typ bleiben. Oft wird er zwischen den verschiedenen Typen hin und her wechseln, je nach Aufgabe, Anforderung und auch persönlicher Stimmung.

Zur Führung und Leitung von Mitarbeitern wurde Max Landsberg in seinem Buch „The Tao of Coaching“ die Skill-Will-Matrix eingeführt. Sie erwies sich als hilfreiches Werkzeug um die Mitarbeiter in ihrem Engagement zu fördern. Dabei werden in einer Matrix die Fähigkeit (Skill) und der Wille (Will) gegenübergestellt und analysiert:

Fähigkeit: hängt von Erfahrungen, Training und Verständnis ab. Hier hinein fließen das Wissen, die Begabungen und Talente, die jemand hat.

Wille: hängt von dem Wunsch ab etwa zu erreichen, von Anreizen zur Aufgabe, Sicherheit zum Tun und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sowie das eigene Zutrauen.

Diese Matrix kann man aber dennoch nicht als absolut sehen, denn sie verallgemeinert vieles. Ja sie hat teilweise etwas menschenverachtendes an sich. Sie degradiert den Menschen zu einem Gebrauchsgegenstand. Dennoch kann sie vorsichtig gebraucht recht hilfreich sein. Andererseits schärft sie dennoch das Bewusstsein: Jeder Mitarbeiter ist ein Original mit seinen Gaben und Fähigkeiten und will auch als solches gesehen werden.

 

Skill-Will-Matrix - Fähigkeits-Willigkeits-Matrix

Skill-Will-Matrix

Wie müssen wir nun mit unseren Mitarbeitern umgehen? Die Skill-Will-Matrix teilt dies in vier Verhaltensweisen auf.

führen

Hier ist der Wille hoch, aber die Fähigkeiten niedrig. Daher muss der Mitarbeiter auf der Basis einer sauberen Potenzialeinschätzung wachsen. Der Mitarbeiter ist motiviert, aber seine Fähigkeiten reichen noch nicht aus die Aufgabe zu erfüllen. Darum gilt hier behutsam nach dem Motto zu arbeiten „jeden Tag etwas mehr“. Durch Feedback und Coaching sind seine Fähigkeiten weiter zu entwickeln.
Einerseits kann das durch Schulung und Seminare geschehe. Aber nicht nur, sondern andererseits durch das Ausführen von einer Serie kleiner Aufgaben, mit denen er seine Fähigkeiten entwickelt. Dabei hat er das Recht Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen.
Geeignetes Feedback und Lob sind notwendig.

delegieren

Das sind einerseits die pflegeleichtesten Mitarbeiter. Hier ist der Wille und die Fähigkeit hoch. Doch notwendig sind klare Zielvorstellungen und auch klare Grenzen im Bezug auf Zeit und Geld.
Wichtig ist ein gutes Verhältnis zwischen Motivation und Bindung. Anspruchsvolle Ziele entwickeln, herausfordernde Aufgaben an die Mitarbeiter delegieren, Freiräume schaffen und Perspektiven geben. Wichtig ist auch hier ein geeignetes Feedback und Lob

begeistern

Hier ist der Wille niedrig, aber die Fähigkeit hoch. Der Mitarbeiter könnte also, wenn er wollte. Es gilt darum Ursachen für mangelnde Mitarbeit zu ergründen.Warum ist die Motivation des Mitarbeiters niedrig? Worin liegen die Ursachen? Liegen sie vielleicht im Führungsstil der Gemeinde? Oder gab es Verletzungen beim Mitarbeiter, die ihn blockieren? Wie kann man die Situation verbessern? Wo müssen Missverständnisse ausgeräumt werden? Wo ist ein Neuanfang möglich? Den persönlichen Nutzen bei der Mitarbeit sehen lassen. Wichtig ist auch die Förderung der Eigenverantwortlichkeit. Auch hier gilt Motivieren durch loben und danken. Und natürlich das regelmäßige Feedback.

anweisen

Das ist die schwierigste Gruppe der Mitarbeiter, weil hier der Wille niedrig ist und die Fähigkeit niedrig ist. Nun kann man ja in einer christlichen Gemeinde niemand zur Mitarbeit zwingen. In der Wirtschaft würde man sagen: entwickeln oder trennen. Letzteres ist ja in der Gemeinde nicht möglich. Höchstens dass er sich selber zu einem „einfachen Gemeindeglied“ zurückstuft oder, was ganz schlimm wäre, weg bleibt.
Doch auch hier ist noch Entwicklung möglich. Dazu gibt es drei Stufen:

  1. Baue den Willen auf – motiviere den Mitarbeiter, dass er etwas tun will.
  2. Entwickle die Fähigkeiten – befähige den Mitarbeiter, dass er es tun kann.
  3. Stärke den Willen – halte ihn bei der Stange durch Feedback und Lob.

Dabei muss der Leiter klare Vorstellungen bzw. eine Vision von der zukünftig zu erwartenden Leistung des Mitarbeiters haben. Der Mitarbeiter muss mit direkten und klaren Anweisungen für die spezielle Situation oder Aufgabe geführt werden. Dabei sollte ihm gegenüber immer wieder die Bedeutung der Aufgabe hervorgehoben werden, um so seinen Willen zur Mitarbeit zu stärken. Im Umgang mit dem Mitarbeiter sind klare Regeln und Termine notwendig. Auch hier ist ein geeignetes Feedback und Lob erforderlich.

Schluss

Mit Hilfe der Skill-Will-Matrix können wir die Mitarbeiter der Gemeinde besser zur Mitarbeit in der Gemeinde motivieren, so dass sie ihre Gaben und Fähigkeiten entfalten und ihnen ihr Engagement Spaß und Freude macht.

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