Dienen, dienen, dienen?! – Predigt zu Lukas 17,7-10 Sonntag Septuagesimae

Liebe Gemeinde,

Bewerbung

Am Ende des Vorstellungsgespräches fragte der Personalchef den jungen Ingenieur, der frisch von der Hochschule kommt, was für ein Gehalt er sich denn vorstellt?

„Naja so in etwa 140 000 Euro Jahresgehalt, plus Leistungszuschläge.“

„Nun, was würden sie dann zu dem Paket von 7 -Wochen Urlaub, 14 bezahlten Feiertagen, volle medizinische Versorgung und Gesundheitsvorsorge sagen. Dazu dann eine durch das Unternehmen abgesicherte Altersvorsorge von 50% des Gehaltes und ein alle 2 Jahre neu geleastes Auto, sagen wir einen silbermetallic-farbenen Porsche.“

„Wow! Machen Sie Witze?“

„Ja, aber sie haben damit angefangen.“

Wer von uns träumt nicht von so einer luxuriösen Arbeitsstelle, bei der man ein richtig gutes Gehalt bekommt und dann auch noch für das Alter und für die Gesundheit gut abgesichert ist. Also so etwas könnte ich mir schon recht gut vorstellen.

Dieser Vorstellung eines Jobs stellt uns in unserem Predigttext Jesus etwas total Anderes gegenüber.

Wir lesen Lukas 17,7-10:

Bedingungslose Bereitschaft zum Dienst

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?

9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?

10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Liebe Gemeinde,

als ich den Text das erste Mal gelesen hatte, musste ich wirklich erst einmal richtig schlucken.

Jesus meint

  • Meint das Jesus wirklich ernst, was er hier sagt?
  • Meint da Jesus etwa mein Verhältnis zu ihm und zu Gott?
  • Meint da Jesus etwa meinen Dienst in seinem Reich?
  • Meint da Jesus etwa meine Mitarbeit in der Gemeinde?
  • Meint da Jesus mich in meinem Beruf als Pfarrer?

Dieser Text hatte da erst einmal mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten gegeben.

Knecht

Und ehrlich im ersten Augenblick habe ich gedacht, wenn Jesus das hier so meint, wie er es sagt und mich als Pfarrer als einen Diener, als Knecht oder Sklaven sieht, dann möchte ich nicht mehr Pfarrer sein. Da verlangt er doch zu viel, oder was meint ihr?

Nebenbei ich hatte einen Onkel, der hatte bis weit in die 70 iger Jahre einen Knecht. Nun gut, zuletzt war dieser sicher kein Knecht mehr. Er lebte in der Familie mit, weil er sonst keine Angehörigen hatte. So war er dann auch kein Knecht mehr.

Aber der lebte bei weiten nicht so, wie es Jesus hier beschrieben hat. Was in unserem Text als Knecht benannt ist, ist also ein richtiger Sklave.

Dennoch

Also ich bin und bleibe noch Pfarrer und weiß mich in Gottes Hand geborgen und geliebt. Darum stellen wir uns die Frage, was will uns Jesus mit diesem radikalen Wort heute sagen?

Worum geht es nun in diesem Wort?

Nicht

Vielleicht erst einmal sollen wir fragen – worum geht es nicht?

Es geht nicht darum, dass Jesus von uns will, dass wir als Christen allen Leuten Diener oder noch krasser ausgedrückt Sklaven sind, und uns dann rund um die Uhr kaputt machen. Dass wir dann ständig immer und überall da sind.

Es geht auch nicht darum, dass vielleicht, wie manche Leute die Vorstellung von einem Pfarrer oder einem anderen kirchlichen Mitarbeiter haben, diese 25 Stunden am Tag für sie da zu sein haben.

Beziehung

Sondern Jesus geht es hier um eine andere Sache. Jesus geht es hier um eine Beziehung. Es geht ihn um eine ganz besondere Beziehung. Es geht ihm um die Beziehung zwischen mir und Gott. Es geht um das Verhältnis zwischen mir und Gott. Man kann es auch mit dem frommen Begriff der Nachfolge benennen, denn darum geht es uns heut in unserem Gottesdienst.

Wenn wir uns das beim Lesen dieses Textes bewusst machen, dann bekommt dieser auch eine andere, eine viel tiefere und sinnvollere Bedeutung.

Gott ist da

Uns allen sollte doch klar sein: Gott ist 24 Stunden am Tag für uns da. Wir können immer zu ihm kommen. Wir stehen also immer mit ihm in Beziehung.

Handy

Das gute daran ist: Wir brauchen dazu keine Hilfsmittel, wie ein Handy oder ein Smartphone. Ich finde an und für sich, sind diese Dinger eine gute Sache.

Man kann viel mit ihnen unterwegs machen, sogar Email checken und versenden, schnell mal ein Foto machen, Whatsappen und sogar telefonieren. Im Notfall kann ich es sogar zum Predigen verwenden. Man ist fast immer erreichbar. Ob das für uns immer gut ist sei einmal dahingestellt.

Verbindung zu Gott

Nun bei Gott brauchen wir kein Handy. Ihn erreichen wir direkt. Und er spricht uns an. Er ruft uns. Er ruft uns in seinen Dienst. Er fordert uns. Und manchmal kann das richtig hart sein und viel Kraft von uns fordern.

Wer in eine 100%ige Beziehung zu Gott tritt, für den heißt es auch sich 100% für seinen Herrn einzusetzen.

Wurstsuppe

Christsein ist daher kein Daherschwimmen auf der Wurstsuppe des Lebens, sondern das ist ein Leben mit ganzer Konsequenz, das kann richtig in die Tiefe gehen, auch durch Zweifel und Anfechtung.

Christsein heißt nicht, einmal ein paar Euro spenden oder ein paar Sozialstunden ableisten oder für den Nachbarn ein gutes Wort haben, sondern sich ganz und gar für seinen Herrn einsetzen.

Das kann manchmal richtig schwer sein.

Darum sagt uns auch der Apostel Paulus zu: Und Gott ist treu; er wird euch ´auch in Zukunft` in keine Prüfung geraten lassen, die eure Kraft übersteigt. Wenn er euren Glauben auf die Probe stellt, wird er euch auch einen Weg zeigen, auf dem ihr die Probe bestehen könnt. (1.Kor. 10,13b)

Gott gibt uns die Kraft und das Vermögen seine Diener zu sein. Er gibt uns die Kraft seine Sklaven zu sein.

Gemeinde

Wir suchen da in unserer Gemeinde Freiwillige, so zum Beispiel für den Besuchsdienst oder für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, für die Arbeit mit Senioren?

Wisst ihr was der Unterschied zwischen einem Freiwilligen und einem Diener ist?

  • Ein Freiwilliger entscheidet, ob, wo und wann er überhaupt mitarbeiten will. Ein Diener dient, egal was ist.
  • Ein Freiwilliger macht das, was ihm gefällt, ein Diener tut, das was anfällt.
  • Ein Freiwilliger erwartet, dass er ihm doch wenigstens ab und an gedankt wird und er auch einmal gelobt wird. Ein Diener tut es auch dann, wenn es niemand mehr registriert.

Wir – Gottes Diener

Nun sagt Jesus zu uns, dass wir Gottes Diener sein sollen. Er sagt weiter: So sollt auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen war, sprechen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren!

Würden wir da nicht eigentlich widersprechen wollen. Ein bisschen Ehrung ist doch immer einmal angebracht. Ein wenig Dankeschön wäre schon gut.

Ab und an mal einen Blumenstrauß oder ein kleines Weihnachtsgeschenk sollte doch mal abfallen.

Familie

Nun es gibt einen Ort in unserem Leben, wo auch gedient wird, und leider auch viel zu wenig Dankeschön gesagt wird. Da ist vieles selbstverständlich. Dieser Ort ist die Familie.

Ehegatten dienen oft selbstverständlich einander oder die Eltern ihren Kindern. Da wird nicht erst fünfmal gefragt, ob man es freiwillig tut, sondern man tut es. Und es werden auch Dinge getan, die man nicht gern tut, weil man sich einander liebt. Es ist also selbstverständlich, weil das Herz an dem anderen hängt, weil der andere mir wichtig ist.

Herz

Nun stellt sich uns die Frage: Woran hängt Dein Herz?

Martin Luther hat einmal gesagt: Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott. Genau das ist diese Frage, um die es hier in diesem Text und bei der Nachfolge geht.

Hobby

Denken wir einmal darüber nach. Viele Menschen haben Hobbys. Davon sind manche sind richtig zeit- und kostenintensiv. Was opfern sie nicht alles für ihr Hobby?

Ich sage jetzt nichts gegen Hobbys an und für sich, sondern nur dass man ja, und da wird es auch im negativen Sinne deutlich, „Sklave“ seines Hobbys werden kann.

Somit wird das Hobby selber zum Gott.

Beziehung

Heute geht es um Deine Beziehung zum lebendigen Gott!

  • Vielleicht wenn er gut vor anderen da steht?
  • Vielleicht wenn es ihm etwas nützt?
  • Vielleicht wenn es ihm gerade Spaß macht?
  • Willst Du nur Freiwilliger sein, der sich nur ab und an bei Gott einbringt?
  • Oder bist Du bereit ein Diener dieses lebendigen Gottes zu sein?
    • Einer, der sich mit 100% einsetzt!
    • Einer der auch das tut, was ihm nicht gerade Spaß macht
    • Einer, der nicht immer im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen muss!
    • Einer, der auch Dinge tut, ohne dass die anderen es gleich merken.
    • Einer, der treu ist!

Bist Du bereit ein „Sklave“ dieses lebendigen Gottes zu sein?

Bis du bereit das Herz eines Sklaven zu haben!

Dazu will uns Jesus sogar mit diesen etwas hart klingenden Worten einladen und wir werden etwas merken:

Dieses Leben – es ist ein erfülltes Leben.

Amen

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