Friedhofsverwaltung und missionarische Kirche

6. April 2017

Was hat die Friedhofsverwaltung einer Kirchengemeinde mit missionarische Gemeindearbeit zu tun? Auf den ersten Blick sicherlich erst einmal nichts. Das eine ist ein mehr oder wenig aus der Geschichte heraus gewachsener Dienstleistungsauftrag vieler Kirchengemeinden und das Andere ist der Auftrag Jesu. Dennoch ist sehr oft beides zu leisten.

Natürlich kann man es sich einfach machen und sagen: Wir geben die Friedhofsverwaltung ab. Manche Kirchengemeinde machen das auch. Dennoch ist es nicht einfach, sondern sehr oft ein schwieriger und langwieriger Prozess. Sehr oft weigern sich die Kommunen die Friedhöfe zu übernehmen, obwohl es ihre Pflichtaufgabe ist. Es ist auch ihre Pflichtaufgabe die Kirchengemeinden bei der Verwaltung der Friedhöfe zu unterstützen, was sie selten nachkommen. Im Zuge solch einer Übergabe besteht dann sehr oft die Gefahr, dass kleine Friedhöfe in kleinen Ortschaften manchmal geschlossen werden. Sehr oft müssen auch hier Kirchgemeinden ihre Hausaufgaben erst einmal machen und eine gültige Friedhofsordnung schaffen und die Verwaltung ordnen, ehe die Übergabe erfolgen kann.

Friedhof – Teil des Bildes einer Kirchengemeinde

Sehr oft ist der kirchliche Friedhof ein Teil der Wahrnehmung einer Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit, besonders dann, wenn der Friedhof ein Monopolfriedhof in einem größeren Ort ist. Dann ist hier die Frage nach Auswirkung zu stellen. Es hat Einfluß auf eine missionarische Gemeindearbeit. Wie wir die Frage nach der Außenwirkung des Gemeindehauses oder Kirche gestellt haben, haben wir diese jetzt beim Friedhof zu stellen.

Äußerlich gehört da eine ordentliche Verwaltung dazu: Bestandteil dieser ist eine rechtsgültige Friedhofssatzung mit einer transparenten Gebührensatzung. Natürlich ist die Frage der Kosten zu stellen. Eins ist klar, der Friedhof muss sich selbst tragen. Dazu gehören auch die Investitionen. Die Kirchengemeinde darf nicht vom Friedhof leben, aber andererseits sollte die Kirchengemeinde auch nichts zu schießen. Die Kommunen wollen es nicht. Dennoch ist eine Kostensteigerung nicht zu verhindern, da sich die Bestattungskultur verändert hat. Sehr oft müssen großflächige Friedhöfe gepflegt werden. Die Gräber wurden kleiner. Bestattungen erfolgen in Gemeinschaftsanlagen. Eine Entwidmung von Teilen des Friedhofes ist dennoch selten möglich.

Die Verwaltung der Grabstellen sollte heute wenigstens bei Friedhöfen ab 200 Grabstellen digital erfolgen. Ich habe da leider schon Verwaltungen erlebt, da sträubten sich mir die Haare zu Berge. Natürlich kostet das etwas, aber der Einsatz lohnt sich um den Überblick zu haben.

Mitarbeiter auf den Friedhof

Ist der Friedhof groß genug, kann man jemanden fest anstellen. Das ist sicher in jeder Kirchengemeinden und auf jeden Friedhof individuell zu entscheiden. Leider können nicht mehrere Kirchengemeinden wegen des Arbeitnehmersüberlassungsgesetzes einen Mitarbeiter einstellen. Ich habe es noch nicht gemacht, aber vielleicht wäre die Gründung einer gemeinsamen gGmbH ein hilfreicher Ansatz. Auf jeden Fall wären Minijobs möglich. Dennoch sollte einer aktiv auf dem Friedhof als Friedhofsverwalter fungieren, der dann Ansprechpartner für die Angehörigen beim Heraussuchen des Grabes ist. In kleinen Kirchengemeinden mit kleinen Friedhöfen machen das sehr oft Kirchenälteste.

Keine anonymen Bestattungen auf kirchlichen Friedhöfen

Der Wunsch nach pflegearmer Bestattung ist in unserer mobilen Gesellschaft groß. Ob es wegen der Pflege berechtigt oder unberechtigt ist, sei einmal dahingestellt. Sehr oft haben bisher viele kirchliche Friedhöfe, genauso wie kommunale Friedhöfe, die anonyme Bestattungsform angeboten. Dabei war es meist die einzige Form der pflegearmen Bestattung. Die anonyme Bestattung widerspricht aber den Grundsätzen der Bestattung auf kirchlichen Friedhöfen. Denn da bei Gott jeder Mensch einen Namen hat, soll er auf kirchlichen Friedhöfen auch mit seinem Namen wieder zu finden sein. Darum sind als pflegearme Bestattungsformen auf kirchlichen Friedhöfen nur Bestattungen mit Namensplatte oder Namensstele erlaubt.

Ein gepflegter Friedhof mit einer funktionierenden Verwaltung kann das missionarische aktive Bild einer Kirchengemeinde unterstützen. Eine desolate Friedhofsverwaltung kann kontraproduktiv sein.

 

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