Gemeindeaufbau vom Worte Gottes her ist gegenwärtig unser Hauptauftrag.

Die Gemeinde braucht nicht glänzende Persönlichkeiten, sondern treue Diener Jesu und der Brüder. – Dietrich Bonhoeffer

Kirche - (c) sxc.hu/kingcarp

Kirche am Meer – (c) sxc.hu/kingcarp

Es ist schon interessant, dass der Titel des Artikels aus einem Buch stammt, welches in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Osten Deutschlands erschienen ist und von dem Thüringer Oberkirchenrat Erich Friedl stammte “Handlanger auf Gottes Bauplatz”. Ich behaupte einmal, es ist (außer der Bibel) das mir “älteste” bekannteste neuzeitlichste Buch über missionarischen Gemeindeaufbau.

Sicher hier wird noch nicht von Sinus-Milieu- und Shell-Studie gesprochen. Auch Willow-Creek ist unbekannt, aber doch finden wir in dem Buch recht interessante Ansätze um die Menschen zu erreichen. Da sind selbst Dinge zu finden, welche auch heute im 21. Jahrhundert noch ganz aktuell sind. Da wird vom organischen Gemeindeaufbau gesprochen, die Gemeinde als Familie Gottes aufgezeigt. Es gibt auch schon Kleingruppen (die Familie als Hausgemeinde) Dienstgruppen, innergemeindliche Diakonie. Der Wert der Mitarbeiter wird aufgezeichnet.

Es galt damals und es gilt heute, die Kirche ist keine Pastorenkirche und auch keine Pastorinnenkirche, sondern ein Gemeindekirche. Ich selber weiß nur zu gut, wie schwer das ist. Manchmal ist das selber tun viel einfacher, als erst einmal die Leute fragen, ob sie es machen würden. Wenn man die Leute fragt, machen sie es meisten. Manchmal denkt man auch, wenn ich es manche dann geht es schneller und besser. Aber die anderen haben auch oft bessere Ideen. Deshalb wir brauchen einander auch im Tun. Ich muss mir das Tag für Tag immer wieder selber bewusst machen.

Heute reden wir von gabenorientierter Mitarbeit – damals sagte man alle Gemeindeglieder sollen sich gerufen wissen zur Gemeindediakonie zum Zeugendienst in Wort und Tat… … jeder an seinem Platze. Also hier wird mit anderen Worten ähnliches gesagt.

Es ist schon interessant, wie früher nachgedacht wurde, wie Gemeinde gebaut werden sollte.

In seinem Vorwort schreibt Erich Friedel, dass er es selber immer wieder erfahren durfte, dass Gott am Werk ist und dass es für Handlanger Gottes den Begriff ‘tote Gemeinde’ nicht gibt. Gott schenkt auch heute noch Wunder der Erweckung. Wir sollten nicht sagen: Dies und jenes in unseren Gemeinden ist ‘noch’ so, sondern wir sollten das sehen, was ‘schon’ ist, wie unser Herr es haben will.

In diesem kurzen Satz ist alles enthalten, was auch die Grundlage moderner Gemeindeentwicklung ist. Eins ist klar, wenn Gott niemanden aufgibt, dann haben auch wir nicht das Recht andere und auch die Gemeinde Gottes vor Ort und weltweit aufzugeben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, solche schweren Zeiten durchzustehen, Zeiten, wo man keinen “Erfolg” sieht. Wie schnell sind wir Pfarrer und Pfarrerinnen dann auch versucht unseren “Erfolg” wo anders zu suchen. Klappt es nicht vor Ort, dann suchen wir den Erfolg in überregionaler Arbeit oder vielleicht auch im Hobby.
Wenn wir aber genauer hinschauen, dann können wir auch vor Ort den Zweig entdecken, der aus dem dem dürren Baumstumpf herauswächst. Solange der lebendige Gott, die ‘tote’ Gemeinde nicht aufgibt, ist sie nicht tot. Auch glauben wir ja als Christen an die Auferstehung von den Toten. Warum nicht hier?

Wir sollten nicht sagen: Dies und jenes in unseren Gemeinden ist ‘noch’ so, sondern wir sollten das sehen, was ‘schon’ ist, wie unser Herr es haben will.

Kirche mit Vision – Gemeinde mit Vision, so nennen wir das heute. Und wir wissen nur zu gut, dass die Gemeinde ein Ziel haben muss auf, welches sie hin steuert. Schon damals war es wichtig sich als Gemeinde im Gehorsam zum Herrn zu begrenzen – sich begrenzen auf das Evangelium. Wo dann Möglichkeiten sich in der Gemeinde ergeben kann man weiteres tun.
Gerade auch unsere plurale Gesellschaft heute bietet den Gemeinden so viele Möglichkeiten das Gemeindeleben zu gestalten, doch auch heute müssen wir uns begrenzen und evangeliumsorientiert auf ein Ziel hinarbeiten.

Auch für uns heute gilt, was Erich Friedl schreibt: “Wer in dieser Mitte feststeht, kann in allen anderen Dingen frei, weit, beweglich und voller Zuversicht sein. Gott ist am Werk.”

Bildquelle: (c) sxc.hu/kingcarp

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