Ihre Armut ist der Reichtum der Kirche

11. Januar 2011

Fünf Brote und zwei Fische sind not-wendig, damit 5000 Leute satt werden.

(c) benflux/sxc.hu

In seinem Roman „Der Pfarrer in Uddarbo lässt Axel Hambraeus den späteren Pfarrer Ömark die Geschichte von der Speisung der 5000 nach Johannes 6 auslegen. Da ist ein kleiner Junge, der fünf Brote und zwei Fische hat, und auf der anderen Seite stehen dem wenigen Essen 5000 Menschen gegenüber. Ömark sagt nun: „… Aber wenn jemand daran zweifeln sollte, dass Jesus mit Broten und Fischen Wunderwerke verrichtete, so will ich sagen, dass er auf jeden Fall Wunder an den Menschenherzen tun kann. Vielleicht war es so, dass viele in der großen Schar Provianttaschen mit hatten. …. Und jede Provianttasche war fest zugeknotet, so fest wie es das Menschenherz sein kann. Aber jener kleine Junge, der machte seine Provianttasche auf. Der hatte nämlich Glauben. Er hatte ein freigiebiges Herz, wie Kinder oft, die gesegneten Kleinen, denen das Himmelreich gehört. …“

Es ist wirklich so. Wir erwarten oft von Gott große Wunder und es ist auch gut so, dass wir das tun. Aber oft sind es schon die kleinen Wunder, die Großes bewirken. Man muss sie nur entdecken und sehen.

Genau das sollten wir auch im Blick behalten, wenn wir über die Zukunft unserer Kirche und Gemeinde nachdenken. Dass der große Gott im Kleinen zu wirken beginnt. Nicht spektakulär, sondern still und leise. Dass aus dem Kleinen dann wieder Neues wächst. Darum sollten wir Gott bitten, dass er uns einen Blick dafür schenkt.

Sich für die Armut der Menschen einsetzen, dass ist eine der größten Herausforderungen der Kirche unserer Zeit. Dabei darf sich der Einsatz nicht auf Institutionen wie Diakonie und Caritas begrenzen. Die Gemeinde muss das als eine neue Herausforderung im Glauben enddecken. Der Einsatz für die Armen in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche und in unserer Gemeinde darf sich nicht auf Sammlungen und Geldzahlungen reduzieren. Auch wenn durch das Geld professionelle Hilfe möglich ist, liegt viel mehr die wirkliche Herausforderung im direkten Gegenüber zu dem, der die Hilfe braucht. Nur dann wenn wir das Antlitz dessen sehen, dem wir helfen, sehen wir das Angesicht Jesu Christi, nur dann begegnen wir Jesus Christus wirklich. Nur dann wird das Wort Jesu für uns als Gemeinde Wirklichkeit:

Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25,40

Gemeinde ist keine Gemeinschaft der materiell Reichen, aber eine Gemeinschaft derer, die durch Christus und durch sein Evangelium reich geworden sind und gern von diesem Reichtum abgeben. Wie sagen es Petrus und Johannes in der Apostelgeschichte 3 zu dem Gelähmten:

Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!

Apostelgeschichte 3,6

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