Ja, wenn ich nur! – Predigt zu Johannes 20,19-29 – Ökumenischer Gottesdienst 2014 Fraureuth

Liebfrauenkapelle Fraureuth

 

Liebfrauenkapelle Fraureuth

Liebfrauenkapelle Fraureuth

am Sonnabend vor dem Sonntag Quasimodogeniti in der Liebfrauenkapelle Fraureuth

Liebe Gemeinde,

zum Glauben an Jesus Christus zu finden, dazu gibt es recht unterschiedliche Wege. Meist sind diese Wege recht unspektakulär. Ein Mensch wächst über das Leben in der Gemeinde, durch das Zeugnis der Eltern, der Familie und anderer Menschen hinein in diesen Glauben. Bei anderen ist es schon etwas spektakulärer, manchmal auch etwas ungewohnter, wie zum Beispiel bei Bernd Merbitz, dem gegenwärtigen Polizeipräsidenten von Leipzig.
Hätte man ihm das von 25 Jahren gesagt, dass er eines Tages einmal Werbung dafür macht, dass im Jahr 2016 der Katholikentag nach Leipzig kommt, hätte er sich damals ungläubig den Kopf geschüttelt.
Denn er war zwar evangelisch getauft, seine Mutter war Katholikin, aber er war dann atheistisch erzogen worden. Sein Vater hatte es ihm verboten, dass er als Kind in die Christenlehre ging. Dann spielte Religion für ihn keine Rolle mehr. Als Polizist war er Mitglied der SED. Er stiegt dann zum Leiter der Mordkommission in Leipzig auf. Nun ich will hier nicht seine ganze Biografie und Karriere aufzählen. Aber durch seine zweite Frau, eine gläubige Katholikin, fand er zum Glauben an Jesus Christus. Er nahm, da er ja evangelisch getauft war, Firmunterricht und wurde katholischer Christ. Der Glaube an Jesus Christus hat jetzt Einfluss auf sein Leben und seine Arbeit als Polizeipräsident.
Manchmal bewahrheitet sich sogar im Umgang mit dem Glauben der Satz den Josef zu seinen Brüdern gesagt hatte: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun.“
Eines der bekanntesten Bücher gegen den christlichen Glauben ist das des Gottesleugner und Atheisten Richard Dawkins „Der Gotteswahn“. Nun interessanterweise sagen viele, dass dieses Buch gar nicht so wissenschaftlich ist, wie es tut, sondern einen fundamentalen Atheismus beinhaltet, der an einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben vorbeigeht.

Die amerikanische Autorin und Journalistin Judith Babarsky hatte das Gefühl, dass es schlecht recherchiert und seine Begründungen nicht wissenschaftlich, sondern tendenziös waren. Ja und wer das Buch dann objektiv liest, wird faktisch eingeladen sich mit den echten Quellen des christlichen Glaubens zu beschäftigen. Judith Babarsky hat dann die Jesus-Bücher von Papst Benedikt XVI gelesen. Bei ihr hatte genau das atheistische Buch „Der Gotteswahn“ das Gegenteil bewirkt, statt von Jesus wegzuführen, hat es sie zu Jesus hingeführt. Im Internet wird noch von einem weiteren Fall berichtet. Einem Mann mit Namen Michael.

Ja und mancher von den Evangelischen kennt auch das Buch von Lee Strobel: Der Fall Jesus. Hier nimmt Lee Strobel auf der Suche nach Wahrheit verschiedene Experten ins Kreuzverhör und konfrontiert sie mit wissenschaftlichen Fakten, anerkannten Beweisen und unangenehmen Fragen wie: Wie verlässlich ist das Neue Testament? Gibt es außerhalb der Bibel Beweise für die Existenz Jesu? Welche Gründe gibt es dafür, tatsächlich an die Auferstehung als historisches Ereignis zu glauben? Zerstreuen wissenschaftliche Argumente nicht jeden Glauben an das Übernatürliche? Er starte als Atheist und findet am Ende selber zum Glauben an Jesus Christus und ist heute ein bekannter Prediger.

In allen diesen Beispielen und vielleicht an uns selber, wird es uns klar, dass wir Menschen alle auf der Suche sind. Wir sind auf der nach Antworten auf die Fragen unseres Lebens. Wir sind auf der Sache nach den Fragen unseres Glaubens. Dabei bewegen wir uns immer zwischen Zweifel und Glauben. Das ist bei jedem so! Das ist auch bei dem Christen so, der noch so fromm ist.
Ich bin noch keinem Christen begegnet, der nicht auch Zweifel hat. Vielleicht sind die Zweifel unterschiedlich stark? Sicher gibt es Momente in unserem Leben da haben wir viele Zweifel und dann gibt es Momente, da sind sie weniger. Und ich glaube auch mit dieser Meinung stehe ich nicht allein. Heute Mittag bin ich über Twitter auf die Webseite eines Kollegen gestoßen, der zur Vorbereitung seiner Predigt für Morgen sogar eine Internetbefragung zum Zweifel macht. So finden wir uns als Menschen, die sowohl Zweifeln und auch Glauben, manchmal das eine mehr und das andere weniger und doch beides zugleich, in bester Gesellschaft. Erst einmal untereinander, dann mit den Vätern unserer Kirchen, aber auch mit den Menschen der Bibel.

Schauen wir doch einmal in das Alte Testament. Die Vätergeschichten erzählen uns so viel davon. Und ganz besonders dann die Psalmen, wo Menschen ihre Zweifel Gott gegenüber aussprechen, ja sogar hinausschreien, aber auch ihren Glauben und ihr Vertrauen dann wieder deutlich machen. Und wir finden es im Neuen Testament und den Briefen der Apostel und in den Evangelien. Ganz besonders zu Ostern finden wir es und gerade in der Ostergeschichte, die wir gerade als Evangelium gehört haben und die für den morgigen Sonntag in unserer beider Kirchen das Evangelium ist:

Ich lese sie dennoch noch einmal nach der Lutherübersetzung: Johannes 20,19-29.

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!
23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Ist das nicht krass, was hier abgeht. Die Jünger kommen dem Thomas entgegen. Sie freuen sich und machen Party. Sie jubeln ihn entgegen: „Wir haben Jesus gesehen. Er war bei uns.“ Thomas wird gedacht haben, das ist doch nicht real. Eigentlich hat er doch einen trauernden Club erwartet, ein elendes Häufchen, das nicht mehr weiß, wie es weiter geht. Und jetzt begegnen ihm lauter positiv gestimmte Leute. Kein Wunder, dass er jetzt so skeptisch reagiert.

Wie würdet ihr oder sie in so einer Situation reagieren? Hättet ihr, hätten sie gleich alles geglaubt, was man ihnen erzählt, auch wenn es die besten Freunde sind. Sicher ist es schön, wenn Menschen Freude erfahren, wenn sie positiver Erfahrungen machen. Aber dennoch sind das wirklich alles die richtigen Dinge, die ihnen da begegnen? Muss man das nicht bestimmt erst einmal hinterfragen?

Nach der Wende hatten viele Leute  Ängste, dass Ostdeutschland von Sekten überrollt wird. Das war dann nicht der Fall, weil der Ostdeutsche sehr skeptisch bei allem Religiösen blieb. Das machte aber auch für uns als Kirchen die Arbeit schwer.

Pausaunenchor Fraureuth beim Ökumenischen Gottesdienst

Pausaunenchor Fraureuth beim Ökumenischen Gottesdienst

Dennoch wird dieses Hinterfragen des Thomas an sich erst einmal gar nicht negativ dargestellt. Er begegnet uns als einer, der sich mit Jesus und seiner Botschaft auseinandersetzt.Damit ist er eigentlich auch für unsere Generation ein recht moderner Mensch. Er ist ein Mensch, der fragt und der hinterfragt. Letztlich können wir seine Aussage: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.“ – auf die Aussage verkürzen: „Ich glaube nur, was ich sehe!“

Und das sagen doch viele unserer Mitmenschen – aber leider müssen wir Menschen in unserem Leben viel mehr glauben, als wir sehen. Ich denke, unser Leben basiert mit mehr als 50% auf Glauben, besonders wenn wir wissen, dass Glaube letztlich eine Frage des Vertrauens ist. Auf was alles müssen wir nicht in unserem Leben vertrauen. Natürlich kommen dann bei unseren Mitmenschen die Fragen, kann man denn einem Gott vertrauen, der Leid zulässt. Es kommt die Frage nach dem Warum und dem Wozu? Und wir müssen dann auch ehrlich sein. Wir können nicht auf jede Frage eine Antwort geben.

Was mir bei Thomas auffällt, ist die Sehnsucht, die er hat. Er hält es zwar für unmöglich, was die anderen Jünger erlebt haben. Aber doch steckt in ihm die Sehnsucht, dass er doch diesem auferstandenen Herrn begegnen möchte. Sicher er legt für diese Begegnung Bedingung fest und steckt sie sehr hoch. Aber er tut etwas nicht, was im Gegensatz zu ihm die Emmaus-Jünger getan haben. Er verlässt die Gemeinschaft nicht. Diese hatten resigniert und sind wieder nach Hause gegangen.Thomas bleibt in der Gemeinschaft der Jünger und wartet, auch nachdem die anderen die Begegnung mit dem Auferstandenen hatten und er nicht. Er bleibt der Suchende und der Fragende. Er möchte glauben und kann es noch nicht. Wir spüren hier seine ganze Sehnsucht.

  • Wo und wie ist unsere Sehnsucht?
  • Wie sieht sie aus?
  • Was tun wir, wenn in unserem Leben Zweifel kommen?
  • Bleiben wir im Gespräch mit Gott, in der Gemeinschaft mit den Christen?
  • Oder bewegen wir uns von Gott und Gemeinde weg?

Wir sollten trotz alledem die Suchenden bleiben!

Eines macht uns diese Ostergeschichte auch deutlich, nicht wir bestimmen den Moment der Begegnung, sondern Gott. Manchmal müssen wir einfach warten, so wie es auch Thomas tat. Dann geschieht es. Wir können es jedenfalls nicht erzwingen. Für Thomas kam der Moment der Begegnung mit Jesus. Dann konnte er nur noch sagen: „Mein Herr und mein Gott!“ Alles andere war dann zweitrangig.
Auch uns will Gott begegnen in ganz unterschiedlicher Weise. Wir dürfen ihn vertrauen und jeder von uns erfährt diese Auferstehungsbotschaft ganz persönlich und erlebt sie auch ganz persönlich, so dass auch wir sagen „Mein Herr und mein Gott“.
Für Thomas hat diese Begegnung sein Leben bestimmt. Er gab diese Botschaft weiter. Der christlichen Legende nach wurde er zum Missionar für den Raum im Irak und Iran, ehe er dann in Indien das Evangelium verkündete, wo er auch heute noch in besonderer Weise verehrt wird. Auch wir sind eingeladen unseren Glauben zu Leben und von ihm Zeugnis zu geben.

Bernd Merbitz tat es als er für den Katholikentag in Leipzig warb. Judith Babarsky bezeugte, dass selbst ein atheistisches Buch Menschen zu Christus führt.
Und wie ist es bei uns?
Amen

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