Jesus und der blaue Vogel

Warum Christen und besonders Seelsorger twittern sollten?

Jesus und der blaue Vogel

Predigt zum Konfirmandenabendmahl Pfingstsonnabend 19:30 Uhr Kirche Fraureuth
Matthäus 9:9-13

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde,
ich habe euch heute einmal das Bild eines Blauen Vogels mit gebracht. Der blaue Vogel ist Symbol für eine ganz moderne Entwicklung der Kommunikation von Menschen in unserer Welt.Seit etwa 5 Jahren hat sich in der Welt des Internets eine und des Handys eine Kommunikationsform entwickelt, die man Soziale Medien nennt. Dabei spielen auch sogenannte Netzwerke eine große Rolle. Schüler sind da oft Mitglied bei SchüerVZ , Stundenden bei StudiVZ, Unternehmer bei XING, andere bei MyVideo und noch vieles mehr. Auch für Pfarrer und Theologen gibt es so etwas. Doch das am weitesten verbreitete Netzwerk, wo fast alle Generationen vorkommen ist Facebook. Ich weiß, dass da aus Fraureuth Leute zwischen 12 und 70 zu finden sind und nicht wenige.

Aber mir geht es heute um ein besonderes Netzwerk, wo vielleicht nicht so viel Jugendliche dabei sind. Die meisten, die man da findet, sind etwa 25 bis 60. Mir geht es heute um Twitter. Deswegen habe ich den blauen Vogel mitgebracht. Wenn man bei Twitter ein Konto eröffnet und sich angemeldet hat, da wird die Frage gestellt: Was gibt es neues?

Und nun kann man das mit bis zu 140 Zeichen erzählen. Doch wer will es hören besser lesen, eigentlich niemand. Denn sie fehlen noch – die Followers – die Nachfolger. Wie bekommt man die?

Der erste Schritt man geht auf andere hin und wird selber bei denen ein Follower – Dann heißt es langsam auf der Seite wo Following steht 1 -2 -3 usw.
Nun ich will jetzt keine Vorlesung über Twitter halten.

Als zweites kann man andere einladen, dass sie einem nachfolgen.

Warum erzähle ich euch das heute am Vorabend der Konfirmation? Da könnte man doch über viel geistlichere Dinge als Twitter sprechen.
Nun ich muss euch sagen, so ungeistlich ist hier Twitter gar nicht. Hier passiert etwas, was vor fast 200 Jahren bei Jesus auch schon passiert ist. Und Tobias wird uns einmal die Geschichte vorlesen:

Matthäus 9:9-13

Jesu Gemeinschaft mit Zolleinnehmern und Sündern

9 Als Jesus weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen Mann sitzen; er hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

10 Später war Jesus im Haus ´des Matthäus` zu Gast. Viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, waren gekommen und nahmen zusammen mit ihm und seinen Jüngern an dem Essen teil.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu den Jüngern: »Wie kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

12 Jesus hörte das und erwiderte: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.«

Das war Twitter etwa im Jahre 25. Jesus sagte zu Matthäus: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

Stellt euch mal vor, wie hier Jesus mit Menschen umgeht. Ganz anders als man es von einem Frommen erwartet. Da beginnt er neue Freundschaften aufzubauen. Freundschaften mit Menschen, die man normalerweise meidet. Auch wir kennen alle solche Menschen: Mit dem will ich nichts zu tun haben, bleib mir von der Pelle.

Also der Matthäus, das war so einer mit dem wollte ein frommer Rabbiner nichts zu tun haben. Von den meisten Juden wurde der Zöllner verachtet. Schon einfach der Berufsstand assoziiert, dass der ein Betrüger und Kollaborateur sein muss. Komisch auch heute gibt es solche Berufe, aber auf der anderen Seite brauchen wir sie.

Ihr wisst alle um das hässliche Tucholsky-Zitat: „Soldaten sind Mörder“ und doch brauchen wir sie in unserer Gesellschaft – die Soldaten – und wir wissen auch wie viele Christen ein gespaltenes Verhältnis zur Bundeswehr haben. Natürlich ist das nicht einfach – wenn dann wie ich es erlebe wie ein Großneffe in der Einheit in Afghanistan ist, wo am Karfreitag 3 Soldaten ums Leben kommen.

Und immer wieder haben wir Situationen im Leben, wo uns Menschen begegnen, die Außenseiter sind – oder sind wir der Außenseiter – das werdet ihr als Konfirmanden in eurem Leben noch oft erleben – und eure Eltern, eure Paten und Großeltern haben das auch oft erlebt. Wie geht man nun miteinander um?

Hält man sich an die Masse und tut, was man tut, was die Masse tut. Wenn die Masse einen links liegen lässt, lasse ich ihn auch liegen, oder tue ich es anders.

Bei Twitter muss ich mich entscheiden, ob ich jemanden nachfolge. Ja ich kann sogar jemanden ablehnen, dass er mir nachfolgt. Es gibt auch schon Programme, die automatisch mich dem anderen nachfolgen lassen, wenn er mir nachfolgt, aber das ist nicht gut.

Manchmal folgen dann auch gewisse Damen nach, in der Hoffnung, dass man ihnen nachfolgt. Da ist es gut, dass man blocken kann.

Nun kommt Jesus die Straße herunter und trifft den verachtetet Zöllner Matthäus „Der ist doch das letzte“. Normalerweise macht man um solche Menschen einen großen Bogen.

Doch Jesus geht direkt auf ihn zu und sagt kurz und knapp: Folge mir nach!. Nicht mehr und nicht weniger.

wir hören hier nichts von Buße, von umkehr, von Vergebung, von Schuld, von Gnade, von Reue – von all diesen uns so geläufigen christlichen Bekehrungsbegriffen – nichts.

Nur: – Folge mir nach! Und was macht Matthäus? Er tut’s Er folgt Jesus nach, ohne wenn und aber, ohne Fragen. Eigentlich verwunderlich. Würden wir nicht erst noch so viele Fragen haben?

Vielleicht sind die Fragen, die wir haben gar nicht so von entscheidender Bedeutung, sondern bei Matthäus wird deutlich, was bei einem Menschen wirkliche Bedeutung hat, damit er auf einen anderen Menschen hört und bereit ist sein Leben zu ändern.

Jesus hatte mit seinen drei Worten: 2 Folge mir nach!“ dem Matthäus deutlich gemacht: „Ich habe wirklich existenzielles Interesse an dir.“

Manchmal erlebt man es, das Menschen unheimlich viel Worte machen – aber am Ende kommt nicht raus, weil sie einen mit den vielen Worten doch nur loswerden wollenen.

Dieser Matthäus – so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war – wurde zu einem der zwölf Jünger Jesu und zum Autor des Matthäusevangeliums.

Aber so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war, so radikal war sie auch.

Wie geht es weiter. Er lässt alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Seine Kehrtwende ist radikal. Sie kostet ihm alles. Sie kostet ihm seinen Job, seine bisherige Existenz, seine berufliche und familiäre Sicherheit. Und doch spürt er es – ich muss es tun. Und er tut es. Er folgt Jesus nach.

Und was tut er noch – er lädt seine Kumpels zu einer Party ein. Isst und trinkt mit ihnen, hat mit ihnen Tischgemeinschaft. Aber nicht nur das. Sondern er lädt auch Jesus und seine Jünger mit ein.

Aber das darf doch nicht wahr sein, dass der Jesus nun zu dem Matthäus geht, das war ja noch mit ach und krach zu verkraften, aber dass er jetzt noch sich mit den Typen an den Tisch setzt und auch noch seine Jünger dazu, das ist doch irgendwie zu viel.

Die Pharisäer haben es natürlich so gemacht, wie man es immer macht, wenn man feige ist. Sie haben nicht Jesus direkt gefragt, sondern indirekt seine Jünger: »Wie

kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

Nun Jesus lässt es sich nicht nehmen und antwortet direkt:

»Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Und genau das ist Gemeinde, das ist christliche Gemeinde, das sind wir, das sind wir heute Abend, aber auch morgen im Konfirmationsgottesdienst. Bei der Vorbereitung des Konfirmandenabendmahles ist mir dazu ein Satz von Morton Kelsey hängen geblieben: „Die Kirche ist kein Museum für Heilige, sondern ein Krankenhaus für Sünder.“

Genau das meint Jesus. Dass die Wirklichkeit oft anders ist, dass Kirche oft mehr Museum ist, oder gar Krankheit verstärkt erfahren wir leider auch – aber das ist nicht im Sinne des Gründers. – Die Konfirmanden möchte ich nur an den Kurzfilm von der Konfifreizeit erinnern.

Darum gilt es auch uns gerade wenn wir uns am Tisch des Herrn versammeln auch die Zusage Jesu: „ Ich bin gekommen zu rufen die Sünder an den Tisch der Barmherzigkeit.“

Folge mir nach! – dieses Wort Jesu gilt jeden Menschen und jeden der kommen will, den dürfen wir nicht ausschließen, sondern einladen.

So wie man sich bei Twitter bemüht viele Followers zu haben, sollten wir uns auch bemühen, dass Jesus sie durch uns hat und das wir auch selber das tun. Und das wir es gemeinsam tun, darum auch Tischgemeinschaft darum auch Abendmahl. Amen

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