Priestertum aller Gläubigen – jeder Christ hat Teil daran

Gerade in der Diskussion um die Zukunft der Kirche und ihre missionale Sendung taucht immer wieder das besonders in der Reformation postulierte Priestertum aller Gläubigen auf. Das ist auch richtig so. Denn die Urkirche kann ja nicht den so fest angestellten Mitarbeiter, sondern jeder hatte seine Aufgabe und seinen Dienst in der Gemeinde. Doch als erstes geht es ja beim Priestertum der Gläubigen nicht um den Dienst und um den Einsatz in der Gemeinde. Das wäre eine Verengung des Begriffes. Außerdem würde man den zweiten Schritt vor dem ersten machen.

Beim Begriff  „Priestertum aller Gläubigen“ geht es zu erst einmal um einen geistlichen Stand in dem wir als Christen durch Jesus Christus berufen sind:

Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

1. Petrus 2,9

Durch das Heilshandeln von Jesus Christus und durch die Annahme von uns selbst, durch die Taufe und das Eingebundensein in die Gemeinde sind wir von Gott auserwählt und gehören zu seiner königlichen Priesterschaft. Das ist ein Stand der erst einmal allen Christen gilt. Wir haben damit durch Jesus Christus unmittelbaren Zugang zu Gott. Und zwar jeder. Das ist es was wir zuerst in den Gemeinden vermitteln müssen.

Aus diesem Bewusstsein heraus ist es möglich und sinnvoll zur Mitarbeit beim Dienst in der Gemeinde und in der missionalen Sendung der Kirche einzuladen. Dann kann das Priestertum aller Gläubigen in der Gemeinde gelebt werden.

Die Reformation hatte sich, nach dem sie es als wichtiges reformatorisches Element erkannt hatte, bemüht es in der Evangelischen Kirche zu postulieren. Doch leider schaffte sie es kaum und in den Jahrhunderten ging es wieder nahezu verloren. Erst im Pietismus und in der Gemeindebewegung wurde es entdeckt und gepflegt, aber die „Amtskirche“ hatte sich lange Zeit diesem Priestertum aller Gläubigen verweigert. Auch die Innere Mission hat es gepflegt. Durch die gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts erfolgte in ihr schon ein massives Umdenken, das gegenwärtig weiter geführt wird.

Jedermann kann zum Bau des Reiches Gottes beitragen, er sei Lehrer oder Laie, Herr oder Knecht, gelehrt oder ungelehrt, Priester oder Laie, reich oder arm, hoch oder niedrig, Bürger oder Bauer.

Matthias Claudius

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