Leben in der Nachfolge Christi – Statt Rache – Liebe leben

Gemeinde - Plakat Konfirmandenfreizeit

Gemeinde – Plakat Konfirmandenfreizeit

Predigt zu Römer 12, 17-21 – 4.Stg. n. Trin.

Liebe Gemeinde,
was wir gerade in Israel erleben, kann uns regelrecht erschüttern. Dieser Krieg zwischen Israel und der radikalen Hamas der Palästinenser. Sicher haben wir vom fernen Europa her keinen Durchblick zu dem ganzen Geschehen. Dennoch ist es schlimm, wenn Menschen sterben, auf beiden Seiten. Einen wirklichen Aufschrei gab es ja erst in Europa als ein Kreuzfahrtschiff, die Aida Diva, von weitem ein paar Splitter abbekam.
Angefangen hat diese ganze kriegerische Eskalation mit der Ermordung von 4 israelischen Jugendlichen durch die palästinensische Hamas. Und danach trat eben dieses Gesetz der Rache in Kraft, welches wir ja aus dem Alten Testament kennen: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Leider bleibt es nicht dabei, sondern es eskaliert immer mehr, so wie wir es jetzt in Israel erleben.
Und nun fragt man sich, wie kann dieser Kreislauf der Rache durchbrochen werden.
Aber Rache gibt es nicht nur hier, sondern Rache geschieht in vielen Teilen des menschlichen Lebens und der menschlichen Gesellschaft. Doch es wird uns dabei ganz schnell deutlich, dass Rache etwas ist, was nicht unbedingt das menschliche Zusammenleben fördert, sondern eher zerstörerisch wirkt. Weiterlesen

Gottes Liebe – Impulsgeber für unsere menschliche Liebe

Predigt Joh. 15, 9-12 (13-17) –  21.Stg.n. Trinitatis Reinsdorf 2013

ehemaliges Denkmal in Nobitz

ehemaliges Denkmal in Nobitz

Liebe Gemeinde,

L I E B E – fünf Buchstaben und man stellt sich unter diesen vieles vor. Es ist eines der meist gebrauchten und meist missbrauchten Worte, die wir in unserem Munde führen, und das täglich.
Ganze Wirtschaftszweige leben von diesen fünf Buchstaben. Da sei nur einmal als negatives Beispiel die Sexindustrie genannt. Doch auch in der Musikindustrie wird dieses Wort gebraucht und missbraucht. Vom Schlager bis zur Liebesballade, vom Hip-Hop bis zur Opernarie, überall wird dieses Wort besungen.
Es wird ganz schnell deutlich, dass Liebe etwas ist, was wir alle Menschen brauchen, wonach wir uns alle sehnen. Doch mit der Liebe wird auch viel Missbrauch getrieben.
Erfahren wir in unserem Leben keine Liebe, spüren wir nur recht schnell, dass wir ohne sie ein Defizit haben.
Das weiß auch Jesus, darum zeigt er uns, wo und wie wir dieses Defizit füllen können, wo wir Liebe in einer besonderen Weise erfahren. Soviel Liebe, dass wir sie im überreichen Maß haben und dann weitergeben können.
Wir hören die Worte Jesu dazu aus dem Johannesevangelium Kapitel 15:

9 »Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe
10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich immer die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11 Ich sage euch das, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude vollkommen ist.
12 Liebt einander, wie ich euch geliebt habe; das ist mein Gebot.
13 Niemand liebt seine Freunde mehr als der, der sein Leben für sie hergibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
15 Ich nenne euch Freunde und nicht mehr Diener. Denn ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut; ich aber habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt: Ich habe euch dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat. Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben, was immer es auch sei.
17 Einander zu lieben – das ist das Gebot, das ich euch gebe.«

Wenn ich diese Worte lese, dann werde ich immer an den Friedhof in meiner ersten Gemeinde in Nobitz erinnert. Dort stand ein Kreuz als Gedenkstein für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges. Leider hat man dieses im vorigen Jahr beseitigt, was mich sehr ärgert. Da man damit ein Stück seiner eigenen Ortskirchengeschichte mit Füßen getreten hat. Dieses Kreuz wurde 1953 aufgestellt, also zu einer Zeit, wo so etwas so gut wie unmöglich war, so etwas zu tun. Dennoch haben es der damalige Pfarrer und die Kirchengemeinden gegen allen Widerstand der damals Herrschenden durchgesetzt, dass das Kreuz errichtet wurde. Eines konnten sie nicht erreichen, dass auf dem Kreuz die Worte standen: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Wenigstens die Bibelstelle wurde aufgemeißelt: Joh.15,13.
Im 2. Weltkrieg haben viele Menschen ihr Leben lassen müssen. Aber nicht für die Freunde, sondern für einen totalitären und menschenentwürdigenden Staat. Und daher war ich sogar froh, dass nur die Bibelstelle stand, denn der Text war sonst etwas missverständlich.

Andererseits stand dieses gleiche Wort früher über Altar und Kanzel in der damaligen Pfarrkirche meiner Heimatgemeinde. Doch da wurde durch das Kreuz deutlich, wer der eine war, der sein Leben für seine Freunde gelassen hat – Jesus Christus.

Heute stellt der Predigttext an uns die Frage, was bedeutet dieses Wort Liebe für uns? Dabei geht es in ganz besonderer Weise um die göttliche Liebe – die Agape. Es ist die Liebe – mit der Gott seinen Sohn Jesus Christus für uns opferte.

  • Welchen Einfluss hat diese Liebe in unserem Leben?
  • Wie wird durch sie unserer Glauben bestimmt bzw. bestimmt sie unseren Glauben?
  • Welche Konsequenzen hat das für unser alltägliches Leben heute?

Das erste – es geht hier nicht um irgendwelche Ethik und Moral in unserem Leben. Es geht hier auch nicht um irgendwelche platonische Liebe. Es geht hier um ein Liebe, die aus Beziehungen heraus entsteht.

Zuerst aus der Beziehung zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus, so dass Jesus bereit war sein Leben zu opfern. Dass so die göttliche Liebe Mensch werden konnte. Dann eben aus der Beziehung zwischen uns und Gott, zwischen mir und Gott. Dass genau diese Liebe mir gilt, dass Ich diese göttliche Liebe erfahren kann: Göttliche Liebe, die mein Leben verändert. Wir brauchen es, das Gott mit seiner Gnade in uns wirkt.
Jesus sagt zu uns: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“
Jesus ruft uns in Nachfolge, sich mit ihm auf den Weg machen. Diese Liebe Gottes dürfen wir für uns ganz persönlich annehmen und sie im Alltag leben. Vielleicht sogar aus der göttlichen Liebe heraus dann auch den lieben, der uns nicht lieben kann und nicht lieben will.
Das ist nur möglich, wenn wir uns wirklich von Gott seine Liebe und Gnade schenken lasse und sie von ganzem Herzen annehmen.

Zwei Punkte werden deutlich: Jesus Christus ruft uns zur Liebe auf und Jesus Christus ist die Liebe hinein.
Daher sind wir persönlich gefragt. Unser Predigttext ist eine Beziehungsaufforderung von Jesus. Und wenn es um Beziehungen geht, dann wird es immer persönlich. Dann kann man nicht außen davor stehen. Deshalb noch einmal, wenn wir das Beziehungsangebot Jesu ganz persönlich für uns annehmen, hat das für uns und unser Leben Konsequenzen:

1. Jesus macht uns zu Freunden Gottes.
Wir wissen es, dass es für uns unmöglich ist, uns zuerst auf Gott hin zu bewegen.
Im Konfirmandenkurs machen wir immer wieder einmal eine kleine Übung und stellen dieses „Sich zu Gott bewegen wollen und nicht können“ bildlich dar.
Da werden zwei Tische in einem Abstand voneinander aufgestellt. Auf dem einen Tisch ist Gott und auf der anderen Seite sind wir und dazwischen ist ein Graben. Was wir auch versucht haben, wir kamen nicht hinüber. Der Graben war zu groß. Erst als von Gottes Seite ein Brett herüber geschoben wurde, war es möglich hinüber zu gelangen. Und das Brett ist das Kreuz Jesu Christi. Gott sandte seinen Sohn, damit wir mit ihm Gemeinschaft haben.
In Jesus kommt Gott auf uns zu und darin begründet sich seine Liebe und seine Freundschaft.
Das erste Wort, welches Jesus im Predigttext sagt, ist das Wort Vater. Er nennt Gott Vater. Sicher haben in unserer Zeit manche Menschen mit dem Wort „Vater“ große Probleme. Manche haben damit negative Erfahrungen und manche gar keine. Da ist uns Jesus als Freund und Bruder viel sympathischer.
Gottes Freundschaft hebt den Abstand zwischen ihm und uns nicht auf.
Ein väterlicher Freund oder eine mütterliche Freundin ist doch schon etwas anderes als der beste Kumpel am Stammtisch oder die Freundin, mit der man Shoppen geht.
Jesus begegnet uns als Freund und Bruder und doch ist er sogleich unser Herr, dessen Gebot und Auftrag uns gilt. Das Gebot der Liebe, die von Gott kommt und an die anderen Menschen weiter gegeben werden sollen.

2. Jesus bestimmt unser Leben durch seine Liebe
Jesus gibt uns den Auftrag, dass wir einander lieben sollen. Doch mal ehrlich, lässt sich solche Liebe einfach so anordnen?
Wird der Unsympathische auf einmal mir sympathisch, nur weil das Jesus auf einmal so will?
Das liegt vielleicht daran, dass wir eine falsche Vorstellung von der Liebe haben. Seit der Romantik verstehen wir in unserer Gesellschaft Liebe viel zu einseitig nur als Gefühl.

Und genau daran scheitern viele Ehen, dass Mann und Frau in der Illusion leben, ihre Beziehung müsste immer von gegenseitigen Sympathie- und Glücksgefühlen erfüllt sein.

  • Und welche Erwartungen haben wir in unserer Gemeinde von dem Anderen?
  • Erwarten wir nicht eine irrationale Harmonie unter uns?

Manchmal sage ich: „In der Kirche menschelt es!“
Genau darum brauchen wir die Liebe Jesu und müssen in ihr bleiben.
Das bedeutet, dass der Geist Jesu uns immer wieder hilft, Spannungen auszuhalten, gegenseitig zu verstehen und aufeinander zuzugehen. Auf Grund dieser Gemeinsamkeit in Jesus Christus Unterschiede zu ertragen und aufeinander zu zugehen.
Wahre Liebe ist zum Leiden bereit, aber sie nutzt diese Bereitschaft nicht aus.

3. Jesus lässt uns an der Mission seiner Liebe teilnehmen.
Jesus hat uns einen Auftrag gegeben. Wir sollen Frucht bringen. Das bedeutet, dass wir, die wir jetzt hier als Gemeinde Gottesdienst feiern, nicht weiter zusammen hocken sollen, sondern gehen müssen. Wir müssen gehen in den Montag hinein, hinein in unseren Alltag! Wir gehen wieder in unser Privatleben. Wir gehen morgen wieder zur Arbeit, zur Schule, in unser gesellschaftliches Leben. Wir gehen zu unseren Mitmenschen. Dabei nehmen wir heute eine Mission, einen Auftrag von Jesus mit. Wir werden von Jesus gesandt. Im Alltag soll durch uns die Liebe Jesu für unsere Mitmenschen spürbar und erfahrbar werden. Die Liebe Jesu muss sich im Leben der Gläubigen, das heißt also in unserem Leben widerspiegeln.

Es ist heute schwer mit der Sprache der Lehre die Frohe Botschaft von Jesus Christus unseren Mitmenschen nahe zu bringen. Sie ist abgenutzt und für viele unserer Mitmenschen nicht mehr zugänglich. Darum braucht es heute besonders die Sprache der aktiven und tätigen Liebe. Viele können diese Botschaft nur hören, wenn sie sich durch positive Erfahrung mit Christen dafür öffnen.

Unsere Bitte soll es darum sein, dass die Liebe Jesu von uns und durch uns ausstrahlt auf die Menschen um uns herum. Amen.

 

Das Kloster – der Messias ist einer von uns

Klosterruine Boitzenburg

Klosterruine Boitzenburg

Es wird eine Geschichte von einem alten Kloster erzählt, welches harte Zeiten durchlebte. Vor langer Zeit hatte es eine große Blütezeit. Doch in Folge von Wellen der anti-monastischen Verfolgung in dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert und der Zunahme des Säkularismus im 19. Jahrhundert hatte es alle seine Filialen verloren und wurde soweit dezimiert, dass nur noch fünf Mönche mit dem verfallenen Stammhaus übrig blieben: der Abt und vier andere Mönche, alle im Alter weit über die siebzig. Offensichtlich war alles zum Sterben verurteilt. Es sah wirklich düster aus. Weiterlesen

Undercover Pastor – zu Jakobus 2,1-13

www.sxc.hu/imaspy

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In einer Gemeinde in Amerika war ein Pastor als Vakanzvertretung tätig. An einem Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst rasierte er sich nicht, duschte nicht und putze auch seine Zähne nicht. Er zog seine schlechtesten Klamotten an, die er fand. Sie waren schmutzig, fleckig, abgenutzt und rochen auch, weil sie eigentlich in dem Müll sollten. Dann ging er in ein Geschäft (in Amerika sind die Geschäfte auch sonntags geöffnet) und kaufte eine Flasche Bier und lieh sich einen Einkaufswagen. Er füllte den Wagen mit Kartons, Aluminiumdosen und anderen Müll. Weiterlesen

Gebt der Liebe in der Ehe eine Chance!

(c) sxc.hu/theswedish

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„Ach Herr Pfarrer, wir haben uns auseinander gelebt. Wir haben keine Gefühle mehr füreinander. Es ist keine Liebe mehr da.“

Wie oft hört man das als Pfarrer von Menschen, die sich in ihrer Ehe auseinander gelebt und getrennt haben. Sie haben sich vielleicht nach 5 Jahren, 10 Jahren oder kurz vor der Silberhochzeit getrennt. Manchmal sind familiäre oder berufliche Einschnitte der Auslöser. Die Kinder sind aus dem Haus, einer der Ehepartner hat eine neue Arbeitsstelle und vieles mehr.

Auch einige von mir getraute Paare sind schon geschieden. Doch kann man das nicht verhindern, dass die Liebe erkaltet und stirbt? Und was ist, wenn die Liebe erkaltet ist? Kann man ihr nicht eine neue Chance zum Aufblühen geben? Weiterlesen

Selbstbefreiung ist ein Zeichen von Abhängigkeit

(c) sxc.hu/vivekchugh

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Diese Aussage klingt erst einmal komisch und ganz und gar nicht so christlich. Ist sie auch nicht! Aber sie ist menschlich. Sie macht deutlich, was viele Menschen in unserer Gesellschaft wollen: sich von Abhängigkeiten befreien und sich selbst finden.

Wie oft hört man den Satz: „Ich will mich erst einmal selbst verwirklichen“. Da werden dann Traditionen, familiäre Bindungen und Verpflichtungen, Arbeitsstellen und vieles mehr über Bord geworfen. Mancher wandert sogar in ein anderes Land und in eine andere Kultur aus. Doch wird man da wirklich frei von Abhängigkeiten? Und wenn ja, kommt man dann nicht auch vielleicht wieder in ganz neue und vielleicht schlimmere Abhängigkeiten? Stephen R. Covey schreibt in seinem Buch “ Die 7 Wege zur Effektivität“ darüber folgendes: Weiterlesen

Die Verletzungen im Dienst in einer kleinen Gemeinde sind von Freunden

(c) sxc.hu/gabetarian

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Wenn man als Pfarrer neu in eine Gemeinde kommt, wird man in der Regel von den meisten Leuten freundlich empfangen und aufgenommen. Jeder möchte erst einmal mehr oder weniger ein guter Freund sein. Hat man in der Gemeinde eine relativ lange Vakanzzeit hinter sich, ist die Gemeinde erst einmal froh überhaupt einen Pfarrer zu haben.

Doch es ist wie bei der Liebe. Ist die Zeit des sich „Kennenlernens“ und des „Verliebtseins“ vorbei und der Alltag eingekehrt, erkennt man schnell seine gegenseitigen Fehler. Das ist normal. Dann kann gute konstruktive Kritik, in Liebe gesagt, einander vorwärts bringen. Schließlich gehört es ja zum Menschsein, auch bei einem Pfarrer dazu, dass man Fehler macht. Doch so liebevoll geht man in einer kleinen Gemeinde, auch wenn es das Gebot Jesu ist, nicht um. Weiterlesen

Sich nicht richtig verstehen!

Kommunikation

Die unzureichende Kommunikation in der Gemeinde

Kommunikation

Kommunikation

Eines der größten Defizite in vielen Gemeinden ist die oft mangelnde Kommunikation. Man redet kaum miteinander. Da geht man miteinander in den Gottesdienst und in die Gemeindeveranstaltungen. Aber ein Dialog, ein Gespräch und ein Austausch finden kaum statt. Oft kommt man 3 Minuten vor dem Gottesdienstbeginn in den Gottesdienst und ist aber nach der letzten Orgelmusik und dem Händeschütteln schon wieder verschwunden. Dabei lebt doch gerade die Gemeinde vom Miteinander, vom Dialog, vom Wissen um das Ergehen des anderen. Es kann nicht sein, dass man erst vier Wochen später erfährt, dass jemand im Krankenhaus war und eigentlich einen Besuch oder Gebetsunterstützung gebraucht hätte. Aber leider ist das oft so. Darum ist es wichtig, dass wir in unseren Gemeinden ganz neu eine Kultur der Kommunikation und des Austausches üben und lernen.

Der erste Schritt dazu ist erst einmal das doppelte Wissen:

  • Ich bin von Gott geliebt!
  • Der Andere ist von Gott geliebt!

Damit baut sich von Anfang an gleich eine Dreierbeziehung auf zwischen mir, dem Anderen und Gott. So kann ich auch lernen, den anderen anzunehmen, wie er ist, weil er von Gott geliebt ist.

Als Gemeinde müssen wir lernen mehr miteinander zu reden, nicht über Dritte, sondern vielmehr von uns selbst. Dabei ist oft erst einmal Selbstüberwindung erforderlich, dass ich selber auf andere zugehe und beginne meine eigenen Blockaden zu überwinden. Was blockiert uns oft auf andere zuzugehen?

  • Als erstes einmal Angst vor der Ablehnung und dem Nein sagen des Anderen.
  • Dann, dass wir beim anderen in einen Schubkasten gesteckt sind und dass wir den anderen selber in einen Schubkasten gesteckt haben: Von dem war doch nicht mehr zu erwarten!
  • Uns blockiert auch die eigene Abneigung gegenüber dem anderen. Natürlich ist nicht jeder Mensch nicht gleich sympathisch. Es ist schon nicht einfach, wenn die Chemie nicht stimmt.
  • Dann kann es sein dass wir kein Interesse am anderen haben. „Ich kann wirklich nichts mit ihm anfangen!“
  • Dann gibt es noch ganz diffuse Ängste und Gründe, die uns blockieren können.

Das lässt sich sicher nicht einfach überwinden, aber wenn wir uns die Liebe Gottes für uns und den Anderen bewusst machen und wenn wir dem Anderen in der Gemeinschaft der Gemeinde begegnen, können wir diese Blockaden überwinden.

Wie gehen wir beim Dialog mit dem Anderen um? Wie ernst nehmen wir seine Aussagen und seine Kritiken, die er vielleicht an uns hat? Sehen wir auch seine positiven Äußerungen über und zu uns? Begegnen wir dem Anderen mit echtem Lob für Dinge die er getan hat? Und wenn wir kritisieren müssen, wie tun wir es? Schaffen wir das liebevoll zu tun? Es ist immer wichtig dem Anderen liebevoll zu begegnen und ihm die Hand zu reichen. Sicher gibt es Situationen, wo uns das recht schwer fällt. Aber wir brauchen sie und der andere braucht sie, die Kommunikation und Begegnung, besonders in der christlichen Gemeinde. Ein hilfreicher Anfang ist sicher der Smalltalk z.B. über das Wetter, die Familie, die Arbeit usw. Sicher in der Bibel steht: „Lasst kein faul Geschwätz aus eurem Munde kommen!“ Aber ist Smalltalk „faules Geschwätz“? Mancher sieht es vielleicht so. Ich denke nein; es ist die Eröffnung der Kommunikation zwischen Menschen und darum sehr hilfreich. Sicher spielen im Gespräch Fragen eine wichtige Rolle. Es heißt sogar: „Wer fragt, führt!“. Aber es dürfen nicht zu viele Fragen sein und keine, auf die man nur mit Ja und Nein antworten kann. Darum sollten die Fragen „Wer?“, „Was?“, „Wann?“ und „Warum?“ sein. Hilfreich kann ein nochmaliges Hinterfragen oder Spiegeln einer Aussage sein: „Habe ich richtig verstanden?“ Dann ist es wichtig um einen Dialog gelingen zu lassen, dass man sich selbst dem anderen preisgibt. Ein gewisses Risiko, dass vom Anderen nichts zurück kommt besteht aber immer?

Eine Gemeinde kann nur leben und wachsen, wenn in ihre die Kommunikation funktioniert. Und jeder kann etwas beitragen. Das beste Gegenbeispiel, was passiert, wenn die Kommunikation nicht mehr klappt, ist der Turmbau zu Babel.

Predigt – Sonntag Misericordias Domini 2010 – 1.Petrus 2, 21b-25: Jesus nachfolgen – lohnt sich das?

Abendmahl

abendmahl

Abendmahl

Abendmahl

Liebe Gemeinde,

eines der ältesten Bücher zum Thema Nachfolge außer der Bibel selbst, welches auch noch heute gelesen wird, ist das Buch Nachfolge Christi von Thomas von Kemten.

Er hat es zwischen 1424 und 1427 in lateinischer Sprache herausgegeben und 1438 in deutsche Sprache.

Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1975. Das hatte ich mir als Jugendlicher gekauft und ich gebe es zu, habe aber nicht viel in dem Buch gelesen. Als Jugendlicher hatte ich da sicher anderer Interessen, und dann ist es in meinem Bücherregal verschwunden. Es ist immer mal wieder aufgetaucht, aber doch nur sporadisch gelesen worden.

Dabei ist das Buch in seiner Sprache vielleicht veraltet, aber in seinem Inhalt noch ganz aktuell, wen es über die Nachfolge Christi schreibt.

Und dieses Buch macht von Anfang an deutlich, dass echte Nachfolge eine große Herausforderung ist. Schon die Überschrift des ersten Kapitel im ersten Buch macht es uns deutlich, wenn Thomas von Kempen schreibt:

„Folge Christus nach und lerne verschmähen, was vergänglich ist“

Nachfolge ist eben nicht nur ein bisschen an Jesus denken und ihn als guten Freund oder Kumpel zu haben. Nein dafür ist sein Sterben am Kreuz und seine Auferstehung viel zu wertvoll.

Das macht uns auch der Apostel Petrus deutlich, der in seinem 1. Brief Kapitel 2, 21b-25 folgendes schreibt:

Ihr Lieben,

habt ihr schon einmal probiert in die Fußstapfen des anderen zu treten und ihm nachzugehen.

Als Kind hat man das sicher schon einmal probiert in den Fußstapfen der Erwachsenen zu treten. Doch das war ein schwieriges Unterfangen, denn die Erwachsenen hatten einen großen Schritt und da musste man sich ja richtig anstrengen, das zu schaffen.

Oder bei einer Bergwanderung muss man wenn es über besonders enge Pässe geht, genau auf die Stellen treten, wo der Bergführer hintritt. Er kennt sich hier aus und weiß, wo die richtigen Trittstellen sind. Und wenn man da nicht genau aufpasst, da kann man ganz schnell abstürzen.

Wenn Petrus hier von den Fußstapfen Christi schreibt, denen wir nachfolgen sollen, dann ist das für uns eine ungeheure Herausforderung und verlangt von uns die ganze Konzentration im Leben als Christen. Jesus Christus kann man nicht nebenbei nachfolgen und gleichzeitig noch soviel anderes tun.

Unsere moderne Gesellschaft macht uns zu sogenannten Multitasking-Menschen. Das heißt man wird herausgefordert mehreres gleichzeitig zu tun.

Es ist doch heute fast normal, dass da vieles gleichzeitig tut. Da macht man am Schreibtisch eine Arbeit, gleichzeitig wird telefoniert, dann werden mal schnell zwischendurch die Emails gelesen, man schreibt eine kurze Meldung in Twitter oder Facebook, vielleicht isst man noch eine Schnitte und trinkt eine Tasse Kaffee, führt noch ein Gespräch mit einem anderen, ja und dann läuft da noch das Radio oder sogar der Fernsehen oder man schaut sich nur schnell eine Webseite oder ein Video im Internet an.

Da wird uns schon klar, dass man da nirgendwo 100% bei der Sache ist. Ihr könnt mir glauben, ich weiß wovon ich rede.

Und bei manchen Menschen ist das mit der Nachfolge Christi so. Sie ist da eines unter vielen. Und das geht auch 100% schief.

Nein, die Nachfolge Christi ist eine totale Herausforderung. Wir werden aufgefordert so zu leben, wie Jesus gelebt hat.

Es sind vier Punkte, die Petrus hier aufzählt.

1.Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Das ist unmöglich, wird jetzt mancher sagen, oder wenn er es nicht ausspricht, dann wenigsten innerlich denken. Genau an diesen vier Punkten wird deutlich, unter welcher Herausforderung wir als Christen stehen, wenn wir den Fußstapfen Christi nachgehen.

Ich möchte mit euch über die vier Punkte im Einzelnen nachdenken:

1. Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

Jesus lebte ohne Sünde, das ist eine der Kernaussagen der Bibel. Und doch ist das für viele Menschen nicht vorstellbar. Für Nikos Kazantzakis war das 1951 Veranlassung für einen Roman, wo er das Leben Jesus aus seiner Sicht beschrieb. Der Roman hatte den Titel „Die letzte Versuchung“. Den meisten ist da eher, der Film aus dem Jahre 1988 bekannt. Er beschreibt da Jesus als einen als Zweifelnder und mit seinem Schicksal Hadernder gezeichnet, der sich verschiedenen Versuchungen ausgesetzt sieht. Bis hin dass er fast der Versuchung nachgibt nicht als Messias zu sterben. Das Roman und Film kontroverse Diskussionen ausgelöst haben, könnt ihr euch sicher vorstellen. Bis hin dass der Roman auf dem Index der verbotenen Bücher stand.

Aber genau das ist es auch, was viele unserer Mitmenschen denken. Doch die Bibel sagt etwas anderes. Im Hebräerbrief Kapitel 4, 15 lesen wir:

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“

Ja auch Jesus wurde versucht, doch er hat den Versuchungen widerstanden.

Nun in der Nachfolge werden wir jetzt herausgefordert, ohne Sünde zu leben und den Versuchungen zu widerstehen.

Das ist unmöglich werden wir sagen. Ja aus menschlicher Sicht ist es wirklich unmöglich.

Wie schwer fällt es uns schon der Versuchung nach einem leckeren Stück Torte oder auch mehrerer zu widerstehen, die den Zeiger der Körperwaage wieder nach oben schnellen lassen.

Dabei ist das Leben ohne Sünde mit unserem Denken, Sprechen und Handeln der Index für unsere Nachfolge.

Thomas von Kempten schreibt dazu: Lieber Bruder! Nichts, nichts soll dir die Zuversicht aus dem Herzen nehmen können, dass auch du noch im geistlichen Leben weiterkommst. … Steh auf und fang augenblicklich an und sprich: „Jetzt ist es Zeit zum Handeln, Zeit zum Streiten, jetzt hat die Stunde geschlagen zu meiner Besserung!

Aber er macht auch deutlich, dass wir die Sünde nie aus eigener Kraft besiegen werden. Wir können sie nur dadurch besiegen, dass wir uns an Jesus Christus hängen und von ihm die Kraft empfangen. Wir werden leider fallen, aber er hilft uns auf, er richtet uns auf, wenn wir uns an ihn hängen.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt.

Zu der Tatsache, dass Jesus nie gelogen hat brauche ich nicht viel zu sagen, sondern viel mehr steht hier die Herausforderung unter die wir hier gestellt werden.

Gibt es jemand hier, der in seinem Leben noch nie gelogen hat, der immer und überall ehrlich und echt war?

Ich glaube, wenn jetzt jemand hier die Hand gehoben hätte, hätte er oder sie spätestens jetzt gelogen.

Ich selber kann das von mir nicht behaupten. Wie schnell stehen wir in der Versuchung, wenigstens zu einer Notlüge oder dem Verschweigen der ganzen Wahrheit, Wir erzählen nur einen Teil, nach dem anderen hat uns ja keiner gefragt.

Oder da steht man vor einem Getränke-Automaten und man wirft ein Zwei Euro Stück hinein und dann kommen das Getränk und die Zwei Euro wieder heraus. Wer würde dann die Zwei Euro vielleicht zur Kasse oder zum Eigentümer bringen, wohl kaum einer. Aber umgedreht würden wir auf die Barrikaden gehen, wenn wir für die Zwei Euro nichts bekämen.

Fragt mal in einem Hotel nach, wie viele Handtücher oder Badetücher es verliert. Zu DDR-Zeiten gab es mal einen Witz. Ich weiß nicht mehr so genau, wie er ging. Aber irgendwo kam da die Aussage vor „Ah, sie sind also auch eine geborene Mitropa.“

Und ich bin der Meinung, dass auch wir Christen manchen solchen Schatz zu Hause haben.

Wie regen wir uns auf, und zurecht wenn Politiker nicht ehrlich sind.

Darum werden wir in der Nachfolge Christi zu Ehrlichkeit und Echtheit herausgefordert.

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

Au, weiha, das ist ja eine wirkliche Zumutung, die hier von uns gefordert wird. Und doch erwartet Jesus das von uns. Schon in der einen Aussage wird es deutlich, wenn er sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39)

Würdet ihr euch beschmähen und beschimpfen? Wohl kaum!

Das Handeln Jesu wurde von der Liebe bestimmt. Er tat alles aus Liebe zu uns. Lest einmal 1. Korinter 13 und tauscht das Wort Liebe mit dem Wort Christus aus. Dann wird uns das Handeln Jesu richtig deutlich.

Als seine Nachfolger sind wir herausgefordert auch in dieser Liebe zu leben – und denen, die uns auf die Backe schlagen, auch die andere hinzuhalten.

Wo das geschieht, wird manchmal der andere von solchem Handeln überwältigt und kommt zur Umkehr.

Genau hier ist die Wurzel des christlichen Pazifismus. Ich erinnere an das Handeln von Martin Luther King, aber auch der spätere polnische President Lech Walesa hat mit der Gewerkschaft Solidarnosch so gehandelt.

Sie zeigen uns das, das Handeln und Leben aus der Liebe Christi möglich ist. Aber wir müssen trotzdem wissen, dass ein irdischer Erfolg nicht garantiert ist.

Und nun noch der 4. Punkt:

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Es ist etwas bezeichnendes, wenn ein Mensch aus der Vergebung leben kann.

Normalerweise sind wir nicht darauf aus aus der Vergebung zu Leben. Das jüdische Vergeltungsgesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist das Minimum, aber meistens ist es mehr.

Anwälte und Gerichte haben Hochkonjunktur, Darum muss man mittlerweile ganz schön lange auf eine Gerichtsverhandlung warten.

Aber auch ohne Anwalt und Gericht kann das Ganze zu einer Spirale ohne Ende werden, die immer mehr eskaliert.

Damit sie unterbrochen wird gibt es nur eine einzige Lösung: „Aus der Vergebung leben.“ Anderen zu vergeben – und selber auch Vergebung zu empfangen. Das ist auch immer ein Wagnis, weil wir nicht wissen wie der Andere reagiert. Er kann das auch ausnutzen. Doch es ist der richtige Anfang.

Auch Jesus hat aus der Vergebung gelebt. Er hat seinen Feinden vergeben, obwohl sie ihn töteten.

Nun aus eigener Kraft können wir das nicht, sondern wir müssen uns dabei an Jesus klammern und von ihm die Kraft empfangen.

Martin Luther King schreibt: Vergebung ist kein gelegentlicher Schritt. Sie ist eine Dauerhaltung.

Jesus als der gute Hirte will uns bei all dem vorangehen und wir, wir sollen ihm vertrauen und nachfolgen. Sind wir zu dieser großen Herausforderung, die er an uns stellt, bereit? Wagen wir es und lassen uns darauf ein? Ich kann nur Mut machen, es zu tun. Es lohnt sich.

Amen.

Ewiges Leben – bin ich dem gewiss?

FragezeichenPredigt zu 1. Johannes 5,11-13 – 2.Stg nach Weihnachten 03.01.2009 in der Kirche Gottesgrün – Pfarrer Jörg Bachmann

Liebe Gemeinde,

da ist Iris. Sie schreibt folgendes in einem Internetforum: „Kann mir jemnd sagen, woran man erkennt, dass der Junge, in den ich verliebt bin und der süß ist mach auch liebt? Woran erkenne ich das?“

Sie erhält einige Antworten, teilweise unqualifiziert teilweise hilfreich. Die nicht einfache aber vielleicht hilfreichste Antwort heißt: „Gehe hin zu ihm und frage ihn!“ Nun dies meisten von uns sind aus diesem Verliebtsein-Status heraus, obwohl das manchmal auch nicht so schlecht ist, sich daran zu erinnern.

Darum jetzt die Frage: woher wissen Sie, dass ihr Partner, ihre Kinder, ihre Eltern sie lieben? Wir wissen ja, dass es recht einfach ist, zu sagen: „Ich liebe dich!“

Wenn ich zu meiner Frau sage „Ich liebe dich“ muss das doch noch lange nicht stimmen, oder? Reicht das, wenn ich ihr das sage? Wenn ich es sage, dann muss das doch stimmen! Nein das muss noch lange nicht stimmen. Wir alle wissen, wie viel da im Namen der Liebe Missbrauch getrieben wird. Wir wissen auch, dass mancher von Liebe redet und eigentlich Egoismus meint. Nur sich selber sieht und nicht den anderen.
Darum muss sich diese Liebe nicht nur in Worten darstellen, sondern sie muss sich im realen Leben, im Handeln und im Tun gegenüber, dem Partner, der Kinder und der Eltern zeigen.

Eine Lehrerin schreibt dazu an junge Menschen:

Wahrhaftige Liebe beruht auf Selbstliebe und dem Fehlen von Besitz-Denken in der Partnerschaft. Sie entwickeln Ihre Liebes-Fähigkeit, wenn Sie Erwartungen loslassen.

Wahre Liebe ist frei – „Sei frei und lass das was du liebst in Freiheit“. Wer so denkt, will den Partner nicht besitzen und erwartet auch nicht von ihm, dass er für das eigene Lebensglück zuständig sei.

Wahre Liebe schenkt sich selbst – Zur wahrhaftigen Liebe gehört die Annahme des eigenen Selbst. Das bedeutet, dass jeder Mensch sein Ich so liebt wie es ist. Erst dann ist der Mensch wirklich er selbst und kann als Ich dem Du gegenüber treten. Sich selbst dem Partner schenken, ohne Erwartung einer Gegenleistung, das ist bedingungslose Liebe.

Wahre Liebe manipuliert nicht – Wer liebt will nichts damit erreichen. Er will weder den Partner ändern, noch gibt er sich anders als er ist. In solcher Liebe hat alle Manipulation ein Ende. Der Mensch ist authentisch und trifft den Partner auf Augenhöhe.

Wahre Liebe bewertet nicht – Menschen, die zu wahrer Liebe fähig sind verurteilen und bewerten nicht. Sie beobachten, was ist. Ein solches Verhalten ist nicht zu verwechseln mit kritikloser Akzeptanz. Gemeint ist eine Abkehr vom Schwarz/Weiß Denken hin zu Mitgefühl und liebevoller Toleranz.

Wahrhaftigkeit in der Liebe: Der Weg ist das Ziel – Wahrhaft lieben können wir lernen. Dazu gehört vor allem der Mut, sich selbst ins Gesicht zu schauen und sich zu akzeptieren.

Warum erzähle ich jetzt so viel über die Liebe? Weil ich heute in diesem Gottesdienst, am Anfang des neuen Jahres euch fragen will: Woher weißt Du, dass Gott dich liebt? Sicher könnte mir jetzt mancher von euch darauf eine Antwort geben und die wird gut und richtig sein. Aber heute möchte ich doch noch etwas darauf setzten, und die egoistische Frage stellen. Was haben wird davon, dass Gott uns liebt?

Nun wir haben ja heute schon einmal die Epistel dieses Sonntages aus 1. Johannes 5,11-13 gehört. Ich lese sie noch einmal nach der Neuen Genfer Übersetzung:

 

11 Und was bedeutet diese Aussage Gottes ´für uns`? Sie bedeutet, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat; denn dieses Leben bekommen wir durch seinen Sohn.
12 Wer mit dem Sohn verbunden ist, hat das Leben. Wer nicht mit ihm, dem Sohn Gottes, verbunden ist, hat das Leben nicht.
13 Ich habe euch diese Dinge geschrieben, um euch in der Gewissheit zu bestärken, dass ihr das ewige Leben habt; ihr glaubt ja an Jesus als den Sohn Gottes.

So jetzt stelle ich Ihnen, stelle ich Dir die Frage: „Hast Du das ewige Leben? Haben Sie das ewige Leben? Was ist die Antwort auf diese Frage? Vielleicht, so richtig weiß ich das nicht oder ist es ein Ja aus vollem Herzen.

Nun der Apostel Johannes geht davon aus, dass wir das wissen oder uns dessen wenigstens gewiss machen. Darum schreibt er an die Christen von damals und heute: Ich habe euch diese Dinge geschrieben, um euch in der Gewissheit zu bestärken, dass ihr das ewige Leben habt; ihr glaubt ja an Jesus als den Sohn Gottes.
Er spricht hier von der Gewissheit im Glauben.

Gott will uns das ewige Leben geben, weil er uns liebt. Und woran sehen wir, dass Gott uns liebt. Reicht das, wenn er uns das in Buchform zukommen lässt. Reicht das, wenn er uns das irgendwie mitteilt? Nein, das reicht ja ihm noch nicht einmal selber. Dazu sind wir ihm ja viel zu wichtig. Darum hat sich Gott selber zu uns Menschen in unsere Welt aufgemacht. Darum ist Gott in Jesus Christus Mensch geworden. Darum haben wir ja vor ein paar Tagen Weihnachten gefeiert, darum ist Jesus als Kind in einem Stall zur Welt gekommen, darum ließ er sich in einen Futtertrog als Wiegebett legen, darum mussten seine Eltern vor Herodes flüchten. Darum lebte Jesus als Mensch und Wanderprediger. Darum begab er sich auf den Weg seiner Passion. Darum wurde er gepeinigt und geschlagen. Darum wurde er gekreuzigt. Darum ging er diesen Weg der Niedrigkeit. Doch sein Weg ist noch nicht vollendet, denn bis dahin würde uns die Liebe Gottes noch nicht viel bringen. Nein das Entscheidende ist, dass er die Macht des Todes besiegt hat, dadurch dass er von den Toten auferstanden ist. Er gibt uns die Gewissheit des Ewigen Lebens.

Genauso hat das der Apostel Paulus im Philipperbrief beschrieben:

Philipper 2
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Wenn du auf die Frage: Glaubst Du an Jesus Christus? Ein Ja aus ganzem Herzen sagen kannst, dann kannst auch auf die Frage: „Hast Du die Gewissheit des ewigen Lebens?“ mit einem Ja aus ganzem Herzen beantworten. Nun wirst Du vielleicht sagen: „Ich spüre es nicht, dass Gott mich liebt, darum fühle ich mich unsicher. Ja manchmal habe ich sogar das Gefühl Gott ist nicht da. Nun von der Liebe her wissen wir, dass das mit dem Gefühl ein recht schwieriges Ding ist. Auch da haben wir manchmal nicht das Gefühl, dass der andere uns liebt. Besonders wenn man schon länger zusammen ist. Sich kann da manchmal auch etwas dran sein. Doch oft hat sich die Liebe des anderen, wie auch die eigene Liebe verändert. Aus dem Verliebtsein im Anfang, wo da die Schmetterlinge im Bauch flattern, ist hat die Liebe sich in eine verantwortungsvolle Liebe verwandelt. Und so ist es auch bei unserem Verhältnis zu Gott. Gegenüber allem Gefühl, allem Glauben und Hoffen, gegenüber allen Gefühl steht die Tatsache, dass Gott das getan hat, dass Jesus den Weg gegangen ist, dass er uns die Hoffnung auf das Ewige Leben zur Gewissheit macht.

Wir stehen am Anfang des neuen Jahres. Und mit dieser Gewissheit können wir in dieses Jahr hinein gehen und auf Gottes Ewigkeit hoffen. Wir können gespannt im heute und im Morgen leben, ausgerichtet auf die Ewigkeit Gottes.

Es ist wie bei einer Bergbesteigung: Schon der Anstieg – das ist das Leben heutet – bietet uns Atemberaubendes, aber das Gipfelerlebnis – Gottes Ewigkeit – übertrifft alles. Amen

 

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