Kirche Tegkwitz im Altenburger Land

Kirche Tegkwitz im Altenburger Land

Bei der Kirche auf dem Lande, also bei den ländlichen Gemeinden ist immer wieder auf Grund der Veränderung der Gemeindegliederzahlen auch eine Veränderung der gemeindlichen Struktur nötig. Davor kann keiner die Augen verschließen. Und selbst trotz aller gutwilligen Möglichkeiten ist ein Umbau der Gemeinden erforderlich. In manchen Regionen mehr, in anderen weniger.

Die Frage ist nur: Wie reagieren wir auf diese Erfordernisse?
Mit Standardkonzepten und Standardplänen? Vielleicht ganz und gar plan- und konzeptlos? Wir überlassen es dem Zufall. Da wo gerade ein Pfarrstelle frei wird, wird diese aufgelöst und mit einer anderen verbunden oder zerteilt. Das geschieht ohne Rücksicht auf Verluste.

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Gemeinschaft unterm Kreuz (c) Hajo Rebers / pixelio.de

Gemeinschaft unterm Kreuz
(c) Hajo Rebers / pixelio.de

Vor kurzen kritisierte mich jemand über Facebook: Wenn die Kirche so, wie ich bin, dann ist er froh dass er nicht mehr in der Kirche ist. Das wäre nicht mehr seine Kirche. Nun gut, wenn die Kirche nur so wäre, wie ich bin, wäre es auch nicht meine Kirche. Ich bin zwar als Pfarrer ein Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche, aber ich bin eben noch lange nicht die Kirche an sich. Es ist genauso, wie wenn ein Vertreter eine Firma nach außen vertritt, so ist dieser nicht die Firma. Er bleibt ein Mensch mit seinen eigenen Interessen und Gedanken, auch wenn er im Groben die Firmenphilosophie vertreten muss.

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So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid.

Epheser 4,1

Berufung

Berufung

Die Bundestagswahlen 2013 sind gerade vorbei. Noch weiß niemand, wer mit wem kann. Doch für einige Politiker gibt es einschneidende Veränderungen. Sie haben ihr Bundestagsmandat verloren. Vielleicht haben sie sogar vor der Wahl überhaupt nicht damit gerechnet, dass das passieren könnte. Sie haben sich berufen gefühlt Politiker zu sein. Und ehrlich, zu so einem Amt muss man sich berufen fühlen. Denn der, der so ein Amt ernsthaft ausübt, hat es nicht leicht. Neben manchem Schönen, was so ein Amt hat, gibt es erst einmal viel Arbeit. Da reicht kein 12 Stunden-Tag. Und Kritik und Anfeindungen stehen auf der Tagesordnung. Nur das Problem ist, ein dickes Fell, an dem alles abprallt, nützt da nicht. Da muss sachliche und ehrliche Kritik von unsachlicher Kritik und Anfeindung getrennt werden und ernstgenommen werden. Und das ist nicht einfach. Ein echter Politiker zu sein, bedarf einer Berufung. Da kann man sich jetzt gut vorstellen, wie bei manchen die Welt zusammenbricht, wenn das Amt und Mandat verloren geht und man sich eigentlich noch berufen fühlt. Da muss dann wieder ganz von unten angefangen werden.

Es besteht aber auch die Gefahr, dass Politiker Amt und Mandat haben und die Berufung verloren geht. Dann wird Politik nur noch zum Geschäft, zum eigenen Machtstreben, zum eigenen Kalkühl. Dann steht Politik in der Gefahr nicht mehr dem Wohl des Volkes zu dienen.

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Ein wenig kann man Twitter schon mit der christlichen Nachfolge vergleichen. Es gibt in der Begrifflichkeit ein paar Parallelen.

Als erstes wird man ja an die Twitter-Karikatur erinnert, dass Jesus nur 12 Nachfolger hatte. Er brauchte eigentlich nicht mehr. Denn dann funktionierte bei ihm das Prinzip der modernen Network-Kommunikation und seine Botschaft wurde weiter gegeben. In Wirklichkeit hatte er mehr als nur die 12 Jünger.

Bei Twitter gibt es den Begriff Nachfolger (Follower). Das sind die Leute, die mir nachfolgen, die meine Tweets, meine Twittermitteilungen empfangen. Und dann gibt es, die Leute, denen ich nachfolge, deren Tweets ich empfange. Interessanterweise gibt es dafür kein Substantiv. Hier heißt es einfach nur „folgen“.

In seinem nicht mehr abrufbaren Artikel „Warum jeder Seelsorger Twitter nutzen soll?“ nennt Mark MacDonald drei gewichtige Gründe dafür:

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www.sxc.hu/imaspy

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In einer Gemeinde in Amerika war ein Pastor als Vakanzvertretung tätig. An einem Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst rasierte er sich nicht, duschte nicht und putze auch seine Zähne nicht. Er zog seine schlechtesten Klamotten an, die er fand. Sie waren schmutzig, fleckig, abgenutzt und rochen auch, weil sie eigentlich in dem Müll sollten. Dann ging er in ein Geschäft (in Amerika sind die Geschäfte auch sonntags geöffnet) und kaufte eine Flasche Bier und lieh sich einen Einkaufswagen. Er füllte den Wagen mit Kartons, Aluminiumdosen und anderen Müll.

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(c) sxc.hu/madmick99

(c) sxc.hu/madmick99

Das klingt vielleicht für den ersten Moment etwas komisch. Mancher wird sagen: „Das kann doch gar nicht sein, ein Pfarrer hat immer mit Menschen zu tun. Da kann es ihm gar nicht einsam sein!“ Doch das kann ihm, denn das ist schon ein großer Unterschied, ob ich für Menschen da bin, sie als Pfarrer “betreue“ und sicher viel mit ihnen rede, oder ob ich mit anderen in einer Beziehung stehe, mit ihnen kommuniziere und mich mit ihnen über das Leben und den Glauben, über Freud und Leid austausche.

Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass viele Pfarrer und Pfarrerinnen diese Erfahrung in ihrem Dienst machen. Sicher sind die Auswirkungen der „Einsamkeit“ abhängig von der Persönlichkeit. Aber erleben wir es nicht so oft, dass sich dann jemand in Selbstisolation zurückzieht. Eine andere Folge ist das Burnout. Weil wir keine Energie aus dem Zusammenleben mit Menschen mehr bekommen, brennen wir aus.

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(c) sxc.hu/mmayerle

(c) sxc.hu/mmayerle

ein schlechtes Gewissen zu haben, mal als Pfarrer nichts zu tun. Vielleicht wenn ich mal nichts wichtiges zu tun habe, weil Ferien sind, oder weil ich mich gesundheitlich nicht richtig wohl fühle. Und ganz besonders dann, wenn ich am Montag meinen Pfarrersonntag habe und ausgerechnet an dem Tag alle möglichen Leute immer wieder einen Termin machen wollen.
Das hat nichts damit zu tun, dass ich als Pfarrer nicht 24-Stunden am Tag Pfarrer bin und 7 Tag in der Woche und dass ich dazu von Gott berufen bin. Dazu stehe ich immer, auch 23 Jahre nach meiner Ordination. Ich bin mit Leib und Seele Pfarrer. Doch die freie Zeit und die Freizeit braucht auch ein Pfarrer.
Es ist ein großer Unterschied, ob ich Sonntag Abend um 21.00 Uhr angerufen werden und gebeten werde, einem Menschen den Sterbesegen zu geben, oder ob jemand am Sonntag Abend um 21.00 Uhr anruft und fragt, ob er einen Raum am Mittwoch im Gemeindehaus mieten kann. Letzteres ist nicht meine Aufgabe, das ist die Aufgabe des Gemeindebüros, und wird von mir mit Sicherheit nicht am Sonntag um 21.00 Uhr geklärt.

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(c) sxc.hu/lusi

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Das ist eine Erfahrung, die viele Menschen in ihrem Leben machen, und auch Pfarrerinnen und Pfarrer in dem Dienst in ihren Gemeinden. Wie man damit umzugehen hat, darauf eine Antwort zu geben, ist nicht leicht. Um ehrlich zu sein, es gibt keine Patentlösung. Jede Situation ist anders.

Als ich dieses Thema bei Google eingab, landete ich im Internet immer wieder auf Selbsthilfeforen, wo es in besonderer Weise um Freundschaften von jungen Menschen ging. Dabei sind die Ursachen, dass es dazu kommt, häufig sehr unterschiedlich. Meistens sind es Beziehungsprobleme. Da spannt die Freundin den Freund oder der Freund die Freundin aus. Aber es kann oft ganz andere Ursachen haben. Die Ratschläge, die da zu hören sind, lauten von aufeinander zugehen, über Versöhnung suchen bis zur Radikalkur der Trennung und vieles mehr.

Ein anderes weites Feld, wo aus Freunden Feinde werden, ist das große Feld des Nachbarschaftsstreites. Und damit beschäftigen sich unzählige Gerichte. Anfang war man richtig dicke Freunde.

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(c) sxc.hu/rubenshito

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Das wird in allem, was in der Gemeinde passiert, deutlich. Zum ersten ist die Gemeinde der Ort, wo sich ehrenamtlich betätigen. Es sind Menschen, die bereit sind sich einzusetzen, mit ihren Gaben und Fähigkeiten, aber auch mit ihrem Unvermögen, die erst einmal kommen und sagen: „ Ich möchte etwas tun.“ Es sind keine Profis, keine Experten, selten jemand, der eine passende Ausbildung hat. Manchmal kann das sicher frustrierend sein, wenn es dadurch irgendwie nicht vorwärts geht, wenn die Qualität der Arbeit nicht stimmt. Wenn man mehr in das hineinlegen muss jemanden anzuleiten, als wenn man es selber getan hätte.

Manchmal erlebt man Gemeinden, die sich einbilden sie seien etwas Besonderes. Auch in der Bibel gab es das ja schon. Da bilden sie sich etwas auf ihre Kultur ein, ihre Geschichte, ihr Geldvermögen und Spendenfreudigkeit, die Zahl der Mitarbeiter oder die Besucherzahl im Gottesdienst. Das hindert manchmal sehr in der Gemeindearbeit vorwärts zu kommen. Denn oft will man auf dem Bestehenden stehen bleiben und sich nicht weiter bewegen.

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(c) sxc.hu/kwod

(c) sxc.hu/kwod

In einer kleinen Gemeinde erfahre ich als Pfarrer in der Begegnung mit den Menschen normalerweise genügend Schwierigkeiten, um nicht im Dienst überheblich zu werden. Sollte ich wirklich einmal auf einem hohen Thron sitzen, werde ich sicher bald wieder heruntergeholt. Sicher begegnen mir Gemeindeglieder, die mich sehr hochachtungsvoll als „Herrn Pfarrer“ ansehen, aber mindestens genauso viel sprechen mich mit „Ey Pfarrer“ an. Viele sprechen mir ihre Wertschätzung aus, aber für manche bin ich auch nur der Dienstleister, der seinen Job zu machen hat. Denn dafür ist er ja schließlich da.

Die Gemeinde ist weit entfernt nach meinen Vorstellung leben und an meinen Lippen zu hängen. Da ziehen in meiner Gemeinde genügend andere in andere Richtungen. Normalerweise gibt in der kleinen Gemeinde nicht die absolute Macht des Pfarrers.

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(c) sxc.hu/pontuse

(c) sxc.hu/pontuse

Damit meine ich nicht, dass man als Pfarrer in erster Linie arbeitsmäßig faul ist. Sicher man kann, wenn man will, als Pfarrer 24 Stunden am Tag arbeiten. Unsere wachsenden Gemeindegebiete fordern uns Pfarrer immer mehr heraus, dass man manchmal gar nicht weiß, was man zu erst tun soll. Doch das kann genau zu einer Lähmung führen. Wenn man nicht mehr weiß, was man zu erst tun soll, macht man gar nichts mehr. Das kann sogar soweit gehen, dass am Ende die Arbeit in der anderen Gemeinde zum Alibi wird, um in der einen Gemeinde etwas nicht zu tun. Überforderung kann zur Lähmung führen.

Worum es mir eigentlich geht, ist, dass man beim Dienst in einer kleinen Gemeinde theologisch faul wird. Für den normalen Dienst in der Gemeinde muss ich doch mein Gehirn nicht strapazieren. Schließlich stehe ich doch theologisch über den Gemeindegliedern und kann aus dem Fundus meines Studiums viele Jahre und Jahrzehnte schöpfen. Selbst den Laientheologen der Gemeinde bin ich noch lange überlegen. Sind denn in einer kleinen Gemeinde überhaupt hohe theologische Standards gefragt? Geht es nicht hier vielmehr um Beziehung, um Miteinander und um Gemeinschaft?

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(c) sxc.hu/Bubbels

(c) sxc.hu/Bubbels

In vielen evangelischen Gemeinden gab es früher das Patronat. In den meisten Gemeinden ist das mittlerweile abgelöst. Obwohl sich das manche ostdeutsche Kirchengemeinde, wenn es um die Erhaltung ihrer Kirchengebäude ging, wieder wünschte. So ein Patronatsherr hatte großes Mitspracherecht im Gemeindeleben, bei der Besetzung der Pfarrstellen. Er hatte in der Kirche seinen besonderen Platz. In der Gemeinde war er privilegiert. Ohne ihn lief nichts. Auch der Pfarrer brauchte schon sein Wohlgefallen, damit er richtig wirken konnte.

Das gibt es aber kaum noch. Doch sie sind geblieben: Menschen, die in der Gemeinde das Sagen haben, ohne die in der Gemeinde nichts läuft. Dabei müssen, die nicht einmal in dem Gemeindekirchenrat oder einem anderen Gremium der Gemeinde sitzen. Sie sind die heimlichen Bestimmer in der Gemeinde, nach denen sich die meisten Gemeindeglieder richten. Hat man als Pfarrer bei seinem Dienst deren Wohlgefallen, so hat man meist das Wohlgefallen der ganzen Gemeinde. Hat man deren Missfallen, so stellen sich die Wenigsten der Gemeindeglieder auf die Seite des Pfarrers. Sie sind es, die mit „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ das Leben der Gemeinde und den Dienst des Pfarrers bestimmen.

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