Um die Gemeinde weinen

Viele Jahre war es her, dass die Letzten aus Jerusalem nach Babylon weggeführt wurden, die Stadt geschliffen und dem Verfall preisgeben wurde. Das alles war die Folge des Ungehorsams gegen Gott, des nicht mehr auf Gott vertrauen wollen, des die Sache selber in die Hand nehmen wollen.

Solche ähnlichen Niedergänge gab es und gibt es in der Geschichte der Kirche und in der Geschichte der Gemeinde immer wieder. Jetzt könnte man die alte Managerweisheit anwenden „Wenn dein Pferd tot ist, dann steig herab.“ Doch genau die ist hier fehl am Platz, das zeigt uns gerade Nehemia mit dem Wiederaufbau der Stadt Jerusalem. Das zeigte sich immer wieder in der Geschichte der Kirche, dass bei es Gott und seiner Gemeinde andere Möglichkeiten gibt.

Die ersten Juden sind aus der Gefangenschaft von Babylon wieder nach Jerusalem zurückgekehrt. Es sind ein paar Unerschrockene, ein paar die wieder in die Heimat zurück gingen. Nehemia erkundigt sich über ihr Wohlergehen (Nehemia 1). Und er erfährt Erschütterndes. Sein Herz dreht es ihm um. Den Menschen geht es nicht gut, ihnen fehlt eine Hoffnung, eine Vision. Die Stadt Jerusalem liegt in Trümmern. Der Tempel ist zerstört.

So kann es auch in unseren Gemeinden manchmal aussehen. „Ach Herr Pfarrer, wir sind doch sowie so die letzten Christen hier im Ort. Wir machen doch das Licht aus!“ hört man dann die Leute sagen. Manchmal sind es Streit und Richtungskämpfe, die die Gemeinden zerstört haben, alte Geschichten, die über Generationen nachwirken. Manchmal ist es der gelebte Atheismus der Menschen im Ort. Der Wegzug der jungen Generation hat mancherorts gravierenden Einfluss. Es können innere sowie äußere Faktoren sein, die zu einem Niedergang einer Gemeinde führen, und beides zusammen.

Heißt das nun die Gemeinde aufgeben? Das Unternehmensmanagement würde sagen ja, das Gemeindemanagement würde sagen vielleicht, der Glaubende würde sagen nein.

Was tat Nehemia? Als er diese erschütternde Nachricht von Jerusalem hörte, weinte und trauerte er eine ganze Zeit. Ich würde sagen, er durchdachte die ganze Situation. Dann fastete er. Er bereitete sich selber vor, vor Gott zu treten. Dann wendete er sich im Gebet an Gott. Er tritt vor Gott mit Buße und Beugung, bekennt das Versagen seines Volkes. Er beruft sich auf die Verheißungen, die Gott seinem Volk gegeben hat. Nehemia betet für die Menschen vor Ort und er erkennt seine Aufgabe und bittet Gott um seinen Segen dafür. Er weiß auch um die irdischen Kontakte und Beziehungen, die er dafür braucht um Jerusalem wieder aufzubauen.

Wenn wir Gemeinde bauen wollen, dann muss unser Herz so für die Gemeinde brennen, wie Nehemias Herz für Jerusalem gebrannt hat. Auch wir müssen uns eine Zeit der Stille und des Gebetes nehmen, um „um die Gemeinde zu weinen und zu trauern“, um uns persönlich klar zu machen, was wir wollen, was der Weg der Gemeinde ist. Wir müssen zu Gott für die Gemeinde beten und um seine Vollmacht bitten, die Gemeinde zu bauen. Ohne ihn geht es nicht. Dann können wir mit Gottvertrauen ans Werk gehen. Denn für den Rest von Gemeinde, der noch da ist gilt auch heute Gottes Verheißung:

Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Jesaja 6,13

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