Von der Vision ergriffen sein

(c) Vangel_PL/sxc.hu

Ich liebe dieses Bild und würde es gern hier veröffentlichen. Doch aus rechtlichen Gründen darf ich es nicht. Daher muss man sich mit meiner Bildbeschreibung begnügen. Dieses Bild stammt von Werner (Tilki) Küstenmacher. Es zeigt drei Bauleute. Alle drei behauen einen Stein. Doch in den Sprechblasen kommen die Visionen der Bauleute zum Ausdruck. Der erste sagt: “ Ich behaue einen Stein“. Der zweite: „Ich baue ein Fenster.“Der dritte sagt: „Ich baue eine Kathedrale.“ Alle drei tun das Gleiche. Und dann tun sie doch nicht das Gleiche. Es kommt auf den Standpunkt an und ob sie von der Vision, die sie da haben, auch ergriffen sind. Ob sie ihr ganzes Tun, ihr ganzes Denken, ihr ganzes Sein und Leben nach dieser Vision ausrichten?

Auch Josua ließ sich beim Einzug ins gelobte Land von seiner Vision ergreifen und ermutigte das Volk es auch zu tun:

Das Land, das wir durchzogen haben, um es zu erkunden, ist sehr gut.Wenn der HERR uns gnädig ist, so wird er uns in dies Land bringen und es uns geben, ein Land, darin Milch und Honig fließt. Fallt nur nicht ab vom HERRN und fürchtet euch vor dem Volk dieses Landes nicht, denn wir wollen sie wie Brot auffressen. Es ist ihr Schutz von ihnen gewichen, der HERR aber ist mit uns. Fürchtet euch nicht vor ihnen!

4. Mose 14,7-9

Er machte so dem ängstlichen Israel Mut den letzten Schritt der Landnahme Kanaans zu gehen. Israel, das in der Wüste sterben wollte oder an die vermeintlichen Fleischtöpfe Ägyptens zurück sich sehnte.

Nun stehen wir am Anfang des 21. Jahrhundert in einem großen gesellschaftlichen Umbruch, der auch vor der Tür der Kirche nicht halt macht. So wie Kirche einmal war, kann sie nicht bleiben. Sie steht vor neuen Herausforderungen. Das erfordert neue Sichtweisen und eine neue Vision von Kirche. Diese Vision kann man ja in der Gemeinde aufstellen, aber oft werden Visionen mehr mit Leitbildern verwechselt.

Visionen sind von Gott geschenkte Hoffnungsbilder, die über das menschlich Machbare hinausreichen. Sie werden uns vom Geist Gottes geschenkt und wecken unseren Geschmack und die Sinne für die Schönheit des Reiches Gottes.

Sie wecken in uns eine große Sehnsucht nach Gemeinde und Gemeinschaft mit Gott und den Menschen. Diese Sehnsucht muss in uns gepflanzt sein. Wir müssen von der Vision nach der Gemeinde, nach der Kirche der Zukunft ergriffen sein.

Aus dieser Vision heraus lassen sich dann Leitbilder und Ziele für die konkrete Gemeindearbeit entwickeln.

Sicher klingt das träumerisch und idealistisch. Die alltägliche Lebenswirklichkeit holt uns schnell wieder ein. Der Alltag der Pfarramts- und Gemeindeverwaltung, die Strukturreformen können ganz schön erdrückend sein. Manchmal geht es uns so wie Israel, da würden wir am liebsten alles aufgeben, oder wir sehnen uns nach der guten alten Zeit von Kirche zurück. Gab es die überhaupt?

Dann heute noch die Zeit und den Mut für die neuen Wege zu finden, ist schwer, aber dennoch nötig.

Manchmal muss man einfach losgehen – auch ohne Seil und doppelten Boden.

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