Der Dienst als Pfarrer kann isolieren

(c) sxc.hu/TheUsher

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Ich versuche einmal anhand des Buches „Hilfe, ich bin Pastor einer kleinen Gemeinde“ von Steve R. Bierly ein paar Probleme zu beschreiben, die man als Pfarrer im Dienst und in der Gemeinde hat. Und ich hoffe auch Hilfestellung zur Bewältigung dieser Probleme geben zu können. Die meisten dieser Probleme habe ich in meinem Pfarrerdasein durchlebt. Aber am Ende würde ich diesen Beruf nicht deswegen aufgeben, sondern lieber daran arbeiten diese Probleme zu überwinden oder wenigsten abzumildern.

Das erste Problem ist, dass der Dienst als Pfarrer isolieren kann. Trotz dass man als Pfarrer es mit vielen Menschen zu tun hat und oft auch viele Menschen um sich hat, gibt es doch Momente der Isolation und der Einsamkeit.

Das erste, es gibt im Dienst als Pfarrer keine eindeutige Arbeitsplatzbeschreibung und keine geregelte Arbeitszeit. Auch wenn es schon mache Versuche gab den Arbeitsplatz eines Pfarrers zu beschreiben, so ist er doch zu vielfältig und von Gemeinde zu Gemeinde zu verschieden. Das kann zwei Dinge – einerseits lähmen und anderseits zur Kreativität herausfordern. Das ist abhängig vom Menschentyp des einzelnen. Das zweite ist die nicht geregelte Arbeitszeit. Das hat einmal ein paar Vorteile, dass man sich mal „zwischendurch“ frei nehmen kann. Aber es beinhaltet doch eine Reihe von Nachteilen. Da muss man arbeiten, wenn die Familie frei hat. Die meisten Familienfeste finden am Wochenende statt. Doch die Wochenenden sind meistens durch unsere Dienste belegt. Und oft ist die eigene „erweiterte“ Familie doch einige Kilometer entfernt beheimatet. Da gestaltet es sich als Pfarrer recht schwer an den Festen der Großfamilie teilzunehmen. Oder man hat Dienst, wenn die Freunde frei haben.

Nicht nur den Pfarrer allein kann der Dienst isolieren, sondern auch die ganze Familie bzw. auch sein Verhältnis zu seiner eigenen Familie belasten. Er selbst muss durch den Pfarrdienst sehr viel Zeit ohne Familie verbringen, besonders an den Abendstunden und am Wochenende, wenn in der Regel die Familie zu Hause ist. Ist er dann zu Hause, hat er noch selten ein Ohr für die Belange und Anliegen in der Familie, weil er sie sich schon sonst die Anliegen vieler Menschen anhören musste. Er ist in dieser Richtung ausgebrannt und braucht eigentlich Ruhe und Entspannung.

Aber oft ist es ja so, dass die ganze Familie sogar in den Dienst des Pfarrers eingespannt ist. Die Gemeinde sehen nicht nur den Pfarrer als ihren Diener, sondern gleich seine ganze Familie mit. Sie sind sozusagen kostenfreie Hilfskräfte des Pfarrers. Darum fühlt oft nicht nur der Pfarrer, sondern auch seine ganze Familie einsam und vernachlässigt. Doch muss das etwa um des Evangeliums willen wirklich sein oder ist es ein überkommener Zopf und Dummheit?

Jeder Mensch braucht in seinem Leben wirkliche Freunde. Der eine mehr, der andere weniger. Manche Freunde begleiten einen ein ganzes Leben lang. Andere bestimmte Lebensabschnitte. Damit sein Dienst ihn nicht isoliert, braucht auch ein Pfarrer Freunde. Doch in der Gemeinde selber findet er selten wirkliche Freunde oder es dauert sehr lange. Denn erst einmal begegnet man dem Pfarrer sicherlich sehr freundlich und auch „brüderlich, aber dennoch distanziert. Es gibt erst einmal kein besonderes Bedürfnis den Pfarrer persönlich kennen zu lernen. Mich erschreckt immer wieder zu hören, wieviele Gemeindeglieder noch nie in der Pfarrwohnung oder in der Wohnstube des Pfarrers gewesen sind. Oft bleibt der Pfarrer ein Fremder die ganze Zeit, die er in der Gemeinde ist. Er bleibt ein fremder „Experte“ in Punkto Gemeindearbeit. Er hat selten wirklich Anteil am eigentlichen Beziehungsnetz der Gemeindeglieder. Sicher wird er ab und an zu den Leuten eingeladen, doch wirklich Teil des Ganzen ist er nicht.

Oder es gibt die andere Seite, wo in der Gemeinde eine Freundschaft fast künstlich aufgebaut wird. Das kann besonders in frommen Kreisen passieren. Da ist es fast eine „fromme Pflicht“ mit dem Pfarrer befreundet zu sein. Aber das ist keine lebendige Freundschaft und isoliert. Da sind dann solche Begriffe wie „Bruder“ und „Schwester“ besser. Denn Freunde kann man sich aussuchen, Geschwister nicht.

Der Kreis, in dem man als Pfarrer Freunde findet, ist recht klein. Meist unter anderen Pfarrer, selten unter Leuten mit einer ganz anderen beruflichen Prägung und kulturellen Hintergrund. Obwohl das gerade bereichernd wäre.

Manchmal haben es Freundschaften schwer zu entstehen, weil wir als Pfarrer mit Vorurteilen belegt sind. Da ist man kein normaler Mensch sondern ein Heiliger. Da trinkt man kein Alkohol, macht keine Witze, tanzt nicht, lebt hinterm Mond usw.

Oft scheitern die Freundschaften aufgrund der Entfernungen. Moderne Medien können sicher einiges abfedern, aber ohne den persönlichen Kontakt stirbt die Freundschaft doch langsam.

Bei uns Pfarrern können Freundschaften an dem häufigen Wechsel der Pfarrstellen scheitern.

Und wenn wir uns Freiräume schaffen für uns selber, für unsere Familien und zur Pflege von Freundschaften dann stehen wir in der Gefahr, dass uns das die Gemeinde übel nimmt. Denn wir werden immer im Dienst gesehen. Da wird uns fast der „freien Pfarrersonntag“ verübelt. Und Urlaub kann man auch kaum zu Hause machen: „Der Pfarrer ist doch da, da können wir ihn fragen…!“

 

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