Predigt – Sonntag Misericordias Domini 2010 – 1.Petrus 2, 21b-25: Jesus nachfolgen – lohnt sich das?

Abendmahl

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Abendmahl

Liebe Gemeinde,

eines der ältesten Bücher zum Thema Nachfolge außer der Bibel selbst, welches auch noch heute gelesen wird, ist das Buch Nachfolge Christi von Thomas von Kemten.

Er hat es zwischen 1424 und 1427 in lateinischer Sprache herausgegeben und 1438 in deutsche Sprache.

Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1975. Das hatte ich mir als Jugendlicher gekauft und ich gebe es zu, habe aber nicht viel in dem Buch gelesen. Als Jugendlicher hatte ich da sicher anderer Interessen, und dann ist es in meinem Bücherregal verschwunden. Es ist immer mal wieder aufgetaucht, aber doch nur sporadisch gelesen worden.

Dabei ist das Buch in seiner Sprache vielleicht veraltet, aber in seinem Inhalt noch ganz aktuell, wen es über die Nachfolge Christi schreibt.

Und dieses Buch macht von Anfang an deutlich, dass echte Nachfolge eine große Herausforderung ist. Schon die Überschrift des ersten Kapitel im ersten Buch macht es uns deutlich, wenn Thomas von Kempen schreibt:

„Folge Christus nach und lerne verschmähen, was vergänglich ist“

Nachfolge ist eben nicht nur ein bisschen an Jesus denken und ihn als guten Freund oder Kumpel zu haben. Nein dafür ist sein Sterben am Kreuz und seine Auferstehung viel zu wertvoll.

Das macht uns auch der Apostel Petrus deutlich, der in seinem 1. Brief Kapitel 2, 21b-25 folgendes schreibt:

Ihr Lieben,

habt ihr schon einmal probiert in die Fußstapfen des anderen zu treten und ihm nachzugehen.

Als Kind hat man das sicher schon einmal probiert in den Fußstapfen der Erwachsenen zu treten. Doch das war ein schwieriges Unterfangen, denn die Erwachsenen hatten einen großen Schritt und da musste man sich ja richtig anstrengen, das zu schaffen.

Oder bei einer Bergwanderung muss man wenn es über besonders enge Pässe geht, genau auf die Stellen treten, wo der Bergführer hintritt. Er kennt sich hier aus und weiß, wo die richtigen Trittstellen sind. Und wenn man da nicht genau aufpasst, da kann man ganz schnell abstürzen.

Wenn Petrus hier von den Fußstapfen Christi schreibt, denen wir nachfolgen sollen, dann ist das für uns eine ungeheure Herausforderung und verlangt von uns die ganze Konzentration im Leben als Christen. Jesus Christus kann man nicht nebenbei nachfolgen und gleichzeitig noch soviel anderes tun.

Unsere moderne Gesellschaft macht uns zu sogenannten Multitasking-Menschen. Das heißt man wird herausgefordert mehreres gleichzeitig zu tun.

Es ist doch heute fast normal, dass da vieles gleichzeitig tut. Da macht man am Schreibtisch eine Arbeit, gleichzeitig wird telefoniert, dann werden mal schnell zwischendurch die Emails gelesen, man schreibt eine kurze Meldung in Twitter oder Facebook, vielleicht isst man noch eine Schnitte und trinkt eine Tasse Kaffee, führt noch ein Gespräch mit einem anderen, ja und dann läuft da noch das Radio oder sogar der Fernsehen oder man schaut sich nur schnell eine Webseite oder ein Video im Internet an.

Da wird uns schon klar, dass man da nirgendwo 100% bei der Sache ist. Ihr könnt mir glauben, ich weiß wovon ich rede.

Und bei manchen Menschen ist das mit der Nachfolge Christi so. Sie ist da eines unter vielen. Und das geht auch 100% schief.

Nein, die Nachfolge Christi ist eine totale Herausforderung. Wir werden aufgefordert so zu leben, wie Jesus gelebt hat.

Es sind vier Punkte, die Petrus hier aufzählt.

1.Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Das ist unmöglich, wird jetzt mancher sagen, oder wenn er es nicht ausspricht, dann wenigsten innerlich denken. Genau an diesen vier Punkten wird deutlich, unter welcher Herausforderung wir als Christen stehen, wenn wir den Fußstapfen Christi nachgehen.

Ich möchte mit euch über die vier Punkte im Einzelnen nachdenken:

1. Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

Jesus lebte ohne Sünde, das ist eine der Kernaussagen der Bibel. Und doch ist das für viele Menschen nicht vorstellbar. Für Nikos Kazantzakis war das 1951 Veranlassung für einen Roman, wo er das Leben Jesus aus seiner Sicht beschrieb. Der Roman hatte den Titel „Die letzte Versuchung“. Den meisten ist da eher, der Film aus dem Jahre 1988 bekannt. Er beschreibt da Jesus als einen als Zweifelnder und mit seinem Schicksal Hadernder gezeichnet, der sich verschiedenen Versuchungen ausgesetzt sieht. Bis hin dass er fast der Versuchung nachgibt nicht als Messias zu sterben. Das Roman und Film kontroverse Diskussionen ausgelöst haben, könnt ihr euch sicher vorstellen. Bis hin dass der Roman auf dem Index der verbotenen Bücher stand.

Aber genau das ist es auch, was viele unserer Mitmenschen denken. Doch die Bibel sagt etwas anderes. Im Hebräerbrief Kapitel 4, 15 lesen wir:

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“

Ja auch Jesus wurde versucht, doch er hat den Versuchungen widerstanden.

Nun in der Nachfolge werden wir jetzt herausgefordert, ohne Sünde zu leben und den Versuchungen zu widerstehen.

Das ist unmöglich werden wir sagen. Ja aus menschlicher Sicht ist es wirklich unmöglich.

Wie schwer fällt es uns schon der Versuchung nach einem leckeren Stück Torte oder auch mehrerer zu widerstehen, die den Zeiger der Körperwaage wieder nach oben schnellen lassen.

Dabei ist das Leben ohne Sünde mit unserem Denken, Sprechen und Handeln der Index für unsere Nachfolge.

Thomas von Kempten schreibt dazu: Lieber Bruder! Nichts, nichts soll dir die Zuversicht aus dem Herzen nehmen können, dass auch du noch im geistlichen Leben weiterkommst. … Steh auf und fang augenblicklich an und sprich: „Jetzt ist es Zeit zum Handeln, Zeit zum Streiten, jetzt hat die Stunde geschlagen zu meiner Besserung!

Aber er macht auch deutlich, dass wir die Sünde nie aus eigener Kraft besiegen werden. Wir können sie nur dadurch besiegen, dass wir uns an Jesus Christus hängen und von ihm die Kraft empfangen. Wir werden leider fallen, aber er hilft uns auf, er richtet uns auf, wenn wir uns an ihn hängen.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt.

Zu der Tatsache, dass Jesus nie gelogen hat brauche ich nicht viel zu sagen, sondern viel mehr steht hier die Herausforderung unter die wir hier gestellt werden.

Gibt es jemand hier, der in seinem Leben noch nie gelogen hat, der immer und überall ehrlich und echt war?

Ich glaube, wenn jetzt jemand hier die Hand gehoben hätte, hätte er oder sie spätestens jetzt gelogen.

Ich selber kann das von mir nicht behaupten. Wie schnell stehen wir in der Versuchung, wenigstens zu einer Notlüge oder dem Verschweigen der ganzen Wahrheit, Wir erzählen nur einen Teil, nach dem anderen hat uns ja keiner gefragt.

Oder da steht man vor einem Getränke-Automaten und man wirft ein Zwei Euro Stück hinein und dann kommen das Getränk und die Zwei Euro wieder heraus. Wer würde dann die Zwei Euro vielleicht zur Kasse oder zum Eigentümer bringen, wohl kaum einer. Aber umgedreht würden wir auf die Barrikaden gehen, wenn wir für die Zwei Euro nichts bekämen.

Fragt mal in einem Hotel nach, wie viele Handtücher oder Badetücher es verliert. Zu DDR-Zeiten gab es mal einen Witz. Ich weiß nicht mehr so genau, wie er ging. Aber irgendwo kam da die Aussage vor „Ah, sie sind also auch eine geborene Mitropa.“

Und ich bin der Meinung, dass auch wir Christen manchen solchen Schatz zu Hause haben.

Wie regen wir uns auf, und zurecht wenn Politiker nicht ehrlich sind.

Darum werden wir in der Nachfolge Christi zu Ehrlichkeit und Echtheit herausgefordert.

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

Au, weiha, das ist ja eine wirkliche Zumutung, die hier von uns gefordert wird. Und doch erwartet Jesus das von uns. Schon in der einen Aussage wird es deutlich, wenn er sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39)

Würdet ihr euch beschmähen und beschimpfen? Wohl kaum!

Das Handeln Jesu wurde von der Liebe bestimmt. Er tat alles aus Liebe zu uns. Lest einmal 1. Korinter 13 und tauscht das Wort Liebe mit dem Wort Christus aus. Dann wird uns das Handeln Jesu richtig deutlich.

Als seine Nachfolger sind wir herausgefordert auch in dieser Liebe zu leben – und denen, die uns auf die Backe schlagen, auch die andere hinzuhalten.

Wo das geschieht, wird manchmal der andere von solchem Handeln überwältigt und kommt zur Umkehr.

Genau hier ist die Wurzel des christlichen Pazifismus. Ich erinnere an das Handeln von Martin Luther King, aber auch der spätere polnische President Lech Walesa hat mit der Gewerkschaft Solidarnosch so gehandelt.

Sie zeigen uns das, das Handeln und Leben aus der Liebe Christi möglich ist. Aber wir müssen trotzdem wissen, dass ein irdischer Erfolg nicht garantiert ist.

Und nun noch der 4. Punkt:

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Es ist etwas bezeichnendes, wenn ein Mensch aus der Vergebung leben kann.

Normalerweise sind wir nicht darauf aus aus der Vergebung zu Leben. Das jüdische Vergeltungsgesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist das Minimum, aber meistens ist es mehr.

Anwälte und Gerichte haben Hochkonjunktur, Darum muss man mittlerweile ganz schön lange auf eine Gerichtsverhandlung warten.

Aber auch ohne Anwalt und Gericht kann das Ganze zu einer Spirale ohne Ende werden, die immer mehr eskaliert.

Damit sie unterbrochen wird gibt es nur eine einzige Lösung: „Aus der Vergebung leben.“ Anderen zu vergeben – und selber auch Vergebung zu empfangen. Das ist auch immer ein Wagnis, weil wir nicht wissen wie der Andere reagiert. Er kann das auch ausnutzen. Doch es ist der richtige Anfang.

Auch Jesus hat aus der Vergebung gelebt. Er hat seinen Feinden vergeben, obwohl sie ihn töteten.

Nun aus eigener Kraft können wir das nicht, sondern wir müssen uns dabei an Jesus klammern und von ihm die Kraft empfangen.

Martin Luther King schreibt: Vergebung ist kein gelegentlicher Schritt. Sie ist eine Dauerhaltung.

Jesus als der gute Hirte will uns bei all dem vorangehen und wir, wir sollen ihm vertrauen und nachfolgen. Sind wir zu dieser großen Herausforderung, die er an uns stellt, bereit? Wagen wir es und lassen uns darauf ein? Ich kann nur Mut machen, es zu tun. Es lohnt sich.

Amen.

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