Sammlungen erstellen und mit Regeln automatisch füllen

Wer eine größere Logos-Bibliothek besitzt, kennt das Problem: Man hat Hunderte oder Tausende Bücher – aber bei einer konkreten Recherche möchte man eben nicht alles durchsuchen. Für die Arbeit mit ASK und dem Study Assistant wird das noch wichtiger. Je genauer ich Logos sage, in welchen Büchern es recherchieren soll, desto brauchbarer werden in der Regel die Ergebnisse.
Hier kommen die Sammlungen ins Spiel. Sie bündeln ausgewählte Bücher und können anschließend in Suchen, Werkzeugen und im Study Assistant gezielt ausgewählt werden. Logos beschreibt Sammlungen deshalb ausdrücklich als Möglichkeit, die eigene Bibliothek für Suchen, Guides und andere Werkzeuge einzugrenzen.
Was ist eine Sammlung?
Eine Sammlung ist zunächst nichts anderes als eine Gruppe von Büchern aus der eigenen Logos-Bibliothek. Der eigentliche Clou ist jedoch: Eine Sammlung muss nicht statisch sein.
Ich kann natürlich zehn Bücher manuell hineinziehen. Wesentlich leistungsfähiger sind aber dynamische Sammlungen. Dabei lege ich eine Regel fest. Logos nimmt anschließend automatisch alle Bücher auf, die dieser Regel entsprechen. Kaufe ich später ein weiteres passendes Buch, kann es automatisch Bestandteil der Sammlung werden.
Gerade bei einer großen theologischen Bibliothek ist das sehr praktisch.
Eine Sammlung könnte beispielsweise heißen:
Lukas – Exegese
Darin sollen alle Kommentare zum Lukasevangelium, wichtige Monographien, Aufsätze und weitere Bücher stehen, die ich bei der Arbeit an Lukas regelmäßig benötige.
Wenn ich danach ASK zu einer Lukas-Stelle verwende, wähle ich im Collection Picker diese Sammlung aus. Der Study Assistant muss dann nicht zwischen völlig fachfremden Büchern suchen.
So erstellt man eine Sammlung
In Logos lässt sich das Werkzeug Sammlungen über das Werkzeug-Menü öffnen. Dort wird eine neue Sammlung angelegt und zunächst benannt. Anschließend befindet sich ein Feld für die Regel. Bereits während der Eingabe zeigt Logos unter Resulting Collection / Ergebnis der Sammlung, welche Bücher durch die Regel erfasst werden. So lässt sich unmittelbar kontrollieren, ob die Regel funktioniert.
Es gibt noch einen zweiten Weg: In der Bibliothek können mehrere Bücher markiert und anschließend über den Informationsbereich als Sammlung gespeichert werden. Logos öffnet daraufhin ebenfalls das Sammlungswerkzeug, wo die neue Sammlung weiterbearbeitet werden kann.
Der einfachste „Code“
Die Regeln funktionieren ähnlich wie die Filter in der Logos-Bibliothek.
Ein sehr einfaches Beispiel ist:
type:commentary
Damit werden alle Werke aufgenommen, die Logos als Kommentar klassifiziert. Ein weiteres offizielles Beispiel lautet:
type:commentary series:IVP
Damit wird die Auswahl zusätzlich auf Kommentare der entsprechenden Reihe eingegrenzt. Auch Themen lassen sich verwenden:
subject:marriage
Logos unterstützt außerdem Kombinationen mit AND, OR und ANDNOT. Ein offizielles Beispiel ist:
subject:theology AND author:augustine ANDNOT type:sermon
Damit werden theologische Werke Augustins gesucht, Predigtressourcen aber ausgeschlossen.
In der deutschen Logos-Oberfläche begegnen einem teilweise die deutschen Feldbezeichnungen wie typ:, sprache:, titel: oder verfasser:. Die deutsche Logos-Hilfe nennt beispielsweise typ:bibel und sprache:deutsch.
Mehrere Bedingungen miteinander verbinden
Sehr nützlich werden die Regeln, sobald Klammern ins Spiel kommen.
Angenommen, ich suche Monographien und Kommentare zu einem bestimmten biblischen Buch. Eine mögliche Ausgangsregel wäre:
type:(monograph,commentary) AND (subject:Luke OR title:Luke)
Das bedeutet sinngemäß:
Das Werk muss entweder Monographie oder Kommentar sein und Lukas als Thema oder im Titel enthalten.
Gerade bei Kombinationen von AND und OR sind Klammern wichtig. Ohne Klammern kann Logos die Regel anders verknüpfen als beabsichtigt und plötzlich Hunderte eigentlich unpassende Bücher aufnehmen. Dieses Problem und die Verwendung von Klammern werden auch in den Logos-Community-Beispielen ausdrücklich beschrieben.
Für eine deutschsprachige Bibliothek würde ich die Regel anschließend ausprobieren und gegebenenfalls um deutsche Begriffe erweitern:
type:(monograph,commentary) AND (subject:Luke OR subject:Lukas OR title:Luke OR title:Lukas)
Diese Regel ist kein Dogma, sondern ein Startpunkt. Entscheidend ist immer der Blick auf die daraus entstehende Sammlung.
Für meine Lukas-Sammlung würde ich noch einen Schritt weitergehen
Metadaten sind hilfreich, aber nicht vollkommen. Ein ausgezeichnetes Buch zum Lukasevangelium kann von Logos beispielsweise so verschlagwortet sein, dass eine einfache Regel es nicht erfasst. Umgekehrt kann das Wort „Luke“ in einem Titel vorkommen, obwohl das Buch für meine Exegese kaum relevant ist.
Hier helfen eigene Tags.
In der Bibliothek kann ich Büchern beispielsweise den persönlichen Tag
Lukas-Exegese
geben.
Die Sammlung kann anschließend gezielt auf diesen Tag reagieren:
mytag:Lukas-Exegese
Noch leistungsfähiger ist die Kombination aus automatischer Regel und eigenem Tag:
((subject:Luke OR subject:Lukas OR title:Luke OR title:Lukas) AND type:(commentary,monograph)) OR mytag:Lukas-Exegese
Damit sagt man Logos sinngemäß:
Nimm passende Kommentare und Monographien über Lukas automatisch auf – und zusätzlich alle Bücher, die ich persönlich als wichtig für die Lukas-Exegese markiert habe.
Eigene Tags sind dafür besonders geeignet, weil sie von mir selbst vergeben werden und damit nicht von unterschiedlich gepflegten Verlags- oder Community-Metadaten abhängen. Logos unterstützt mytag: ausdrücklich als Filterkriterium für Sammlungen.
Bücher bewusst ausschließen
Eine gute Sammlung besteht nicht nur darin, Bücher hineinzubekommen. Manchmal ist es genauso wichtig, bestimmte Bücher auszuschließen.
Dazu dient ANDNOT.
Ein Beispiel:
type:monograph AND subject:Luke ANDNOT title:sermon
Damit könnten Bücher ausgeschlossen werden, die „sermon“ im Titel tragen.
Alternativ funktioniert bei vielen Regeln auch die kürzere Minus-Schreibweise:
type:monograph -title:sermon
Bei komplexeren Regeln bevorzuge ich trotzdem ANDNOT, weil man nach Monaten noch leichter erkennt, was die Regel eigentlich tun soll.
Anführungszeichen nicht vergessen
Besteht ein Suchbegriff aus mehreren Wörtern, sollte er in Anführungszeichen gesetzt werden.
Also beispielsweise:
title:"Bible Background"
und nicht:
title:Bible Background
Ohne Anführungszeichen kann Logos die einzelnen Wörter getrennt interpretieren. Die Logos-Dokumentation empfiehlt deshalb ausdrücklich Anführungszeichen für zusammengehörige Wortgruppen.
Meine Empfehlung: lieber wenige gute Sammlungen
Man kann mit Logos sehr schnell Dutzende Sammlungen bauen. Das ist nicht unbedingt sinnvoll. Die Logos-Community weist sogar darauf hin, dass sehr viele Sammlungen den Programmstart zusätzlich belasten können.
Für die exegetische und homiletische Arbeit würde ich zunächst mit wenigen, klar abgegrenzten Sammlungen beginnen, beispielsweise:
Lukas – Exegese, Paulus – Exegese, Altes Testament – Kommentare, Neues Testament – Kommentare, Systematische Theologie, Predigtillustrationen, Homiletik, Kirchengeschichte und bei Bedarf einzelne Sammlungen für größere aktuelle Projekte.
Noch besser kann es sein, zu einem biblischen Buch, an dem man längere Zeit arbeitet, eine eigene Sammlung anzulegen.
Zum Downloaden
Eine besonders gute Methode: Regel plus Handarbeit
Ich halte reine Automatiksammlungen bei theologischer Literatur nicht immer für ausreichend.
Eine robuste Sammlung entsteht deshalb in drei Schritten:
Zunächst erstellt man eine möglichst gute dynamische Grundregel. Anschließend kontrolliert man die Ergebnisliste. Fehlende besonders wertvolle Bücher erhalten einen eigenen Tag oder werden manuell hinzugefügt; eindeutig unpassende Werke werden ausgeschlossen.
So verbindet man die Geschwindigkeit von Logos mit der eigenen theologischen Urteilskraft.
Warum das gerade für ASK wichtig ist
Mit dem Study Assistant kann man sehr schnell große Mengen theologischer Literatur erschließen. Aber eine Antwort wird nicht automatisch dadurch besser, dass die KI Zugriff auf möglichst viele Bücher erhält.
Bei einer Frage zu Lukas 15 möchte ich nicht unbedingt sämtliche Dogmatiken, Andachtsbücher, Predigtsammlungen und allgemeinen Nachschlagewerke gleichzeitig durchsuchen lassen.
Eine sauber kuratierte Sammlung Lukas – Exegese schafft einen klareren Recherchebereich.
Vor einer ASK-Abfrage wähle ich deshalb im Collection Picker möglichst die passende Sammlung aus. Für besonders gute Ergebnisse sollte eine solche Sammlung bereits vor der eigentlichen Recherche aufgebaut werden.
Eine Anfrage zum Lukasevangelium kann beispielsweise auf eine Sammlung beschränkt werden, die Lukas-Kommentare, relevante Monographien und weitere wissenschaftlich hilfreiche Texte enthält.
Danach kann ASK beispielsweise gefragt werden:
„Welche unterschiedlichen Auslegungen dieser Perikope finden sich in den Werken dieser Sammlung? Stelle die Hauptpositionen gegenüber und belege jede wesentliche Aussage mit den verwendeten Quellen.“
Nun arbeitet ASK nicht mehr durch die gesamte Bibliothek, sondern innerhalb eines bewusst zusammengestellten theologischen Arbeitsbereichs.
Fünf nützliche Regeln zum direkten Ausprobieren
type:commentary
Alle Kommentare.
type:monograph
Alle Monographien.
type:commentary series:IVP
Kommentare einer bestimmten Reihe.
mytag:Lukas-Exegese
Alle persönlich mit „Lukas-Exegese“ markierten Bücher.
((subject:Luke OR subject:Lukas OR title:Luke OR title:Lukas) AND type:(commentary,monograph)) OR mytag:Lukas-Exegese
Eine mögliche dynamische Ausgangssammlung für die Lukas-Exegese.
Die letzte Regel sollte man allerdings nicht blind übernehmen. Bibliotheken unterscheiden sich, Metadaten unterscheiden sich und auch die Sprache der vorhandenen Werke spielt eine Rolle. Deshalb immer prüfen, welche Bücher Logos unter „Resulting Collection“ tatsächlich aufnimmt.
Ein wichtiger Stolperstein: Bücher nur in der Cloud
Eine Besonderheit darf man nicht übersehen: Das Sammlungswerkzeug der Desktop-Version berücksichtigt nach der aktuellen Logos-Hilfe nur Ressourcen, die auf dem Computer heruntergeladen wurden. Bücher, die ausschließlich in der Cloud liegen, tauchen in der Sammlung nicht auf.
Wer also feststellt, dass ein eigentlich passendes Buch fehlt, sollte nicht sofort die Regel umbauen. Zuerst lohnt sich ein Blick in die Bibliothek: Ist das Werk überhaupt lokal heruntergeladen?
Sammlungen sind mehr als Ordnung
Früher konnte man Sammlungen vor allem als eine Art Bücherregal innerhalb von Logos betrachten. Mit intelligenter Suche und dem Study Assistant bekommen sie eine neue Bedeutung.
Sie werden zu Recherchefiltern.
Ich sage damit nicht nur: „Diese Bücher gehören zusammen“, sondern: „Wenn ich zu diesem Thema arbeite, soll Logos zunächst in genau dieser fachlich ausgewählten Literatur recherchieren.“
Damit wird aus einer großen Bibliothek langsam eine strukturierte theologische Arbeitsbibliothek.
Und genau darin liegt für mich der eigentliche Gewinn: ASK ersetzt die eigene Exegese nicht. Aber eine gut gepflegte Sammlung hilft dem Study Assistant, schneller dort zu suchen, wo sich die wirklich relevanten Stimmen befinden.



