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Wenn uns die Worte fehlen

(c) sxc.hu/kaike75

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Im Dienst als Pfarrer hat man nicht nur Menschen zu beerdigen, die über 80 oder noch älter sind. Da kommt es schon vor, dass man Angehörige von jungen Menschen in ihrer Trauer und ans Grab begleiten muss. Man erlebt es mit, wie Mütter ihre Kinder beerdigen müssen, wie sie um sie trauern. Man erlebt es mit wie Väter Gott anklagen und weinen. Manchmal ist es die Folge einer schweren langen Krankheit, dass ein junger Mensch stirbt. Da kann man schon unter Umständen in dieser Zeit die Familie begleiten. Ein anderes Mal ist der Tod des jungen Menschen oder sogar des Familienvaters die Folge eines Verkehrsunfalls oder noch ganz anderer Schicksalsschläge. Dann ist der Schock und das Erschrecken sehr groß. Alles ist unfassbar und irreal. Es stellt sich nun die Frage: Wie geht man damit um?

Eins ist sicher: Worte des Trostes und vieles Reden helfen dabei sehr wenig. Sie sind eher noch eine Belastung. Auch wenn die Freunde des Hiobs in der Bibel später im Umgang mit Hiob viele Fehler gemacht haben, sie hielten zu ihm:

Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten. Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriss sein Kleid und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.

Hiob 2,11-13

Sie hielten zu ihm und schwiegen mit ihm sieben Tage lang. Sie waren einfach nur da in seiner Not und in seinem Unglück. Und das ist genau auch die wichtigste Aufgabe für uns, nicht nur für Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern für Freunde überhaupt, für den anderen da zu sein in seinem Unglück, mit ihm zu schweigen und zu weinen, seine Klagen und seine Anklagen zu hören und ihn bei der Hand oder  in den Arm zu nehmen. Körperliche Nähe kann manchmal sehr trösten. Selbst die Anklage gegen Gott muss man in der Situation aushalten, ohne gleich darauf zu reagieren. Auch in den Psalmen finden wir das. Denken wir an den Sterbepsalm Jesu, den Psalm 22: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”

Wenn uns die Worte fehlen, dann brauchen wir sie nicht und der andere auch nicht. Er braucht uns und unsere Nähe!

 

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