für eine Kirche mit Zukunft

Ich habe es mir abgewöhnt

(c) sxc.hu/mmayerle

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ein schlechtes Gewissen zu haben, mal als Pfarrer nichts zu tun. Vielleicht wenn ich mal nichts wichtiges zu tun habe, weil Ferien sind, oder weil ich mich gesundheitlich nicht richtig wohl fühle. Und ganz besonders dann, wenn ich am Montag meinen Pfarrersonntag habe und ausgerechnet an dem Tag alle möglichen Leute immer wieder einen Termin machen wollen.
Das hat nichts damit zu tun, dass ich als Pfarrer nicht 24-Stunden am Tag Pfarrer bin und 7 Tag in der Woche und dass ich dazu von Gott berufen bin. Dazu stehe ich immer, auch 23 Jahre nach meiner Ordination. Ich bin mit Leib und Seele Pfarrer. Doch die freie Zeit und die Freizeit braucht auch ein Pfarrer.
Es ist ein großer Unterschied, ob ich Sonntag Abend um 21.00 Uhr angerufen werden und gebeten werde, einem Menschen den Sterbesegen zu geben, oder ob jemand am Sonntag Abend um 21.00 Uhr anruft und fragt, ob er einen Raum am Mittwoch im Gemeindehaus mieten kann. Letzteres ist nicht meine Aufgabe, das ist die Aufgabe des Gemeindebüros, und wird von mir mit Sicherheit nicht am Sonntag um 21.00 Uhr geklärt. Mit diesem Beispiel will ich zeigen, wann ich als Pfarrer bereit bin, auch in der freien Zeit aktiv zu werden. Dann wenn es um den Menschen geht, wenn der andere meine Hilfe braucht. Das ist der Bereich der Seelsorge und der Sterbebegleitung, alles andere ist aufschiebbar, auch Beerdigungstermine.

Meistens gehört zu einem Pfarrer eine Familie: Ehepartner und Kinder. Es hat mal jemand gesagt: Sie sind die wichtigsten Gemeindeglieder. Er hat recht. Leider werden sie sehr oft gar nicht als solche behandelt. Manchmal würden sie sagen „Ein Gemeindeglied müsste man bei dir sein, dann würdest du uns mehr beachten.“ Die Familie trägt uns Pfarrer oft in unserem Dienst. Manchmal trägt sie unseren Dienst mit. Darum braucht sie unsere besondere Würdigung und unsere Zeit. Wer eine To-Do-Liste führt, bei dem sollte sie immer weit oben stehen.

Eines ist klar, man kann nicht immer unter Volllast fahren. Auch als Pfarrer muss ich in den Urlaub fahren bzw. Urlaub machen. Das ist schon wieder ein Punkt. Urlaub zu Hause machen ist sehr schwierig: „Ach Herr Pfarrer, sie sind ja da, da könnten sie doch schnell mal?“ Aber wer kann es sich leisten in seinem ganzen Urlaub wegzufahren. Darum ist es wichtig Vorort Rückzugsgebiete zu haben.

In einer Runde von Pfarrern habe ich gefragt: Habt ihr Hobbys? Da hat man mich erst einmal groß angesehen. Ich denke nicht, dass die Gemeinde Beruf und Hobby sein sollte. Auch die Familie sollte nicht den restlichen Platz allein ausfüllen, sondern für die eigene Persönlichkeit ist es wichtig, dass man etwas ganz anderes tut. Genau das ist wichtig, damit ich meinen Beruf und meine Berufung als Pfarrer besser erfülle, damit ich Abstand bekomme, von den Dingen, die da herunter ziehen, und mein Blick wieder erweitert wird.
Bei mir sind es eine ganze Reihe von Hobbys, die ich unterschiedlich intensiv verfolge: Da ist die Informatik und der Computer. Nun das ist aus meinem ersten Beruf erwachsen. Vor 35 Jahren habe ich mal Informatiker gelernt. Seit 15 Jahren betreibe ich mal mehr oder weniger intensiv Webdesign. Seit 4 Jahren bin ich ein begeisterter Blogger, auch wenn meine Rechtschreibung manchmal zum Fürchten ist. Im Bereich des Social Media bin ich in Twitter und Facebook aktiv.
Zu den nichtmedialen Hobbys gehört bei mir das Kochen und das Grillen. Aber auch davon hat meine Gemeinde schon profitiert.
Ein Hobby, das mich zwar nicht immer begeistert, weil ich da meinen inneren Schweinehund überwinden muss, aber das für mich sehr notwendig ist und doch Spaß macht, ist der Sport. Bei mir sind es die Sportarten Radfahren, Joggeln und Trampolin.

Ein wichtiger Punkt, um sich einmal aus der Gemeinde und der Gemeindearbeit herauszunehmen, ist die Weiterbildung. Ich selber habe es viele Jahre vernachlässigt, weil ich dachte, ich bin unabkömmlich. Ist man, wenn man es denkt, vielleicht auch! Aber dennoch sollte man sich die Zeit nehmen Seminare und Kurse besuchen. Da ist wichtig der Dialog und der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Denn der andere hat oft die gleichen oder ähnliche Probleme und hat schon Lösungsansätze dazu.

Ich habe es mir abgewöhnt ein schlechtes Gewissen zu haben, mal als Pfarrer nichts zu tun.

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