für eine Kirche mit Zukunft

Manchmal kann es recht einsam sein!

(c) sxc.hu/madmick99

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Das klingt vielleicht für den ersten Moment etwas komisch. Mancher wird sagen: „Das kann doch gar nicht sein, ein Pfarrer hat immer mit Menschen zu tun. Da kann es ihm gar nicht einsam sein!“ Doch das kann ihm, denn das ist schon ein großer Unterschied, ob ich für Menschen da bin, sie als Pfarrer “betreue“ und sicher viel mit ihnen rede, oder ob ich mit anderen in einer Beziehung stehe, mit ihnen kommuniziere und mich mit ihnen über das Leben und den Glauben, über Freud und Leid austausche.

Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zeigen, dass viele Pfarrer und Pfarrerinnen diese Erfahrung in ihrem Dienst machen. Sicher sind die Auswirkungen der „Einsamkeit“ abhängig von der Persönlichkeit. Aber erleben wir es nicht so oft, dass sich dann jemand in Selbstisolation zurückzieht. Eine andere Folge ist das Burnout. Weil wir keine Energie aus dem Zusammenleben mit Menschen mehr bekommen, brennen wir aus.

Man kennt ja das Sprichwort „An der Spitze kann es einsam sein“. Viele sehen darin ein altes Klischee, aber es ist schon etwas Wahres dran. Denn diese Erfahrung machen nicht nur Pfarrer sondern müssen viele Leiter in der Wirtschaft und in der Politik machen. Oft sind Entscheidungen zu treffen, von denen man weiß, sie werden viel Kritik und Widerstand erzeugen. Das gilt genauso für Pfarrer und Pfarrerinnen. Manchmal erfährt man auch Dinge in der Seelsorge, die man nicht weitersagen darf, aber die mitzutragen soviel Kraft verlangen, dass man selber Beistand bräuchte.

Was kann man dann tun?

  1. Ein Stück Einsamkeit gehört zum Dienst und muss ausgehalten werden.
  2. Wichtig ist die persönliche Anbindung an Gott, dass man ihm alles im Gebet bringen kann. Dazu gehört die geregelte Gebetszeit, Stille Tage und andere Möglichkeiten der geistlichen Besinnung.
  3. Wer hat, sollte den Dialog in der Familie Pflege. Wichtig ist vor allem der Ehepartner, denn er trägt den Dienst des Pfarrers und der Pfarrerin mit. Zur Familie zähle ich auch die Großfamilie, wie Eltern oder Geschwistern. Sind weite Entfernungen zu überwinden, helfen heute moderne Kommunikationsmittel.
  4. Trotz aller Hindernisse die der Dienst als Pfarrer oder Pfarrerin mit sich bringt, sollte man in den Aufbau eines Freundeskreis investieren, wenn nicht in der Gemeinde, dann außerhalb und wenn es erst einmal nur 2 bis 3 Freunde sind.
  5.  Social Media – Die Kommunikation über Facebook, Twitter & Co kann sehr hilfreich und abwechslungsreich sein. Sie weitet den Horizont. Sie führt nicht, wie oft behauptet, zur Isolation, sondern baut neue Kontakte und sogar Freundschaften auf. Sie hilft bestehende Freundschaften zu vertiefen. Aber man muss ein paar Spielregeln beachten. Da alles öffentlich ist, liest unter Umständen die Gemeinde mit.
  6.  Der regelmäßige Austausch mit Kolleginnen und Kollegen über verschiedene Themen, aber auch über das eigene Ergehen sollte gepflegt werden. Das sollte ruhig in einem ökumenischen Umfeld geschehen. Unbewusst habe ich das über viele Jahre in meiner alten Gemeinde getan, als ich Kolleginnen und Kollegen zum monatlichen Vorbereitungskreis einlud. Neudeutsch würde man sagen – Aufbau eines persönlichen Netzwerkes.
  7.  Der regelmäßige persönliche Austausch mit einem Freund oder einer Freundin. Wenn der Andere weit weg wohnt, kann man sich ja in der Mitte treffen.
  8.  Und dann gibt es das Gemeindeglied, welches in ihnen nicht nur den Pfarrer oder die Pfarrerin sieht, sondern den Freund und Wegbegleiter und will es ihnen auch zurück geben. Vertrauen sie!

Diese acht Punkte sind sicher nicht vollständig, sondern sollen Anregung sein zum weiteren Nachdenken. Wer selber Ideen hat, kann diese gern als Kommentar schreiben.

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