
Einleitung Melchisedek gehört zu den geheimnisvollsten Gestalten der Heiligen Schrift. Im Alten Testament wird er nur an zwei Stellen ausdrücklich genannt: in Genesis 14,18–20 und in Psalm 110,4. Dennoch nimmt er im Hebräerbrief eine Schlüsselstellung ein, vor allem in Hebräer 7. Das liegt nicht an einer bloßen Vorliebe für Nebengestalten, sondern daran, dass in Melchisedek…

Vertikale Autorität im MAGA-Christentum und warum Luther hier eher zur Vorsicht mahnt In der amerikanischen Debatte über christlichen Nationalismus ist in jüngerer Zeit der Ausdruck „vertical morality“ aufgekommen. Gemeint ist damit eine moralische Grundhaltung, in der sich das Gute vor allem am Gehorsam gegenüber einer höheren Autorität bemisst. Im christlichen Zusammenhang heißt das: Entscheidend ist…

Die Aussage, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, gehört zu den tragenden Grundgedanken biblischer Anthropologie. Sie bestimmt maßgeblich das christliche Verständnis von Menschenwürde, Berufung, Verantwortung und Gemeinschaft. Zugleich ist die Lehre vom Ebenbild Gottes vielschichtig. In der theologischen Tradition wurde sie auf unterschiedliche Weise entfaltet, wobei sich besonders drei Hauptdeutungen herausgebildet haben: die…

Exegetische und theologische Überlegungen zur Tragfähigkeit einer Osterhoffnung ohne Erscheinungserzählungen Die Frage, ob das Markusevangelium ursprünglich mit Mk 16,8 endet, gehört zu den klassischen Problemen neutestamentlicher Exegese. Sie betrifft nicht nur textgeschichtliche und literarische Aspekte, sondern berührt in erheblichem Maß die theologische Struktur des ältesten Evangeliums. Sollte Mk 16,8 den intendierten Schluss darstellen, so endet…

Ich glaube selbst an die Auferstehung Jesu. Gerade deshalb will ich sie nicht nur bekennen, sondern auch prüfen, durchdenken und verantwortlich darstellen. Denn die Auferstehung ist für den christlichen Glauben nicht ein Nebengedanke, sondern seine Mitte. Zugleich ist sie kein gewöhnliches historisches Ereignis, das sich einfach wie ein Experiment wiederholen oder wie ein naturwissenschaftlicher Befund…
Aus dem Archiv · 2006
Da stellt sich uns die Frage, in welchen Verhältnis stehen die Kirche und die »Gemeinde der Heiligen« zueinander? Das beistehende …
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Dieser Satz aus Matthäus 27,46 gehört zu den tiefsten und verstörendsten Worten des Neuen Testaments. Er ist Schrei, Gebet und Schriftzitat zugleich. Wer ihn verstehen will, muss Psalm 22 mitlesen, die Spannung zwischen Leid und Hoffnung aushalten und erkennen: Gerade in diesem Ruf zeigt sich, wie tief Christus in das menschliche Dunkel hineingeht. Die Auslegung…

Wenn wir von der Karwoche sprechen, dann reden wir nicht einfach über eine besonders ernste Woche im Kirchenjahr. Wir reden über das Herz des christlichen Glaubens. In dieser Woche verdichtet sich alles: Hoffnung und Enttäuschung, Nähe und Verrat, Liebe und Gewalt, Tod und neues Leben. Die Karwoche ist die letzte Woche der Passionszeit. Sie dient…

Wie er uns in der Passionszeit auf Ostern hin begegnet Einleitung Die Passionszeit führt uns Jahr für Jahr an jene Orte des Evangeliums, an denen wir nicht ausweichen können: an Orte des Leidens, der Bloßstellung, der Ohnmacht und der Schuld. Einer der eindrücklichsten Momente dieser Zeit ist die Szene vor Pilatus, in der Jesus, gegeißelt,…

Angeregt durch das Gespräch zwischen Kirk Miller und Wes Huff auf YouTube – „Does Jude Quote Enoch as Prophecy?“ – Wes Huff on Jude 14–15 Does Jude Quote Enoch as Prophecy? | Wes Huff on Jude 14–15 – YouTube, habe ich dazu eigene theologische Recherchen durchgeführt und einen Vortrag erarbeitet. Ein theologisches Referat auf der…

Die Lehre von der Erbsünde gehört zu den sperrigsten und zugleich folgenreichsten Themen der christlichen Theologie. Viele empfinden schon das Wort als unerquicklich: Es klingt nach dunkler Vergangenheit, nach Schuldvererbung, nach einer problematischen Sicht auf Leiblichkeit und Sexualität. Und doch lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn hinter der traditionellen Lehre steht eine bis heute bedrängende…

Ein neuer Blick auf einen alten Mini-Brief – Für und Wider abgewogen Der 2. Johannesbrief ist winzig. Dreizehn Verse – kaum mehr als eine Postkarte. Und doch hat er eine der spannendsten Adress-Fragen im Neuen Testament ausgelöst: An wen schreibt „der Älteste“?An eine konkrete Frau? Oder an eine Gemeinde, die als „Herrin“ personifiziert wird? Über…