Christus, der „Ecce Homo“
Wie er uns in der Passionszeit auf Ostern hin begegnet
Einleitung

Die Passionszeit führt uns Jahr für Jahr an jene Orte des Evangeliums, an denen wir nicht ausweichen können: an Orte des Leidens, der Bloßstellung, der Ohnmacht und der Schuld. Einer der eindrücklichsten Momente dieser Zeit ist die Szene vor Pilatus, in der Jesus, gegeißelt, mit Dornen gekrönt und mit einem Purpurmantel verspottet, dem Volk vorgeführt wird. Pilatus sagt: „Ecce homo“ – „Seht, der Mensch!“ (Joh 19,5).
Diese Worte sind mehr als ein historischer Ausruf. Sie sind ein geistliches Bild, ein theologischer Schlüssel und eine Herausforderung an unseren Glauben. Denn in diesem geschundenen Jesus begegnet uns nicht nur ein leidender Mensch, sondern der Mensch schlechthin, ja der wahre Mensch vor Gott. Und gerade in der Passionszeit lernen wir, diesen „Ecce Homo“ nicht nur zu betrachten, sondern in unserem eigenen Lebensvollzug zu erkennen – auf Ostern hin.
1. Was bedeutet „Ecce Homo“?
Der Ausdruck „Ecce Homo“ ist lateinisch und bedeutet: „Seht, welch ein Mensch!“ oder auch schlicht: „Seht, der Mensch!“. Er geht zurück auf Johannes 19,5. Pilatus präsentiert Jesus der Menge, nachdem er ihn hatte geißeln lassen. Äußerlich ist das ein Akt politischer Demütigung. Pilatus will offenbar zeigen: Dieser Jesus ist kein gefährlicher Aufrührer, kein ernstzunehmender König, sondern ein gebrochener, lächerlich gemachter Mensch.
