Vertikale Autorität im MAGA-Christentum und warum Luther hier eher zur Vorsicht mahnt
In der amerikanischen Debatte über christlichen Nationalismus ist in jüngerer Zeit der Ausdruck „vertical morality“ aufgekommen. Gemeint ist damit eine moralische Grundhaltung, in der sich das Gute vor allem am Gehorsam gegenüber einer höheren Autorität bemisst. Im christlichen Zusammenhang heißt das: Entscheidend ist zuerst, ob etwas als von Gott gewollt gilt. Für den folgenden Beitrag verwende ich dafür den theologischen Schärfungsbegriff „vertikale Autorität“. Denn im politischen Raum geht es dann meist nicht nur um Moral, sondern um die Frage, wer verbindlich sagen darf, was Gott will. Genau dort beginnt das Problem. [1]
Die Frage, ob Jesus wählen gehen würde, ist eine faszinierende und zugleich herausfordernde Frage. Sie verbindet theologische Überlegungen mit politischer Praxis und fordert uns heraus, über die Rolle des Glaubens in der Gesellschaft nachzudenken. Jesus von Nazareth, dessen Lehren im Christentum zentral sind, lebte in einer Zeit, in der es keine demokratischen Wahlen im modernen Sinne gab. Dennoch können wir aus seinen Botschaften und Handlungen Prinzipien ableiten, die uns helfen, diese Frage zu reflektieren. In diesem Blogbeitrag wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, ob Jesus wählen gehen würde, welche Partei er wählen könnte und wie Luthers Zweireichelehre für uns dabei eine Rolle spielen könnte.
So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid.
Epheser 4,1
Berufung
Die Bundestagswahlen 2013 sind gerade vorbei. Noch weiß niemand, wer mit wem kann. Doch für einige Politiker gibt es einschneidende Veränderungen. Sie haben ihr Bundestagsmandat verloren. Vielleicht haben sie sogar vor der Wahl überhaupt nicht damit gerechnet, dass das passieren könnte. Sie haben sich berufen gefühlt Politiker zu sein. Und ehrlich, zu so einem Amt muss man sich berufen fühlen. Denn der, der so ein Amt ernsthaft ausübt, hat es nicht leicht. Neben manchem Schönen, was so ein Amt hat, gibt es erst einmal viel Arbeit. Da reicht kein 12 Stunden-Tag. Und Kritik und Anfeindungen stehen auf der Tagesordnung. Nur das Problem ist, ein dickes Fell, an dem alles abprallt, nützt da nicht. Da muss sachliche und ehrliche Kritik von unsachlicher Kritik und Anfeindung getrennt werden und ernstgenommen werden. Und das ist nicht einfach. Ein echter Politiker zu sein, bedarf einer Berufung. Da kann man sich jetzt gut vorstellen, wie bei manchen die Welt zusammenbricht, wenn das Amt und Mandat verloren geht und man sich eigentlich noch berufen fühlt. Da muss dann wieder ganz von unten angefangen werden.
Es besteht aber auch die Gefahr, dass Politiker Amt und Mandat haben und die Berufung verloren geht. Dann wird Politik nur noch zum Geschäft, zum eigenen Machtstreben, zum eigenen Kalkühl. Dann steht Politik in der Gefahr nicht mehr dem Wohl des Volkes zu dienen.
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