für eine Kirche mit Zukunft

Was fasziniert an Hour of Power?

Wenn ich im Internet durch verschiedene christliche Foren surfe, dann taucht immer wieder einmal auf, dass verschiedene Leute über Robert Schuller und seine Fernsehgottesdienste schwärmen. Dabei habe ich erst einmal nichts gegen Robert Schuller und seine Fernsehgottesdienste, sondern finde sie recht interessant. Aber ich habe es auch schon erlebt, dass Leute von Hour of Power als kraftgebende Veranstaltung sprechen, aber sonst nicht in der Gemeinde oder im Gottesdienst vorkommen. Dass das so ist, kann man sicher Robert Schuller nicht die Schuld geben, sondern es sollte uns doch einmal anregen, über die Gottesdienste von Robert Schuller und unsere eigenen nachzudenken.

RobertSchuller seniorManchmal sagen Leute, es liegt an der Liturgie, dass keiner kommt. Teilweise mag das so sein. Wenn ich mir die Liturgie bei Hour of Power ansehe, ist sie recht einfach gemacht und hat viele Dinge, die von Gottesdienst zu Gottesdienst wiederholt werden. Da wird immer das gleiche Anfangslied gesungen. Der Begrüßungstext ist der gleiche. Und die gottesdienstliche Abfolge fast immer gleich. Man nennt das Wiedererkennungseffekt. Eine Liturgie gibt es in jedem Gottesdienst, egal ob evangelisch, freikirchlich oder katholisch. Und meistens wird sie in jedem Gottesdienst ähnlich wiederholt. Doch da stellt sich auch die Frage: Wie menschenfreundlich ist die Liturgie? Ich persönlich liebe die lutherische Liturgie. Ich bin mit ihr aufgewachsen und als Pfarrer verstehe ich ihre Inhalte. Doch ob sie Fritz Muster aus dem Neubaugebiet Berlin-Marzahn, der mit Kirche bestenfalls nur am Heiligabend Kontakt hat, versteht, möchte ich bezweifeln. Daher sollte Liturgie einfach und verstehbar sein, besonders bei missionarischen Gottesdiensten. Ansonsten muss Liturgie immerwieder erklärt werden.

Das zweite, was mir bei Hour of Power aufgefallen ist, die Menschen kommen persönlich und mit ihrem Leben vor. Dabei wird den Menschen schon am Anfang gesagt: "Du bist in dieser Runde willkommen." Das geschieht mit der Aufforderung des Pastors, dass die Leute ihre Nachbarn begrüßen sollen. So lernt man den, der neben einem sitzt, kennen und es entsteht Gemeinschaft. Ist es nicht manchmal in unseren Gottesdiensten so, dass man mit dem, der neben einem sitzt, nicht ein ganzes Wort im ganzen Gottesdienst gewechselt hat. Oder wir sitzen in einer großen Kirche, die zu einer kleinen Gemeinde und zu einer noch kleineren Gottesdienstgemeinde gehört. Lieschen Müller sitzt in der letzten Reihe recht. Paula Adam sitzt in der drittletzten Reihe links. Egon Reiher sitzt irgendwo in der Mitte und der Pfarrer vorn in seinem Pfarrstuhl. Da kommt Gemeinschaft auf. Gemeinschaft muß gepflegt werden. Wie kommen die Menschen noch mit ihrem Leben vor? Durch etwas was in unseren Gottesdiensten kaum noch vorkommt, durch das Zeugnis anderer. Dabei sind nicht die Zeugnisse gemeint, wo man davon berichtet, was man in der letzten Woche mit Gott erlebt hat. Die aber dann manchmal mehr Peinlichkeiten sind. Sondern hier sind echte und gute Lebenszeugnisse gemeint. Es müssen dabei nicht immer nur herausragende Persönlichkeiten sein, sondern kann jedes normale Gemeindeglied sein. Noch etwas zur Form des Zeugnisses: – die Form des Interwies hat sich dabei am besten bewährt.

Das dritte, das mir bei Hour of Power auffiel, ist die kurze anschauliche und lebensbejahende Predigt des Pastors. Die Predigt spricht trotztem auch die Krisenbereiche des Lebens an. Die Predigt soll trösten und ermutigen, aber auch aufrütteln. Und eine gute Predigt braucht wirklich nicht länger als 20 Minuten zu dauern. Das andere kann ja dann in Bibelstunden und Hauskreisen gesagt werden.

Der vierte Punkt, den Hour of Power auszeichnet, ist Qualität. Wie lieblos werden of unserere Kirchenräume gestaltet? Wie lieblos werden oft unsere Gottesdienste gestaltet? Wo setzt sich ein Pfarrer mit seinen Mitarbeitern zusammen um die Gottesdienst intensiv vorzubereiten? Manchmal wird alles drei Minuten vor Gottesdienst abgestimmt. Improvisation ist gut und wichtig. Wohl dem der darin gut ist. Aber Gotttesdienst kann und sollte nicht immer Improvisation sein. Nur eine gute und intensive Vorbereitung garantiert auf die Dauer eine gute Qualität. Die beste Botschaft der Welt braucht die beste Verpackung In der Wirtschaft nennt man das Qualitätsmanagement. Für mich und die Gottesdienste in meiner Gemeinde sehe ich in Hour of Power einen Ansporn sie so zu gestalten, dass sie die Menschen ansprechen. Dabei gilt, nicht kopieren sondern kapieren. Dann darf auch kopiert werden.

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