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Bildbetrachtung Friederike Rave „Advent“

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Friederike Rave “Advent” Postkarte zu beziehen bei www.praesenz-verlag.de

Liebe Leserinnen und Leser,
Friederike Rave hat ein Aquarell mit dem Titel „Advent“ gezeichnet. Es ist als Postkarte beim Präsenz-Verlag (www.praesenz-verlag.de) erhältlich.

Am Anfang ein paar kurze Informationen zur Künstlerin:
Friederike Rave wurde 1970 in Flensburg geboren, studierte in Wuppertal Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration. Ihr Diplom machte sie im Jahr 2002. Seitdem ist sie als freiberufliche Illustratorin in Wuppertal und Mecklenburg tätig. Sie hat unter anderem Kinderbücher illustriert, auch christliche.

Ihr Aquarell Advent begegnet uns erst einmal als eine recht bunte und vielleicht etwas verwirrende Darstellung zum Thema Advent. Es lässt sich auf den ersten Blick nicht gleich als adventliches Bild erschließen. Da fehlen einfach die typischen Motive oder sie sind verborgen, die wir normalerweise von einer adventlichen Zeichnung erwarten: den Stern, den Engel, den Tannenzweig, die Kerzen und ähnliches.
Aber halt Kerzen sind ja zu finden, doch nicht gerade so positioniert, dass sie bei uns ein anheimelndes und adventliches Gefühl erzeugen.
Auch einen Tannenzweig können wir finden oder wenigsten ein Abdruck von ihm: Ist das Vertrautes? – Kann uns, was uns normalerweise vertraut ist, dennoch als etwas Unvertrautes begegnen?  Die dominierende Farbe des Bildes ist die Farbe blau. Eine Farbe, die wir mit Advent nun gar nicht in Verbindung bringen, höchsten violett – als Farbe der Buße.
Ich deute dieses Blau als unsere Erde. Wir sprechen ja von der Erde als den blauen Planeten. Und dass es so ist, das wird eigentlich noch durch den gebogenen Horizont verstärkt.
Aber auch die Farbe blau ist nicht einheitlich im Horizont ist sie blasser, im Vordergrund ist sie richtig dunkelrot eingefärbt. Vielleicht wird damit das menschliche Sein mit unseren Schicksalsschlägen dargestellt. Das Blasse stellt das Ungewisse dar. Das dunkelrot durchwobene Blau stellt das mit Blut durchtränkte menschliche Leid dar.
Und dann ist in der Mitte eine starker blauer Streifen. Neben dem Rot oben, bestimmt er das Bild. Es ist ein Weg. Es ist mein Weg. Es ist mein Weg auf dieser Erde. Es ist mein Weg im Advent.
Und nun schon die Frage, die uns dieses Bild stellt: Hat dieser Weg ein Ziel?

Doch ehe wir dieser Frage nachgehen, sehen wir uns das Bild weiter an.
Nicht nur die Farbe blau prägt die Erde, sondern auch das Weiß. Weiß ist ja normalerweise die Farbe der Reinheit, doch hier ist es die Farbe der Kälte. Das Weiß, was wir sehen ist ein richtig kaltes Weiß. Es wird damit zum Hinweis auf die Zeit vor dem zweiten Advent – auf die Zeit vor dem zweiten Wiederkommen von Jesus Christus. Von dieser Zeit sagt Jesus selber, dass auf der Erde die Liebe erkalten wird:

Mt 24,11-13
11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.
12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.

Am oberen Rand ist die Karte rot gefärbt. Es ist ein kräftiges Rot, aber ein freundliches Rot, als Gegenpol zum schicksalhaften Rot des unteren Randes. Dieses Rot stellt das Göttliche dar. Und es ist getrennt von der Erde. Zwischen Rot und blau gibt es einen Farbpuffer – das Orange. Es gibt Übergänge zwischen Rot und Orange und zwischen Blau und Orange. Aber nicht zwischen Rot und Blau.

Gott und Mensch sind klar getrennt. Das Himmlische, wie es auch immer aussehen mag, ist dazwischen. Es trennt das Göttliche und das Menschliche voneinander klar. Das Göttliche kommt zwar zum Menschen, aber der Mensch hat keinen Zugang zu Gott.
Und dann geschieht er, der große Einbruch Gottes. Es wird dabei alles überwunden: die Grenzen der Erde, die Grenzen menschlicher Herzenskälte. In unserem Bild ist es ein großer kräftiger Pinselstrich von oben nach unten; und er heißt Gott kommt. Er überdeckt alle anderen bisher aufgemalten Farben.
Und doch wird deutlich, dass Gott mit der Herzenskälte der Menschen schwer zu kämpfen hat.
So glatt wie der Pinselstrich aus dem rötlichen kommt, ist er am Ende im Weißen über den Kerzen nicht. Da ist das Rote unterbrochen. Da wird Kampf deutlich. Da wird das Ringen Gottes um uns Menschen deutlich. Vielleicht ein kleiner Hinweis auf das Kreuz.

Wir können sagen, das Bild zeigt uns das Kommen Gottes in unser menschliches Sein. Und dabei sehen wir, dass die Farben sehr fließend sind, oft nicht klar abgegrenzt. Sie gehen in einander über oder sie finden sich als Kleckse oder Tupfer in anderen Farben wieder. Sie stellen das Durcheinander des Lebens dar. Es gibt im Leben kein schwarz oder weiß, sondern viele Graustufen oder besser Farbflecken. Es können manchmal auch die Schicksalsschläge unseres Lebens sein, die solche Farbflecken sind. Und manchmal verfärben sie sich auch im Nachhinein – vielleicht von dunkelrot nach blau um bei den Farben unserer Karte zu bleiben. Dann kann doch aus negativen wieder positives werden, wenn es von einem anderen Lichte aus gesehen wird.
Und letztlich machen ja Farbflecken das Leben bunt und geben ein Bild der Hoffnung.

Doch nun noch zur Mitte unseres Bildes – zu den vier Kerzen. Sie sind es, die es uns irgendwie erkennbar machen, dass dieses Bild etwas mit Advent zu tun hat.
Jede Kerze begegnet uns als ein Original. Keine Kerze ist der anderen gleich, die eine ist groß und die andere klein, die eine etwas dicker, die andere dünner. Jede Kerze ist unterschiedlich geformt. Jeder Kerze leuchtet mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlich hell. Ja man hat sogar den Eindruck in der Begegnung mit dem Göttlichen wird die Strahlungsintensität verstärkt.
Vier Kerzen – mitten im Nirgendwo des Lebens. Und wenn man noch den Untergrund sieht, so einen dunkelroten Ring – Ring des Schicksals – vielleicht Erfahrungen, von Leid, Krankheit und Tod. Vier Kerzen – Weiß, aber ein warmes Weiß im Gegensatz zum kalten Weiß rechts – als Zeichen der Hoffnung und der Erwartung – mitten auf dem Weg des Lebens. Mitten auf meinen Lebensweg.

Doch wo geht dieser Weg hin? Das haben wir vorhin schon gefragt?
Der blaue Weg in der Karte endet irgendwo, aber Wege ohne Ziel sollte man nicht gehen. Und die Aussage: Der Weg ist das Ziel ist falsch.
Aber genau da, wo der Weg endet, da kommt Gott, da wird Gott Mensch. Ist das mein Ziel?
Das Ende des Weges, wo Gott kommt, und die Kerzen auf dem Weg, erinnern mich an ein Psalmwort:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Ps 119,105

Advent – Zeit der Hoffnung und Erwartung – Gott kommt! Gott kommt in mein Leben – gibt mir Ziel und Weisung auch dann wenn es nicht blau, sondern dunkelrot gefärbt ist.
Advent – der Einbruch der göttlichen Ewigkeit in unsere Zeit.
Amen.

Bildquelle: Friederike Rave “Advent” Postkarte zu beziehen bei www.praesenz-verlag.de

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