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Der Dienst in einer kleinen Gemeinde kann Sie “faul” machen

(c) sxc.hu/pontuse

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Damit meine ich nicht, dass man als Pfarrer in erster Linie arbeitsmäßig faul ist. Sicher man kann, wenn man will, als Pfarrer 24 Stunden am Tag arbeiten. Unsere wachsenden Gemeindegebiete fordern uns Pfarrer immer mehr heraus, dass man manchmal gar nicht weiß, was man zu erst tun soll. Doch das kann genau zu einer Lähmung führen. Wenn man nicht mehr weiß, was man zu erst tun soll, macht man gar nichts mehr. Das kann sogar soweit gehen, dass am Ende die Arbeit in der anderen Gemeinde zum Alibi wird, um in der einen Gemeinde etwas nicht zu tun. Überforderung kann zur Lähmung führen.

Worum es mir eigentlich geht, ist, dass man beim Dienst in einer kleinen Gemeinde theologisch faul wird. Für den normalen Dienst in der Gemeinde muss ich doch mein Gehirn nicht strapazieren. Schließlich stehe ich doch theologisch über den Gemeindegliedern und kann aus dem Fundus meines Studiums viele Jahre und Jahrzehnte schöpfen. Selbst den Laientheologen der Gemeinde bin ich noch lange überlegen. Sind denn in einer kleinen Gemeinde überhaupt hohe theologische Standards gefragt? Geht es nicht hier vielmehr um Beziehung, um Miteinander und um Gemeinschaft?

Bei unserer Kirche und Gemeinde wiederholt sich der Predigtzyklus nach 6 Jahren. Da könnte ich doch die Predigten von vor 6 Jahre mit ein paar Variationen wiederverwenden? Oder ich kopiere mir eine Predigt aus einer Predigthilfe oder aus dem Internet. Bei mir lief einmal das Gerücht durch das Land, dass ich meine Predigten aus dem Internet holen würde. Das kam dadurch zustande, weil ich halt ein Internet-Freak bin und das Internet sehr häufig zitiert habe. Ich gebe ja zu, manche Anregung und Idee hole ich aus dem Internet, aber meine Predigten sind 100% Original, spätestens seitdem ich nur noch ein A3-Blatt mit einer Mindmap vor mir liegen habe. Scherzhaft heißt es ja, dass wir Pfarrer „die größten Diebe“ sind. Aber bei der Vielfalt an Gemeindearbeit kann ich mir nicht alles aus dein eigenen Fingern saugen.

Sicher gibt es Gemeinden, die froh sind überhaupt einen Pfarrer zu haben. Vielleicht dann, wenn sie noch einmal einen bekommen haben, aber wissen, bei der nächsten Strukturreform wird die Stelle gestrichen, wenn sie nicht besetzt ist. Da wird bei der theologischen Qualität manchmal ein Auge zugedrückt. Doch um die Gemeindearbeit voranzubringen, sollte da schon darauf geachtet werden.

Auch wenn ich selber kein großer Fan von Weiterbildung und Seminaren bin, wird mir klar, dass sie sehr wichtig sind. Leider wird die Weiterbildung der Pfarrer oft vernachlässigt. Und in vielen Gemeinden hält man das für überflüssig. Da heißt es dann: „Wo drücken sie sich denn wieder herum?“

Dabei ist die Weiterbildung der Schleifstein um das Messer zu schärfen, damit man nicht in der kleinen Gemeinde „faul“ wird.

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