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Der Dienst in einer kleinen Gemeinde macht aus Mücken Elefanten

(c) sxc.hu/Bubbels

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In vielen evangelischen Gemeinden gab es früher das Patronat. In den meisten Gemeinden ist das mittlerweile abgelöst. Obwohl sich das manche ostdeutsche Kirchengemeinde, wenn es um die Erhaltung ihrer Kirchengebäude ging, wieder wünschte. So ein Patronatsherr hatte großes Mitspracherecht im Gemeindeleben, bei der Besetzung der Pfarrstellen. Er hatte in der Kirche seinen besonderen Platz. In der Gemeinde war er privilegiert. Ohne ihn lief nichts. Auch der Pfarrer brauchte schon sein Wohlgefallen, damit er richtig wirken konnte.

Das gibt es aber kaum noch. Doch sie sind geblieben: Menschen, die in der Gemeinde das Sagen haben, ohne die in der Gemeinde nichts läuft. Dabei müssen, die nicht einmal in dem Gemeindekirchenrat oder einem anderen Gremium der Gemeinde sitzen. Sie sind die heimlichen Bestimmer in der Gemeinde, nach denen sich die meisten Gemeindeglieder richten. Hat man als Pfarrer bei seinem Dienst deren Wohlgefallen, so hat man meist das Wohlgefallen der ganzen Gemeinde. Hat man deren Missfallen, so stellen sich die Wenigsten der Gemeindeglieder auf die Seite des Pfarrers. Sie sind es, die mit „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ das Leben der Gemeinde und den Dienst des Pfarrers bestimmen.

Ein Kollege hat von einer Matriarchin in einer Gemeinde berichtet, welcher er bei einer Besuchsreise in einer Partnergemeinde in Tansania begegnet ist. Die Gemeinde hatte ihre Gottesdienstzeit und alles auf sie abgestimmt, weil sie die große Wohltäterin der Gemeinde war. Aber ähnliches gibt es auch bei uns.

Es gibt in unseren Gemeinden immer große und kleine Bestimmer. Manchmal nur in den Gruppen und Kreisen der Gemeinde, in denen sie sich bewegen. Andere wieder in der ganzen Gemeinde. Bei einigen ist ein Teil der Gemeinde „hörig“, bei anderen die Mehrzahl. Einige bestimmen aus der Tradition heraus, weil es schon ihre Väter getan haben, besonders dann wenn „Ältesten-Plätze“ vererbt werden.

Dann gibt es in machen Gemeinden spezielle Kreise und Gruppen, die ihr Ding machen. Bist du denen als Pfarrer genehm, darfst Du mitmachen. Bist du denen nicht genehm, machen sie ihr Ding auch ohne dich.

Irgendwo bin ich sicher bestrebt, auf das Wohlwollen meiner Gemeindeglieder zu achten und besonders auf die, die das Sagen haben. Sie haben nun mal Einfluss auf die anderen. Doch es ist wirklich eine Gratwanderung, denn immer stehe ich in der Gefahr, nicht mehr dem Auftrag gerecht zu werden, für den ich angetreten bin. Besonders dann, wenn ich diese gewöhnliche Sterblichen zu Göttern mache, nach denen ich mein Leben und meinen Dienst ausrichte.

Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!, damit sich keiner für den einen gegen den andern aufblase. Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als hättest du es nicht empfangen? Ihr seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ihr herrscht ohne uns? Ja, wollte Gott, ihr würdet schon herrschen, damit auch wir mit euch herrschen könnten! Denn ich denke, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen. Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr herrlich, wir aber verachtet.

1. Korinther 4,6b-10

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2 Responses to Der Dienst in einer kleinen Gemeinde macht aus Mücken Elefanten

  • Tchibo sagt:

    Wenn dem Patronatsherrn die Nase des Pfarrers nicht passt, kann der sich dann auch auf dem Kopf stehend predigend betätigen und wird es nicht viel nützen, wenn der Patronatsherr der ostelbischen Krautjunkermentalität huldigt…

  • bachweb sagt:

    Ich kenne mich nicht mit ostelbischer Krautjunkermentalität aus. Doch ich war mal in einer Gemeinde Pfarrer, wo Ende des 19. Jahrhunderts sogar ein Pfarrer Patronatsherr wurde, weil er in die Familie eingeheiratet hat. Nun bis zur Auflösung des Patronats durch den Sozialismus war das Verhältnis gar nicht so schlecht und der Gemeinde ging es gut, finanziell fast zu gut. Aber auch die Pfarrer kamen klar.
    Natürlich gibt es auch viele Negativ-Beispiele!

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