für eine Kirche mit Zukunft

Der Dienst in einer kleinen Gemeinde kann Sie in Kleinigkeiten stecken bleiben lassen

(c) sxc.hu / trolf

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Noch einmal möchte ich feststellen, dass wir in Deutschland fast nur kleine Gemeinden haben. Das heißt, wir haben überschaubare Gemeinden, wo sich zu mindestens im Kern die kennen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Diese sind in der Regel alle dem Pfarrer persönlich bekannt.

Aber so viel es Gemeinden gibt, so unterschiedlich ist im Detail der Dienst eines Pfarrers. In den Kirchen hat man versucht eine Dienstbeschreibung eines Pfarrers zu erstellen. Doch man ist mehr oder weniger gescheitert. Es gibt sicher einen gewissen Rahmen, der möglich ist zu beschreiben, aber die Details sind in den Gemeinden recht unterschiedlich.

Neben den pastoralen Diensten beinhaltet die Arbeitszeit eines Pfarrers doch recht vieles, was nicht unbedingt zu seinen eigentlichen Aufgaben gehört. Manchmal erscheint das Berufsbild eines Pfarrers richtig multifunktional zu sein. Scherzhaft könnte man sagen “eierlegende Wollmilchsau”. Da gehört die Verwaltung des Pfarramtes und manchmal des Friedhofes dazu, vielleicht noch einen Kindergarten. Er ist sogleich oft Hausmeister für das Pfarrgrundstück mit einem 2000 qm großen Garten.

Das kirchliche Bauwesen mit manchmal nicht wenigen Kirchen liegt meistens in seiner Hand. Selbst wenn er einen oder mehrere Bauausschüsse hat, muss er sich doch mit den Ämtern und Behörden herum plagen und manche Vorstellung des Bauausschusses selbst von externen Fachleuten auf Durchführbarkeit prüfen lassen.

Mitarbeiter müssen geführt und geleitet werden, egal ob es haupt-, neben- oder ehrenamtlich Mitarbeiter sind, mancher Konflikt muss geschlichtet werden. Manchmal ist er so etwas, wie der Dompteur des Kirchenvorstandes, wo er zwischen den Meinungen vermitteln muss, aber auch seine eigenen Punkte einbringen muss.

Außerdem ist er noch der Leiter von Gottes Beschwerdeabteilung auf Erden: „Herr Pfarrer, ich muss mich mal beschweren!“ Manchmal erfährt man die Kritik eines Einzelnen so, als wenn sich gleich die ganze Gemeinde darüber aufregt.

Doch zu alldem wurde kein Pfarrer während seines Studiums und kaum in seinem Vikariat ausgebildet. Schwerpunkt war da die theologische Ausbildung. Und das ist sicher erst einmal richtig und gut so, denn es ist das Grundhandwerkszeug eines Pfarrers. Aber eigentlich bräuchte er eine Ausbildung im Management und in der Bürokommunikation, dann in der Personalführung und im Konfliktmanagement.

In den Dienst als Pfarrer ist man nicht getreten, um die obigen Aufgaben zu erfüllen. Bei den meisten waren sicher folgende Gründe ausschlaggebend:

  • das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden
  • die Botschaft der Liebe Gottes in die Welt zu bringen
  • die Menschen für Christus zu gewinnen
  • den Gottesdienst und den Lobpreis zu leiten
  • den Armen und Leidenden zu helfen und ihnen bei zustehen
  • Menschen in Leid und Trauer zu trösten
  • sich für die Gerechtigkeit in der Welt sich einzusetzen

Nun zeigt sich der Alltag im Dienst einer kleinen Gemeinde anders als man sich das vorgestellt hat. Die Aufgaben und Pflichten, von denen wir in Anspruch genommen werden, haben oft wenig zu tun mit unserem eigentlichen pastoralen Dienst. Wie gehen wir damit um?

Das kann zwei mögliche Konsequenzen haben. Die eine ist vielleicht die eines „aggressiven Arbeitstiers“. Wenn er durch solche Dinge ausgebremst wird, schlägt er um sich, schnaubt wie ein wildes Rennpferd, wiehert und beißt. Er bricht aus.

Die andere ist die eines „resignativen Lastesels“ Er fügt sich irgendwie den Gegebenheiten. Er findet sich damit ab und sucht seine Lebenserfüllung in anderen Bereichen. Die eigentliche geistliche Berufung zum Pfarrer wird zum Job degradiert. Anderes wie zum Beispiel Hobbys oder theologische Beauftragungen werden zum Mittelpunkt im Leben. Der Dienst als Pfarrer wird nur noch zur Nebensache degradiert. Er regt nicht mehr an und motiviert nicht mehr.

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