Der Dienst als Pfarrer macht sie angreifbar für Versuchungen – wodurch sie sich wiederum schlecht fühlen

Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

Epheser 6,12

(c) sxc.hu/dvet
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Vielleicht klingt das irgendwie übertrieben oder abgefahren, aber der alte Paulus hat schon recht, im Dienst als Pfarrer steht man in einer besonderen Auseinandersetzung mit der widergöttlichen Welt. Dabei sind nicht die Menschen gemeint, die einem irgendwie Schwierigkeiten machen, sondern wirklich Satan und seine widergöttlichen Mächte. Davon zu schreiben, fällt mir nicht leicht, weil ich sonst kein Typ bin, der gleich mit dem Teufel kommt. Doch an dieser Stelle, denke ich, wird er oft unterschätzt. Als „Diener Gottes“ stehen wir an dieser Stelle darum besonders im Zielfeld seiner Versuchung. Schließlich hat er es bei Jesus auch versucht.

Daher lassen sich dann die Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte in den Kirchen vielleicht in einem anderen Licht sehen. Sie sind absolut schlimm, katastrophal und menschlich gesehen unentschuldbar. Aber genau hier wird die Angreifbarkeit der „Diener Gottes“ durch die widergöttlichen Mächte deutlich. Und der sexuelle Bereich ist ein beliebtes Feld dazu. Wir wissen wie viele „erfolgreiche“ Prediger durch sexuelle Verfehlungen gescheitert sind.

Der „normale Mensch“ aus der Gemeinde hat eine 8 Stunden Arbeitstag, vielleicht ab und zu mehr. Sicher ist das abhängig, ob er angestellt oder selbständig ist. Auf jeden Fall ist seine Arbeitszeit begrenzt. Bei uns Pfarrern ist das anders. Wir sind offiziell 24 Stunden im Dienst, so eine Art Dauerbereitschaft. Wir werden erst einmal bezahlt, dass wir da sind, unabhängig davon was wir leisten. Doch dann klingelt früh um 7.00 Uhr das Telefon. Da will jemand wissen, wann er die Grabstelle räumen kann. Dann Vormittag ist Sitzung der Gemeindebriefredaktion. Zwischendurch wird noch eine Trauerfeier angenommen. Ein kurzer Geburtstagsbesuch folgt. Nachmittag etwas Zeit für die Familie, dann Konfirmandenunterricht und am Abend eine Ausschusssitzung. So verläuft der Tag in ganz verschiedenen Variationen von uns Pfarrern, manches ist planbar, aber vieles nicht. Doch dann stößt man an den Rand seiner Kraft, seiner Fähigkeiten und seiner Motivation. Dann sind die Belastungen extrem. Dann kommt der Moment, wo man keinen mehr sehen möchte, nur noch die Tür hinter sich zuschlagen und abtauchen. Was dann? Wie geht es weiter? Aussteigen? Gedenken und Frage, die sich jeder schon gestellt hat. Ich möchte nur eine Gegenfrage stellen: Wo ist die Zeit, die ich für mich und meinen Gott reserviert habe?

Und dann kommt mir in so einer kritischen Situation noch einer mit einer Kritik oder mit einer schrägen Ansage. Wie sind dann meine Reaktionen in dieser bestimmten Situation? Gehe ich dann hoch wie eine Rakete oder igele ich mich ganz ein? Das erging mir beides schon so. Wenn ich dann hochgegangen bin wie eine Rakete, dann kamen schon gleich die Fragen: Du bist doch ein Heiliger? Du bist doch ein Mann Gottes? Und jetzt das! Wie kann das sein? Kein Wunder, dass wir uns dann nach solchen Aussagen in unserem Dienst noch schlechter fühlen und wie Versager vorkommen. Ich habe schon oft solche Momente in meinem Pfarrerdasein erlebt.

 Nun hier möchte ich noch einmal Paulus zitieren:

Ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.

 Epheser 6,13

Der Dienst als Pfarrer ist wirklich eine Frage der geistlichen Kampfführung und die geistliche Waffenrüstung Gottes ist nötiger denn je.

Lieber Gott, verleihe uns ein friedliches Herz und guten Mut in Kampf und Unruhe.

Martin Luther

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