für eine Kirche mit Zukunft

Die aussterbende Art: Pfarrer oder/und Pfarrerin auf der Fläche

Berufung

Pfarrer – aussterbende Art?

Gerade habe ich es wieder von der eigenen Verwandschaft gehört, die in Dörfern zwischen den Städten lebt und in ihrer Kirchgemeinde sehr engagiert ist: “Unser jetziger Pfarrer ist weggezogen. Die Pfarrstelle wird gestrichen. Wir werden von der Stadt her mit betreut.”  Die Stimmung ist dabei keineswegs optimistisch, sondern sehr bedrückt und traurig. Positive Erwartungen haben sie keine, sondern eher Abbruch und Abbau dessen, was bisher an kirchlichen Leben noch da war. Natürlich hängt nicht alles vom Pfarrer oder von der Pfarrerin ab, aber sie sind doch nach wie vor Motoren und Impulsgeber, auch wenn unsere Gemeindeglieder in vielem selbstbewusster und selbständiger sind.

Auch ich merke das selber in dem großen Pfarrbereich, wo ich Dienst tue. Vieles geschieht ohne Pfarrer. Doch gut und manchmal besser ist es mit ihm (oder ihr). Selbst da, wo die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine gewisse theologische Ausbildung haben.

Brauchen wir in unserer Kirche (ich spreche jetzt mal von der EKM) wirklich so viele Projekt- und Sonderpfarrstellen (auch wenn ich mich ins eigene Fleisch schneide). Natürlich sind die leichter zu handhaben als Gemeindepfarrstellen, weil man sie gut begrenzen kann. Oder sollten wir diesbezüglich besonders unsere Gemeinden auf der Fläche mehr im Blick haben.

Die letzte Synode der EKM hat aufgefordert, Gemeinde von unten zu denken. Dann sollten wir es auch in dieser Beziehung tun, denn sonst ist es wirklich so –

  • die aussterbende Art: Pfarrer oder/und Pfarrerin auf der Fläche.

 

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Ein Kommentar zu Die aussterbende Art: Pfarrer oder/und Pfarrerin auf der Fläche

  • Thomas sagt:

    Ich denke, die Radikalität im Umbau der Gemeinde- und Pfarrstrukturen ist notwendig – weil wir als Menschen von der Basis her sonst immer nur Stückwerk betreiben. Wir könnten ja zurückgehen auf die Situationen von vor rund 150 Jahren. Hier, kurz vor der Stadt, am heutigen Stadtrand: 2 Pfarrer auf rund 20.000 Gemeindeglieder. Die Fläche, die heute 5 Kirchen / Gemeindezentren (bei 3 Pfarrstellen) hat, hatte damals eine Kirche. Für die Hälfte der damaligen Konfirmanden von einem Pfarrer betreut) benötigen wir heute mehrere hauptamtliche Mitarbeiter und einige Teamer.
    Kurz: Das Selbstverständnis im Berufsbild des Pfarrers hat sich radikaler verändert als unsere Gemeinden und als das Bild der Gemeinde auf den Pfarrer. Alternativ schlägt es gleich ins andere Extrem über – nicht wenige sind froh, ohne lästigen Pfarrer selbständig arbeiten zu können.

    Als Sachse beneide ich die EKM um all die Sonderstellen, da man sich damit eben um die kümmert, die von der klassischen Gemeinde abgehängt sind. Das werden nämlich immer mehr; sowohl durch weltliche Entwurzelung (Umzüge usw.), soziokulturelle Prägung (Events statt Kontinuität, Beziehungen auf Projektbasis usw.), digitalen Wandel und Individualisierung.

    Gerade letzteres ist für uns als verfasste Landeskirchen die Prüfung in dieser Welt: Unsere Stärke ist ja gerade die Unterstützung der Fläche, das weitreichende Zudecken von Unterschieden (die es natürlich trotzdem gibt!). In einer individualisierten Welt, wo jeder seine eigene Freikirche, sein Zen-Studio oder seine Meditationspraxis aufmachen kann fällt es uns besonders schwer, diese Stärke auszuspielen – weil sie zusätzliche Kraft & Kommunikation kostet. Und genau das findet zu wenig statt.
    Wenn wir wirtschaftlich vernünftig agieren würden bekämen die meisten Landgemeinden kaum noch eine Grundversorgung. Online-Projekte gäbe es auch kaum noch, weil man da ja gar nicht rausbekommt wie viele das wirklich annehmen (und Kollekte liefern die ja auch keine…! 😉 Gemeindeübergreifende Jugendprojekte wären genauso schwierig – die ziehen doch nur die wenigen Jugendlichen aus den Ortsgemeinden ab… usw. usf.

    Dagegen anzugehen ist eine schwierige und zunächst undankbare Aufgabe – es ist von keiner Seite Dankbarkeit oder zumindest Akzeptanz zu erwarten. Die “abgehängte” Landgemeinde (die in Sachsen übrigens in der Synode mehr Stimmen hat als die Städte) fordert vehement ihren Bedarf ein, die Stadtgemeinde (die besonders stark unter Individualisierung Diversifizierung der Gesellschaft leidet) weiß nicht was sie solidarisch abgeben soll und die Sonderbereiche können sich eh nur aus Gutachten oder ggf. staatlichen Verträgen rechtfertigen.

    Insofern: Lass’ uns dafür eintreten, die Solidarität und den Blick für “die anderen” offen zu halten – und den Gemeinden bei radikalen Umbauten helfen. So radikal, wie sich alles andere geändert hat. Dann sterben auch die Landpfarrer nicht aus.

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