Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

Predigt zum Reformationstag 2019 – Deuteronomium 6,4-9
Einführung der Kirchenältesten – Kirche Frohnsdorf

ZITAT 5. Mose 6,4 ?Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer.? So beginnt das wichtigste jüdische Gebet. Es ermahnt die Betenden, Gott zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,
heute ist der Tag im Jahr, an dem wir dem Reformationsbeginn vor etwas mehr als 500 Jahren gedenken. Reformation kommt vom lateinischen und bedeutet ja Widerherstellung und Erneuerung.
Erneuerung – ich weiß nicht wie es euch ergeht, aber spätesten seit der Wende leben wir in der Evangelischen Kirche in einem ständigen Veränderungsprozess. Ich weiß, dass er vielen von uns nicht gefällt. Auch mir an vielen Stellen nicht. Auf jeden Fall lässt er uns nicht zur Ruhe kommen. Und nicht alles an ihm ist wirklich positiv, ja wir machen dabei viele negative Erfahrungen.
Denn Reformation – Erneuerung bedeutet Veränderung und das kann auch sehr schmerzhaft sein. Es bleibt nicht mehr bei dem Alten und gewohnten Trott.
Das musste auch Martin Luther zu seiner Zeit im Umgang mit seiner Kirche erleben. Wir erleben es heute im Umgang mit unserer Kirche.
Und ich sage euch umso dankbarer bin ich, dass sich heute dennoch wieder unter euch, welche dazu bereitgefunden haben, auch weiterhin für die nächsten 6 Jahre für ihre Gemeinden Verantwortung zu übernehmen.
Und wir erleben es auch im ganz persönlichen Leben wie Erneuerung und Veränderung bei uns, vielleicht in der Familie, in der Firma, oder auch in der Politik, wie auch bei den Wahlen am vergangenen Sonntag, wie Erneuerung schmerzhaft sein kann.
Nun heute möchte ich es mit euch gerade in diesem Gottesdienst einmal exemplarisch am Volk Israel durchdenken. Den modernen Staat Israel gibt es ja nun seit
71 Jahren. Er wird immer wieder von manchen Staaten der Weltgemeinschaft und besonders von seinen Nachbarn in Frage gestellt. Aber für Israel in seiner 3500 jährigen und wenn man die Geschichten der Väter dazu zählt 4000 jährigen Geschichte ist das nichts neues. Denn solange das Volk existiert, wird es in Frage gestellt. Die Ereignisse vor ein paar Wochen in Halle machen uns das ja ganz deutlich. Das Volk hat eine sehr abwechslungsreiche und manchmal sehr tragische Geschichte erlebt, bis in unsere Neuzeit hinein.
Eines der wichtigsten Ereignisse am Anfang seiner Geschichte war der Auszug aus Ägypten und die anschließende Wüstenwanderung. Vom Ende dieser Wüstenwanderung kurz vor der Landnahme, kurz vor der Einnahme des Landes Kanaan berichtet heute unser Bibeltext.
Mose der Führer des Volkes Israel war nach anstrengendem Wirken alt geworden. Er weiß, dass er bald sterben wird.

Das von Gott verheißene Land, in dem Milch und Honig fließt, durfte er nicht mehr betreten. Er durfte es nur vom Berg aus sehen. Doch jetzt steht er vor dem Volk und gibt sein letztes Vermächtnis weiter.
Er will ihnen das Wichtigste weitergeben, damit sie im neuen Lebensabschnitt bestehen können. Sie sollen den richtigen Weg gehen. Der Neustart im neuen Land soll gelingen.
Er will sein Volk auf die Mitte seines Lebens und auf die Mitte des Volkes weisen.
Es stellt sich uns die Frage – was ist aber die Mitte von Mose, was ist die Mitte des Volkes?
Sogleich stellt sich auch für uns die Frage: Was ist für uns selbst die Mitte, was brauchen wir im Leben am Meisten? Wodurch erneuert sich unser Glauben und Leben?
Hören wir erst einmal, was Mose in 5. Mose 6,4-9 sagt:

Deuteronomium 6,4–9 (LU)
4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer.
5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen
7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.
8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein,
9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

Liebe Gemeinde,
wenn wir Sonntag für Sonntag das Glaubensbekenntnis sprechen, um uns unseres Glaubens zu vergewissern, so machen es die Menschen in Israel genau mit diesen Worten:

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

Dieses Bekenntnis ist das Schma Jisrael – Es ist das Grundbekenntnis des Volkes Israel. Es ist aber mehr als unser Apostolisches Glaubensbekenntnis. Es kennt sich zu der Einzigartigkeit Gottes. In Israel wird es jeden Tag im Morgen und im Abendgebet gebetet. Die Beter stellen sich die Einzigartigkeit Gottes immer wieder neu vor Augen.
Wie ist das bei uns? Sehen wir uns einmal um!
Da gibt es so viele Stimmen in unserer Welt, in der Welt die uns umgibt, auf die wir hören können, ja und denen wir folgen können.
Auch in unserem Land gibt es diese Stimmen in Unmengen. Angefangen von der Werbung, die uns immer das Beste und das Tollste verspricht, bis hin zu denen, die uns weismachen wollen, dass das Leben gelingt, wenn man ein paar Pillchen einnimmt oder irgendwelche Kurse besucht.
Und dann machen wir auch heute die Erfahrung, dass es schon einiges kostet, sich zu Gott als dem Einen Gott zu bekennen. Es ist in unserem Land und unserer Gesellschaft schon längst nicht mehr so selbstverständlich, dass dieses Bekenntnis zu Jesus Christus auf breite Zustimmung stößt.
Gerade in den letzten Jahren bei der intoleranten Diskussion über die Homosexualität wurde es deutlich, wenn Christen nur etwas in Frage gestellt haben, waren sie schnell die Bösen und wurden tot geschrien! Ja selbst innerhalb der Kirche erfährt man große Anfeindungen, wenn man konservativer ist als andere. Das musste zum Beispiel auch der sächsische Landesbischof erleben. Dass er nicht alles richtig gemacht hat, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch geht man in der Kirche nicht so miteinander um.
Manchmal wird man abgelehnt und dann auch noch selber als fundamentalistisch bezeichnet. Selbst dann, wenn man vermitteln versucht.
Heute gehören Mut, Kreativität und Fantasie dazu, sich zu dem einen Herrn zu bekennen. Und auch ein starkes Rückgrat.
Auch in unserem Herzen sind viele Stimmen, die gegeneinander streiten.

  • Ist es wirklich wahr, was da über Gott gesagt wird?
  • Gibt es nur diesen einen Gott?
  • Was ist dann mit den anderen Religionen?
  • Haben Sie nicht vielleicht auch ein bisschen recht?

Martin Luther ist da ganz radikal Er sagt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!“ Gibt es nicht vieles, woran ich so gern mein Herz hänge?
Fangen wir doch erst einmal bei der Karriere, Beruf, Geld, Bildung, Sport, Musik und vieles mehr, an.
Nun wird mancher von den Älteren sagen, das habe ich schon lange hinter mir. Wirklich? Gibt es nicht auch Dinge woran die Älteren von uns ihr Herz hängen.
Da ist die Familie, man macht gerne Reisen, mancher tut alles für die Gesundheit und noch vieles mehr.
All das zu tun ist ja auch erst gar nicht schlecht, und ich will es auch nicht schlecht machen. Es ist sogar erst einmal gut – aber bestimmt es dann nur noch mein Leben, dreht sich alles nur darum – dann kann es mir zum Gott werden.

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

„Höre Israel!“ – das ist eine klare Absage des Moses gegen die Vielgötterei der Nachbarvölker Israels.
Aber wir wissen dennoch aus der Geschichte des Volkes Israel wie sehr es immer wieder gefährdet war durch die Götter der Nachbarvölker.
Aber Gott ist ein Gott, der keine Grauzone duldete.
Er verlangt ein ungeteiltes Ohr und Herz. Schließlich ist er der eine und einzigartige Gott.
So soll es auch bis heute sein und auch bei uns. Wir sollen auch nicht sagen: Es ist nicht so schlimm und Gott wird schon! „Nein dieser Gott hat schon, er hat schon das wertvollste geopfert!“ Darum begegnet uns dieser Gott in der Liebe Jesu Christi, welche zum äußersten bereit war. Er vergibt, und verspricht uns jeden Tag bei uns zu sein. Er will uns eine Zukunft geben auch im Alter.
Darum hören wir doch auf den einen Gott. So geht es dann weiter – wir wissen auch für Jesus waren diese Worte wichtig:
„Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“

Doch stop!
Gott lieben mit allem was ich bin und habe. Kann man das?
Hier wird Liebe befohlen – geht das? Sicher schwierig ist das, fast unmöglich, wenn man einem Menschen befiehlt:
„Liebe mich“. Diese Liebe kann man nicht befehlen, das geht schief, denn hier geht es um Emotionen.
Doch die Liebe, welche Mose hier meint, ist viel mehr. Hier geht es um ungeteilte Zuwendung, um nicht endende Loyalität, um Gehorsam und um das Tun des Willen Gottes.
Dabei ist alles, was ich bin und habe, mit hineingenommen, mit jeder Faser meines Lebens. Mein ganzes Herz, als Zentrum meiner Wünsche ist Gott zugewendet.
Meine Seele ist Gott zugewendet. Meine Lebenskraft erfahre ich von Gott her. Alles kommt von Gott und alles wendet sich ihm zu.
Die ganze Liebe das will Gott. Was das bedeutet hat er selbst uns vorgelebt. Seinen Sohn hat er aus Liebe in unsere Welt gesandt. Dieser hat sich ihr ausgesetzt, wurde ganz verletzlich. Er kam als ein kleines, ganz unscheinbares Kind.
Vom ersten Tag seines Lebens wurde er verfolgt. Er war bereit, ganz zu dienen. Er ging aus Liebe den Weg in den Tod.
Gott liebt ganz. Er hat uns zuerst geliebt. Darum will er, dass auch wir ihn lieben.
Nun wird Mose sogar in seinen Worten ganz praktisch und gibt einige Tipps, wie das „Gott lieben“ im Lebensvollzug aussehen kann.
Das erste wird deutlich – das Wort Gottes einprägen.
Auch wir sollen das Wort Gottes uns fest einprägen: Bibellesen, Losung, Liedverse.
Die Älteren unter uns haben das alles ja früher noch mehr in Christenlehre und Konfirmandenunterricht machen müssen.
Und die zweite Aufgabe, für die besonders die Großeltern und Urgroßeltern prädestiniert sind, aber sie gilt auch den Eltern.
Den Kindern die frohe Botschaft von Gott erzählen.
Das dritte ist das Zeugnis nach draußen. Die Menschen sollen sehen, für wen wir eintreten. Wie wichtig uns der Glaube an Jesus Christus ist.
Das kann der Fisch am Auto sein.
Oder wir fragen uns in manchen Lebenssituation: „Was würde Jesus tun? Und handeln dann danach. Hier geht es um das Bekenntnis zu Gott und um die Nachfolge.
Wir kennen diese Frage vom ehemaligen Hessischen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller, der unter dieser Fragestellung in den 60iger Jahren eine Art Autobiographie herausbrachte.
Gerade wir als Christen hier im Wieratal sind in unseren Dörfern von Neuenmörbitz bis Göpfersdorf und von Frohnsdorf bis Wolperndorf mit unseren Lebens- und Glaubenszeugnis im Alltag gefragt.
Unser Predigttext heute ist eine Herausforderung an uns heute. Er ist ein echter Reformationstext, denn er ist eine Herausforderung für unseren Alltag.
Zugleich wird deutlich, dass im Anspruch Gottes an uns auch Kraft zum Leben zu finden ist.
Beim Propheten Amos lesen wir „Sucht mich, so werdet ihr Leben“ spricht Gott. Das gilt auch für uns heute. Das gilt auch für unsere Kirchenältesten in ihrem Amt in den kommenden 6 Jahren.
Darum nehmen wir es auch für uns heute zu Herzen und mit hinein in den Alltag:

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.
Amen.

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