für eine Kirche mit Zukunft

Kirche – der Wandel von der Religionsbehörde zum Non-Profit-Unternehmen

Wer will, das Kirche bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.

(c) pieterbeen/sxc.hu

Rob Warner

Die Kirche vollzieht gegenwärtig einen großen Wandel. Vor 100 Jahren als nahezu einziger Sinnanbieter in unserer Gesellschaft agierte sie nach der endgültigen Trennung von Kirche und Staat dennoch wie eine Regierungsbehörde. Schon ihr Status als Körperschaft des öffentlichen Rechtes mit eigenen Gesetzen und eigener Gerichtsbarkeit zeigte dieses. Sie konnte sich sogar teilweise der Gerichtsbarkeit des Staates entziehen.Wer eine Taufe oder eine andere Dienstleistung haben wollte, musste dieses im Pfarramt anmelden. Es gab eine pfarrherrliche Leitung der Gemeinde, die zwar durch einen  Kirchenvorstand begleitet wurde, aber von einem demokratischen Leitungsstil war man weit entfernt. Das hat sich in den letzten 100 Jahren in vielerlei Hinsicht, besonders im innergemeindlichen Miteinander, gewandelt.

Aber seit etwa 20 Jahren steht die Kirche vor einer großen Herausforderung, die sich in der Gegenwart noch verschärft hat. Sie muss ihr Image als Religionsbehörde ablegen und sich zu einem modernen und leistungsfähigen Non-Profit-Unternehmen umwandeln. Das fällt ihr extrem schwer. Dabei ist sie gegenwärtig in Deutschland regional unterschiedlich gefordert. In der modernen Großstadt und im Osten Deutschland sind die Herausforderungen größer und stärker als in den noch traditionell geprägten südlichen Gebieten. Im Ganzen wird dieser Prozess gefordert und gefördert durch den gesellschaftlichen Wandel, der in den nächsten Jahren rasend schnell voran schreitet.

Im Osten Deutschland ist die Kirche schon lange nicht mehr der einzige Sinnanbieter. Auch wenn in der Zeit des Sozialismus der Staat als Sinnanbieter gescheitert ist, hat er doch seine “Wunden” hinterlassen. Er versuchte ja mit “sozialistischer Namensgebung” und “sozialistischer Trauung” dem kirchlichen Angebot paroli zu bieten. Einzig bei der Jugendweihe ist es ihm in Verbindung mit der FDJ und einem politischen Druck auf die Jugendlichen in der Schule und der Berufsausbildung gelungen sich durchzusetzen. Die Jugendweihe ist daher auch noch nach über 20 Jahren im Osten ein nichtreligiöser Schwellenritus, der als Ersatz für die kirchliche Konfirmation gefeiert wird. Ein Versuch mit einer Konfirmation light für nicht religiös Gebundene unter dem Begriff “Maiglocke” ist gescheitert.

Noch stärker ist der Druck von anderen Sinnabieter im Bereich des Bestattungswesen. Dort bieten Bestatter mittlerweile komplette Trauerfeiern auch in religiöser Form ohne Beteiligung der Kirchen an. Manche Bestatter haben schon ihre eigenen pseudosakralen Räume für Trauerfeiern eingerichtet, die oft von den Leuten gegenüber z.B. einer kalten Kirche im Winter bevorzugt werden. Pfarrer und Pfarrerinnen werden dabei oft nur noch als Dienstleister verstanden. Sie müssen immer und überall erreichbar sein und sich in die Wünsche und Vorstellungen der Bestatter bzw. der Angehörigen einordnen. Wenn das nicht gleich funktioniert, dann wird eben schnell der Pfarrer im Nachbarort gebucht.

Aber auch bei der Hochzeit und bei der Trauung steht ein Wandel bevor. Noch hat sich die EU-Gesetzgebung in Deutschland nicht durchgesetzt. Nach dieser dürfen Vertreter anerkannter Körperschaften wieder Ehen rechtlich schließen. Man kann es schon, aber es sind noch nicht alle Gesetze geändert, dass damit die Trauung und Eheschließung vollgültig ist. Besonders beim Rentenrecht gibt es noch Probleme. Es ist eine Ehe light. Doch auch hier gibt es schon Formen und Modelle nichtkirchlicher Sinnanbieter, die die Trauung und die Hochzeit zu einem Event machen. Schwierig gestaltet sich dabei die Weigerung der Trauung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Dazu stehe ich auch.

Es wird deutlich, dass der Weg, den die Kirche zu einem modernen Non-Profit-Unternehmen zu gehen hat, schwer sein wird. Sie muss ihn gehen. Sie darf sich andererseits nicht verbiegen lassen und ihr Fundament und das Evangelium von Jesus Christus aufgeben. Bei allem Wandel und bei aller Veränderung gilt für sie:

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

1. Korinther 3,11

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