für eine Kirche mit Zukunft

Neuer Himmel – neue Erde

Predigt zum Ewigkeitssonntag 2020 – Offenbarung 21,1–7

Liebe Gemeinde,
ihr kennt ja alle den alten Kinderreim, den manche Eltern sagen, wenn sich ihre Kinder verletzt haben:
Heile, heile Gänschen,
es wird bald wieder gut,
das Kätzchen hat ein Schwänzchen,
es wird bald wieder gut
Heile heile Mäusespeck
in hundert Jahren ist alles weg.

Mit ein paar tröstenden Worten und ein paar Streicheleinheiten können wir Erwachsene unsere kleinen Kinder trösten, wenn sie hingefallen sind, und sich vielleicht sogar ein wenig verletzt haben. Dann gibt es noch etwas Süßes und das Lieblingskuscheltier. Schnell ist der Schmerz überwunden. Und manchmal kann man wirklich staunen, wie zäh Kinder sein können und Schmerzen überwinden.


Leid und Schmerz


Auch im Leben von uns Erwachsen ist es gut, wenn Menschen da sind, die trösten und die anderen bei ihrem Leid und in ihrem Schmerz zur Seite stehen. Das ist ungeheuer wichtig. Man muss nicht immer gleich los reden. Manchmal ist es viel wichtiger, da zu sein und einfach zuzuhören.
Doch manchmal können Schmerz und Leid so groß sein, dass man ohnmächtig vor allem steht, dass keine Worte mehr helfen, dass einem die Worte im Halse stecken bleiben. In so einer Situation kann dann nur noch einer helfen. Das ist Gott, auf den man sein ganzes Leid, sein Schmerz und seine ganze Ohnmacht werfen kann. Dann kann man nur noch auf das blicken, was uns Gott verheißen hat. Auf das, was noch kommen wird.
Mancher ist heute hier, der seiner verstorbenen Angehörigen gedenkt. Einige von ihnen haben liebe Menschen im vergangenen Jahr verloren. Nach solchem Verlust sind wir auf der Suche nach Trost und Beistand und Neuorientierung in unserem Leben. Da helfen solche Kinderreime wie „Heile, heile Gänschen“ recht wenig.
Anders ist es mit dem Wort aus dem Buch der Offenbarung. Einem Wort, das wir immer wieder an den Gräbern unserer Verstorbenen hören. Einem Wort, das uns Hoffnung gibt, einem Wort, das uns Zukunft gibt. Einem Wort, das uns eine neue Orientierung für unser Leben geben will.

Textlesung

Offenbarung 21,1–7 LU
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Neuer Himmel – neue Erde

Dises Wort spricht von der neuen Schöpfung Gottes, die noch kommen wird. Es zeigt uns die Vollendung dieser Neuschöpfung auf. Begonnen hat diese Neuschöpfung Gottes an dem Tag als Jesus Christus gekreuzigt wurde. Da wurde die Macht des Todes besiegt.
Am Kreuz Jesu Christi hat Gott damit begonnen, alles neu zu schaffen, alles neu zu machen. Aus Liebe zu uns und voller Mitleid mit uns fängt Gott an, am Kreuz die vergehenden und den Tod bringende Gesetze dieser Welt aus den Angeln zu heben und zu beseitigen. Am Kreuz lädt Gott alle meine Schuld, all mein Versagen, all mein Leid und meinen Tod auf seinen Sohn Jesus Christus. Wenn ich mir dieses Wunder im Glauben an Jesus schenken lasse, werde ich von Gott neu geschaffen, weil ich nicht mehr meine Schuld und mein Versagen tragen muss, weil ich nicht mehr mein Leid und meine Schmerzen überwinden muss, weil ich nicht mehr dem Tod unterlegen bin.
Der Tod wird so zu einer Durchgangsstation in Gottes große Ewigkeit, zu Gottes neuer Schöpfung – ein neuer Himmel und eine neue Erde. Für mich und für jeden, der glaubt, gilt die Zusage Gottes: »Siehe, ich mache alles neu!«

In Gottes Neuschöpfung

In dieser Neuschöpfung Gottes gibt es einiges neues für uns:
Offenbarung 21,3 LU
3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
Es ist ein wunderbares Bild, welches hier der Seher Johannes uns von dieser neuen Welt Gottes zeichnet. Das Besondere in dieser neuen Welt: Gott ist den Menschen ganz nah. Er wird seine Hütte unter den Menschen aufschlagen. Er wird bei den Menschen wohnen. Richtig steht sogar dort: Gott wird bei den Menschen zelten. Noch besser steht vom Alten Testament her: Er wird seine Stiftshütte aufschlagen. So kommt zum Ausdruck: Gott wird immer bei uns Menschen sein. Also nichts, was mal schnell abgebrochen werden kann, sondern es wird eine ewige Gemeinschaft geben.
Normalerweise kennen wir ja ein Zelt nur als einen flüchtigen Wohnort, doch das Flüchtige ist verloren gegangen. Es wird fest. Es wird von ewiger Dauer sein. In unserer zeitlichen Welt ist Gottes Gegenwart nur temporär, nur zeitlich, aber dann wird sie ewig sein. Gottes Gegenwart wird dann in seiner ganzen Herrlichkeit geschehen und wird dann von Dauer sein. Uns ist verheißen: Gott ist euch nah!

Für heute

Genau das kann uns heute, mit all unserer Trauer, mit all unserem Leid, mit allen Schmerzen, mit all unserer Krankheit, mit unseren Corona-Ängsten und mit allem, was uns bedrückt, aufrichten und nach vorn blicken lassen. Das kann uns eine Zukunft, ein Morgen geben.
Das ist kein Vertrösten auf ein Jenseits. Wir sollen auch heute, da wo wir es können, etwas gegen Trauer, Schmerz und Leid, Krankheit, Angst und Not tun. Soweit wir können, und zwar mit ganzer Kraft und mit ganzem Vermögen. Besonders jetzt in dieser Zeit. Die Kraft dazu will uns Gott schenken, gerade aus dieser Glaubenshoffnung heraus.
Dennoch müssen wir wissen: Es bleibt ein Rest an Leid, Schmerz und Trauer, und manchmal kann es auch ein sehr großer Rest sein. Wir spüren das jetzt in der Corona-Pandemie besonders.
Wir leben in einer gefallenen Welt, in einer Welt, wo Krieg und Terror auf der Tagesordnung steht, aber auch das persönliche Leid präsent ist. Genau da ist es gut zu wissen:

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Offenbarung 21,4 LU

In der Gemeinschaft mit Gott werden Tränen, Leid Geschrei und Schmerz nicht mehr sein. Schon beim Propheten Jesaja heißt es:

10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Jesaja 35,10 LU

Uns, die wir auf Gott vertrauen, bei denen Gottes Neuschöpfung begonnen hat, gilt diese Verheißung: Wir leben noch nicht in dieser zukünftigen Welt und in der kommenden Epoche, wo es kein Leid, keine Tränen und kein Tod mehr gibt. Aber für uns heute gilt die Zusage unseres Herrn Jesus Christus, dass selig sind, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Getröstet werden – nicht durch heile, heile Gänschen, sondern durch das hoffnungsvolle Wort Gottes. Dieses Wort gilt allen, die Jesus Christus kennen und an ihn glauben. Sie sollen die Kraft erfahren, mit der Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat und so in ihrem Leiden gestärkt werden. Das wünsche ich euch!
Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

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