Die Inkarnation Christi

Die Inkarnation Christi

Von den alttestamentlichen Voraussetzungen über die Alte Kirche bis zur Neuzeit – und ihre Bedeutung für uns heute

1. Einleitung: Das Zumutende am christlichen Glauben

Die Inkarnation Christi gehört zu den zentralsten und zugleich anstößigsten Aussagen des christlichen Glaubens. Dass Gott Mensch wird, widerspricht sowohl religiösen Erwartungen als auch philosophischen Denkgewohnheiten. Religion rechnet meist mit einem Gott, der fern, erhaben, unverfügbar ist. Philosophie denkt Gott als das Unveränderliche, Unbewegte, Reine.

Der christliche Glaube aber behauptet: Gott ist nicht auf Distanz geblieben. Gott ist nicht Zuschauer der Geschichte. Gott ist nicht nur Thema menschlicher Rede – Gott ist selbst Geschichte geworden.

„Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Diese Aussage ist keine poetische Metapher, sondern der Kern des Evangeliums. An ihr entscheidet sich, ob christlicher Glaube wirklich von Erlösung spricht – oder nur von religiöser Sinngebung.

Inkarnation meint dabei nicht allgemein „Gott ist dem Menschen nahe“, sondern sehr präzise: Der ewige Sohn Gottes, der Logos, ist in Jesus Christus wirklich Mensch geworden, ohne aufzuhören, Gott zu sein. Diese Spannung wird die Kirche durch ihre gesamte Geschichte hindurch begleiten.

„Gedenke – und werde fruchtbar“

„Gedenke – und werde fruchtbar“

Eine Theologie des Alters ausgehend von Kohelet 12,1–7

Der Lauf des Lebens (Ki generiert)

Teaser:

Kohelet 12 beschreibt das Altern mit poetischer Ehrlichkeit – ohne Beschönigung, aber auch ohne Resignation. Was heißt das für unseren Glauben heute? Und wie ergänzen Neues Testament und Apokryphen diesen Realismus um Würde, Berufung und Hoffnung?

1. Realistisch – und getragen

Kohelet malt starke Bilder: zitternde „Wächter des Hauses“, stillstehende „Mahlsteine“, verschlossene Türen (Koh 12,1–5). Das ist kein Defizitkatalog, sondern ein Weckruf: „Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend“ (Koh 12,1). Erinnerung (zakar) ist hier keine Nostalgie, sondern gelebte Gottesbeziehung – heute, damit sie morgen trägt.

„Der Staub kehrt zur Erde… der Geist kehrt zu Gott zurück“ (Koh 12,7). – Würde und Vergänglichkeit gehören zusammen.

Trias der Gnade: ḥesed – éleos – cháris (KI generiert)

Weihnachten als Epiphanie der Gnade: ḥesed, éleos und cháris im Gespräch

Trias der Gnade: ḥesed – éleos – cháris (KI generiert)
Trias der Gnade: ḥesed – éleos – cháris (KI generiert)

Manchmal fühlt sich Theologie an wie ein großes Puzzle: Viele schöne Teile – aber wie greifen sie zusammen? Wer in der Advents- und Weihnachtszeit von Gottes „Barmherzigkeit“ spricht, verwendet intuitiv ein zentrales Wort des Neuen Testaments (ἔλεος – éleos). Dahinter steht jedoch die lange Geschichte eines alttestamentlichen Schlüsselbegriffs (חֶסֶד – ḥé∙sed), der im Neuen Bund in das große Dachwort der „Gnade“ (χάρις – cháris) hineinwächst. In diesem Blogbeitrag verschränke ich diese drei „Grundworte der Gnade“ – mit besonderem Blick auf Titus 3,4–7, mit sorgfältiger dogmatischer Einordnung.

1. Ausgangsthese – und eine vorsichtige Präzisierung

These: Weihnachten ist die geschichtliche Erscheinung (ἐπεφάνη – epephánē) von Gottes bundestreuer Liebe (ḥesed). Diese Liebe zeigt sich im Neuen Testament als Barmherzigkeit (éleos) und wird im umfassenden Heilsmodus der Gnade (cháris) wirksam. Titus 3,4–7 verdichtet diese Linien auffallend: Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit erscheinen; er rettet nicht aus Werken, sondern gemäß seiner Barmherzigkeit; er wirkt Neugeburt und Erneuerung durch den Heiligen Geist, ausgegossen reichlich durch Jesus Christus, damit wir gerechtfertigt und Erben der Hoffnung des ewigen Lebens werden.

Präzisierung: Die drei Begriffe sind nicht deckungsgleich. ḥesed trägt die Farbe der Bundestreue, éleos betont Barmherzigkeit/Erbarmen, cháris akzentuiert Geschenk, Unverdientheit und Wirksamkeit. Dennoch überlappen sie stark und werden in der Bibelgeschichte bewusst ineinandergeführt.

Die fünf nichtjüdischen Ahnfrauen Jesu - KI generiert

Fünf Porträts – fünf Linien zur Gnade

Die (meist) nichtjüdischen Ahnfrauen Jesu – und warum sie für das Evangelium entscheidend sind

Die fünf nichtjüdischen Ahnfrauen Jesu - KI generiert
Die fünf nichtjüdischen Ahnfrauen Jesu – KI generiert

Einleitung: Matthäus beginnt sein Evangelium (Mt 1,1–17) mit einem überraschenden Stammbaum: Er nennt vier FrauenTamar, Rahab, Ruth und „die Frau des Urija“ (Bathseba). Aus dem Alten Testament kommt als fünfte Ahnfrau hinzu: Naama, die Ammoniterin (1Kön 14; 2Chr 12) – sie steht nicht in Mt 1, gehört aber faktisch in die davidische Linie. Gemeinsam erzählen diese Frauen, dass Gottes Heil Grenzen sprengt: ethnische, moralische, soziale. Das ist mehr als Ahnenkunde – es ist die Vorspannung zur Mission Jesu (Mt 28,19).