für eine Kirche mit Zukunft

Was ist eigentlich Gemeinde?

Ich fange einmal mit der Begriffsbestimmung, was Gemeinde ist, ganz nach meiner lutherischen Tradition an, nämlich mit der Confessio Augustana – dem Augsburgischen Bekenntnis. Da steht in Artikel 7:

VON DER KIRCHE

Es wird auch gelehrt, daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirche nötig, daß überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: “Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe” (Eph 4,4.5).

Nun es gibt verschiedene Möglichkeiten den Begriff Kirche und/oder Gemeinde zu definieren und keine schließt die andere aus, sondern jede Möglichkeit beschreibt nur eine Teilmenge des Ganzen. Ich begrenze dieses einmal auf drei Möglichkeiten, mit dem Wissen, dass da dennoch einiges fehlt. Aber meines Erachtens sind es die drei wesentlichsten Beschreibungen, die für das Spirituelle Gemeindemanagement wichtig sind.

Gemeinde

  • aus heilsgeschichtlicher Sicht
  • aus soziologischer Sicht
  • aus juristischer und struktureller Sicht.

Gemeinde aus heilsgeschichtlicher Sicht.

Die Gemeinde entsteht und besteht, weil Jesus Christus das will: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Mt.18,20 Jesus sagt seine Gegenwart zu, wo sich Menschen in seinem Namen versammeln, Gottes Wort lesen, miteinander beten.
Die Gemeinde existiert nicht in einem weltfremden Raum, sondern sie ist von Jesus Christus in diese Welt gesandt um sein Evangelium zu verkünden: “Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” Mt 28:20 Er sagt ihr seinen Beistand zu und sendet ihr seinen Heiligen Geist, der in ihr wirkt und sie bevollmächtigt: “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.” Apg. 1,8
Die Gemeinde wird bewahrt bis das Reich Gottes vollendet wird und Jesus Christus wieder kommt. Als seine Braut wird sie mit ihm und durch ihn vollendet: “Christus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.” Eph 5,25-27
Das kann bei allem Erleben  und Tun, allen Anforderungen und Ansprüchen in der Gemeinde für das Gemeindemanagement befreiend und entlastend wirken.

Gemeinde aus soziologischer Sicht
Nun darüber wurden schon einige Bücher geschrieben. Für mich ist es erst einmal wichtig, dass Gemeinde selber keine homogene und einheitliche Größe oder Gruppe ist. Man kann zwar definieren Gemeinde sind alle Getauften, Gemeinde sind die Kirchensteuerzahler, “Kerngemeinde” sind die, die mindestens einmal im Monat in den Gottesdienst gehen usw.. Aber das trifft alles aus soziologischer Sicht nicht meines Erachtens was Gemeinde ist und wer sich zu ihr dazugehörig fühlt. Besonders am “Rand” ist der Übergang Gemeinde und Nichtgemeinde sehr fließend. Es gibt manchen Ungetauften, der sich zur Gemeinde zugehörig fühlt, währenddessen haben dagegen Getaufte keinen Bezug zur Gemeinde. Ein Stück dokumentiert das die Emerging Church-Bewegung, wo neue Formen des Gemeindeleben erlebt und erprobt werden. Manchmal sind es Projekte in der Gemeinde, die Christen und Nichtchristen zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen lassen, die dann darüber hinaus Bestand hat und so Teil der Gemeinde werden.
Wie unsere Gesellschaft radikalen soziologischen Veränderungen unterliegt, vollziehen diese sich auch teilweise in der Gemeinde. Man darf davor nicht die Augen verschließen, sondern im Rahmen eines guten Gemeindemanagement Freiräume schaffen und selber mit Einfluss nehmen. Darüber ist sicher noch weiter nachzudenken.

Gemeinde aus juristischer und struktureller Sicht

Natürlich befindet sich Gemeinde nicht in einen rechtsleeren Raum, sondern hat einen juristischen Status. Die landeskirchlichen und die katholischen Gemeinden sind Körperschaften des öffentlichen Rechtes und haben somit auch in gewissen Rahmen eine eigene Gerichtsbarkeit. Die freikirchlichen Gemeinden sind meistens als gemeinnützige Vereine organisiert.
Wie lange der Status der landeskirchlichen Gemeinden und der katholischen Gemeinden in unserer Gesellschaft noch bleiben wird, wissen wir nicht? Noch gilt es ihn zu nutzen.
Doch eines wird deutlich, dass Gemeinde in ihren Strukturen in den nächsten Jahren einen großen Wandel unterzogen werden wird, ist jetzt schon ansatzweise erkennbar. Ich will jetzt nicht in das Klagelied der weißen Flecken einstimmen, weil ich es für sinnlos halte. Sondern ich möchte Mut machen über neue Strukturen und Formen der Gemeinde nachzudenken. Das kann regional ganz unterschiedlich sein. Manchmal kann es schon gegenüber der Nachbargemeinde ganz anders sein.
Bei uns wollen drei Kirch(en)gemeinden ein Schwesternkirchenverhältnis (Kirchspiel) gründen. Das ist ja nicht eigentlich nichts neues. Stimmt, wenn nicht eine Kirchengemeinde auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland wäre und die anderen beiden auf dem Gebiet der Evang. Landeskirche Sachsen. Das Interessante ist, die Gemeinden sind sich so gut wie einig und es würden auch zukünftig wirklich viele gemeinsame Projekte geben. Nun muss es geschafft werden, dass beide Landeskirchen sich einigen, wie der/die Pfarrer/in angestellt wird. Wir sind gespannt.
Was mir aber auffällt ist, dass gegenwärtig in der Krise der Kirche eine Entmachtung der Gemeinde stattfindet. Immermehr Kompetenzen, für die die Gemeinde zuständig ist, werden auf die mittlere Ebene oder nach oben verlagert. Das ist eine Entmündigung der Gemeinde, die eigentlich heute viel mehr gestärkt werden müsste. Zukünftig sollte viel mehr über die weitere Abschaffung von Gremien und Ebenen nachgedacht werden, aber wer sägt denn gern am eigenen Stuhl.

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