Die Präsenz der Kirche auf dem Lande

„Kirche auf dem Lande sollte Kirche in der Fläche bleiben – mit unterschiedlichen Akzenten und Modellen und Lebensformen der Gemeinde.“

Es ist sicher ein leichteres zu sagen: „Wir konzentrieren alle unsere kirchlichen Aktivitäten auf bestimmte Hauptorte und bieten dort ein attraktives Programm an.“ Das wäre vielleicht die logische Schlussfolgerung aus allen Strukturanpassungsmaßnahmen und Personaleinsparungen, die man bei der Kirche auf Grund der demoskopischen Entwicklung in der Fläche und auf Grund von Finanzentwicklungen macht. Das wäre auch die Logik jedes real denkenden Wirtschaftsunternehmens. Doch so funktioniert Kirche und Gemeinde nicht und gleich gar nicht auf dem Lande.
Weil Kirche generell etwas mit Menschen zu tun hat, mit ihren Lebens- und Glaubensvollzügen, und das an den Orten, wo sie leben. Darum ist der Kirchturm im kleinsten Dorf so wichtig, auch wenn er manchmal kaum zu unterhalten ist. Weiterlesen

Der Wandel des Dorfes in der ländlichen Region und seine Zukunft

Gerade im Osten Deutschland hat das Dorf im ländlichen Raum einen gravierenden Umbruch erlebt. Dieser wurde ausgelöst durch den Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Struktur und durch den demoskopischen Wandel. Dazu kommt noch der gravierende Wegzug vieler junger Leute. Mehrheitlich erfolgte ein regelrechtes Ausbluten des Dorfes. Natürlich ist dies eine Verallgemeinerung, denn das geschah von Dorf zu Dorf, von Region zu Region in recht unterschiedlicher Weise und Stärke.

In der Nähe von wirtschaftlichen Ballungsorten wurde das Dorf auch als stadtnahes Wohngebiet entdeckt. Bei größeren Dörfer mit einer schon länger gemischten Infrastruktur ist der Umbruch noch nicht so stark spürbar. Weiterlesen

Das Evangelium, die Unerreichten und die Region

Seit einigen Wochen bin ich wieder im Altenburger Land. Das hat die Folge, dass die Region wieder größer geworden ist, in der ich als Pfarrer Dienst tue, dass es in meinem Bereich Kirchen gibt, in denen nur alle drei bis vier Wochen Gottesdienst ist. Ja und in einer Kirche ist so gut wie nie Gottesdienst. Fast werde ich an die Zeit des Kirchenvaters Bonifatius erinnert, als er begann Thüringen zu missionieren. Dabei finde ich hier in der Region gute und engagierte Christen, die mit viel Engagement und Herz ihre Kirchen renovieren und den Rest an Gemeindeleben versuchen so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Auch vor wenigen Wochen hat die Evangelische Verlagsanstalt ein kleines Büchlein herausgebracht: „Das Evangelium, die Unerreichten und die Region“. Ein Büchlein, das versucht Akzente zusetzen, wie man heute im beginnenden 21. Jahrhundert im säkularisierten Deutschland missioniert. Weiterlesen

Kirche im ländlichen Raum

Kirche Reinsdorf

Kirche Reinsdorf

Da, wo ich Pfarrer bin, ist der ländliche Raum noch recht dicht besiedelt. Die Infrastruktur ist auch noch intakt. Sicher der strukturelle Wandel hat schon tiefgreifende Veränderungen geschaffen. Die meisten Menschen sind schon lange nicht mehr in der Landwirtschaft tätig. Dennoch wird der ländliche Raum weiterhin als Wohn- und Erholungsraum und damit als Lebensraum von vielen Menschen bevorzugt. Und die Tendenz ist sogar leicht wachsend. Dabei lässt sich aber dennoch nicht übersehen, dass die Bevölkerungszahl in den letzten Jahren grundsätzlich abgenommen hat. Auch und besonders der ländliche Raum war davon betroffen. Gegenwärtig ist die Zahl stagnierend, zumindestens in dem Raum, wo ich jetzt bin, im Thüringer Vogtland. Dabei ist die Bevölkerung in ihrer Struktur überaltert. Weiterlesen

Lokale Kirche und Netzwerk – Warum das Modell der weiteren Regionalisierung scheitern muss?

Kirchenkreis Greiz als Puszzle

Kirchenkreis Greiz als Puszzle

Einleitung

  • Ich liebe meine Kirche mit allen ihren Macken und Fehlern.
  • Ich liebe meine Gemeinden, in denen ich Dienst tue.
  • Ganz besonders liebe ich die Menschen, die dazugehören.
  • Andererseits sehe ich die Notwendigkeit der Veränderung in Kirche und Gemeinde.

So wie sich gegenwärtig die Menschen und die Gesellschaft verändern, müssen sich Kirche und Gemeinde verändern. Was sich nicht verändern darf, ist das Evangelium von Jesus Christus und seine Verkündigung. Das muss allgemeingültig bleiben. 

Die krisenhafte Situation der Kirche und der Bevölkerungsrückgang als Handlungsanstoß zur Schaffung einer neuen kirchlichen Struktur

  • Eigentlich befindet sich besonders in Ostdeutschland die Kirche seit mindestens 60 Jahren in der Krise. Vielleicht sogar noch früher, wenn man den Nationalsozialismus mit einbezieht.
  • Durch die geringen Gehälter für Pfarrer/innen und Mitarbeiter/innen und durch die Unterstützung der westdeutschen Kirche konnte die Krise 40 Jahre verschoben werden. Nichts oder nicht viel wurde bzw. konnte dagegen getan werden.
  • Spätestens seit der Wende trifft die Krise nun voll die Kirche im Osten. Das heißt also seit 23 Jahren. Seit 23 Jahren betreiben wir immer noch einen abgefederten Rückbau. Wir versuchen es mit Umstrukturierungsmaßnahmen, Zusammenlegung von Gemeinden, Regionalisierung usw.

Als ich vor etwa 20 Jahren in der damaligen Altenburger Kreissynode (ohne den damals noch existierenden Kirchenkreis Schmölln) mit einer Mindmap zur Strukturreform auftauchte, um Pfarrstellen einzusparen, da gab es einen Aufschrei. Heute ist diese Mindmap längst überholt. Vielmehr wurde dort eingespart. Weiterlesen

Der Emmaus-Kurs für Gemeinden auf dem Lande

Emmaus auf dem Lande

Emmaus auf dem Lande

Es gibt keine bessere Möglichkeit, zu evangelisieren, zu stärken und ganz allgemein zu helfen dass die Gemeindegliedern in ihrem Wissen um Jesus Christus wachsen, als der Emmaus-Kurs. Für die kleinen Gemeinden auf dem Lande (und in der Stadt) hat er einige Vorteile.

  • Er ist kostengünstig
    Für eine so wichtige Sache ist er sehr preiswert. Um anfangen zu können brauchen Sie eine Leiterhandbuch und ein Basiskurs 2.0-Buch. Das kostet zusammen 55 Euro. Dann kommen noch ein paar Kosten für das Kopierpapier dazu.
  • Es gibt keine kostspieligen Arbeitsbücher oder Videos, weil sie der Emmaus-Kurs nicht benötigt. Das ist gut so, weil viele kleine Gemeinden auf dem Lande wenig Geld haben. Teure Seminarprogramme übersteigen den Haushaltsetat. So kombiniert Emmaus Qualität mit Wirtschaftlichkeit.
  • interaktives Lernen
    Die meisten Gemeindeglieder haben Schwierigkeiten mit einem Arbeitsbuch zu lernen. Erwachsene eignen sich ihr Wissen durch experimentieren, forschen und improvisieren an. So entspricht der interaktive und und auf Entdeckung ausgerichtete Charakter von Emmaus dieser Lernweise.
  • Sehr flexibel
    Emmaus ist so flexibel, dass es jeder Lebensweise der Menschen angepasst werden kann. So kann es z.B. in eine ländliche Lebensweise, wo z.B. das Sähen und die Ernte den Lebensablauf prägen. Das ist möglich, weil der Emmaus-Kurs nicht linear aufgebaut ist, sondern in verschiedenen Modulen. Bei Emmaus muss man eben nicht von der ersten Seite beginnen und bis zur letzten Seite durchziehen, sondern man kann z.B. in der Sommerzeit während der Ernte unterbrechen, um dann wieder fortzusetzen.
  • Sie können bei den einzelnen Einheiten Teile weglassen und sie können andererseits auch hinzufügen. Da möchte eine Gruppe mehr über das Thema Gebet wissen, dann können sie diesen Kursteil erweitern, vielleicht sogar zwei Kurseinheiten gestalten. Oder sie wollen bei ihren Gemeindegliedern ein besseres Verständnis des Abendmahls erreichen, so können sie auch hier mit eigenem Material ergänzen.
  • Lebenslange Nachfolge
    Ein weiterer Vorteil von Emmaus für eine ländliche Gemeinde ist, dass es das umfassendste Arbeitsmittel, die zur Zeit zum Thema Nachfolge zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass nachdem ich einen kompletten Satz des Materials gekauft habe, habe ich praktisch alles, was ich brauche. Das ist ein echter Vorteil, wenn die nächste fromme Buchhandlung rund 40 km weit ist. Und weil Emmaus ist so flexibel, ich weiß, dass ich es aus anderen Quellen ergänzen können, wenn notwendig oder angemessen.
  • Emmaus ist ein einzigartiges Hilfsmittel für eine ländlich geprägte Gemeinde. Ich empfehle es Ihnen
  • Frei nach einem Artikel von Alun J Brookfield (Revd) Parish of Cwmtawe Uchaf, Diocese of Swansea and Brecon

Gemeinde als funktionierendes Ökosystem

Christus am Kreuz

Die Kirchengemeinde als funktionierendes Ökosystem und ihr Einfluss auf das kommunale Gemeinwesen

Der Emmaus-Kurs selber setzt keine perfekte Gemeinde voraus. Die gibt es nämlich nicht. Aber er setzt eine Gemeinde voraus, die sich wie ein funktionierendes Ökosystem versteht. Also Gemeinde versteht man nicht als Organisation oder Verein, sondern wie ein lebendiger Organismus. Dieses ist ja auch ein urbiblisches Bild, welches Paulus geprägt hat, als er vom Haupt und vielen Gliedern gesprochen hat (z.B. 1.Korinther 12).

In seinem Buch „Eine unaufhaltsame Kraft“ vertieft Erwin McManus dieses Bild.

So ist eben eine lebendige Gemeinde ein gut funktionierendes Ökosystem, das auch mit Fehlern und Versagen der einzelnen Glieder umgehen kann. Das nicht erwartet, dass wir perfekt sind, sondern dass wir teilhaben an diesem Ökosystem, so wie wir sind. Aber wir werden nicht bleiben wie wir sind. Die Teilhabe am Ökosystem Gemeinde wird uns verändern.

Dabei gibt es drei nach außen gleichwertige wichtige Beziehungen, die zu pflegen und zu vertiefen sind:

  • – die Beziehung zu Gott, der alles geschaffen hat und uns erhält
    Wo finden Sie in Ihrer Gemeinde Orte um Gott in besonderer Weise zu begegnen?
  • – die Beziehung zu den Nächsten, den wir lieben sollen wie uns selber
    Welche Rolle spielt die nicht verinstitutionalisierte Gemeindediakonie im Leben Ihrer Gemeinde?
  • – das Eingebunden sein in die Welt, die uns umgibt:
    Welchen Einfluß hat Ihre Gemeinde auf das gesellschaftliche Leben in Ihrem Ort/Stadt?

Im Handbuch zum Emmaus-Kurs können wir lesen: ‚Das Emmaus-Projekt möchte das „Beziehungssystem“ Gemeinde stärken, mit seiner Hilfe auch andere gewinnen und beheimaten. Es ist damit kein „Veranstaltungs-Projekt“, es lebt nicht von bestimmten „Events“.‘

Das kann ich aus eigener Erfahrung heraus nur bestätigen. Es ist von Anfang an als Glaubensseminar auf Beziehungen angelegt. Darum gibt er dem Gespräch einen weiten Raum. Für manchen Christen ist es richtig ungewohnt, wenn da nicht das Referat der Mittelpunkt ist, sondern das Gespräch, der Dialog, der Austausch eigener Erfahrungen und Erlebnisse. Aber dass die „Events“ nicht der Schwerpunkt sind, macht ihn auch anpassungsfähig an die jeweilige Gemeindesituation und auch an die Begabungen der Mitarbeiter/innen.

Ich kann daher nur Mut machen, sich auf das Emmaus-Projekt einzulassen.