Der 2. Johannesbrief: An eine Gemeinde – an eine „auserwählte Herrin“ – oder an Lady Eclecte?

Der 2. Johannesbrief: An eine Gemeinde – an eine „auserwählte Herrin“ – oder an Lady Eclecte?

Ein neuer Blick auf einen alten Mini-Brief – Für und Wider abgewogen

Der 2. Johannesbrief ist winzig. Dreizehn Verse – kaum mehr als eine Postkarte. Und doch hat er eine der spannendsten Adress-Fragen im Neuen Testament ausgelöst:

Zwei antike Frauen im Gespräch (KI generiert)

An wen schreibt „der Älteste“?
An eine konkrete Frau? Oder an eine Gemeinde, die als „Herrin“ personifiziert wird?

Über viele Jahrzehnte drehte sich die Diskussion zwischen diesen beiden Polen. In jüngerer Zeit hat sich die Debatte allerdings erweitert: Der US-Papyrologe Lincoln H. Blumell argumentiert, dass wir nicht nur über die Deutung, sondern über die Textgestalt reden sollten – und dass der Brief ursprünglich an eine Frau namens Eclecte (Ἐκλέκτη / Ἐκλέκτῃ) adressiert gewesen sein könnte.

In diesem Webblogartikel ordne ich die klassischen Positionen ein, integriere den Ansatz von Blumell und prüfe was jeweils dafür und dagegen spricht. Am Ende steht kein künstliches „Problem gelöst“, sondern ein Bild: Wo liegen die stärksten Argumente? Wo bleibt Unsicherheit? Und was ändert sich (oder auch nicht) für die Botschaft des Briefes?

Vom Gesalbten zum König: David, Goliath und die Spur, die zu Christus führt

Vom Gesalbten zum König: David, Goliath und die Spur, die zu Christus führt

David und Goliath – Christus (KI generiert)

Der vierfache Schriftsinns (Quadriga) von 1 Samuel 17  – mit Textkritik, kanonischem Horizont und deutscher Forschung

Dieser Artikel entstand in Anlehnung an Patrick Schreiners Artikel im Logos-Blog Word by Word  – David, Goliath—& Jesus? A Familiar Story’s Fourfold Sense

1) Einstieg: Warum diese Geschichte hermeneutisch so „gefährlich“ ist

Die Erzählung von David und Goliath ist so bekannt, dass sie leicht zu einer Projektionsfläche wird: „Der Kleine schafft’s gegen den Großen.“ Genau deshalb taugt sie – wie Patrick Schreiner zurecht betont – als Testfall für unsere Hermeneutik: Was machen wir mit einem Text, den wir schon zu kennen meinen? (Logos)

Zwei Verkürzungen liegen nahe:

  1. Moralische Verkürzung: David wird zum Motivationscoach. Der Text wird zur Anleitung, wie man persönliche „Riesen“ umhaut.
  2. Christologische Verkürzung (als Gegenreaktion): Man ruft: „Du bist nicht David!“ – und meint damit: „Der Text sagt über dich gar nichts, nur über Christus.“

Beides greift zu kurz. Die alte Lehre vom vierfachen Schriftsinn (Quadriga) ist deshalb hilfreich, weil sie nicht „mehr Beliebigkeit“ will, sondern mehr Tiefe bei klarer Reihenfolge: vom historischen Wortsinn ausgehend entfalten sich geistliche Dimensionen – ohne den Text zu verlassen. (Logos)

Die Kommunikation des Evangeliums: Wie Kirche in jeder Epoche die „neusten Medien“ genutzt hat

Die Kommunikation des Evangeliums: Wie Kirche in jeder Epoche die „neusten Medien“ genutzt hat

Wenn man Kirchengeschichte einmal unter dem Gesichtspunkt „Kommunikation“ liest, fällt ein Muster auf: Das Evangelium bleibt inhaltlich gleich – aber die Wege, auf denen es Menschen erreicht, verändern sich ständig. Und oft hat die Kirche sehr bewusst die jeweils modernsten Kommunikationsmittel genutzt (oder musste lernen, sie klug zu nutzen).

Die Entwicklung der Kommunikation (KI generiert)

Dabei gilt immer beides: Medien erweitern Reichweite – und sie prägen auch Form, Tempo und Erwartungen der Menschen. (Darum ist Mediengeschichte immer auch Kirchengestalt-Geschichte.)

1) Urchristentum: mündliche Botschaft, öffentliche Lesung, Briefe – und römische Infrastruktur

1.1. Jesus: Predigt „nah am Leben“ – im Resonanzraum der Synagoge und des Alltags

Jesus kommuniziert das Reich Gottes primär mündlich: Gleichnisse, Streitgespräche, Heilungserzählungen – alles Formen, die in einer überwiegend oral geprägten Kultur besonders „tragfähig“ sind. Gleichzeitig nutzt er vorhandene Kommunikationsräume: Synagogen als Orte der Schriftlesung und Auslegung, Feste als „Massenereignisse“, Pilgerwege als Multiplikatoren.

Das Problem des Bösen in der Bibel und im christlichen Glauben

Das Problem des Bösen in der Bibel und im christlichen Glauben

Woher kommt das Böse? /KI generiert)

1. Eine Frage, die im Leben aufsteht

Es gibt Fragen, die stellt man im Seminarraum. Und es gibt Fragen, die stellen sich im Krankenhausflur, am Grab, nach einer Nachrichtensendung, nach einem Streit, der Beziehungen zerstört, oder nach einer Erfahrung, die man keinem wünscht. „Warum gibt es das Böse?“ – das ist eine solche Frage. Sie ist nicht nur intellektuell, sondern existenziell. Sie trifft Glaubende und Nichtglaubende. Und sie trifft Glaubende oft besonders hart, weil sie Gott nicht loslassen wollen und doch nicht verstehen, wie Leid, Schuld und Gottes Güte zusammenpassen sollen.

Die klassische Form nennt man Theodizeeproblem: Wie lässt sich die Existenz des Bösen mit einem Gott vereinbaren, der gut ist, allmächtig und allwissend? Schon die alte Dilemma-Formulierung drückt das scharf aus: Wenn Gott Leid verhindern kann, aber nicht will, scheint er nicht gut. Wenn er es will, aber nicht kann, scheint er nicht allmächtig. Wenn er kann und will – warum bleibt das Böse dann real?

Zwischen Ernst und Einladung

Zwischen Ernst und Einladung

Wie geistliche Gemeindekritik gehört, geprüft und fruchtbar werden kann

Gemeinden werden oft für ihr Gemeindeleben oder ihre Verkündigung kritisiert. Manches ist berechtigt, manches greift zu kurz. Christliche Kritik braucht Ernst und Liebe zugleich. Sie soll nicht spalten, sondern helfen, Christus neu in den Mittelpunkt zu stellen.
Gemeinde miteinander unterwegs (KI generiert)

Manchmal werden Gemeinden wegen ihres Gemeindelebens, ihrer Verkündigung oder ihrer geistlichen Ausrichtung scharf kritisiert. Der Vorwurf lautet dann: zu oberflächlich, zu angepasst, zu wenig biblisch, zu wenig Ernst. Ist solche Kritik berechtigt? Ja – und nein. Ja, weil christlicher Glaube nie beliebig ist. Nein, weil pauschale Urteile dem Evangelium oft nicht gerecht werden. Entscheidend ist, wie Kritik geäußert wird und wohin sie führen soll.

Christliche Gemeindekritik hat eine lange biblische Tradition. Propheten, Apostel und Jesus selbst haben Gemeinden ermahnt, korrigiert und zur Umkehr gerufen. Kritik entspringt häufig echter Sorge um die Wahrheit des Evangeliums, um die Heiligkeit Gottes und um die Wachsamkeit der Kirche. Diese Sorge verdient es, gehört und geprüft zu werden.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Kritik aufbaut oder verletzt, klärt oder spaltet, einlädt oder abschreckt. Das Evangelium kennt den Ernst der Umkehr – aber ebenso den Ton der Gnade.

Bethlehem – „Haus des Brotes“

Bethlehem – „Haus des Brotes“

Heilsgeschichtliche Bedeutung im Alten Testament, im Neuen Testament und in jüdischer Deutung (Targum/Talmud)

Bethlehem mit Brot (KI generiert)

Einleitung

Wenn wir „Bethlehem“ hören, denken viele sofort an Krippe, Engel, Hirten. Aber bevor Bethlehem zur Weihnachtskulisse wurde, war es zunächst ein ganz konkreter Ort in Juda – klein, landwirtschaftlich geprägt, abseits der großen Verkehrsachsen – und zugleich ein Name, der schon für sich eine Deutung anbietet: „Haus des Brotes“. Diese Benennung ist keine fromme Nach-Erfindung, sondern liegt tatsächlich im hebräischen Wortmaterial. Und genau hier beginnt die heilsgeschichtliche Spur: Gott bindet große Verheißung gern an kleine Orte – und er legt Bedeutung in Namen, die später „aufgehen“ wie ein Same.

1. Der Name: Hebräisch, Griechisch – und was man seriös sagen kann

Der Ortsname lautet im Hebräischen בֵּית לֶחֶם (bêt læḥæm). Das ist eine Konstruktion aus zwei Wörtern: בֵּית (bêt) = Haus (von) und לֶחֶם (leḥem) = Brot oder Nahrung. Zusammen ergibt das: „Haus des Brotes“. Diese Deutung ist sprachlich die nächstliegende, auch wenn eine alternative Etymologie („Haus des Kampfes“) diskutiert wurde. In der Septuaginta und im Neuen Testament wird Bethlehem nicht übersetzt, sondern als Βηθλεεμ / Βαιθλεεμ transkribiert.

Selbst gehostetes Padlet-Skript zum Download

Selbst gehostetes Padlet-Skript zum Download

Padlet-Tafel (KI -generiert)

Viele Gemeinden und Hauskreise wünschen sich eine einfache Online-Pinnwand, möchten dafür aber keine externen Dienste nutzen. Deshalb stelle ich hier ein kleines Padlet-Skript, welches man auf der eigenen Webseite selbst hosten kann, als Download zur Verfügung.

Das Skript besteht aus einer einzigen HTML-Datei und einer kleinen PHP-Datei zur Speicherung der Einträge. Es läuft auf jedem normalen Webspace mit PHP-Unterstützung und bildet eine digitale Pinnwand ab:
Name (oder Alias) und Mitteilung eingeben, auf „Mitteilung hinzufügen“ klicken – schon erscheint die Notiz als Kachel oder in der Tabellenansicht. Reaktionen (👍 🙏 ❤️), Sortierung, Suchfunktion und CSV-Export sind bereits eingebaut.

Wenn Komfort stirbt – Warum echte christliche Gemeinschaft unbequem sein darf

Wenn Komfort stirbt – Warum echte christliche Gemeinschaft unbequem sein darf

Gemeinschaft in der Gemeinde (mit KI erstellt)

Einleitung

In vielen Gemeinden wirkt die christliche Gemeinschaft wie ein ruhiger Hafen voller Vertrautheit. Man kennt sich, man versteht sich – und fühlt sich sicher. Doch was bleibt übrig, wenn wir nur jene willkommen heißen, die uns ähnlich sind?

Die Theologin E. L. Sherene Joseph stellt genau diese unbequeme Frage: Haben wir „Gemeinschaft“ mit „Ähnlichkeit“ verwechselt? Ihre Antwort: Wahre Gemeinschaft beginnt dort, wo Komfort endet.

Diese Fragestellung bewegt mich eigentlich schon seit vielen Jahren, ja von Beginn meines Dienstes als Pfarrer, wie kann Gemeinde offen sein und nicht nur ein Kuschelclub der Erretteten.

„Steinreich, aber menschenleer?“

Was Martin Luther zur Kirche mit vielen Gebäuden, aber wenigen Gläubigen sagen würde

Einleitung: Die Krise der Fülle
Diese Kirche in Zutphen wurde zu einer Bibliothek umgenutzt.

Unsere Kirche steht inmitten eines Widerspruchs: Sie ist reich an steinernen Zeugen der Vergangenheit – Kirchengebäude, Türme, Altäre, Orgeln – und zugleich arm an lebendiger Beteiligung. Viel Raum, wenig Leute. Viel Struktur, wenig Gemeinschaft. Was würde Martin Luther zu einer Kirche sagen, die „steinreich“ an Gebäuden, aber „arm“ an gelebter Gemeinde ist?

1. Was ist Kirche für Luther? – Keine Mauer, sondern eine Bewegung

Luthers Kirchenverständnis beginnt nicht beim Kirchengebäude, sondern beim Evangelium. Kirche ist kein Bauwerk, sondern die lebendige Gemeinschaft derer, die sich um das Wort Gottes versammeln.

Confessio Augustana VII (1530) – unter Luthers Zustimmung formuliert: „Die Kirche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden.“

Auch Luther selbst sagt: „Eine geistliche Stadt, eine Herberge des Glaubens, eine Schule des Heiligen Geistes.“ (WA 10/I, 2)

Die kirchliche Gemeinschaft gründet nicht auf Stein, sondern auf Wort. Ein Gebäude wird erst dann zur Kirche, wenn in ihm das Evangelium verkündigt wird und Menschen im Glauben zusammenkommen.

Vom Streulicht zum Leuchtturm

Warum Gemeinde nicht stirbt, wenn wir loslassen – sondern gerade dann neu lebt

In vielen Dörfern stehen große Kirchen – aber vor kleinen Gemeinden. Der Gottesdienstbesuch nimmt ab. Und doch soll es „wie früher“ weitergehen. Doch ist das wirklich der Weg in die Zukunft?

Wir leben in einer spannungsgeladenen kirchlichen Realität: Die Menschen lieben ihre Kirche – aber sie kommen kaum noch hin. Gottesdienste finden nur noch selten statt, viele Gebäude bleiben leer. Gleichzeitig fühlen sich Gemeindeglieder oft im Stich gelassen, wenn ihre Kirche „aus dem Plan fällt“.

Doch eines ist klar: So, wie es jetzt läuft, bauen wir keine lebendige Gemeinde auf. Wir verwalten ihren langsamen Rückzug.

Was tun, wenn viele Kirchen, aber wenig Gemeinschaft da ist?

Der Impuls liegt auf der Hand – und er ist biblisch wie praktisch gut begründet:
Statt viele kleine Orte mühsam zu bespielen, sollten wir uns auf wenige, aber lebendige geistliche Zentren konzentrieren. Wir brauchen Leuchttürme in der Region – Orte mit Ausstrahlung, Tiefe und echter geistlicher Heimat.

Das klingt zunächst schmerzhaft. Aber es ist eine Entscheidung für die Zukunft, nicht gegen die Vergangenheit.

Pfingsten – „Da gibt’s doch gar keine Geschenke?“

Warum das vergessene Fest das größte Geschenk für die Christenheit ist

Wenn man Kinder oder auch Erwachsene fragt, welches christliche Fest sie am liebsten mögen, bekommt man schnell klare Antworten: Weihnachten, weil es Geschenke gibt. Ostern, weil der Frühling kommt – und vielleicht wegen der Auferstehung. Aber Pfingsten? Da wird meist gestutzt, gezögert. „Ach, da gibt’s doch gar nichts – keine Geschenke, kein großer Hype, kein Baum, kein Hase.“ Pfingsten scheint das Stiefkind unter den christlichen Festen zu sein.

Dabei ist Pfingsten eines der zentralen Ereignisse der ganzen Heilsgeschichte. Ohne Pfingsten gäbe es keine Kirche. Kein Evangelium in der Welt. Kein lebendiges Christentum. Kein Glaube, der Menschen bewegt und verwandelt. Pfingsten ist das Fest der Kraft – der Kraft des Heiligen Geistes.

Wir schauen einmal genauer hin: Was geschah damals? Was bedeutet das theologisch? Und warum ist es heute aktueller denn je?