für eine Kirche mit Zukunft

Gottesdienst

Frei-Predigen mit Mindmap

Eigentlich wollte ich es schon lange tun. Doch getraut habe ich es mich immer nicht, frei zu predigten. Es ist ein gutes Gefühl der Sicherheit eine gut formulierte Predigt vor sich liegen zu haben. Doch leider hält man sich dann viel zu sehr an dem Wortlaut, bleibt viel zu sehr am Konzept hängen. Die Predigt während des Haltens zu variieren, ist so nicht einfach, geschweige denn sich etwas locker dabei zu bewegen und mit den Menschen einen Dialog einzugehen. Sicher im Großen und Ganzen haben die Predigten schon die Menschen angesprochen. Das ergab zu mindestens der Rücklauf, aber frei zu predigen ist doch etwas anderes. Die Angst zu versagen, irgendwo hängen zu bleiben, hat mich davon abgehalten. Doch einige Bücher, die ich über das freie Predigen gelesen habe, haben mir dennoch Mut gemacht, es zu tun.

Seit Anfang 2011 bin ich in einer Weiterbildung Spirituelles Gemeindemanagement. Da wurde das Mindmapping vorgestellt. Für mich eigentlich nichts neues. Ich kenne die Methode mindestens seit 1994. Da war das Programm MindManager von Mindjet in einer der ersten Versionen noch auf einer Diskette. Mit Hilfe der Weiterbildung, und einiger Literatur über das Mindmapping wagte ich mich nun heran, meine erste Predigt mit Mindmap zu erstellen und zu halten. Sicher war es am Anfang erst einmal ungewohnt, statt einem ausgearbeiteten Konzept nur ein A3-Blatt mit ein paar Worten, Strichen und bunten Bildchen vor mir liegen zu haben. Aber es klappte.

Predigt zu Matthäus 7,24-27 mit Mindmap

Predigt zu Matthäus 7,24-27 mit Mindmap

Weiterlesen

“Das Angesicht Gottes” – Predigt zu 2. Mose 33,12-23 – 2. Stg. n. Epiphanias 2011

Christus der Weltenherrscher

Christus der Weltenherrscher

Liebe Gemeinde,

wer von euch hat nicht schon einmal in seinem Leben gebetet:

Lieber Gott, lass das und das geschehen oder lass das und das erfüllt werden, dann will ich dir ganz und gar vertrauen. Dann will ich an dich glauben und nicht mehr zweifeln.

Ich denke jeder von uns hat mehr oder weniger schon so einmal in seinem Leben gebetet. Wir wünschen uns doch alle irgendwie eine gewisse Sicherheit in unserem Glauben und einen direkte Verbindung mit Gott, das wir gewiss sind, dass Gott unser Gebet hört und erhört.

Dann fühlten wir uns ernst genommen und motiviert, den Weg des Glaubens weiter zu gehen.

So ähnlich ist es dem Mose ergangen, von dem wir heute hören. Er wünschte sich so eine intensive Gotteserfahrung, die ihm Sicherheit und Zuversicht gab, die ihn für seine weitere Arbeit motivierte. Gerade bei all seinem Tun, bei seinem Unterwegssein mit dem Volk Israel, bei seinem Auftrag das Volk Israel in das gelobt Land zu führen, brauche er ein Stück Sicherheit. Er braucht einen Halt. Von Gott hatte er zwar diese große Vision bekommen, das Volk in ein Land zu führen, in dem Milch und Honig fließt. Aber neben dieser großen Vision, brauchte er auch Motivation und Stärke für die alltäglichen Aufgaben, die manchmal recht ermüdend und entmutigend sein konnten. Besonders weil jeder an allem etwas zu meckern hatte.

Wir lesen aus dem 2. Buch Mose Kapitel 33, 12-23:

12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf!, und lässt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, wo du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden.

13 Hab ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so lass mich deinen Weg wissen, damit ich dich erkenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist.

14 Er sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.

15 Mose aber sprach zu ihm: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.

16 Denn woran soll erkannt werden, dass ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst, sodass ich und dein Volk erhoben werden vor allen Völkern, die auf dem Erdboden sind?

17 Der HERR sprach zu Mose: Auch das, was du jetzt gesagt hast, will ich tun; denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.

18 Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

21 Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.

22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin.

23 Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Christus der Weltenherscher

Christus der Weltenherscher

Mose fühlte sich irgendwie überfordert, dieses ganze Volk Israel zu führen und zu leiten. Gott hatte ihm zwar seinen Bruder Aaron und seine Schwester Mirijam zur Seite gestellt, diese beiden sollten ihn unterstützen das Volk zu führen. Aber diese hatten ja bei der Geschichte mit dem Goldenen Kalb gerade erst versagt, und selber eine ganze Menge Bockmist gebaut. Und die anderen Priester und Leviten hatten sich nicht als richtige Führungspersönlichkeiten gezeigt.

So fühlte sich Mose als Leiter und Führer des Volkes Israel einsam und allein, mit diesem großen Auftrag das Volk ins gelobte Land zu führen.

Interessant in diesem Kapitel ist, dass einen Vers vor dem Text, den wir gelesen haben, im Vers 11 mit Josua schon die nächste Generation der Leiter vorgestellt wird, aber Mose sieht sie noch nicht. Er fühlt sich einsam und allein. So tritt er vor Gott. Auf der anderen Seite stehen aber die Verheißungen Gottes an ihn: Gott will ihn führen.

Dabei ist mir ein Wort in diesen Verheißungen sehr wichtig geworden. Gott sagt zu Mose: „Ich will dich zur Ruhe leiten.“ Es wird deutlich, dass man mit Stress und Hektik nicht weit kommt, sondern in allem was man tut, braucht man Zeiten der Ruhe.

Wir Menschen sind keine Hochleistungsmaschinen, die 24 Stunden am Tage und 7 Tage in der Woche wirken können, sondern wir brauchen die Zeiten der Ruhe.

Als ein äußeres Zeichen der Zusage Gottes will Mose nun das Angesicht Gottes sehen. Und was tut Gott? ER lässt sich auf die Bitte von Mose ein, zumindestens teilweise.

Das Erste: Gott erneuert dem Mose seine Gnadenzusage: „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden und ich kennt dich bei deinem Namen!“

Wir dürfen eins wissen. Das was Gott hier dem Moses zusagt, gilt spätestens seit Jesus Christus auch für uns. Der große Gott kennt uns ganz persönlich und mit Namen. Wir sind bei Gott keine Nummer. Und das Jesus Christus als Kind in der Krippe auf diese Erde kam und dass er als Mann am Kreuz auf Golgatha starb ist. Krippe und Kreuz sind die großen Zeichen der Gnade Gottes, welches für jeden von uns jeden gelten.

Das Zweite: Und nun tritt Mose mit seiner Bitte vor Gott: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“

Was würden wir jetzt Gott bitten?

  • Mache mich wieder gesund, als Zeichen deiner Größe!“
  • Mache mich zum Millionär, als Zeichen deiner Allmacht!“
  • Oder was ..?

Würden unsere Bitten mehr auf unser Ich bezogen sein oder würden sie mehr auf unseren Auftrag, auf unsere Mission bezogen sein?

Bei Mose war es sein Auftrag. Man könnte die Bitte fortsetzen: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen, damit ich wieder motiviert bin, dein Volk in das gelobte Land zu führen, damit ich gestärkt bin deinen Auftrag auszuführen.

Mose bittet also: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Und Gott gibt sich dem Mose zu erkennen. Er erfüllt dessen Bitte. Doch sein Angesicht kann Mose aber nicht sehen, denn wie sagt Gott „denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“

Diese Erfahrung machte auch der Prophet Jesaja, als er ausrief: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ (Jesaja 6,5)

Wir Menschen können die Größe und Herrlichkeit Gottes nicht ertragen, wir würden vergehen. Die Heiligkeit Gottes macht es uns unmöglich ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Darum bietet Gott Mose einem Kompromiss an: „Hier auf dem Felsen, wo du stehst ist ein Felsspalt. Dahinein in diesen Felsspalt will ich dich stellen. Ich will dich mit meiner Hand schützen und wenn ich dann an diesem Felsspalt vorübergegangen bin, dann darfst du mir hinterher sehen.“

So ist es dann auch geschehen. Mose bekam neuen Mut und neue Kraft, das Volk weiter durch die Wüste zu führen.

Es wurden neue Gesetzestafeln gemacht. Die Alten hatte er ja wegen des Ungehorsames des Volkes zerschlagen.

Die Begegnung mit Gott hatte Mose verändert. Sie hat ihn dann so zum Strahlen gebracht, dass das Volk vor ihm fürchtete und man auf sein Gesicht sogar eine Decke legte.

Auch uns will Gott in der Begegnung mit ihm ermutigen. Im Gegensatz zu Mose können wir das Angesicht Gottes sehen. Seit der Vorhang im Tempel zerrissen ist, haben wir einen freien Zugang zu Gott. Seitdem hat das Angesicht Gottes für uns ein Gesicht. Es ist Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene. Das Gesicht Gottes ist mit einer Dornenkrone bekrönt und mit Leidensstriemen durchzogen. Jesus spricht uns heute an: „Das tat ich für dich! Was tust du für mich?“ In Jesus Christus sehen wir das Angesicht des lebendigen Gottes. Es ist das Angesicht des leidenden und des liebenden Gottes. Des Gottes, der sich dem Schwachen und des Armen zuwendet.

Es ist das Angesicht Gottes, der die Traurigen tröstet, die Lahmen vor Freude springen lässt und die Blinden sehend macht.

Es ist das Angesicht Gottes, der die Hungrigen satt macht und die Armen reich.

Es ist das Angesicht Gottes, der den Schwachen stark macht, den Kranken aufrichtet, den Ausgestoßenen annimmmt und den Verachteten liebt.

Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringen wird, wir wissen nicht was der morgige Tag bringen wird. Die Zukunft wird ein Rätsel bleiben. Und selbst die, die die an so etwas wie Sternbilder glauben, können nicht mehr sicher sein, den wie schreibt die Bildzeitung gestern: Die Erde eiert und darum sind alle Horoskope falsch.“

Nun Gott sei Dank brauchen wir das nicht, denn uns gilt die Zusage, die Gott dem Mose gegeben hat: „Mein Angesicht soll vorangehen!“

Verlassen wir uns in Zukunft auf Gottes Angesicht in Jesus Christus und lassen uns von ihm leiten. Amen

Vom Geben zum Segen und Loben – Predigt zum Erntedankfest 2010 – 2. Korinther 9,6-15

Erntedank 2010 Fraureuth

Erntedank 2010 Fraureuth

Liebe Kinder, liebe Gemeinde,
wir feiern heute das Erntedankfest. Wir danken Gott, dass wir genug zu essen und zu trinken haben. Wir danken Gott, dass wir Brot haben.
Haben wir uns schon einmal überlegt, wie bei uns heute Brot entsteht.
Ich habe hier einmal ein Roggenbrot mitgebracht. Und ich habe hier Roggenkörner mitgebracht. Es sind nur wenige. Diese Handvoll Körner reichen nicht, dass daraus ein Brot wird. Es wird höchstens ein Brötchen daraus.

Damit es mehr Körner werden ist es darum wichtig,

  • dass der Bauer die Körner in die Erde sät
  • er muss sie pflegen und muss viele Monate warten bis die Ähren reif sind
  • dann muss er sie ernten und dreschen.

Dann kommen die Körner in die Mühle und werden dort zu Mehl gemahlen.
Anschließend kommt das Mehl in die Bäckerei dort wird mit einigen Zusätzen wie Wasser, Hefe und Salz das Brot gebacken. Das können wir dann kaufen und essen.
Es dauert also eine lange Zeit und viele Menschen sind beteiligt, ehe aus den Körnern ein Brot wird.
Und nun sind wir heute hier Gott für die Körner und das Brot zu danken. Wir sind heute hier Gott für die vielen Gaben unseres Lebens zu danken.
Und wir werden heute auch daran erinnert, dass wir nicht allein auf dieser Erde leben, sondern dass auch andere Menschen gib. Menschen, die unsere Hilfe und unseren Beistand brauchen. Und Menschen, die auch uns beistehen. Dazu will uns der Apostel Paulus erinnern und ermutigen, wenn er schreibt:

2. Korinther 9,6-15
6 Denkt daran: Wer wenig sät, wird auch wenig ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten.’
7 Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt.
8 Er hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.
9 In der Schrift heißt es ja ´von dem, der in Ehrfurcht vor Gott lebt`: »Er teilt mit vollen Händen aus und beschenkt die Bedürftigen; das Gute, das er tut, hat für immer Bestand.«
10 Derselbe ´Gott`, der dafür sorgt, dass es dem Bauern nicht an Saat zum Aussäen fehlt und dass es Brot zu essen gibt, der wird auch euch mit Samen für die Aussaat versehen und dafür sorgen, dass sich die ausgestreute Saat vermehrt und dass das Gute, das ihr tut, Früchte trägt.
11 Er wird euch in jeder Hinsicht so reich beschenken, dass ihr jederzeit großzügig und uneigennützig geben könnt. Und wenn wir dann eure Spende überbringen, werden die, die sie empfangen, Gott danken.
12 Ihr seht also: Dieser Dienst, der zur Ehre Gottes getan wird, trägt nicht nur dazu bei, die Nöte der Gläubigen in Jerusalem zu lindern, sondern bewirkt noch weit mehr, indem er zu vielfachem Dank gegenüber Gott führt.
13 Euer Einsatz bei diesem Projekt zeigt, dass ihr in eurem Glauben bewährt seid, und dafür werden die, denen ihr dient, Gott preisen. Sie werden ihn dafür preisen, dass ihr euer Bekenntnis zum Evangelium von Christus ernst nehmt und eure Verbundenheit mit ihnen und allen anderen auf eine so großzügige und uneigennützige Weise zum Ausdruck bringt.
14 Und wenn sie für euch beten, werden sie das voll Sehnsucht nach euch tun, weil Gott seine Gnade in so reichem Maß über euch ausgeschüttet hat.
15 Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!

Von Gott lernen, müssen wir das wirklich?
In der Schule kann man lernen – die meisten von den Kindern sind sicher froh, dass erst einmal Ferien sind und man nicht lernen muss.

Von Gott lernen großzügig zu sein!
Es sagt der Apostel Paulus, dass wir von Gott lernen sollen. Wir sollen von Gott lernen so großzügig zu sein wie er. Wir sollen so großzügig sein, wie Gott mit uns großzügig ist. Wie er uns seine ganze Liebe und seine Barmherzigkeit schenkt.

Liebe Gemeinde,
gerade das Bild vom großzügigen Geben findet sich auch im modernen Unternehmensmanagement wieder. Geht es einem Unternehmen wirtschaftlich schlecht, ist man meistens zuerst geneigt in der Werbung und im Personal zu sparen.
Interessant ist, dass viele Unternehmensberater heute sagen, dass das genau der falsche Weg ist. Sicher sollte man die Werbung überarbeiten und falsche Werbung einstellen, aber man muss sie gerade dann auch intensivieren. Und gutes Personal sollte man solange wie möglich halten, denn wenn es wirtschaftlich wieder besser geht, kann es recht teuer sein neues Personal wieder einzustellen und einzuarbeiten. Wir wissen ja um den Fachkräftemangel in der Wirtschaft.
Vielleicht hinkt diese Bild etwas, aber wie oft machen wir doch auch im eigenem Leben die Erfahrung, wenn wir zu sparsam sind im Abgeben, wird es auch recht sparsam sein im Wiederbekommen., im Nehmen. Es ist wirklich so.
Wer nicht bereit ist zu geben, wird auch keinen Segen empfangen.
Dazu sind mir zwei kleine Geschichten begegnet, über die ich schmunzeln musste.
Die erste Geschichte illustriert, wie knausrig Menschen sein können:
Erwin und Martha gehen seit fast 20 Jahren jedes Jahr nach Nobitz zu Flugshow. Erwin sagt zu Martha: „Martha ich würde gern einmal mit dem Flieger fliegen. Martha sagt darauf. „Aber das kostet 50 Euro – und 50 Euro sind 50 Euro.“Erwin darauf: Aber ich werde bald 75 Jahre. Dann kann ich es vielleicht nicht mehr. Martha noch einmal: „Aber das kostet 50 Euro – und 50 Euro sind 50 Euro.“
Das hörte ein Pilot. Er sagt: „In Ordnung Leute, ich mache mit euch einen Deal. Wenn ihr beim Fliegen nicht schreit, dann ist der Flug kostenlos, aber wenn einer schreit bekomme ich 50 Euro.
Sie vereinbarten es und flogen los. Der Pilot machte alle möglichen Arten von Drehungen und Wendungen, Bögen und Saltos, aber kein Wort war zu hören. Er flog noch ein zweites Mal, immer noch nichts … so landete er.
Er wandte sich an Erwin, als sie gelandet waren und sagte:”Das kann doch nicht wahr sein, das keiner bei den vielen Wendungen und Schleifen nichts gesagt hat.”Und Erwin antwortete: “Ich wollte ja etwas sagen, als Martha herausfiel… aber 50 Euro sind 50 Euro.
Eine zweite kleine Geschichte zeigt, dass man mit weniger manchmal bescheidener ist als mit viel:
Ein junger Mann ging zu seinem Pfarrer um mit ihm über seine berufliche Karriere zu beten und Gott um seinen Segen zu bitten. Er verdiente in der Woche 40 Euro und war bereit immer 4 Euro als Zehnten abzugeben. Das tat er auch. Nach ein paar Jahren hatte er dann einen Zehnten von 500 Euro pro Woche. Das war ihm doch zu viel immer so viel zu geben. So ging er zum Pfarrer und fragte ihn, ob er denn von seiner Zusage mit dem Zehnten Abstand nehmen könnte und ob Gott dennoch seine Karriere segnen würde. Da sagte der Pfarrer: „Eigentlich nicht. Aber wir können etwas anderes tun. Wir können Gott bitten, dass er ihr Einkommen auf 40 Euro in der Woche reduziert, denn bei 4 Euro hatten sie kein Problem mit dem Zehnten.“
Im Evangelium und in der Sprechmotette und auch in den beiden Kurzgeschichten haben wir gehört, wie das aussieht, wenn man sein Leben immer nur auf sich selber bezieht. Wenn die wichtigste Aussage im Leben heißt: „Ich möchte haben!“ Dann kann eines Tages die Antwort lauten: „Du Narr!“ Das ist hart, aber es ist so.
Ist man dann nicht wirklich ein Narr, wenn man nur alles auf sich selbst bezieht und den anderen vergisst, wenn man selber zum Raffke wird, zum Menschen, der sich selbst in dem Mittelpunkt stellt.
Was sagt nun der Apostel Paulus:
„Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt. Er hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.“
Also es ist sicher jedem seine ganz persönliche Entscheidung, wie viel und was er gibt. Aber er sollte dann auch dazu stehen. Das sagt hier auch der Apostel. Doch er macht uns aber auch sogleich deutlich, dass Gott uns alle liebt. Er macht uns deutlich, das Gott, der Geber aller guten Gaben ist, wie wir es auch in den Erntedankliedern singen. Und Gott liebt besonders die, die fröhlich geben. Denen hat er seinen Segen verheißen. Denen hat er verheißen, dass sie das Leben in Fülle haben. Eine wundervolle Zusage. Diese Zusage gilt auch uns heute.
Der Apostel Paulus ermutigt die Gemeinde in Korinth damals für die mittlerweile verarmte Gemeinde in Jerusalem ein Opfer zu bringen. Ein Opfer als Zeichen der Verbundenheit als Zeichen der Gemeinschaft, der Zusammengehörigkeit.
Genau das zeichnet auch das Miteinander in der christlichen Gemeinde aus. Füreinander da sein, wenn der andere meine Hilfe und meinen Beistand braucht. Darin liegt auch die Segenszusage Gottes: „Wer bereit ist mit offenem Herzen zu geben, dem hat Gott auch seinen Segen verheißen.“
Gottes Segen wirkt im Weitergeben. Bei denen, die weitergeben und bei denen, die die gaben empfangen. Es entsteht eine Gemeinschaft zwischen Gebenden und Empfangenden. Und da heraus entsteht Dank und Lob Gott gegenüber. Am Ende können wir dann mit Paulus sagen:
„Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!
Das wünsche ich euch allen für den heutigen Erntedanktag und für alle Tage eures Lebens, dass ihr immer Grund findet Gott zu loben und zu danken. Amen

Jesus Christus- gestern und heute und in Ewigkeit – wie gewiss bin ich meines Glaubens? – Predigt zu 2. Timotheus 1,6-10

abendmahlLiebe Gemeinde,
seit einiger Zeit schickt mir jemand einmal in der Woche eine Email, – eine Minimutmacher – ein Gotteswort mit einer kurzen Auslegung, welches mir für den Alltag Mut machen soll.
Heute hören wir auch einen Mutmacher. Da schreibt einer aus dem Knast an seinen jugendlichen Freund. Und das ist eine gute fest Freundschaft, denn er schreibt vor dem Mutmacher folgendes: „Und wenn ich daran zurückdenke, wie du ´bei unserem Abschied` geweint hast, sehne ich mich danach, dich wieder zu sehen. Was wäre das für eine Freude!“Da wird eine tiefe Freundschaft spürbar.
Nun einander sehen ist jetzt nicht möglich. Doch der ältere kann dem Jugendlichen Mut machen, Mut machen für sein Leben als Christ, Mut machen für seinen Dienst als Gemeindeleiter.
Und auch uns will dieses Wort für unseren Alltag Mut machen und unseres Heiles gewiss machen:

Wir lesen aus dem 2. Timotheus 1,6 – 10:
6 Aus diesem Grund erinnere ich dich an die Gabe, die Gott dir in seiner Gnade geschenkt hat, als ich dir die Hände auflegte. Lass sie zur vollen Entfaltung kommen!
7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
8 Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, und schäme dich auch nicht, zu mir zu stehen, nur weil ich ein Gefangener bin – ich bin es ja um seinetwillen! Sei vielmehr auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben.
9 Er ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken,
10 und das ist jetzt, wo Jesus Christus ´in dieser Welt` erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat den Tod entmachtet und hat uns das Leben gebracht, das unvergänglich ist.

Liebe Gemeinde,
wie sicher sind Sie ihres Heils?
Wir Christen, egal, wie alt wir sind, brauchen Heilsgewissheit. Wir brauchen die Gewissheit, dass wir von Gott geliebt sind, von ihn angenommen sind, Anteil an seinem Reich haben oder salopp gesagt, dass wir in den Himmel kommen.
Wir brauchen das, was wir vielleicht auch als Kinder immer gebetet haben: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“
Vielleicht habt ihr auch schon solche Momente im Leben erlebt, Zeiten der Krise, der Krankheit, wo ihr körperlich schwach seid: Da kommen dann auch die Zweifel: „Bin ich gerettet? Habe ich noch eine Sünde, die ich beichten muss? Wenn ich sterben muss, kann ich da meines Heils gewiss sein?“
Nun die Bibel – Gottes Wort, macht über die Heilsgewissheit klare Aussagen. Nach dem Wort Gottes kann man nicht nur von dieser Gewissheit singen, nein wir können von ihr aus ganzem Herzen singen: „Seliges Wissen Jesus ist mein!“ – Über das Lied habe ich ja erst vor kurzen gepredigt.
Das Wort Gottes hat zur Heilgewissheit klare Aussagen.

1. Die Heilsgewissheit ist nicht von unserem Gefühl abhängig
Unsere menschliche Natur trifft gern die Entscheidungen und Urteile nach dem Gefühl. Und oft liegen wir sogar damit richtig. Wenn man ein gutes Gefühl hat, dann muss es ja in Ordnung sein. Wenn das, was man tut Freude bringt, dann ist es richtig.
Emotionen und Gefühle sind es oft, die unseren Tag bestimmen. Wenn man Stress und Belastungen erfährt, verletzt wird, durch Konflikte muss und mit Problemen überschüttet wird, dann kann man frustriert werden und aufgeben. Aber wenn der Tag von der Hand geht, man extra Geld macht und sich wohlfühlt, dann ist es ein guter Tag.
Sicher spielen Emotionen und Gefühle eine große Rolle im Leben. Gott hat sie uns ja auch geschenkt. Doch wir müssen lernen sie in das große Bild des Lebens einzuordnen und uns auf dieses zu konzentrieren. Eben, wenn man schwach oder krank ist oder in eine Krise gerät, nicht in Panik zu verfallen, sondern sich dessen gewiss machen, dass Jesus bei uns ist, in den guten und in den schlechten Seiten.
Als Jugendlicher habe ich oft kleine Traktate von Campus für Christus bekommen. Da ist mir ein Bild aus diesen Traktaten auch heute noch sehr eindrücklich. Es ist von Bill Bright, dem Gründer von Campus für Christus.
Es ist ein Zug, welcher unsere christliche Heilsgewissheit beschreibt.
Da ist die Lokomotive – das Wort Gottes. Das ist das Entscheidende: Gottes Wort mit seinen Zusagen, mit der Zusage des Heils.
Danach kommt der Kohlenwagen: – der Glaube an Gott und an sein Wort, an seine Zusagen. Da heraus erfahren wir die Kraft zum Leben.
Als drittes kommt der Anhänger – das Gefühl. So ein Zug kann mit und ohne Anhänger fahren. Das Gefühl ist an dieser Stelle nicht maßgeblich für unsere Heilgewissheit. Es hat keine Kraft den Lebenszug zu ziehen.
Allein das Wort Gottes und der Glaube schaffen Gewissheit des Heils.

2. Heilsgewissheit durch den Glauben.
Was glauben die Menschen nicht alles? Denkt einmal zurück an die vergangene Woche und an die Menschen, die euch da begegnet sind. Was glauben denn diese Menschen?
Vielleicht haben sie sich auch diese Frage gestellt, wie ein Bekannter von mir: „Wie lange es dauern mag, bis die heutigen Religionen die Mythologien von morgen sind?“
Oder wer glaubt denn, dass alles, was die Bild-Zeitung schreibt, wahr ist?
Es ist nicht einfach zu glauben. Manchmal weigern sich sogar die Menschen an Dinge zu glauben, obwohl es dafür handfeste Beweise gibt. Als man den Kontinent Australien entdeckte, fand man ein Säugetier, welches Eier legte, und im Wasser und auf dem Land. Es hatte einen breiten flachen Schwanz. Schwimmhäute an den Füßen und es ähnelte einer Ente. Nachdem die Entdecker nach England zurückkehrten, erzählten sie davon ihren Mitmenschen. Doch die dachten es ist ein Scherz. Selbst als man das nächstemal einen Pelz von diesem Tier mitbrachte, glaubte es keiner.
Nebenbei dieses Tier heißt Duckbill Platypus.
Glaube beinhaltet eine Entscheidung – Gott hat uns einen freien Willen gegeben – entweder zu ihm ja zu sagen oder nein.
Wie schreibt es Paulus an die Epheser: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“
Unser Glaube und unser Vertrauen auf Gott bewirken die Gewissheit des Heils.

3. Heilsgewissheit durch Hingabe
Im 8 Vers des Predigttextes ermutigt der Apostel den Timotheus: „Bekenne dich daher ohne Scheu zu unserem Herrn, und schäme dich auch nicht, zu mir zu stehen, nur weil ich ein Gefangener bin – ich bin es ja um seinetwillen! Sei vielmehr auch du bereit, für das Evangelium zu leiden. Gott wird dir die nötige Kraft geben.“
Heilsgewissheit ist auch abhängig davon, ob und wie ich mich für meinen Herrn einsetze. Um geistlich fit zu sein, ist auch ein tägliches Training des Gehorsams und Gottvertrauen erforderlich.
Wenn ich mal beim Trampolin-Schwingen zwei Tage ausgesetzt habe, dann fällt es mir schon wieder schwerer weiter zu machen. Dann gibt es auch da und dort etwas Muskelkater.
Und so ist es auch bei der Frage der Hingabe. Suche ich täglich die Nähe meines Herrn, lese ich täglich Gottes Wort und lasse ich mein Leben von ihm bestimmen oder lebe ich mein Leben nach meinem Gutdünken und bestimme es selber?
Heilsgewissheit heißt auf dem Weg zu sein, auf dem Weg des Glaubens, einen Schritt an den anderen im Vertrauen, dass Gott uns führt und immer auf ihn blicken.

4. Heilsgewissheit ist das Annehmen der Einladung Jesu
Jesus lädt jeden Menschen zu einer ganz persönlichen Beziehung ein. Paulus schreibt dazu:
Jesus ist es ja auch, der uns gerettet und dazu berufen hat, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken, und das ist jetzt, wo Jesus Christus ´in dieser Welt` erschienen ist, Wirklichkeit geworden. Er, unser Retter, hat den Tod entmachtet und hat uns das Leben gebracht, das unvergänglich ist.
Jetzt liegt es an uns diese Einladung anzunehmen.
Nicht immer wird es leichte und einfache Zeiten in unserem Leben geben. Manchmal kann es richtig schwer sein, und tief nach unten gehen, manchmal kann auch unser Glaube angekratzt sein. Manchmal kann es auch ins Gefängnis gehen, wie eben bei Paulus. Manchmal können uns Gewitter und Stürme des Lebens bedrohen. Doch Jesus kommt zu uns und will uns die Gewissheit des Heils schenken: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Ich werde dich nie verlassen oder in Stich lassen.
Dessen dürfen wir gewiss sein.
Amen.

gehalten am 19.09.2010 in der Kirche Fraureuth – 16. Stg. n.Trinitatis

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens

Konfirmation 2010

Konfirmation 2010

Predigt zur Konfirmation – Pfingsten 2010 – 1. Tim . 6,11-16

Liebe Konfirmanden, liebe Konfirmandeneltern, liebe Gäste, liebe Gemeinde,

wir feiern heute Konfirmation. Da denkt vielleicht niemand von uns unbedingt daran, was in zwei Wochen beginnt.

Obwohl wir jeden Tag ja fast jede Stunde immer wieder darauf hingewiesen und auch vorbereitet werden werden.

Wir werden so darauf vorbereitet, als ob es an uns läge, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird oder nicht, ob es daran läge, was und wie viel wir dafür einkaufen und sammeln. Einigen Tagen bin ich z.B. stolzer Besitzer eines Sammelalbums, wo man Kärtchen von allen Spielern sammeln kann, die man bekommt, wenn man genug eingekauft hat.

Es wird fast übersehen, dass es doch nicht an uns, sondern an einigen Sportlern liegt, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird, oder wenigstens Gruppenerster der Gruppe D. Ja und dass, sich diese Sportler auch sehr intensiv darauf vorzubereiten haben. Weiterlesen

Jesus und der blaue Vogel

Warum Christen und besonders Seelsorger twittern sollten?

Jesus und der blaue Vogel

Predigt zum Konfirmandenabendmahl Pfingstsonnabend 19:30 Uhr Kirche Fraureuth
Matthäus 9:9-13

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde,
ich habe euch heute einmal das Bild eines Blauen Vogels mit gebracht. Der blaue Vogel ist Symbol für eine ganz moderne Entwicklung der Kommunikation von Menschen in unserer Welt.Seit etwa 5 Jahren hat sich in der Welt des Internets eine und des Handys eine Kommunikationsform entwickelt, die man Soziale Medien nennt. Dabei spielen auch sogenannte Netzwerke eine große Rolle. Schüler sind da oft Mitglied bei SchüerVZ , Stundenden bei StudiVZ, Unternehmer bei XING, andere bei MyVideo und noch vieles mehr. Auch für Pfarrer und Theologen gibt es so etwas. Doch das am weitesten verbreitete Netzwerk, wo fast alle Generationen vorkommen ist Facebook. Ich weiß, dass da aus Fraureuth Leute zwischen 12 und 70 zu finden sind und nicht wenige.

Aber mir geht es heute um ein besonderes Netzwerk, wo vielleicht nicht so viel Jugendliche dabei sind. Die meisten, die man da findet, sind etwa 25 bis 60. Mir geht es heute um Twitter. Deswegen habe ich den blauen Vogel mitgebracht. Wenn man bei Twitter ein Konto eröffnet und sich angemeldet hat, da wird die Frage gestellt: Was gibt es neues?

Und nun kann man das mit bis zu 140 Zeichen erzählen. Doch wer will es hören besser lesen, eigentlich niemand. Denn sie fehlen noch – die Followers – die Nachfolger. Wie bekommt man die?

Der erste Schritt man geht auf andere hin und wird selber bei denen ein Follower – Dann heißt es langsam auf der Seite wo Following steht 1 -2 -3 usw.
Nun ich will jetzt keine Vorlesung über Twitter halten.

Als zweites kann man andere einladen, dass sie einem nachfolgen.

Warum erzähle ich euch das heute am Vorabend der Konfirmation? Da könnte man doch über viel geistlichere Dinge als Twitter sprechen.
Nun ich muss euch sagen, so ungeistlich ist hier Twitter gar nicht. Hier passiert etwas, was vor fast 200 Jahren bei Jesus auch schon passiert ist. Und Tobias wird uns einmal die Geschichte vorlesen:

Matthäus 9:9-13

Jesu Gemeinschaft mit Zolleinnehmern und Sündern

9 Als Jesus weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen Mann sitzen; er hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

10 Später war Jesus im Haus ´des Matthäus` zu Gast. Viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, waren gekommen und nahmen zusammen mit ihm und seinen Jüngern an dem Essen teil.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu den Jüngern: »Wie kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

12 Jesus hörte das und erwiderte: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.«

Das war Twitter etwa im Jahre 25. Jesus sagte zu Matthäus: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

Stellt euch mal vor, wie hier Jesus mit Menschen umgeht. Ganz anders als man es von einem Frommen erwartet. Da beginnt er neue Freundschaften aufzubauen. Freundschaften mit Menschen, die man normalerweise meidet. Auch wir kennen alle solche Menschen: Mit dem will ich nichts zu tun haben, bleib mir von der Pelle.

Also der Matthäus, das war so einer mit dem wollte ein frommer Rabbiner nichts zu tun haben. Von den meisten Juden wurde der Zöllner verachtet. Schon einfach der Berufsstand assoziiert, dass der ein Betrüger und Kollaborateur sein muss. Komisch auch heute gibt es solche Berufe, aber auf der anderen Seite brauchen wir sie.

Ihr wisst alle um das hässliche Tucholsky-Zitat: „Soldaten sind Mörder“ und doch brauchen wir sie in unserer Gesellschaft – die Soldaten – und wir wissen auch wie viele Christen ein gespaltenes Verhältnis zur Bundeswehr haben. Natürlich ist das nicht einfach – wenn dann wie ich es erlebe wie ein Großneffe in der Einheit in Afghanistan ist, wo am Karfreitag 3 Soldaten ums Leben kommen.

Und immer wieder haben wir Situationen im Leben, wo uns Menschen begegnen, die Außenseiter sind – oder sind wir der Außenseiter – das werdet ihr als Konfirmanden in eurem Leben noch oft erleben – und eure Eltern, eure Paten und Großeltern haben das auch oft erlebt. Wie geht man nun miteinander um?

Hält man sich an die Masse und tut, was man tut, was die Masse tut. Wenn die Masse einen links liegen lässt, lasse ich ihn auch liegen, oder tue ich es anders.

Bei Twitter muss ich mich entscheiden, ob ich jemanden nachfolge. Ja ich kann sogar jemanden ablehnen, dass er mir nachfolgt. Es gibt auch schon Programme, die automatisch mich dem anderen nachfolgen lassen, wenn er mir nachfolgt, aber das ist nicht gut.

Manchmal folgen dann auch gewisse Damen nach, in der Hoffnung, dass man ihnen nachfolgt. Da ist es gut, dass man blocken kann.

Nun kommt Jesus die Straße herunter und trifft den verachtetet Zöllner Matthäus „Der ist doch das letzte“. Normalerweise macht man um solche Menschen einen großen Bogen.

Doch Jesus geht direkt auf ihn zu und sagt kurz und knapp: Folge mir nach!. Nicht mehr und nicht weniger.

wir hören hier nichts von Buße, von umkehr, von Vergebung, von Schuld, von Gnade, von Reue – von all diesen uns so geläufigen christlichen Bekehrungsbegriffen – nichts.

Nur: – Folge mir nach! Und was macht Matthäus? Er tut’s Er folgt Jesus nach, ohne wenn und aber, ohne Fragen. Eigentlich verwunderlich. Würden wir nicht erst noch so viele Fragen haben?

Vielleicht sind die Fragen, die wir haben gar nicht so von entscheidender Bedeutung, sondern bei Matthäus wird deutlich, was bei einem Menschen wirkliche Bedeutung hat, damit er auf einen anderen Menschen hört und bereit ist sein Leben zu ändern.

Jesus hatte mit seinen drei Worten: 2 Folge mir nach!“ dem Matthäus deutlich gemacht: „Ich habe wirklich existenzielles Interesse an dir.“

Manchmal erlebt man es, das Menschen unheimlich viel Worte machen – aber am Ende kommt nicht raus, weil sie einen mit den vielen Worten doch nur loswerden wollenen.

Dieser Matthäus – so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war – wurde zu einem der zwölf Jünger Jesu und zum Autor des Matthäusevangeliums.

Aber so unspektakulär nüchtern die Begegnung mit Jesus war, so radikal war sie auch.

Wie geht es weiter. Er lässt alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Seine Kehrtwende ist radikal. Sie kostet ihm alles. Sie kostet ihm seinen Job, seine bisherige Existenz, seine berufliche und familiäre Sicherheit. Und doch spürt er es – ich muss es tun. Und er tut es. Er folgt Jesus nach.

Und was tut er noch – er lädt seine Kumpels zu einer Party ein. Isst und trinkt mit ihnen, hat mit ihnen Tischgemeinschaft. Aber nicht nur das. Sondern er lädt auch Jesus und seine Jünger mit ein.

Aber das darf doch nicht wahr sein, dass der Jesus nun zu dem Matthäus geht, das war ja noch mit ach und krach zu verkraften, aber dass er jetzt noch sich mit den Typen an den Tisch setzt und auch noch seine Jünger dazu, das ist doch irgendwie zu viel.

Die Pharisäer haben es natürlich so gemacht, wie man es immer macht, wenn man feige ist. Sie haben nicht Jesus direkt gefragt, sondern indirekt seine Jünger: »Wie

kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

Nun Jesus lässt es sich nicht nehmen und antwortet direkt:

»Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Und genau das ist Gemeinde, das ist christliche Gemeinde, das sind wir, das sind wir heute Abend, aber auch morgen im Konfirmationsgottesdienst. Bei der Vorbereitung des Konfirmandenabendmahles ist mir dazu ein Satz von Morton Kelsey hängen geblieben: „Die Kirche ist kein Museum für Heilige, sondern ein Krankenhaus für Sünder.“

Genau das meint Jesus. Dass die Wirklichkeit oft anders ist, dass Kirche oft mehr Museum ist, oder gar Krankheit verstärkt erfahren wir leider auch – aber das ist nicht im Sinne des Gründers. – Die Konfirmanden möchte ich nur an den Kurzfilm von der Konfifreizeit erinnern.

Darum gilt es auch uns gerade wenn wir uns am Tisch des Herrn versammeln auch die Zusage Jesu: „ Ich bin gekommen zu rufen die Sünder an den Tisch der Barmherzigkeit.“

Folge mir nach! – dieses Wort Jesu gilt jeden Menschen und jeden der kommen will, den dürfen wir nicht ausschließen, sondern einladen.

So wie man sich bei Twitter bemüht viele Followers zu haben, sollten wir uns auch bemühen, dass Jesus sie durch uns hat und das wir auch selber das tun. Und das wir es gemeinsam tun, darum auch Tischgemeinschaft darum auch Abendmahl. Amen

Predigt – Sonntag Misericordias Domini 2010 – 1.Petrus 2, 21b-25: Jesus nachfolgen – lohnt sich das?

abendmahl

Abendmahl

Abendmahl

Liebe Gemeinde,

eines der ältesten Bücher zum Thema Nachfolge außer der Bibel selbst, welches auch noch heute gelesen wird, ist das Buch Nachfolge Christi von Thomas von Kemten.

Er hat es zwischen 1424 und 1427 in lateinischer Sprache herausgegeben und 1438 in deutsche Sprache.

Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1975. Das hatte ich mir als Jugendlicher gekauft und ich gebe es zu, habe aber nicht viel in dem Buch gelesen. Als Jugendlicher hatte ich da sicher anderer Interessen, und dann ist es in meinem Bücherregal verschwunden. Es ist immer mal wieder aufgetaucht, aber doch nur sporadisch gelesen worden.

Dabei ist das Buch in seiner Sprache vielleicht veraltet, aber in seinem Inhalt noch ganz aktuell, wen es über die Nachfolge Christi schreibt.

Und dieses Buch macht von Anfang an deutlich, dass echte Nachfolge eine große Herausforderung ist. Schon die Überschrift des ersten Kapitel im ersten Buch macht es uns deutlich, wenn Thomas von Kempen schreibt:

„Folge Christus nach und lerne verschmähen, was vergänglich ist“

Nachfolge ist eben nicht nur ein bisschen an Jesus denken und ihn als guten Freund oder Kumpel zu haben. Nein dafür ist sein Sterben am Kreuz und seine Auferstehung viel zu wertvoll.

Das macht uns auch der Apostel Petrus deutlich, der in seinem 1. Brief Kapitel 2, 21b-25 folgendes schreibt:

Ihr Lieben,

habt ihr schon einmal probiert in die Fußstapfen des anderen zu treten und ihm nachzugehen.

Als Kind hat man das sicher schon einmal probiert in den Fußstapfen der Erwachsenen zu treten. Doch das war ein schwieriges Unterfangen, denn die Erwachsenen hatten einen großen Schritt und da musste man sich ja richtig anstrengen, das zu schaffen.

Oder bei einer Bergwanderung muss man wenn es über besonders enge Pässe geht, genau auf die Stellen treten, wo der Bergführer hintritt. Er kennt sich hier aus und weiß, wo die richtigen Trittstellen sind. Und wenn man da nicht genau aufpasst, da kann man ganz schnell abstürzen.

Wenn Petrus hier von den Fußstapfen Christi schreibt, denen wir nachfolgen sollen, dann ist das für uns eine ungeheure Herausforderung und verlangt von uns die ganze Konzentration im Leben als Christen. Jesus Christus kann man nicht nebenbei nachfolgen und gleichzeitig noch soviel anderes tun.

Unsere moderne Gesellschaft macht uns zu sogenannten Multitasking-Menschen. Das heißt man wird herausgefordert mehreres gleichzeitig zu tun.

Es ist doch heute fast normal, dass da vieles gleichzeitig tut. Da macht man am Schreibtisch eine Arbeit, gleichzeitig wird telefoniert, dann werden mal schnell zwischendurch die Emails gelesen, man schreibt eine kurze Meldung in Twitter oder Facebook, vielleicht isst man noch eine Schnitte und trinkt eine Tasse Kaffee, führt noch ein Gespräch mit einem anderen, ja und dann läuft da noch das Radio oder sogar der Fernsehen oder man schaut sich nur schnell eine Webseite oder ein Video im Internet an.

Da wird uns schon klar, dass man da nirgendwo 100% bei der Sache ist. Ihr könnt mir glauben, ich weiß wovon ich rede.

Und bei manchen Menschen ist das mit der Nachfolge Christi so. Sie ist da eines unter vielen. Und das geht auch 100% schief.

Nein, die Nachfolge Christi ist eine totale Herausforderung. Wir werden aufgefordert so zu leben, wie Jesus gelebt hat.

Es sind vier Punkte, die Petrus hier aufzählt.

1.Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Das ist unmöglich, wird jetzt mancher sagen, oder wenn er es nicht ausspricht, dann wenigsten innerlich denken. Genau an diesen vier Punkten wird deutlich, unter welcher Herausforderung wir als Christen stehen, wenn wir den Fußstapfen Christi nachgehen.

Ich möchte mit euch über die vier Punkte im Einzelnen nachdenken:

1. Jesus lebte ohne Sünde – darum sei auch Du ohne Sünde – lebe rein.

Jesus lebte ohne Sünde, das ist eine der Kernaussagen der Bibel. Und doch ist das für viele Menschen nicht vorstellbar. Für Nikos Kazantzakis war das 1951 Veranlassung für einen Roman, wo er das Leben Jesus aus seiner Sicht beschrieb. Der Roman hatte den Titel „Die letzte Versuchung“. Den meisten ist da eher, der Film aus dem Jahre 1988 bekannt. Er beschreibt da Jesus als einen als Zweifelnder und mit seinem Schicksal Hadernder gezeichnet, der sich verschiedenen Versuchungen ausgesetzt sieht. Bis hin dass er fast der Versuchung nachgibt nicht als Messias zu sterben. Das Roman und Film kontroverse Diskussionen ausgelöst haben, könnt ihr euch sicher vorstellen. Bis hin dass der Roman auf dem Index der verbotenen Bücher stand.

Aber genau das ist es auch, was viele unserer Mitmenschen denken. Doch die Bibel sagt etwas anderes. Im Hebräerbrief Kapitel 4, 15 lesen wir:

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“

Ja auch Jesus wurde versucht, doch er hat den Versuchungen widerstanden.

Nun in der Nachfolge werden wir jetzt herausgefordert, ohne Sünde zu leben und den Versuchungen zu widerstehen.

Das ist unmöglich werden wir sagen. Ja aus menschlicher Sicht ist es wirklich unmöglich.

Wie schwer fällt es uns schon der Versuchung nach einem leckeren Stück Torte oder auch mehrerer zu widerstehen, die den Zeiger der Körperwaage wieder nach oben schnellen lassen.

Dabei ist das Leben ohne Sünde mit unserem Denken, Sprechen und Handeln der Index für unsere Nachfolge.

Thomas von Kempten schreibt dazu: Lieber Bruder! Nichts, nichts soll dir die Zuversicht aus dem Herzen nehmen können, dass auch du noch im geistlichen Leben weiterkommst. … Steh auf und fang augenblicklich an und sprich: „Jetzt ist es Zeit zum Handeln, Zeit zum Streiten, jetzt hat die Stunde geschlagen zu meiner Besserung!

Aber er macht auch deutlich, dass wir die Sünde nie aus eigener Kraft besiegen werden. Wir können sie nur dadurch besiegen, dass wir uns an Jesus Christus hängen und von ihm die Kraft empfangen. Wir werden leider fallen, aber er hilft uns auf, er richtet uns auf, wenn wir uns an ihn hängen.

2.Jesus hat nie gelogen oder andere betrogen– darum sei auch Du immer und überall ehrlich und echt.

Zu der Tatsache, dass Jesus nie gelogen hat brauche ich nicht viel zu sagen, sondern viel mehr steht hier die Herausforderung unter die wir hier gestellt werden.

Gibt es jemand hier, der in seinem Leben noch nie gelogen hat, der immer und überall ehrlich und echt war?

Ich glaube, wenn jetzt jemand hier die Hand gehoben hätte, hätte er oder sie spätestens jetzt gelogen.

Ich selber kann das von mir nicht behaupten. Wie schnell stehen wir in der Versuchung, wenigstens zu einer Notlüge oder dem Verschweigen der ganzen Wahrheit, Wir erzählen nur einen Teil, nach dem anderen hat uns ja keiner gefragt.

Oder da steht man vor einem Getränke-Automaten und man wirft ein Zwei Euro Stück hinein und dann kommen das Getränk und die Zwei Euro wieder heraus. Wer würde dann die Zwei Euro vielleicht zur Kasse oder zum Eigentümer bringen, wohl kaum einer. Aber umgedreht würden wir auf die Barrikaden gehen, wenn wir für die Zwei Euro nichts bekämen.

Fragt mal in einem Hotel nach, wie viele Handtücher oder Badetücher es verliert. Zu DDR-Zeiten gab es mal einen Witz. Ich weiß nicht mehr so genau, wie er ging. Aber irgendwo kam da die Aussage vor „Ah, sie sind also auch eine geborene Mitropa.“

Und ich bin der Meinung, dass auch wir Christen manchen solchen Schatz zu Hause haben.

Wie regen wir uns auf, und zurecht wenn Politiker nicht ehrlich sind.

Darum werden wir in der Nachfolge Christi zu Ehrlichkeit und Echtheit herausgefordert.

3.Jesus ließ sich verschmähen und beschimpfen, ohne dass er es auch wieder tat – darum sei immer und überall freundlich und zuvorkommend.

Au, weiha, das ist ja eine wirkliche Zumutung, die hier von uns gefordert wird. Und doch erwartet Jesus das von uns. Schon in der einen Aussage wird es deutlich, wenn er sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39)

Würdet ihr euch beschmähen und beschimpfen? Wohl kaum!

Das Handeln Jesu wurde von der Liebe bestimmt. Er tat alles aus Liebe zu uns. Lest einmal 1. Korinter 13 und tauscht das Wort Liebe mit dem Wort Christus aus. Dann wird uns das Handeln Jesu richtig deutlich.

Als seine Nachfolger sind wir herausgefordert auch in dieser Liebe zu leben – und denen, die uns auf die Backe schlagen, auch die andere hinzuhalten.

Wo das geschieht, wird manchmal der andere von solchem Handeln überwältigt und kommt zur Umkehr.

Genau hier ist die Wurzel des christlichen Pazifismus. Ich erinnere an das Handeln von Martin Luther King, aber auch der spätere polnische President Lech Walesa hat mit der Gewerkschaft Solidarnosch so gehandelt.

Sie zeigen uns das, das Handeln und Leben aus der Liebe Christi möglich ist. Aber wir müssen trotzdem wissen, dass ein irdischer Erfolg nicht garantiert ist.

Und nun noch der 4. Punkt:

4.Jesus war nie auf Vergeltung und Rache aus, sondern er hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Darum lebe auch du in der Vergebung. Vergebe immer und überall.

Es ist etwas bezeichnendes, wenn ein Mensch aus der Vergebung leben kann.

Normalerweise sind wir nicht darauf aus aus der Vergebung zu Leben. Das jüdische Vergeltungsgesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist das Minimum, aber meistens ist es mehr.

Anwälte und Gerichte haben Hochkonjunktur, Darum muss man mittlerweile ganz schön lange auf eine Gerichtsverhandlung warten.

Aber auch ohne Anwalt und Gericht kann das Ganze zu einer Spirale ohne Ende werden, die immer mehr eskaliert.

Damit sie unterbrochen wird gibt es nur eine einzige Lösung: „Aus der Vergebung leben.“ Anderen zu vergeben – und selber auch Vergebung zu empfangen. Das ist auch immer ein Wagnis, weil wir nicht wissen wie der Andere reagiert. Er kann das auch ausnutzen. Doch es ist der richtige Anfang.

Auch Jesus hat aus der Vergebung gelebt. Er hat seinen Feinden vergeben, obwohl sie ihn töteten.

Nun aus eigener Kraft können wir das nicht, sondern wir müssen uns dabei an Jesus klammern und von ihm die Kraft empfangen.

Martin Luther King schreibt: Vergebung ist kein gelegentlicher Schritt. Sie ist eine Dauerhaltung.

Jesus als der gute Hirte will uns bei all dem vorangehen und wir, wir sollen ihm vertrauen und nachfolgen. Sind wir zu dieser großen Herausforderung, die er an uns stellt, bereit? Wagen wir es und lassen uns darauf ein? Ich kann nur Mut machen, es zu tun. Es lohnt sich.

Amen.

Neues Leben und begründete Hoffnung – was ist es uns wert?

Christus der WeltenherrscherPredigt am  Sonntag Quasimodogeniti – Fraureuth und Gottesgrün  – 1.Petrus 1,3-12

Liebe Gemeinde,

nicht immer erkennt man den Wert einer Sache oder Gegenstandes sofort, oder man verkennt den Wert ganz und gar.

 

Nach der Wende kamen die Holländer nach Ostdeutschland und haben in den Dörfern alte Möbel aufgekauft. Da wurde auch manches schöne Stück für 50 DM oder auch nur für 20 DM verkauft, welches vielleicht einen Wert von 500 DM oder 1000 DM hatte. Wir konnten damals oft nicht den Wert der Möbel einschätzen.

Weiterlesen

Damit es in uns hell werde!

Licht im Advent

Licht im Advent

Predigt zu 2. Korinther 4,6-10 am letzten Sonntag nach Epiphanias 24.01.2010 -gehalten in Fraureuth und Gottesgrün

Liebe Gemeinde,
am Freitag hatten wir ja in der Kirche in Fraureuth erlebt was eine kleine Kerze bewirken kann, wie so ein kleines Licht in der Dunkelheit Hoffnung geben kann. Ja wie dabei die Angst verschwindet.
Ich muss mich da an meine Kindheit erinnern, wenn es da hieß: „Gehe mal in den Keller und hole mal ein Glas Wurst.“ Ich muss dazu sagen, der Keller war alles andere als beleutet, nur eine Handlampe gab es. Nun da war es in den meisten Räumen dunkel. Erst wenn man die Handlampe nahm und in den Raum leuchtet, wurde er heller und man sah, was darin los war.
Als Kind hatte ich auch manchmal Angst im dunklen Keller. Da war ich froh, dass das Licht brannte.
Auch wir sind froh, wenn wir im Lichte leben. Und uns als Christen ist das wahre Lebenslicht gegeben. Das wahre Lebenslicht heißt Jesus Christus.
Sicher ist es heute sehr schwer, im Angesicht der Katastrophe von Haiti als von Jesus als dem aufgehendem Licht und als das Lebenslicht zu predigen. Doch sind wir ehrlich, wo als nur bei ihm finden wir wirklich Halt und Hoffnung. Dabei soll das aber kein Vertrösten in ein Jenseits sein, sondern Kraftquelle im Diesseits im Heute.
Ich habe die Blogeinträge der Kleinen Brüder und Schwestern in Haiti auf evangelisch.de gelesen. Sie haben über 20 Mitarbeiter verloren, welche im Erdbeben ums Leben gekommen sind. Doch mit welcher bis an den Rand der menschlichen Möglichkeiten gehenden Anstrengung wird hier geholfen. Und Kraft finden sie eben bei dem Lebenslicht Jesus Christus. Nicht nur sie, sondern viele andere, die in Haiti helfen und wirken.
Vom wahren Lebenslicht Jesus Christus spricht nun unser Predigttext heute. Es ist die Epistel aus 2. Korinther 4,6-10. Ich lese ihn nach der Neuen Genfer Übersetzung:

6 Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.
7 Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn ´es soll deutlich werden, dass` die alles überragende Kraft, ´die in unserem Leben wirksam ist,` Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.
8 Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrückt. ´Oft` wis-sen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht.
9 Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen und kommen doch nicht um.
10 Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heißt, am Sterben Jesu teilzuhaben. Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben.

Liebe Gemeinde,
„Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen.“ Kriege und Terror, die Naturkatastrophen, wie eben die Erdbeben in Haiti sind Bilder der Dunkelheit. Manche sind durch die Menschen selber geschaffen, andere sind so hart wie das klingen mag, Ausdruck der Vergänglichkeit der Schöpfung Gottes auf unserer Erde in unserer Welt. Wir können diese Finsternis nicht begreifen und verstehen. Ja wir leiden darunter. Und eben aus dieser uns Menschen umgebenden Finsternis will das Licht des Lebens leuchten, will Jesus Christus leuchten.
Für den Apostel Paulus ist aber genau die Hintergründigkeit und Finsternis in der Welt eine Realität.
Dabei wird die Finsternis von ihm nicht als Naturereignis verstanden. Sondern es geht um Finsternis als Gottesferne, als Ergebnis der Macht der Finsternis. Dass es diese Finsternismächte gibt, darüber reden wir auch in der Kirche nicht gern. Wir reden viel lieber von den guten Seiten des Glaubens. Doch diese Finsternis ist Realität.
Aber nicht nur diese Finsternis gibt es, sondern auch in unserem eigenen Inneren gibt es Dunkelheit. Und wir leiden selber sogar darunter. Daher können wir das doch recht gut nachempfinden, was der Apostel Paulus so von unserem Menschsein schreibt:

– Wir sind zerbrechliche Gefäße – Terracotta. Uns bedrücken Krankheiten, Schmerz und Leid. Wir sind im Leben schon mit dem Tod gekennzeichnet.
– Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein. Wir haben kaum Luft zum atmen. Wir wissen fast nicht mehr ein noch aus.
– Nun Verfolgung erleiden wir zwar hier in unse-rem Land nicht, aber wir brauchen nur etwas in unsere Welt hineinzuschauen. Wie viele Christen werden um ihres Glaubens willen verfolgt. Und dennoch ist es mittlerweile auch bei uns nicht mehr selbstverständlich, dass man an Jesus Christus glaubt. Ja selbst das ist nicht mehr selbstverständlich, dass man Glied einer Kirche oder Gemeinde ist. Manchmal hat christlicher Glaube auch an unserem Land den Charakter von etwas exotischem.
Und natürlich auch die kritische Anfrage unserer Mitmenschen z.B. beim Erdbeben in Haiti. Da hören wir die Fragen: „Wo war denn da euer Gott? Hat er sich verabschiedet?“
– Wir haben Anteil am Sterben Jesu und erfahren es auch an unserem eigenen Leben und zwar jeden Tag neu.

Paulus beschreibt hier die Vergänglichkeit und die Ärmlichkeit unseres menschlichen Daseins. Und ich muss sagen, wenn wir nur dieses hier hätten, wären wir eigentlich nur noch zu bedauern, dann wären wir das, was Paulus in 1. Korinther 15 sagt: „so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“.
Doch und das ist die gute Botschaft, so elend und erbarmungslos unser Leben auch manchmal sein kann. Und ich weiß, dass es sogar schlimmer sein kann, als wie es Paulus hier beschrieben hat. So elend und erbarmungslos unser Leben sein kann, so kann es dennoch ein hoffnungsvolles Leben sein. Ja es kann sogar ein erfülltes Leben sein.
Ich habe es schon oft erlebt, dass Menschen, die selber sehr viel schweres in ihrem Leben durchgemacht haben, nicht getröstet werden mussten, sondern selber zum Tröster wurden, weil sie ihr Leben und ihren Glauben in Jesus Christus gegründet hatten.
Bei ihnen konnte man spüren, dass trotz aller irdischen Vergänglichkeit, trotz allem Leid und Schmerz, sie eine Hoffnung hatten, die ihnen für jeden Tag neu Hoffnung gab. Es war und ist eine Hoffnung, die nicht in das Jenseits vertröstet, sondern eben im heute wirkt und Kraftquelle ist.
Wir werden hier mit zerbrechlichen Tongefäßen verglichen, mit Terracotta: Und genau in diese Tongefäße, die auch manchmal schmuddelig und schmutzig aussehen, die angeschlagen und eingerissen sind, da hinein gibt sich der wertvolle Inhalt, der Schatz, wie es Paulus sagt. Also ganz das Gegenteil dessen, was Werbestrategen empfehlen. Dahinein begibt sich Jesus Christus. Er kommt in unser Sein, in unsere Welt wird Mensch, nimmt diese Menschsein auf sich und überstrahlt alles. Dieser Inhalt Jesus Christus bewährt sich unter schwierigsten Bedingungen.
Vielleicht ist das die Besonderheit dieses Schatzes. Erst unter Schwierigkeiten zeigt er seine schönsten Facetten. Dieser Schatz macht sich angreifbar.
Er zeigt sich darin stark, dass er Schwächen zulässt. Er kommt in die Nöte der Welt. Er nimmt an der Zerbrechlichkeit teil.
Pilatus sagt über ihn in Johannes 19,5: „Seht, welch ein Mensch! Oder die lateinischen Worte, die auch in die Kunstgeschichte eingegangen sind. „Ecce homo!“
Er schottet sich nicht ab gegen die Sorgen und Nöte der Menschen. Und gerade dadurch wirkt er überwindend und befreiend.
Auch schon die erste Generation der christlichen Gemeinde erfuhr Widerstand gegen die Frohe Botschaft. Und wenn wir die Erfolgsbilanz des Apostels sehen, dann war es auch dort nicht die großen Zahlen von Menschen, die zum Glauben fanden. In der Apostelgeschichte und den Briefen des Neuen Testamentes wird Bedrängnis wird beschrieben und Verfolgung. Unterdrückung und sogar tödliche Folgen bei der Verbreitung des Evangeliums werden sichtbar. Aber die Aufzählung der Bedrängnisse hat nicht zum Ziel, Mitleid zu erzeugen oder den Märtyrer zu spielen. Im Gegenteil: In den äußeren Ereignissen, in denen Angst und Schwachheit mitspielen, wird der innere Trost und die Geborgenheit spürbar, die die Wirksamkeit des Christus in diesen Ereignissen hervorbringt.
Wer sich in eigenen Worten und Taten sonnt, verbreitet eher eine Show. Gerade am eigenen Ende wird die Herrlichkeit Gottes darin erfahren, dass er nicht allein lässt und neu mit uns anfängt. Wir fallen, wenn wir fallen, nicht immer auf die eigenen Füße, aber in die Hände Gottes.
Der Liederdichter Arno Pötsch schreibt 1941 folgendes Lied, was die Geborgenheit bei Gott zum Ausdruck bringt:

1. Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.
2. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.
3. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.

Lasst uns nun in dieser Glaubensgewissheit in den Alltag gehen, das durch uns vergängliche Tontöpfe, der wertvolle Schatz, das helle Licht Jesus Christus strahlt und Raum gewinnt, auch in den schweren Tagen unseres Lebens, auch in solchen Katastrophen wie in Haiti.
Lasst das Lebenslicht Jesus Christus in uns hell werden.
Amen.

Leben in der Gemeinde!

Minimum-Tonne

Minimum-Tonne Quelle: Wikipedia

Predigt zu Römer 12,4-16 – 2.Sonntag nach Epiphanias 17.01.2010 -gehalten in den Kirchen von Fraureuth und Gottesgrün

Liebe Gemeinde,
ich habe euch heute ein Bild aus der Landwirtschaft mitgebracht. Es ist die Minimumtonne, mit der das sogenannte Minimumgesetz von Carl Sprengel und Justus Liebig dargestellt wird.
In der Landwirtschaft besagt dieses Minimumgesetz folgendes: Dass das Wachstum von Pflanzen durch die im Verhältnis knappste Ressource (Nährstoffe, Wasser, Licht etc.) eingeschränkt wird. Das wird auch als Minimumfaktor bezeichnet. Das Minimumgesetz ist u.a. eine wichtige Grundlage bei der Düngung.
Als ich davon im Internet berichtete, dass ich mit diesem Gesetz in der Predigt einsteigen will, da meinte jemand, dass das doch ganz schön trocken sei. Ich hoffe, dass ich euch damit nicht langweile.
Warum erzähle ich euch von dem Minimumgesetz? Weil ich denke, dass das in ähnlicher Form auch bei einer christlichen Gemeinde vorkommt.
Ich weiß, dass es Christen gibt, die so etwas ablehnen, und der Meinung sind, dass Gemeinde durch Gottes Heiligen Geist baut. Aber warum soll Gottes Heiliger Geist nicht auch unsere menschlichen Gesetzmäßigkeiten nutzen, um Gemeinde zu bauen?
Sicher wird jeder Vergleich, wie im normalen Leben hinken, und manchmal wird es auch anders sein
Deswegen muss aber das noch lange nicht verkehrt sein.
Und wenn wir die Bibel aufschlagen, finden wir eine ganze Menge Gesetze und Gesetzmäßigkeiten, die Gott nutzt um Menschen zu führen, und im neuen Testament finden wir auch beim Gemeindeaufbau solche Gesetzmäßigkeiten, Anweisungen und Ermutigungen.
Eine Gesetzmäßigkeit, die häufig vorkommt ist z.B. die, dass vor einem Wachstumsschub in der Gemeinde häufig eine Krise kommt.
Auch Jesus hat sich den Gesetzen seiner Zeit unterworfen, soweit sie dem Willen Gottes entsprachen. Aber er hat sich auch gegen Gesetze gestellt, wenn sie unmenschlich waren.
Nun gewisse Gesetzmäßigkeiten und Anweisungen für das Leben in der christlichen Gemeinde finden wir in unserem heutigen Predigttext der Epistel vom heutigen Sonntag aus Römer 12,4-16. Ich lese sie nach der neuen Genfer Übersetzung.

4  Es ist wie bei unserem Körper: Er besteht aus vielen Körperteilen, die einen einzigen Leib bilden und von denen doch jeder seine besondere Aufgabe hat.
5  Genauso sind wir alle – wie viele ´und wie unterschiedlich` wir auch sein mögen – durch unsere Verbindung mit Christus ein Leib, und wie die Glieder unseres Körpers sind wir einer auf den anderen angewiesen.
6  Denn die Gaben, die Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat, sind verschieden. Wenn jemand die Gabe des prophetischen Redens hat, ist es seine Aufgabe, sie in Übereinstimmung mit dem Glauben zu gebrauchen.
7  Wenn jemand die Gabe hat, einen praktischen Dienst auszuüben, soll er diese Gabe einsetzen. Wenn jemand die Gabe des Lehrens hat, ist es seine Aufgabe, zu lehren.
8  Wenn jemand die Gabe der Seelsorge hat, soll er anderen seelsorgerlich helfen. Wer andere materiell unterstützt, soll es uneigennützig tun. Wer für andere Verantwortung trägt, soll es nicht an der nötigen Hingabe fehlen lassen. Wer sich um die kümmert, die in Not sind, soll es mit fröhlichem Herzen tun.
9  Die Liebe soll echt sein, nicht geheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet euch unbeirrbar an das Gute.
10  Lasst im Umgang miteinander Herzlichkeit und geschwisterliche Liebe zum Ausdruck kommen. Übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen.
11  Lasst in eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in euch immer stärker werden. Dient dem Herrn.
12  Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. Wenn Nöte kommen, haltet durch. Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.
13  Helft Gläubigen, die sich in einer Notlage befinden; lasst sie mit ihrer Not nicht allein. Macht es euch zur Aufgabe, gastfreundlich zu sein.
14  Segnet die, die euch verfolgen; segnet sie, verflucht sie nicht.
15  Freut euch mit denen, die sich freuen; weint mit denen, die weinen.
16  Lasst euch im Umgang miteinander davon bestimmen, dass ihr ein gemeinsames Ziel habt. Seid nicht überheblich, sondern sucht die Gemeinschaft mit denen, die unscheinbar und unbedeutend sind. Haltet euch nicht selbst für klug.

Über die Gaben und Aufgaben haben wir schon im vergangenen Sonntag nachgedacht. Darum wollen wir jetzt mit der Liebe einsteigen.
Erst einmal finden wir hier einen Katalog, was zu tun ist, wie die Gemeinde zusammen zu leben hat. Die neutestamentliche Theologie nennt das Tugendkatalog.
Aber wenn wir genau einmal hinschauen, entdecken wir, dass das alles Eigenschaften sind, die erst ein Leben in der Gemeinde möglich und spannend machen. Es sind gewisse „Gesetzmäßigkeiten“, wenn die in der Gemeinde gelebt werden, dann ist Gemeinde ansprechend und Menschen kommen gern zur Gemeinde und sind auch bereit Mitzutun. Es geht hier auf jeden Fall nicht um einen erhobenen Zeigefinger, sondern um ein gutes Leben in der Gemeinde
Auf dem Bild Minimumtonne finden wir 8 Kennzeichen, die beachtet werden müssen, damit Gemeinde wächst.
Zwei Kennzeichen liegen mir besonders am Herzen, dass ist die Liebe und die Evangelistische Diakonie.
Und wir finden beide in unserem Predigttext wider.
Nach dem der Apostel Paulus über Gaben und Aufgaben in der Gemeinde gesprochen hat kommt er zur Liebe.
Er sagt: Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.
(Über die Frage der Liebe in der Gemeinde, habe ich mit euch schon einmal in der Allianzwoche gesprochen: Ich sprach vom Liebesqoutient und Wohlfühlfaktor.
Das klingt zwar recht theoretisch. Aber sagen wir es einfach, da wo ich geliebt werde und wo ich mich wohlfühle, gehe ich gerne hin und komme auch gerne wieder.
So stellt sich für uns die konkrete Frage: Werden die Menschen, die in unsere Gemeinde kommen, geliebt und fühlen, die sich wohl?
Und um es noch konkreter zu sagen: Fühlt Ihr euch in der Gemeinde geliebt und fühlt ihr euch in unserer Gemeinde wohl, so dass ihr gern andere mitbringt
In einer Skala von 1 bis 10. Wo würdet ihr euch wiederfinden?
Gehen wir mit einem nach außen hin fröhlichen Gesicht durch unsere Gemeinde, aber im innersten des Herzen haben wir es zur Faust geballt?
Ob ihr es glaubt oder nicht, auch wenn man es nicht nach außen sieht, es hat dennoch Auswirkungen nach außen.
Darum die Frage an uns, was tun wir, damit der andere auch wirkliche Liebe erfährt? Was können wir tun um selber in der Gemeinde mehr Liebe zu erfahren?
Der zweite wichtige Aspekt aus der Minimumtonne, den wir in unserem Predigttext wiederfinden, ist die Evangelistische Diakonie. Wir würden sagen, es sind die Werke der Barmherzigkeit.
Ich umschreibe Barmherzigkeit gern mit den Worten ein Herz haben für die Armen.
Sicher denken wir heute dabei zuerst an die Opfer des Erdbebens in Haiti. Und es ist gut, wenn Menschen ihre Herzen und Geldbeutel öffnen. Auch auf die Gefahr hin, dass ihre Hilfe nicht oder nur im geringen Maß ankommt.
Nein Barmherzigkeit ist ein Lebensstil, den wir in unserer Gemeinde brauchen.
Was nützt es, wenn wir in unseren Gottesdiensten und Bibelstunden Gottes Wort hören, Lieder singen und beten und Lisa Müller ist einsam und krank allein zu Hause und keiner besucht sie?
Oder da ist eine Tochter, die ihre schwerstkranke Mutter aus Barmherzigkeit pflegt und nicht in ein Pflegeheim geben will. Und dann bricht sie fast selber unter der Pflege zusammen und keiner hilft ihr?
Oder eine alleinerziehende Mutter muss mit dem großen Kind zum Arzt und keiner ist da, der das kleine in der Abwesenheit auf das kleine Kind aufpasst.
Ich weiß, dass das andererseits auch oft aus falscher Eitelkeit versteckt und überspielt wird. Und es schwer zu sehen ist.
Dennoch ist es gut und wichtig mit offenen Augen durch die Gemeinde zu gehen.
Das sind zwei Beispiel von Notlagen, die in unserer Gemeinde vorkommen können und auch vorkommen.
Aber es gibt auch noch weitere. Darum sollten wir uns von dem Worten des Apostels ermutigen lassen:
Helft Gläubigen, die sich in einer Notlage befinden; lasst sie mit ihrer Not nicht allein. Macht es euch zur Aufgabe, gastfreundlich zu sein.
Ich persönlich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Helft auch den Nichtgläubigen als Zeichen eures Glauben und das euch die Freuden Botschaft von Jesus Christus verändert hat. So könnt ihr ohne große Worte Zeugen von Jesus Christus und seiner Liebesbotschaft werden. Damit sind wir beim Thema der Allianzgebetswoche.
Aus dem Predigttext habe ich zwei wichtige Kennzeichen des Gemeindelebens herausgesucht: Liebe und Barmherzigkeit. Man mag von dem Modell der Minimumtonne halten, was man will. Es weist schon in die richtige Richtung.
Warum sollen wir das überhaupt tun? Nun der Apostel sagt dazu: „Lasst euch im Umgang miteinander davon bestimmen, dass ihr ein gemeinsames Ziel habt.“
Gemeinsam sind auf den Weg und dieser Weg hat ein Ziel – dieses Ziel hat einen Namen: Jesus Christus. Gemeinsam sind wir unterwegs mit Jesus Christus zu ihm hin – hin in seine Ewigkeit.
Ich wünsche uns, dass wir ausganzen Herzen sagen können, was wir gleich im Predigtlied singen werden:
O wie lieb ich, Herr, die Deinen, die dich suchen, die dich meinen; o wie köstlich sind sie mir!
Du weißt, wie mich’s oft erquicket, wenn ich Seelen hab erblicket, die sich ganz ergeben dir.
Amen

Lieben Sie Ihre Kirche?

Kirche in Rheinsberg Uckermark

Kirche in Rheinsberg Uckermark

Predigt zu Römer 12,1-8 – 1.Sonntag nach Epiphanias 10.01.2010 -gehalten in den Kirchen von Fraureuth und Gottesgrün

“Lieben Sie Ihre Kirche?”
Was ist dass denn für eine komische Frage?, wird jetzt mancher von Euch denken. Die meisten werden es mit der Kirche so halten, wie Gustav Heinemann mit Deutschland. Als man ihn fragte: „Lieben Sie Deutschland?“, hat er geantwortet, er liebe seine Frau. Also zu Deutschland hatte er keine intensive Beziehung und das als Bundespräsident.

So ähnlich verhalten wir uns meistens als evangelische Christen zu unserer Kirche, zu unserer Gemeinde. Und wir sind noch stolz darauf.
Ja, immer wieder begegnen mir Christen, die sagen: Ich liebe Jesus und habe eine persönlich Beziehung zu ihm, aber Kirche und Gemeinde, das brauchen wir nicht.

Ich stelle jetzt einmal die Frage: Was tun wir, wenn wir Menschen zum Glauben an Jesus Christus einladen, laden wir sie auch in die Kirche ein? Oder ist das uns peinlich? Sagen wir, es ist uns wichtig, dass Menschen mit dem Evangelium in Berührung kommen, aber sie einladen sich dann taufen zu lassen, Glied der Gemeinde zu werden und sich dann zu unseren Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen zu halten, das kommt uns nur schwer von den Lippen.

Dabei entspricht genau das dem biblischen Bild von einem Christen. So werden wir zum Beispiel im Hebräerbrief ermutigt:
23 Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat;
24 und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken
25 und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.
Hebräer 10:23-25

Es gehört beides zusammen Gottes Wort und Gottes Volk. Das sagt auch Martin Luther: „Gottes Wort kann nicht ohne Gottes Volk sein.“ Es ist ein Kernsatz der Reformation.

Natürlich stellt sich jetzt die nächste Frage: Wie attraktiv, wie ansprechend ist denn die Kirche, ist die Gemeinde? Wie attraktiv wie ansprechend ist die Gemeinde, die Kirche in Fraureuth (in Gottesgrün)? Um gleich auch konkret zu werden.
Eine Antwort auf die Frage werde ich nicht geben. Das kann jeder selber einschätzen. Und jeder wird sicher einen anderen Standpunkt haben.

Was man tun kann, das Kirche, das Gemeinde attraktiv und ansprechend ist, darauf gibt uns der Predigttext eine Antwort. Es ist die Epistel aus Römer 12,1-8. Wir hören sie noch einmal nach der Neuen Genfer Übersetzung:

Römer 12,1-8

1 Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.

2 Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist

3 Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.

4 Es ist wie bei unserem Körper: Er besteht aus vielen Körperteilen, die einen einzigen Leib bilden und von denen doch jeder seine besondere Aufgabe hat.

5 Genauso sind wir alle – wie viele ´und wie unterschiedlich` wir auch sein mögen – durch unsere Verbindung mit Christus ein Leib, und wie die Glieder unseres Körpers sind wir einer auf den anderen angewiesen.

6 Denn die Gaben, die Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat, sind verschieden. Wenn jemand die Gabe des prophetischen Redens hat, ist es seine Aufgabe, sie in Übereinstimmung mit dem Glauben zu gebrauchen.

7 Wenn jemand die Gabe hat, einen praktischen Dienst auszuüben, soll er diese Gabe einsetzen. Wenn jemand die Gabe des Lehrens hat, ist es seine Aufgabe, zu lehren.

8 Wenn jemand die Gabe der Seelsorge hat, soll er anderen seelsorgerlich helfen. Wer andere materiell unterstützt, soll es uneigennützig tun. Wer für andere Verantwortung trägt, soll es nicht an der nötigen Hingabe fehlen lassen. Wer sich um die kümmert, die in Not sind, soll es mit fröhlichem Herzen tun.

Liebe Gemeinde,

dass wir Menschen soziale Netze brauchen, zeigt uns gerade heute das Internet. Dort boomen zur Zeit die sozialen Netzwerke, allen voran sind es Twitter und Facebook, bei Unternehmern und Businessleuten ist es XING, bei Studenten ist es StudiVZ, bei Schülern ist es SchuelerVZ.

Ja und wer will, der kann ohne große Probleme sein eigens soziales Netzwerk einrichten.

Es ist komisch, je unpersönlicher die reale Welt wird, umso mehr entwickeln sich solche soziale Netze, wobei sie auch Vorteile haben – zB. die schnelle Kommunikation und das gleich mit mehreren Leuten.

Bei Facebook z.B. bin ich mit mindestens 15 Leuten befreundet, die etwas mit der Fraureuther Kirchengemeinde zu tun haben.

Und ich werde der letzte sein, der gegen solche Vernetzung ist, sondern das Gegenteil ist der Fall. Ich werde das fördern, wo ich es kann, denn so erreichen wir den modernen Menschen – gerade auch mit dem Evangelium.

Doch genau diese sozialen virtuellen Netze stellen uns als Christen, als Kirche und als christliche Gemeinde in Frage, nicht in unserer Existenz, sondern in unserer Handlungsweise. Versäumen wir es in der realen Welt uns zu vernetzen, Verbindungen aufzubauen. Was tun wir, dass andere unsere Gemeinde als lebendige und persönliche Gemeinschaft erfahren, wo sie gehalten und getragen werden? Kirche geschieht nicht an sich und von alleine, sondern sie braucht den aktiven Beitrag des Einzelnen. Sie braucht deinen Beitrag und meinen Beitrag.

Genau das macht der Apostel Paulus hier in dem Brief an die Römer deutlich. Er macht uns deutlich wie wir die soziale Gemeinschaft in unserer Gemeinde wieder zurückgewinnen können. Es wird aber gleich deutlich, dass das nicht über den Pfarrer, den Kantor und einzelne Mitarbeiter allein geht, sondern dass das den Beitrag aller erfordert.

Als erstes lesen wir bei Paulus etwas über die Existensberechtigung der Kirche:

„Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.“

Kirche – Gemeinde hat seine Existenzberechtigung aus dem Erbarmen Gottes heraus. Es ist Gottes Erbarmen, dass wir heute hier versammelt sind. Das wollen wir uns immer wieder bewusst machen.

Es ist Gottes Erbarmen, dass wir Christen sind und an ihn glauben. Darum ermutigt uns der Apostel Paulus, dass wir uns und unser ganzes Leben Gott ganzheitlich zur Verfügung stellen.

Damit macht er uns deutlich, dass Gottesdienst eben nicht nur am Sonntag morgen die eine Stunde ist und vielleicht noch ein paar Gemeindeveranstaltungen dazu, sondern das Gottesdienst das ganze Leben ausmacht.

Und Gottesdienst heißt auch unser Leben nicht nach den Maßstäben der Welt zu richten in der wir Leben, und dennoch in dieser Welt zu leben – und den Kontakt zu unseren Mitmenschen zu pflegen. Das ist ein ganz schöner Spagat, der da von uns als Christen abverlangt wird.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, ob man das alleine durchsteht, oder ob da nicht die Gemeinschaft mit den anderen gerade deswegen notwendig ist.

Ich jedenfalls, wenn ich auf solche Situationen in meinem Leben zurückblicke, die ich in ganz besonderer Weise als Jugendlicher hatte, bin dankbar für die anderen.

Ich denke, das kann mancher von euch von den schweren Situationen in seinem Leben bezeugen.

Darum ist das Bild vom Leib Christi durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus das Bild, was uns als Kirche und Gemeinde ausmacht.

Wenn wir den menschlichen Körper betrachten, dann sehen wir, dass er verschiedene Organe und Gliedmaßen hat. Jedes Organ hat seine bestimmt Aufgabe und Funktion. Werden sie in ihrer Funktionsweise behindert, dann hat das aber auch Einfluss auf die Funktion der anderen Organe.

Und genauso ist es auch bei der Kirche, bei der Gemeinde.

Die Gemeinde als Leib Christi und jeder von uns hat in ihr seine Aufgabe und seine Gaben. Und jeder ist mit seiner Aufgabe erforderlich und jeder soll seine Gaben einbringen.

Und nur so kann Kirche und Gemeinde wachsen, nur so kann Kirche in unsere Welt.

Das heißt, dass wir aus der Einzelkämpfermentalität, die leider vorherrscht, heraus müssen. Wir werden ermutig, einander zu dienen, nicht nur zwei oder drei den anderen, sondern jeder jedem, mit den Gaben die Gott gegeben hat. Das hat zur Folge, dass Kirche als soziales Netzwerk, als Gemeinschaft wieder attraktiv ist.

Die Kirche befindet sich in der Krise, aber das ist kein Grund zum Heulen, sondern Grund zur Veränderung, zum Neuanfang. Und wir dürfen dabei sein.

Und das wichtigste ist, wir müssen das nicht aus eigener Kraft tun, sondern Gottes Geist wirkt in uns und gibt uns die Kraft dazu. Uns gilt die Verheißung des Wochenspruches:
Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Röm 8, 14)

Darum lasst es uns immer wieder neu wagen.

Jetzt stelle ich noch einmal die Frage:

Lieben Sie Ihre Kirche?

Ich weiß nicht, was eure Antwort ist.

Meine Antwort heißt: Ja ich liebe meine Kirche und werde alles dafür tun, dass Menschen sich in ihr wohlfühlen und so zum Glauben an Jesus Christus finden.

Dass die Kirche nicht perfekt ist, das sagt uns schon Martin Luther:

„Die Weltweisen werden von der äußeren Gestalt der Kirche geärgert, die Ärgernissen und Sekten unterworfen ist. Denn sie meinen, die Kirche sei rein, heilig, ohne allen Tadel, Gottes Taube usw. Das ist wahr, vor Gott hat die Kirche ein solches Ansehen, aber vor der Welt ist sie gleich ihrem Bräutigam Christus: zerhackt, zerkratzt, verspeit, gekreuzigt, verlacht.“

Und dennoch sie ist Gottes Wille und Werk und wir dürfen an ihr Anteil haben.

Wisst ihr warum Blaukreuz-Gruppen und Anonyme Alkoholiker erfolgreich sind und wirklich etwas bewirken, weil die Leute wissen, dass jeder der dabei ist, irgendwie Probleme mit Alkohol oder anderen Drogen hat und der Hilfe Gottes und des anderen benötigt, um nüchtern zu werden und zu bleiben.

Nicht anders ist es in der Kirche. Hier gilt das gleiche Prinzip. Als von Gott geheiligte Sünder einander beistehen und dienen.

Lasst uns das fröhlich und aus ganzem Herzen tun. Amen

 

 

Ewiges Leben – bin ich dem gewiss?

FragezeichenPredigt zu 1. Johannes 5,11-13 – 2.Stg nach Weihnachten 03.01.2009 in der Kirche Gottesgrün – Pfarrer Jörg Bachmann

Liebe Gemeinde,

da ist Iris. Sie schreibt folgendes in einem Internetforum: “Kann mir jemnd sagen, woran man erkennt, dass der Junge, in den ich verliebt bin und der süß ist mach auch liebt? Woran erkenne ich das?”

Sie erhält einige Antworten, teilweise unqualifiziert teilweise hilfreich. Die nicht einfache aber vielleicht hilfreichste Antwort heißt: „Gehe hin zu ihm und frage ihn!“ Nun dies meisten von uns sind aus diesem Verliebtsein-Status heraus, obwohl das manchmal auch nicht so schlecht ist, sich daran zu erinnern.

Darum jetzt die Frage: woher wissen Sie, dass ihr Partner, ihre Kinder, ihre Eltern sie lieben? Wir wissen ja, dass es recht einfach ist, zu sagen: „Ich liebe dich!“

Wenn ich zu meiner Frau sage „Ich liebe dich“ muss das doch noch lange nicht stimmen, oder? Reicht das, wenn ich ihr das sage? Wenn ich es sage, dann muss das doch stimmen! Nein das muss noch lange nicht stimmen. Wir alle wissen, wie viel da im Namen der Liebe Missbrauch getrieben wird. Wir wissen auch, dass mancher von Liebe redet und eigentlich Egoismus meint. Nur sich selber sieht und nicht den anderen.
Darum muss sich diese Liebe nicht nur in Worten darstellen, sondern sie muss sich im realen Leben, im Handeln und im Tun gegenüber, dem Partner, der Kinder und der Eltern zeigen.

Eine Lehrerin schreibt dazu an junge Menschen:

Wahrhaftige Liebe beruht auf Selbstliebe und dem Fehlen von Besitz-Denken in der Partnerschaft. Sie entwickeln Ihre Liebes-Fähigkeit, wenn Sie Erwartungen loslassen.

Wahre Liebe ist frei – “Sei frei und lass das was du liebst in Freiheit”. Wer so denkt, will den Partner nicht besitzen und erwartet auch nicht von ihm, dass er für das eigene Lebensglück zuständig sei.

Wahre Liebe schenkt sich selbst – Zur wahrhaftigen Liebe gehört die Annahme des eigenen Selbst. Das bedeutet, dass jeder Mensch sein Ich so liebt wie es ist. Erst dann ist der Mensch wirklich er selbst und kann als Ich dem Du gegenüber treten. Sich selbst dem Partner schenken, ohne Erwartung einer Gegenleistung, das ist bedingungslose Liebe.

Wahre Liebe manipuliert nicht – Wer liebt will nichts damit erreichen. Er will weder den Partner ändern, noch gibt er sich anders als er ist. In solcher Liebe hat alle Manipulation ein Ende. Der Mensch ist authentisch und trifft den Partner auf Augenhöhe.

Wahre Liebe bewertet nicht – Menschen, die zu wahrer Liebe fähig sind verurteilen und bewerten nicht. Sie beobachten, was ist. Ein solches Verhalten ist nicht zu verwechseln mit kritikloser Akzeptanz. Gemeint ist eine Abkehr vom Schwarz/Weiß Denken hin zu Mitgefühl und liebevoller Toleranz.

Wahrhaftigkeit in der Liebe: Der Weg ist das Ziel – Wahrhaft lieben können wir lernen. Dazu gehört vor allem der Mut, sich selbst ins Gesicht zu schauen und sich zu akzeptieren.

Warum erzähle ich jetzt so viel über die Liebe? Weil ich heute in diesem Gottesdienst, am Anfang des neuen Jahres euch fragen will: Woher weißt Du, dass Gott dich liebt? Sicher könnte mir jetzt mancher von euch darauf eine Antwort geben und die wird gut und richtig sein. Aber heute möchte ich doch noch etwas darauf setzten, und die egoistische Frage stellen. Was haben wird davon, dass Gott uns liebt?

Nun wir haben ja heute schon einmal die Epistel dieses Sonntages aus 1. Johannes 5,11-13 gehört. Ich lese sie noch einmal nach der Neuen Genfer Übersetzung:

 

11 Und was bedeutet diese Aussage Gottes ´für uns`? Sie bedeutet, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat; denn dieses Leben bekommen wir durch seinen Sohn.
12 Wer mit dem Sohn verbunden ist, hat das Leben. Wer nicht mit ihm, dem Sohn Gottes, verbunden ist, hat das Leben nicht.
13 Ich habe euch diese Dinge geschrieben, um euch in der Gewissheit zu bestärken, dass ihr das ewige Leben habt; ihr glaubt ja an Jesus als den Sohn Gottes.

So jetzt stelle ich Ihnen, stelle ich Dir die Frage: „Hast Du das ewige Leben? Haben Sie das ewige Leben? Was ist die Antwort auf diese Frage? Vielleicht, so richtig weiß ich das nicht oder ist es ein Ja aus vollem Herzen.

Nun der Apostel Johannes geht davon aus, dass wir das wissen oder uns dessen wenigstens gewiss machen. Darum schreibt er an die Christen von damals und heute: Ich habe euch diese Dinge geschrieben, um euch in der Gewissheit zu bestärken, dass ihr das ewige Leben habt; ihr glaubt ja an Jesus als den Sohn Gottes.
Er spricht hier von der Gewissheit im Glauben.

Gott will uns das ewige Leben geben, weil er uns liebt. Und woran sehen wir, dass Gott uns liebt. Reicht das, wenn er uns das in Buchform zukommen lässt. Reicht das, wenn er uns das irgendwie mitteilt? Nein, das reicht ja ihm noch nicht einmal selber. Dazu sind wir ihm ja viel zu wichtig. Darum hat sich Gott selber zu uns Menschen in unsere Welt aufgemacht. Darum ist Gott in Jesus Christus Mensch geworden. Darum haben wir ja vor ein paar Tagen Weihnachten gefeiert, darum ist Jesus als Kind in einem Stall zur Welt gekommen, darum ließ er sich in einen Futtertrog als Wiegebett legen, darum mussten seine Eltern vor Herodes flüchten. Darum lebte Jesus als Mensch und Wanderprediger. Darum begab er sich auf den Weg seiner Passion. Darum wurde er gepeinigt und geschlagen. Darum wurde er gekreuzigt. Darum ging er diesen Weg der Niedrigkeit. Doch sein Weg ist noch nicht vollendet, denn bis dahin würde uns die Liebe Gottes noch nicht viel bringen. Nein das Entscheidende ist, dass er die Macht des Todes besiegt hat, dadurch dass er von den Toten auferstanden ist. Er gibt uns die Gewissheit des Ewigen Lebens.

Genauso hat das der Apostel Paulus im Philipperbrief beschrieben:

Philipper 2
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Wenn du auf die Frage: Glaubst Du an Jesus Christus? Ein Ja aus ganzem Herzen sagen kannst, dann kannst auch auf die Frage: „Hast Du die Gewissheit des ewigen Lebens?“ mit einem Ja aus ganzem Herzen beantworten. Nun wirst Du vielleicht sagen: „Ich spüre es nicht, dass Gott mich liebt, darum fühle ich mich unsicher. Ja manchmal habe ich sogar das Gefühl Gott ist nicht da. Nun von der Liebe her wissen wir, dass das mit dem Gefühl ein recht schwieriges Ding ist. Auch da haben wir manchmal nicht das Gefühl, dass der andere uns liebt. Besonders wenn man schon länger zusammen ist. Sich kann da manchmal auch etwas dran sein. Doch oft hat sich die Liebe des anderen, wie auch die eigene Liebe verändert. Aus dem Verliebtsein im Anfang, wo da die Schmetterlinge im Bauch flattern, ist hat die Liebe sich in eine verantwortungsvolle Liebe verwandelt. Und so ist es auch bei unserem Verhältnis zu Gott. Gegenüber allem Gefühl, allem Glauben und Hoffen, gegenüber allen Gefühl steht die Tatsache, dass Gott das getan hat, dass Jesus den Weg gegangen ist, dass er uns die Hoffnung auf das Ewige Leben zur Gewissheit macht.

Wir stehen am Anfang des neuen Jahres. Und mit dieser Gewissheit können wir in dieses Jahr hinein gehen und auf Gottes Ewigkeit hoffen. Wir können gespannt im heute und im Morgen leben, ausgerichtet auf die Ewigkeit Gottes.

Es ist wie bei einer Bergbesteigung: Schon der Anstieg – das ist das Leben heutet – bietet uns Atemberaubendes, aber das Gipfelerlebnis – Gottes Ewigkeit – übertrifft alles. Amen

 

Herrnhuter Losungen
Über mich
Kategorien


Copyright by Jörg Bachmann