„Mit der Linie zum Licht“

„Mit der Linie zum Licht“
Altarraum im Lutherhaus Jena; Künstler: Harry Franke, Foto: Günther Widiger
Altarraum im Lutherhaus Jena; Künstler: Harry Franke, Foto: Günther Widiger

Harry Franke (1925–1981) – ein Jenaer Grafiker zwischen Kirche, Evangelisches Jungmännerwerk (CVJM ) und Alltag

Im März 2025 wäre der Grafiker Harry Franke (1925–1981) 100 Jahre alt geworden. Er prägte die kirchliche Grafikarbeit im Evangelischen Jungmännerwerk Thüringen (CVJM) und in der thüringischen Landeskirche – der heutigen EKM – ebenso wie das geistliche Leben in und um Jena. Mit klaren Linien, starken Symbolen und praktikablen Vorlagen für Schaukästen, Jahreslosungen und Gemeindematerial verband er Kunst und Verkündigung. Seine Arbeiten an Lutherhaus Jena, Jenaprießnitz und in Wenigenjena zeigen bis heute: Bildsprache kann Glauben sichtbar machen – im Kirchenraum wie auf der Straße.

Ein Bild beginnt mit einer Linie. Bei Harry Franke wurde daraus eine Spur des Glaubens: Kreuze aus Kupfer, Fenster aus Farbe, Plakate für Schaukästen, die mitten im Sozialismus von der Hoffnung erzählten.

Ein Sohn Thüringens – und ein Weg in die Kirche

Harry Franke wird 1925 in Orlamünde geboren, lernt ab 1939 bei Carl Zeiss in Jena Feinmechanik, wird 1943 eingezogen, studiert nach 1945 in Weimar und Erfurt und arbeitet anschließend als freier Grafiker in Jena. Seit 1953 widmet er sich konsequent christlichen Themen – eine Entscheidung, die 1960 zum Ausschluss aus dem Verband Bildender Künstler führt; dennoch arbeitet er mit staatlicher Sondergenehmigung weiter. (Wikipedia)

Jena als Atelier des Glaubens

Franke prägt mehrere kirchliche Orte in Jena und Umgebung:

  • Gemeindezentrum Albert-Schweitzer, Wenigenjena (1960): ein Kupferkreuz mit dem segnenden Christus, dahinter ein rundes Mosaikfenster, dessen Strahlenkranz die Ewigkeit symbolisiert. (Wikipedia)
  • Dorfkirche Jenaprießnitz (1962): Farbverglasungen eines Lanzettfensters (Ost) und des Südfensters im gotischen Chor; ein Blick in den Chorraum zeigt noch heute die Handschrift Frankes. (Kirchenkreis Jena, Wikimedia Commons)
  • Lutherhaus Jena (Einweihung 1977): Relief an der Ostwand, Weltkugel mit Kreuz auf dem Dach und ein ausdrucksstarkes Altarfenster (1975). Franke beschreibt seine Idee als „Parabel im Fenster … von Gott kommend und wieder zu Gott gehend“, ein Bild dafür, dass Gottes Blick uns wirklich trifft. (Paraphrase nach den Gemeindeseiten.) (Wikipedia, Kirchenkreis Jena, Lutherhaus Jena, moderneREGIONAL)

Diese Arbeiten sind „Kunst am Bau“ – aber vor allem Theologie im Bild: klare Linien, reduzierte Formen, starke Symbole, die auch aus der Ferne sprechen.

Evangelisches Jungmännerwerk, Evang. Kirche in Thüringen und die Kunst für den Schaukasten

Harry Franke: Jahreslosung 1977; Linolschnitt

Über Jahrzehnte arbeitet Franke eng mit dem Evangelischen Jungmännerwerk zusammen, gibt Seminare zur Schaukastengestaltung und entwickelt sogar eine leicht nachschneidbare Schrift, mit der Ehrenamtliche saubere Typografie umsetzen können. Seine Linolschnitte, Jahreslosungs-Blätter und Leporellos zirkulieren in Gemeinden weit über Jena hinaus. (Wikipedia)

Wie greifbar das bis heute ist, zeigen Archivfunde: In der Evangelischen Medienzentrale (Landeskirchenarchiv Magdeburg) sind Bildstreifen „Apostel Jesu“ und „Bilder zur Schöpfung“ ausdrücklich mit Bildern von Harry Franke verzeichnet – Formate, die klassisch in Gruppenarbeit und in Schaukästen eingesetzt wurden. (landeskirchenarchiv-magdeburg.de)
Zeitzeugnisse aus Gemeinden erinnern zudem an die „Denkanstöße“ des Männerwerks (CVJM-Kontext), die sich explizit auf Vorlagen des Grafikers Harry Franke berufen – ein

Das Erbe – sehen, sammeln, weitergeben

Harry Franke – Gerhard Jahreis et al.: Gotteshäuser im Kirchenkreis Jena. https://d-nb.info/1246476460/04 2021 Dorfkirche Jenaprießnitz, Chorraum. Künstler der Buntglasfenster: Harry Franke; Foto: Günter Widiger

Wer heute nach Harry Franke sucht, wird fündig:

  • Vor Ort: Lutherhaus Jena (Relief, Dachkreuz, Altarfenster) und die Dorfkirche Jenaprießnitz (Fenster) sind öffentlich erlebbar. (Wikipedia, Kirchenkreis Jena)
  • Abbildungen online: Auf Wikimedia sind u. a. der Jenaprießnitz-Chorraum (Foto/Widiger) sowie Linolschnitte zur Jahreslosung (z. B. 1977/1980) dokumentiert – die Freigabe stammt von Frankes Tochter Lena Franke. (Wikimedia Commons, Wikipedia)
  • Archive: Die EMZ/ Landeskirchenarchiv Magdeburg verzeichnet Franke-Reihen (Rep. D 15-1104, Rep. D 15-1351 u. a.). Für Gemeindeprojekte lassen sich dort Scans anfragen – ideal für Schaukasten-Jubiläen oder Ausstellungen. (landeskirchenarchiv-magdeburg.de)

Harry Franke – Foto: Lena Franke Harry Franke: Jahreslosung 1980

Warum Harry Franke heute wichtig ist

Franke ist kein „Beiwerk“ der Kirchenräume, sondern ein Übersetzer: Er hat biblische Motive in eine visuelle Alltagssprache gebracht – tragfähig für die kirchliche Gemeinde- und Jugendarbeit, handhabbar für Ehrenamtliche, sichtbar in Stadt und Dorf. In einer Zeit, in der Kirche oft um Aufmerksamkeit ringt, erinnern seine Arbeiten daran, wie klare Form, starke Symbolik und gute Didaktik gemeinsam tragen.

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