Mit Verzeichnis der nicht mehr im neuen EG enthaltenen Lieder (Stand 26.03.2026)

Das neue Evangelische Gesangbuch kommt, und ich möchte das ausdrücklich nicht als Verlustgeschichte erzählen. Jedes Gesangbuch ist auch ein Zeichen von Bewegung: Kirche lebt nicht davon, dass alles bleibt, wie es war, sondern davon, dass Glaube in neuen Zeiten neu Sprache, Klang und Form findet. Darum ist es richtig, dass ein neues Gesangbuch nicht einfach nur das alte wiederholt. Es soll die Gegenwart aufnehmen, neue Stimmen hörbar machen und Menschen von heute geistlich begleiten.
Und doch bleibt bei aller Offenheit auch eine spürbare Wehmut. Denn ein Gesangbuch ist nie nur eine Sammlung von Texten und Melodien. Es ist ein Stück gelebter Frömmigkeit, Erinnerung und Glaubensbiographie. Viele Lieder tragen Generationen von Trost, Gebet und Hoffnung in sich. Wer sie singt, singt oft nicht nur Worte, sondern das eigene Leben mit: Kindheitserinnerungen, Beerdigungen, Konfirmationen, Adventsabende, Ostermorgen, Krankenbesuche, Abschiede und Neuanfänge. Wenn solche Lieder künftig nicht mehr im Stammteil stehen, dann ist das nicht bloß eine redaktionelle Entscheidung, sondern für viele auch ein emotionaler Einschnitt.
Das betrifft die älteren, tief in unserer Tradition verwurzelten Lieder ebenso wie manche neueren. Gerade das macht die Sache so ambivalent. Es geht nicht einfach um ein Gegenüber von „alt“ und „neu“. Auch moderne Lieder sind für viele längst Teil der kirchlichen Heimat geworden. Dass etwa „Laudato si“ nicht mehr enthalten sein soll, wird manche überraschen und schmerzen. Dieses Lied steht für eine eingängige, generationenübergreifende Frömmigkeit, für Schöpfungslob und eine Sprache, die viele Menschen unmittelbar erreicht. Sein Fehlen zeigt: Auch das, was einmal neu war, kann inzwischen Tradition geworden sein. Und anderseits steht eben auch bei diesem Lied der schale Beigeschmack des Missbrauches im Raum und es entsteht die Frage: Kann man Kunstwerk und Künstler bzw. Autor trennen?
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung: Ein neues Gesangbuch muss auswählen, und jede Auswahl bedeutet auch Verzicht. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber es sollte uns sensibel machen für die geistliche Bedeutung von Liedern. Denn Lieder sind nicht austauschbar. Sie prägen den Glauben, sie tragen Theologie ins Herz, sie stiften Gemeinschaft über Zeiten hinweg. Darum darf man das neue Gesangbuch begrüßen und zugleich bedauern, dass manche vertrauten und liebgewonnenen Lieder nicht mehr dabei sind.
Ich wünsche mir deshalb einen gelassenen und zugleich wachen Umgang mit dem neuen Gesangbuch. Kein Kulturkampf zwischen gestern und morgen, keine vorschnelle Abwertung des Neuen, aber auch kein Achselzucken gegenüber dem, was verloren geht. Kirche braucht beides: die Bereitschaft zum Aufbruch und die Liebe zur überlieferten Stimme des Glaubens. Vielleicht wird sich die Qualität des neuen Gesangbuchs am Ende gerade daran zeigen, ob es nicht nur Platz für Neues schafft, sondern auch ehrfürchtig mit dem umgeht, was viele Menschen über Jahrzehnte getragen hat.
Das vollständige Verzeichnis der Lieder aus dem EG-Stammteil, die in der vorläufigen Liederliste des neuen Evangelischen Gesangbuchs nicht mehr enthalten sind, findest du hier als PDF.
