Zwischen Aufbruch und Wehmut: Gedanken zum neuen Evangelischen Gesangbuch

Zwischen Aufbruch und Wehmut: Gedanken zum neuen Evangelischen Gesangbuch

Mit Verzeichnis der nicht mehr im neuen EG enthaltenen Lieder (Stand 26.03.2026)

Das neue Evangelische Gesangbuch kommt, und ich möchte das nicht als bloße Verlustgeschichte erzählen. Ein Gesangbuch darf und soll sich verändern. Kirche lebt nicht davon, einfach nur zu bewahren, was einmal war, sondern auch davon, den Glauben in neuer Sprache, mit neuen Liedern und neuen geistlichen Zugängen hörbar zu machen. Darum ist es gut und richtig, dass ein neues Gesangbuch nicht einfach nur eine Fortschreibung des bisherigen Evangelischen Gesangbuchs ist. Die vorläufige Liederliste zeigt genau diesen Anspruch: Sie will auswählen, neu akzentuieren und dem Singen der Gegenwart Raum geben. Zugleich ist diese Liste ausdrücklich noch ein Zwischenstand auf dem Weg zur endgültigen Fassung.

Und doch bleibt bei aller Offenheit eine spürbare Wehmut. Denn ein Gesangbuch ist nicht nur ein Arbeitsmittel für den Gottesdienst. Es ist auch ein Erinnerungsraum des Glaubens. Viele Lieder sind für Menschen mit Lebensgeschichten verbunden: mit Kindheit, Konfirmation, Advent und Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Trauung, Beerdigung, Trost und Neubeginn. Wenn Lieder aus dem Stammteil nicht mehr aufgenommen werden, dann ist das mehr als eine redaktionelle Veränderung. Es berührt gewachsene Frömmigkeit und kirchliche Heimat.

Die Kommunikation des Evangeliums: Wie Kirche in jeder Epoche die „neusten Medien“ genutzt hat

Die Kommunikation des Evangeliums: Wie Kirche in jeder Epoche die „neusten Medien“ genutzt hat

Wenn man Kirchengeschichte einmal unter dem Gesichtspunkt „Kommunikation“ liest, fällt ein Muster auf: Das Evangelium bleibt inhaltlich gleich – aber die Wege, auf denen es Menschen erreicht, verändern sich ständig. Und oft hat die Kirche sehr bewusst die jeweils modernsten Kommunikationsmittel genutzt (oder musste lernen, sie klug zu nutzen).

Die Entwicklung der Kommunikation (KI generiert)

Dabei gilt immer beides: Medien erweitern Reichweite – und sie prägen auch Form, Tempo und Erwartungen der Menschen. (Darum ist Mediengeschichte immer auch Kirchengestalt-Geschichte.)

1) Urchristentum: mündliche Botschaft, öffentliche Lesung, Briefe – und römische Infrastruktur

1.1. Jesus: Predigt „nah am Leben“ – im Resonanzraum der Synagoge und des Alltags

Jesus kommuniziert das Reich Gottes primär mündlich: Gleichnisse, Streitgespräche, Heilungserzählungen – alles Formen, die in einer überwiegend oral geprägten Kultur besonders „tragfähig“ sind. Gleichzeitig nutzt er vorhandene Kommunikationsräume: Synagogen als Orte der Schriftlesung und Auslegung, Feste als „Massenereignisse“, Pilgerwege als Multiplikatoren.