Gottes Musikgeschmack

Gottes Musikgeschmack

Über Musik, Gerechtigkeit und die Frage, was Gott eigentlich hören will

Hat Gott Musikgeschmack? (KI-generiert)

Hat Gott Musikgeschmack? Dazu hielt ein Freund von mir zu Ostern 2026 eine Andacht. Das regte mich an einmal dieser Frage nachzugehen.

Die Frage klingt zunächst charmant und ein wenig provokant. Man denkt schnell an menschliche Vorlieben: Mag Gott eher Bach oder Jazz, Choral oder Worship, Orgel oder Gitarre? Doch gerade diese scheinbar harmlose Frage führt mitten in ein theologisches Problem. Denn sie setzt bereits voraus, dass Gott ästhetische Vorlieben im menschlichen Sinn habe. Vielleicht ist das schon der erste Irrtum.

Denn biblisch gesehen geht es bei Musik vor Gott offenbar nicht zuerst um Stilfragen, sondern um Wahrheit, Beziehung und gelebte Gottesnähe. Musik ist in der Heiligen Schrift keine bloße Dekoration des Glaubens. Sie ist Lob, Klage, Erinnerung, Trost, Mahnung und Verkündigung. Sie prägt Menschen, bewahrt Heilsgeschichte und formt Gemeinschaft.[1] Darum greift es zu kurz, nach Gottes „Lieblingsstil“ zu fragen. Die entscheidendere Frage lautet: Wann entspricht Musik Gott?

Zwischen Aufbruch und Wehmut: Gedanken zum neuen Evangelischen Gesangbuch

Zwischen Aufbruch und Wehmut: Gedanken zum neuen Evangelischen Gesangbuch

Mit Verzeichnis der nicht mehr im neuen EG enthaltenen Lieder (Stand 26.03.2026)

Das neue Evangelische Gesangbuch kommt, und ich möchte das nicht als bloße Verlustgeschichte erzählen. Ein Gesangbuch darf und soll sich verändern. Kirche lebt nicht davon, einfach nur zu bewahren, was einmal war, sondern auch davon, den Glauben in neuer Sprache, mit neuen Liedern und neuen geistlichen Zugängen hörbar zu machen. Darum ist es gut und richtig, dass ein neues Gesangbuch nicht einfach nur eine Fortschreibung des bisherigen Evangelischen Gesangbuchs ist. Die vorläufige Liederliste zeigt genau diesen Anspruch: Sie will auswählen, neu akzentuieren und dem Singen der Gegenwart Raum geben. Zugleich ist diese Liste ausdrücklich noch ein Zwischenstand auf dem Weg zur endgültigen Fassung.

Und doch bleibt bei aller Offenheit eine spürbare Wehmut. Denn ein Gesangbuch ist nicht nur ein Arbeitsmittel für den Gottesdienst. Es ist auch ein Erinnerungsraum des Glaubens. Viele Lieder sind für Menschen mit Lebensgeschichten verbunden: mit Kindheit, Konfirmation, Advent und Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Trauung, Beerdigung, Trost und Neubeginn. Wenn Lieder aus dem Stammteil nicht mehr aufgenommen werden, dann ist das mehr als eine redaktionelle Veränderung. Es berührt gewachsene Frömmigkeit und kirchliche Heimat.