1. Einleitung: Warum die Reformation heute noch zählt
Martin Luther (KI generiert)
Kaum ein Ereignis hat die religiöse, geistige und gesellschaftliche Gestalt Europas so tief geprägt wie die Reformation des 16. Jahrhunderts. Was im Oktober 1517 mit Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg begann, war weit mehr als ein theologischer Streit um Ablassbriefe und kirchliche Missstände. Es war eine umfassende Erneuerungsbewegung des Glaubens, die das Verhältnis des Menschen zu Gott neu bestimmte.
Mitteldeutschland – die Region zwischen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt – war nicht nur geographischer Mittelpunkt dieser Bewegung, sondern auch ihr geistliches Herz. Namen wie Luther, Melanchthon, Spalatin, Bugenhagen oder Agricola sind untrennbar mit Orten wie Wittenberg, Erfurt, Altenburg oder Leipzig verbunden. Hier wurde nicht nur Theologie getrieben, sondern Weltgeschichte geschrieben.
Predigt zum Reformationstag 2019 – Deuteronomium 6,4-9 Einführung der Kirchenältesten – Kirche Frohnsdorf
ZITAT
5. Mose 6,4
?Höre, Israel,
der Herr ist unser Gott, der Herr
ist einer.?
So beginnt das wichtigste jüdische Gebet. Es ermahnt die Betenden, Gott zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde, heute ist der Tag im Jahr, an dem wir dem Reformationsbeginn vor etwas mehr als 500 Jahren gedenken. Reformation kommt vom lateinischen und bedeutet ja Widerherstellung und Erneuerung. Erneuerung – ich weiß nicht wie es euch ergeht, aber spätesten seit der Wende leben wir in der Evangelischen Kirche in einem ständigen Veränderungsprozess. Ich weiß, dass er vielen von uns nicht gefällt. Auch mir an vielen Stellen nicht. Auf jeden Fall lässt er uns nicht zur Ruhe kommen. Und nicht alles an ihm ist wirklich positiv, ja wir machen dabei viele negative Erfahrungen. Denn Reformation – Erneuerung bedeutet Veränderung und das kann auch sehr schmerzhaft sein. Es bleibt nicht mehr bei dem Alten und gewohnten Trott. Das musste auch Martin Luther zu seiner Zeit im Umgang mit seiner Kirche erleben. Wir erleben es heute im Umgang mit unserer Kirche. Und ich sage euch umso dankbarer bin ich, dass sich heute dennoch wieder unter euch, welche dazu bereitgefunden haben, auch weiterhin für die nächsten 6 Jahre für ihre Gemeinden Verantwortung zu übernehmen. Und wir erleben es auch im ganz persönlichen Leben wie Erneuerung und Veränderung bei uns, vielleicht in der Familie, in der Firma, oder auch in der Politik, wie auch bei den Wahlen am vergangenen Sonntag, wie Erneuerung schmerzhaft sein kann. Nun heute möchte ich es mit euch gerade in diesem Gottesdienst einmal exemplarisch am Volk Israel durchdenken. Den modernen Staat Israel gibt es ja nun seit 71 Jahren. Er wird immer wieder von manchen Staaten der Weltgemeinschaft und besonders von seinen Nachbarn in Frage gestellt. Aber für Israel in seiner 3500 jährigen und wenn man die Geschichten der Väter dazu zählt 4000 jährigen Geschichte ist das nichts neues. Denn solange das Volk existiert, wird es in Frage gestellt. Die Ereignisse vor ein paar Wochen in Halle machen uns das ja ganz deutlich. Das Volk hat eine sehr abwechslungsreiche und manchmal sehr tragische Geschichte erlebt, bis in unsere Neuzeit hinein. Eines der wichtigsten Ereignisse am Anfang seiner Geschichte war der Auszug aus Ägypten und die anschließende Wüstenwanderung. Vom Ende dieser Wüstenwanderung kurz vor der Landnahme, kurz vor der Einnahme des Landes Kanaan berichtet heute unser Bibeltext. Mose der Führer des Volkes Israel war nach anstrengendem Wirken alt geworden. Er weiß, dass er bald sterben wird.
Ich bin zwar nicht bei Kirche², doch ich fand im Twitter-Feed einige Gedankensplitter zum Plenum Glaube² vom 15.02.2013 in Hannover, die es sich lohnt, festzuhalten. Sie könnten Impulse sein, um über das Thema Kirche und Veränderung weiter nachzudenken:
Welchen Sinn haben Streichhölzer, die in ihrer Schachtel friedlich alt werden?
Immer mehr Senioren verschwinden im Internet, weil sie gleichzeitig alt und entfernen drücken.
Kirchenleute sind keine Tänzer im Regen, sondern Verkäufer von Regenschirmen – es braucht den Regenschirm, den der andere mir reicht
Evangelium: nicht nur die gute Nachricht, sondern auch die Nachricht vom Guten!
Ey, Alter sei der Piranha deines Lebens. Pack den Tag und lass ihn nicht mehr los. Das ist Glauben!
Sicher werden die meisten diese Frage mit „Ja“ beantworten. Ich natürlich auch. Auf jeden Fall die Leute, die sich zur Zeit in Hannover zum Kongress Kirche² treffen. Dabei geht es dort um neue frische Ausdrucksformen „fresh expressions“ von Kirche. Und das ist wichtig, dass wir in einer sich so rasant verändernden postmodernen und multikulturellen Gesellschaft über neue Ausdrucksformen von Kirche nachdenken. Der normale liturgische Sonntagsgottesdienst, die Bibelstunde oder die katholische Messe sind nicht mehr die einzigen Ausdrucks- und Lebensformen von Kirche.
Die Gemeinde braucht nicht glänzende Persönlichkeiten, sondern treue Diener Jesu und der Brüder. – Dietrich Bonhoeffer
Kirche am Meer – (c) sxc.hu/kingcarp
Es ist schon interessant, dass der Titel des Artikels aus einem Buch stammt, welches in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Osten Deutschlands erschienen ist und von dem Thüringer Oberkirchenrat Erich Friedl stammte “Handlanger auf Gottes Bauplatz”. Ich behaupte einmal, es ist (außer der Bibel) das mir “älteste” bekannteste neuzeitlichste Buch über missionarischen Gemeindeaufbau.
Wenn wir im Spirituellen Gemeindemanagement von der Erneuerung der Kirche und von Gemeindeaufbau sprechen und dabei solche Dinge wie Management und Marketing anwenden, dann wissen wir, dass dieses alles nur Werkzeuge auf dem Weg sind, Gottes Gemeinde zu bauen. Es sind menschliche Werkzeuge, die uns Gott gegeben hat, diese dazu einzusetzen. Doch bei allem muss uns klar bleiben, dass entscheidend das Wirken des Heiligen Geist ist. Wo dieser nicht wirkt, ist alles nur ein äußeres Geschehen und hat keine wirkliche Zukunft. Darum sollte immer unser demütiges Gebet sein: „Komm Gott, Schöpfer, Heiliger Geist!“
Viele Jahre war es her, dass die Letzten aus Jerusalem nach Babylon weggeführt wurden, die Stadt geschliffen und dem Verfall preisgeben wurde. Das alles war die Folge des Ungehorsams gegen Gott, des nicht mehr auf Gott vertrauen wollen, des die Sache selber in die Hand nehmen wollen.
Solche ähnlichen Niedergänge gab es und gibt es in der Geschichte der Kirche und in der Geschichte der Gemeinde immer wieder. Jetzt könnte man die alte Managerweisheit anwenden „Wenn dein Pferd tot ist, dann steig herab.“ Doch genau die ist hier fehl am Platz, das zeigt uns gerade Nehemia mit dem Wiederaufbau der Stadt Jerusalem. Das zeigte sich immer wieder in der Geschichte der Kirche, dass bei es Gott und seiner Gemeinde andere Möglichkeiten gibt.
Wer will, das Kirche bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.
(c) pieterbeen/sxc.hu
Rob Warner
Die Kirche vollzieht gegenwärtig einen großen Wandel. Vor 100 Jahren als nahezu einziger Sinnanbieter in unserer Gesellschaft agierte sie nach der endgültigen Trennung von Kirche und Staat dennoch wie eine Regierungsbehörde. Schon ihr Status als Körperschaft des öffentlichen Rechtes mit eigenen Gesetzen und eigener Gerichtsbarkeit zeigte dieses. Sie konnte sich sogar teilweise der Gerichtsbarkeit des Staates entziehen.
Ich fange einmal mit der Begriffsbestimmung, was Gemeinde ist, ganz nach meiner lutherischen Tradition an, nämlich mit der Confessio Augustana – dem Augsburgischen Bekenntnis. Da steht in Artikel 7:
VON DER KIRCHE
Es wird auch gelehrt, daß allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muß, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, daß das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht zur wahren Einheit der christlichen Kirche nötig, daß überall die gleichen, von den Menschen eingesetzten Zeremonien eingehalten werden, wie Paulus sagt: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,4.5).
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